“Der EU Apparat ist ein potemkinsches Dorf – und das ist noch nett ausgedrückt.”

Herr Broder, die Deutschen Wirtschaftsnachrichten berichteten dieser Tage von einer eigenen Umfrage, nach der die Abgeordneten des Deutschen Bundestages mehr Brüssel und weniger Deutschland möchten. Meinen Sie, es macht Sinn,  im Bundestag Ihr Buch zu verteilen?

Es könnte nicht schaden. Ich frage mich, was die Abgeordneten meinen, wenn sie sagen “mehr Brüssel und weniger Deutschland”. Vielleicht wollen sie auch nur jeden zweiten Tag frei haben, um ausschlafen zu können, so wie ich. Dafür hätte ich das allergrößte Verständnis.

Sie bezeichnen die EU in Ihrem Buch als ‘Kopfgeburt’. Man verwendet diesen Begriff, um etwas zu bezeichnen, was sich jemand ausgedacht, ersonnen hat. Wie schaffen es die EU-Politiker, sich mit einer Aura zu umgeben, dass praktisch niemand sie in Frage stellt?

Die EU wird inzwischen von immer mehr Leuten in Frage gestellt. Ich erlebe bei meinen Lesungen, dass diese Frage die Leute mittlerweile immer mehr umtreibt, wahrscheinlich noch mehr als die angebliche Klimakatastrophe. Statt Kopfgeburt hätte ich auch sagen können, man hat bei einem Hausbau mit dem Dach angefangen, statt mit dem Fundament, das kann auch nicht funktionieren. Ich bestreite nicht, dass eine Zusammenarbeit in Europa über Grenzen hinweg ein wirklich gute Idee ist: offene Märkte, freier Handel, freie Wahl des Arbeits- oder Studienplatzes. Wenn ich heute über den Ku’damm gehe und sehe, wer da neben mir geht, wer hier arbeitet, wie viele Völker hier zusammenkommen, dann finde ich das sehr extrem positiv. Ich glaube nur nicht, dass man hierfür einen Apparat braucht, der sich zu einem Staat über den Staaten entwickelt hat.

Welche Erfahrungen haben Sie denn bei Ihren Vorlesungen gemacht, was den Wissenstand Ihrer Zuhörer rund um die EU betrifft?

Immer wenn ich Lesungen halte, stelle ich den Zuhörern einige Fragen, um deren Wissenstand zu testen. Erst gestern fragte ich, ob jemand weiß, wer Rainer Wieland ist. Er ist einer von vierzehn Vize-Präsidenten des EU-Parlamentes. Niemand wusste das. Es wusste auch niemand, dass ein Parlament, das nur 18 Mal pro Jahr tagt, 12 Mal in Straßburg und sechs Mal in Brüssel, gleich vierzehn Vize-Präsidenten braucht.
(http://www.europarl.europa.eu/plenary/de/meetings-search.html) Ab und zu frage ich,: „Wissen Sie, was EAD bedeutet?’ – EAD bedeutet Europäischer Auswärtiger Dienst. Europa hat keine Außenpolitik, es hat aber einen Auswärtigen Dienst, der in 136 Delegationen weltweit über 7000 Mitarbeiter beschäftigt. (http://de.wikipedia.org/wiki/EuropäischerAuswärtigerDienst) Jenseits unseres Horizontes ist ein gigantischer Apparat entstanden, der weitgehend damit beschäftigt ist, sich selbst zu organisieren, sich selbst zu verwalten und sich selbst zu versorgen. So einen Apparat los zu werden, ist eine ‘mission impossible’. Das Einzige, was ich leisten kann, was wir leisten können, ist uns bewusst zu machen, was da gerade vor unser aller  Augen passiert, ohne dass wir es wahrnehmen.

Quelle…


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