Eine Lanze für die Kleinstaaterei

Von Andreas Tögel

„Alternativlos“ ist einer der Lieblingsbegriffe der regierenden Eliten der EU. Eine mit dem Endziel der Errichtung eines Europäischen Bundesstaates immer weiterführende europäische Integration, die Rettung des Euro um jeden Preis, eine Haftungs- und Schuldenunion, die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch – all das wäre demnach „alternativlos“. Nicht nur der einzelne Bürger, sondern auch einzelne Nationen wären unausweichlich dem Untergang geweiht, würden sie sich nicht zu einem zentral regierten Imperium zusammenschließen. Nur die Größe zählt. Wer widerspricht, ist ein Provinztrottel oder ein dumpfer Nationalist.
Diesen kruden Parolen, die von Eurokraten und gleichgeschalteten Medien unentwegt getrommelt werden, treten die beiden Autoren vehement und mit wohlfundierten Argumenten entgegen. Der Austritt der Briten aus der EU könnte ihrer Meinung nach den Anfang vom Ende der EU einläuten. Denn andere Nettozahler könnten folgen. Und als Verlierersyndikat verlöre die Union auch noch ihren letzten Sinn.
Mit Hinweisen auf das Schicksal großer Reiche der Vergangenheit, weisen Andreas Marquart und Philipp Bagus nach, dass es kleine Einheiten sind, die dauerhaften Bestand haben. Aber nicht nur das: Der Wettbewerb unter benachbarten Kleinstaaten, schafft erst die unabdingbaren Voraussetzungen für Innnovation, Wohlstand und eine hochstehende Kultur. Man denke an das „Land der Dichter und Denker“, das bis 1871 einen Flickenteppich kleiner und kleinster politischer Einheiten darstellte. Grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen sind auch für den Frieden förderlich, denn Handelspartner pflegen eben nicht aufeinander zu schießen.
Dass es das zersplitterte und politisch uneinige Europa war, das sich mit Beginn der Neuzeit anschicken konnte, die Welt zu erobern und nicht das zu dieser Zeit technologisch noch überlegene, geeinte chinesische Großreich, spricht eine deutliche Sprache.
Je größer die Einheit, desto stärker die „Reibungsverluste“, die sich in Folge des zunehmenden Informationsproblems, unvermeidbarer Korruption und der Tendenz jeder Bürokratie, ständig zu wachsen, einstellen. Wie formulierte Leopold Kohr: „Small is beautiful“. Die wahren Europäer sind nicht die Zentralisten und Einfaltsfetischisten, sondern die Befürworter und Bewahrer der in Jahrtausenden gewachsenen Vielfalt der Alten Welt.
Mit zahlreichen historischen und rezenten Beispielen wird belegt, dass kleine politische Einheiten ihren Bürgern sowohl mehr Freiheit und Wohlstand, als auch mehr Sicherheit bieten. Größe führt zur Anmaßung der politischen Eliten im Inneren wie im Außenverhältnis und zu einer erhöhten Kriegsgefahr. Macht und Größe nutzt nur dem Ego selbstverliebter Politiker im Cäsarenwahn, niemals aber den Bürgern und schon gar nicht den Nettosteuerzahlern.
Die beiden am Ende des Buches gebotenen Szenarien (entweder der zentralistisch beherrschte europäische Bundesstaat oder die Rückkehr zu kleinen, selbststimmten Einheiten), machen klar, dass die Bürger Europas nach dem Brexit vor einer weitreichenden Grundsatzentscheidung stehen.

Wir schaffen das – alleine
Andreas Marquart, Philipp Bagus
Finanzbuchverlag, 2017
157 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-95972-043-4
14,99,- Euro



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