Gewalt kommt immer von rechts.

Gewalt kommt immer von rechts. Linke sind niemals gewalttätig! Echt jetzt?

Die Rauchschwaden nach den beispiellosen Ausschreitungen in Hamburg hatten sich noch nicht so recht verzogen, da brachen auch schon Erklärbären beiderlei Geschlechts durchs Unterholz, um jede Verwicklung linker Kräfte in die Gewaltorgie zu bestreiten. Allen voran Geistesathleten vom Kaliber eines Martin Schulz, einer Jutta Ditfurth oder eines Ralf Stegner. Letzter ließ via Internet wissen: „Gewalt von Rechts ist die Regel“ und „Demokratische Linke habe überhaupt nix mit kriminellen Gewalttätern gemein.“
Wir lernen daraus: Alle bisherigen Erkenntnisse zum Phänomen des roten Totalitarismus, bedürfen einer gründlichen Revision. Karl Marx, der in seinen Schriften zwar nie explizit zur Gewalt aufgerufen, diese sicherheitshalber aber auch niemals ausgeschlossen hat, wenn es um die Schaffung seines roten Utopia ging, war demnach schon einmal kein Linker. Wladimir Lenin, der sich an die Verwirklichung der Diktatur des Proletariats machte, natürlich auch nicht. Der Mann entfesselte ja bekanntlich – Hand in Hand mit Männern von Schlage eines Lew Bronstein -, gnadenlose Gewaltorgien. Da Gewalt aber, siehe oben, stets von rechts kommt, waren er und seine mörderische Bolschewikenbande also keine Linken. Vermutlich wurden sie, gut verdeckt, im Auftrag amerikanischer Plutokraten tätig. Und Josef Stalin, Mao Zedong, Pol Pot oder Ernesto Che Guevara (letzterer fungiert interessanterweise bis in unsere Tage als einer der Säulenheiligen junger und alter linker Irrläufer), hatte mit einer linken Gesinnung sowieso nix zu tun. Diese Männer waren lediglich Symptome bedauerlicher historischer Irrtümer und vermeidbarer Fehlentwicklungen. Mit echter linker Gesinnung hatten sie jedenfalls nicht die Bohne zu tun.
Das gilt natürlich auch für die Nationalsozialisten, die zwar rote Fahnen schwenkten, den Begriff „sozialistisch“ im Namen führten, sich als strikt egalitär-kollektivistische Arbeiterpartei betätigten, antikapitalistische, antiklerikale und antiliberale Politik betrieben und deren Protagonisten sich durch die Bank selbst als Linke sahen, aber in Wahrheit natürlich niemals welche waren! Schließlich griffen sie ja zu Gewalt als Mittel zum Zweck und konnten schon allein deshalb keine sein (über die Zirkularität dieser Argumentation hat Michael Klein kürzlich einen hervorragenden Beitrag auf ef-online veröffentlicht).
Die Parallelen sind unübersehbar: Wenn Moslems Hochhäuser zum Einsturz bringen, Züge in die Luft sprengen oder auf andere Weise Massaker an harmlosen Mitbürgern verüben, hat das mit dem Islam rein gar nix zu tun. Wenn linke Organisationen zu Höllenspektakeln aufrufen, diese vorbereiten und – unter dem wohlwollenden Beifall anderer linker Organisation – dann tatsächlich auch verwirklichen, hat das mit linker Gesinnung nix zu tun. Die Schuld liegt in beiden Fällen immer ganz woanders, als da wären: Kulturrassismus, Ethnozentrismus, Kapitalismus, Neoliberalismus, Globalisierung, Sexismus und die heteronormative Kraft des Faktischen. Allesamt ultrarechts fundierte Phänomene, denn, siehe oben – Gewalt kommt niemals von links.
Abgesehen von der empirisch-historischen Evidenz, die den Irrwitz all dieser flügellahmen Versuche zum Freispruch linker Gewalttäter offenbart (schlag nach im „Schwarzbuch des Kommunismus“), lässt sich auch auf theoretischer Ebene leicht der Beweis führen, dass linke Politik niemals ohne Gewalt auskommen kann – in keinem Fall, wiewohl nicht unbedingt Blut fließen muss. Jedenfalls nicht immer und nicht sofort.
Im Mittelpunkt linker Ideologie steht der Egalitarismus. Jede linke Politik ist daher notwendigerweise auf Gleichmacherei gerichtet, die kontrafaktisch gerne als „Gerechtigkeit“ und „Fairness“ verkauft wird. Gleichgültig, ob es um Ergebnisgleichheit, das Ziel orthodoxer Sozialisten geht, oder um den etwas moderneren Schmäh der Chancengleichheit, die von Bobos und anderen zeitgeistigen Linken beschworen wird: beide sind ohne Gewalt nicht zu erreichen.
Soll jeder gleich viel haben, liegt auf der Hand, dass das ohne (staatlich) erzwungene Umverteilung nicht zu machen ist. Schließlich gibt es eben gescheite und blöde, fleißige und faule Zeitgenossen, die es im Leben unterschiedlich weit bringen. Daher muss dem Tüchtigen genommen werden, um es dem Versager zu geben – und um die Umverteilungsbürokratie zu finanzieren. Dass aber jedermann die Früchte seiner Arbeit mit Typen teilen teilen soll, die selbst nichts dazu beigetragen haben, werden – in Abwesenheit hoheitlicher Zwangsmittel – nicht alle einsehen. Nicht wenige werden ihr rechtmäßig erworbenes Eigentum behalten, um es für sich und ihre Angehörigen zu verwenden. Also müssen die Erfüllungsgehilfen des sozialistischen Umverteilungsstaates Gewalt gegen diese Menschen anwenden oder ihnen zumindest androhen, um sie zur Herausgabe ihres Eigentums zu nötigen. Ergebnisgleichheit ohne Gewaltanwendung herzustellen, ist ausgeschlossen.
Wie steht es mit den Schalmeienklängen von der Herstellung gleicher Chancen für alle? Auch die muss an der naturgegebenen Verschiedenartigkeit der Menschen scheitern. Einer ist gesund, intelligent, gutaussehend und Spross einer wohlhabenden, bildungsaffinen Familie, ein anderer dagegen körperbehindert, strohdumm, hässlich und Sohn einer crackabhängigen Nutte und eines ungelernten Alkoholikers. Das ist bedauerlich für letzteren und wird dessen Aussichten, in seinem Leben etwas zu erreichen, nicht begünstigen. Welche Register müssen also gezogen werden, um ihm „Chancengleichheit“ mit der feschen Intelligenzbestie zu garantieren? Selbst durch den Einsatz modernster Medizin, bester Schulen, unter unentwegter Gabe hirnleistungssteigernder Medikamente und dem Einsatz modernster Kosmetika, würde in diesem Fall kein Wunder geschehen und Gleichstand zwischen beiden erreicht werden. Und selbst wenn, verbliebe immer noch das Problem des „schlechten Stalls“, dem einer der beiden entstammt.
Fassen wir also zusammen: Da man aus behinderten, hässlichen Dumpfbacken eben keine schönen Nobelpreisträger machen kann, muss an der Gegenseite angesetzt werden. Nivellieren lässt sich bekanntlich nur nach unten, niemals nach oben. Chancengleichheit zwischen den beiden Genannten könnte nur bestehen, wenn man dem Schönling das Gesicht zerschlägt, einen Arm amputiert, ihn einer Lobotomie unterzieht und ihn dem (positiven) Einfluss seiner Eltern entzieht. Nur dann könnte der andere mit ihm gleichziehen. Es gibt übrigens tatsächlich (linke) Phantasien, wonach das Glück der Minderbemittelten durch systematische Benachteiligung der Bessergestellten zu befördern sei. Wie auch immer das wissenschaftlich verbrämt daherkommt (z. B. „Gerechtigkeit als Fairness“ / John Rawls oder „Sphären der Gerechtigkeit“ / Michael Walzer) – ohne den Staat als Gewalt- und Zwangsanwender klappt´s nicht. Zumindest nicht, solange es Gentechnologen und Fortpflanzungsmedizinern noch nicht gelungen ist, endlich den „Neuen Menschen“ zu züchten, auf den die Linke seit jeher wartet.
Wer daher behauptet, Gewalt könne nicht von Linken mit einem reinen Herzen kommen, hat entweder keine Ahnung, oder lügt wie gedruckt. Denn linke Ideologie ist aus offensichtlichen Gründen ohne Gewaltanwendung schlicht nicht umzusetzen. Außerhalb eines Kibbuz jedenfalls niemals und nirgendwo.

Von Andreas Tögel



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