Soldatische Bildung!

Der schönste Beruf ist der des gebildeten Soldaten – soll Goethe gesagt haben!
Nun was ist Bildung für den militärischen Führungsberuf?

Bildung ist die Anregung zur Entfaltung aller Kräfte des Soldaten, die Entwicklung zu einer reifen und ausgewogenen Persönlichkeit, die durch ihre Einzigartigkeit die Gesellschaft bereichert. Der gebildete Soldat kennt sich, seine Fähigkeiten und seine Gefühle. Er kann mit sich selbst umgehen, sich selbst besänftigen, Ängstlichkeit und Irritationen abschütteln. Er ist sich der Dimension und der Folgen seines Wissens und Könnens sowie der Vorzüge und Schwächen der anderen bewusst, weil er vieles durchdacht und erfahren hat. Erst das Denken und die Erfahrung lassen ihn reifen und zur Persönlichkeit werden. Er hat eine situationsbezogene Gelassenheit. Er ist neugierig auf das Neue und das Fremde. Anderes ist ihm immer Bereicherung und nie Bedrohung. Er ist fähig, sich in andere hineinzudenken, und sein Selbstwertgefühl ist nicht auf den Vergleich mit anderen angewiesen. Er ist in der Lage, von seinen unmittelbaren Interessen zu abstrahieren und Verantwortung für das Ganze wahrzunehmen, weil er gesamtheitlich denkt, freudig Verantwortung übernimmt und sich dieser bewusst ist. Er unterscheidet zwischen Schuld und Verantwortung, engagiert sich, motiviert sich selbst und weiß von sich aus, worum es geht. Durch die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren, kann er auf Gratifikationen und Bonifikationen verzichten. Im Bedarfsfall kann er Impulsität hintanhalten, aber auch sehr spontan und direkt sein. Er strebt nicht danach „von oben“ ein „Extra-Fleißkärtchen“ zu erhalten. Er achtet auf seine Selbstentfaltung mit Augenmaß und pflegt einen klugen Umgang mit dem Verstand und den Gefühlen der anderen. Er kennt sie und sortiert nach brauchbar und unbrauchbar. Er ist fähig, eine differenzierte, nuancenreiche und vielfältige, auch deftige Sprache zu führen. Er ist sich der Geschichtlichkeit seiner soldatischen Existenz bewusst, er ist fähig zur Reflexion, insbesondere im Bereich der Politik und Gesellschaftsentwicklung, und zeigt abseits des Zeitgeistes Zivilcourage! Er bewertet, nimmt an oder verwirft. Er lehnt Unmenschlichkeit ab und nimmt Glück wahr. Er weiß um die Grenzen der Toleranz. Er ist offen für die letzte Frage um das Leben, er weiß um sein Gewissen. Aber weil er gebildet ist, weiß er auch, dass Bildung im Leben nicht das Wichtigste ist: Er sieht nicht am Menschlichen vorbei.

Der gebildete Soldat kennt die entscheidende Wichtigkeit, Theorie und Praxis in wirklichkeitsgetreuer Arbeit so zu verbinden, dass daraus etwas Nützliches entsteht. Er versucht, nicht unentwegt Irrtümer zu begründen. Eben darum, weil er gebildet ist, weiß er auch, dass er all diesen Anforderungen niemals zur Gänze entsprechen wird, denn er ist auch bescheiden! Der österreichische Berufssoldat erfährt eine umfassende Bildung. Trotzdem ist zu fragen, ob zur Wissensbildung nicht auch ein hoher Anteil an „Ge-wissensbildung“ hinzukommen muss? Denn die Persönlichkeit des Soldaten ruht auf dessen Charakter und nicht auf den Talenten, Wissensbildung ohne Gewissensbildung kann zur „Missbildung“ ausarten. Zivilcourage ist der schönste Ausdruck umfassender Bildung. Denn, die Persönlichkeit ruht auf dem Charakter wie Goethe sagt. Und, wie unsere „Truppenführung“ feststellt, bildet sich Moral nicht von selbst.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Top
%d Bloggern gefällt das: