Buchbesprechung: Das Ende der SPÖ

Zeitlich hätte diese Neuerscheinung nicht besser programmiert sein können: pünktlich zur vorgezogenen Nationalratswahl 2017, erscheint diese Abrechnung mit Versäumnissen, Fehlern und personellen Missgriffen der österreichischen Sozialdemokratie in der Zweiten Republik. Ist der Titel auch überzeichnet, so kommt immerhin der Untertitel den Tatsachen nahe: „Von der absoluten Mehrheit in die Bedeutungslosigkeit".

Errang die einst staatstragende Partei unter „Sonnenkönig“ Bruno Kreisky, anno 1979 noch satte 51,03 Prozent der Wählerstimmen, dümpelt sie gegenwärtig bei unter 30 Prozent dahin. Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik, ist es ihr als der den Kanzler stellenden Regierungspartei gelungen, bei einer Nationalratswahl nur als zweiter ins Ziel zu kommen – und das nur knapp vor den drittplatzierten Freiheitlichen. Blamabel. Victor Adler und Bruno Kreisky werden vermutlich in ihren Gräbern rotieren.

Auf kurzweilige, ironisch pointierte, aber keineswegs bösartige Weise, geht der Autor den Gründen für den systematischen Abstieg der einstigen Partei der werktätigen Massen auf den Grund. Serienweise Skandale, offensichtlicher Ziel- und Identitätsverlust, sowie unattraktives Führungspersonal, bilden die Hauptgründe für den stetigen Wählerschwund. Das Auftauchen des charismatischen Populisten Jörg Haider Mitte der 80er-Jahre, dessen Kür zum Chef der FPÖ und die darauf folgende Ausgrenzungsstrategie („Vranitzky-Doktrin"), hat den Wählerverlust nur noch weiter beschleunigt und die Freiheitlichen gestärkt. Jetzt waren und sind es eben sie, die den Finger am Puls der kleinen Leute haben, nicht mehr eine zum korrupten Macht- und Pfründenerhaltungsverein degenerierte Sozialdemokratie. Die Facharbeiter, die einst die roten Kerntruppen bildeten, stehen heute mehrheitlich im blauen Lager.

Auch der Tod des intelligenten und eloquenten Herausforderers Haider, der überaus erfolgreich in den roten Arbeiterhochburgen wilderte, brachte keine Trendwende. Die beinahe schon neurotisch wirkende Ausgrenzungspolitik, nahm und nimmt den Genossen vielmehr jeden Verhandlungsspielraum und zwingt sie zur ungeliebten Dauerkoalition mit der zweiten großen Volkspartei, der ÖVP.

Zu allem Überfluss trägt der kometenhafte Aufstieg des schwarzen Jungstars, Sebastian Kurz, zum weiteren Niedergang der Sozialisten bei. Denn er, und nicht die Roten, scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und auf die richtigen Themen zu setzen. Der politische Trend ist im Jahr 2017 kein Genosse mehr. Wenn die SPÖ sich nicht alsbald neu erfindet, wird ihr Weg in die Bedeutungslosigkeit unumkehrbar.

Das Ende der SPÖ
Martin Sörös
Verlag Frank 6 Frei
233 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-9504348-5-9
19,- Euro


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