Kakanistan und seine Performances

**von Beatrix Pirchner**

Von jedem, der einer rechtschaffenen Tätigkeit nachgeht, wird eine zufriedenstellende Performance erwartet, ob Arzt, Lehrer, Architekt, Gemüsehändler, Friseur, Bierbrauer, Hebamme oder Ringelspielbremser. Die Frage nach einer guten, soliden und professionellen Performance wird immer dringender in Zeiten der Auflösung bewährter Standards, wovon Schulen, Universitäten, Ämter und sämtliche Institutionen bereits empfindlich betroffen sind. Vor allem in der Privatwirtschaft ist eine solide Performance unerlässlich, andernfalls die Betriebe Schaden erleiden oder letztlich in Konkurs gehen, wobei in allen Fällen zahlreiche Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen und wirtschaftliche Verluste zu Buche schlagen. Vom Imageverlust ganz zu schweigen.

Aber ausgerechnet in der Politik wird weder vor noch nach der Personalentscheidung nach rechtschaffenen Performance-Kriterien gefragt. CVs und Berufsbiografien scheint Nachrang bis Bedeutungslosigkeit eingeräumt zu werden. Ein erfolfreich abgeschlossenes Studium, harte Jahre der Berufspraxis etwa in einem Konzern oder in einem anderweitigen privaten Unternehmen, Upgradings zur Firmenleitung aufgrund ausgezeichneter Leistungen. Personalführungskompetenz, Organisationsstärke und Verhandlungsgeschick, diplomatisches, gepflegtes Auftreten, Höflichkeit, überhaupt ein angemessener Code-of-Conduct, sowie professionelle Beherrschung einer oder mehrerer Sprachen – ausgerechnet diese unverzichtbaren Kriterien vermisst man am häufigsten in den Lebensläufen so vieler Politiker.

Es erstaunt, wieviele Studienabbrecher das Parlament beheimatet, wieviele lückenhafte Biografien auf Vervollständigung warten, wie wenig echte Berufspaxis und Sprachkenntnisse zuweilen genügen, ein staatstragendes Amt anvertraut zu bekommen. Ohne Scham wird in manchen Biografien eine nichtssagende Tätigkeit als „Berater“ im Vorstand einer Institution oder einer Firma angeführt, und dieses unmittelbar nach Studienabbruch. Der rote Handlungsfaden zieht sich durch eine beruftspraktische und wirtschaftsfremde Parteikarriere, wobei sich nicht selten erklärt, warum so ein junger No-name es eines Tages bis ganz nach oben geschafft hat: durch unablässiges  An- und Abdienen in den diversen Partei-Gremien, deren „Vorstand“ er oder sie einmal dargestellt hat, sei es aufrgund von Sympathie-pushings oder sonstiger After-Promotionen innerhalb eines enklavisch abgedichteten Parteiapparates.

Von solchen Figuren und deren „Kompetenzen“ wird dann die Qualität von ganzen Nomenklaturen geprägt, deren Performances sich dann in erbärmlichen Ergebnissen zeigen. Außer Absitzen, Platzhirscheln, Pfründesichern und Hohlphrasendreschen egibt sich nicht viel Darstellerpotenzial, was sich dann in den politischen Handlungs- und Entscheidungskatastrophen deutlich niederschlägt. Wenn No-names Politik machen, heißt das Ergebnis so gut wie immer: „das dröhnende Nichts“. Reformen werden wenig klug entworfen und so lange hinausgezogen, bis sie von der Zeit überholt werden, noch werden sie jemals implementiert. Was dann ja obsolet wäre. Die großen Agenden umschifft man mit provinzieller Grandezza, wobei man den kleinen bis entbehrlichen ungemeines Augenmerk schenkt. ZB. das totale Rauchverbot in der Gastronomie. Greißlerprojekte.

Fast jeder Politiker braucht heute einen riesigen Stab an Beratern und Experten, besonders das Quotenfemininum (erinnere an Claudia Schmied), was den Steuerzahler Millionen kostet und an Ergebnissen wenig bis so gut wie nichts bringt, außer ziemlichen Ärger und Konfusion. Wenn man zudem Zeuge der Auftritte unserer hochbezahlten und gecoachten Darsteller sein muss, wünscht man sich in jenem Moment, viel lieber einer Aufführung des originären Wiesinger Bauerntheaters beizuwohnen als den aufgehübschten Bundes-Hampeln dabei zuzusehen, wie sie sich unter der Regie ihrer Patschertheit kosmopolitisch und souverän geben und dabei eine Rhe- und Motorik liefern, die Reizdarm-stiftend ist. Schäm. Von ihrem defizitären Sprachtalent befremdet, sucht man verzweifelt nach würdigeren Anhaltspunkten wie etwa einen inhaltlich respektablen Vortrag, vernünftige Beschlüsse oder wenigstens angemessenes Outfit, was manches vielleicht verzeihen würde. Pech. Die parlamentarischen Krämer, pares inter pares, scheren sich wenig um solche „Nebensächlichkeiten“, die allerdings vonnöten wären, wenn man Staat und Volk vertritt. Sie jedoch repräsentieren vor allem sich selbst: ihr zuweilen intransparentes Herkunftsmilieu, ihre allzu oft fehlende Bildung, ihre Kinderstube, ihr erstaunlich mikro-radiales Weltbild, ihren nundelaugigen Mindset.

So gesehen muss sich keiner wundern, wenn seitens der Hauspolitik entsprechende Performances geboten werden. Sie sind nicht nur oft unzulänglich bzw. ergebnisarm, sondern mitunter lächerlich, beschämend und rohrkrepiererisch. Österreich, der Phäakenstaat, der Lunapark des Submediokren, das kleine Reich proletischer Kaiser und Hofschranzen, die sich auf Habsburgerstühlen situationselastisch auspfurzen und aus royalem Geschirr äsen, dazu mit dem kaiserlichen Staatssilber die zarten Teller zersägen und sich auf den ranghohen Schritt trenzen. Kakanistan heute. Der Weg ist das Ziel. Bon voyage!


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