Leseempfehlung: Die gefährlichste aller Religionen

Von Andreas Tögel

In diesem Buch geht es, anders als man auf den ersten Blick vermuten könnte, nicht um die Kritik an einer der großen traditionellen Religionen, sondern um den weltweit verbreiteten, fatalen Glauben an die (staatliche) Autorität.
Ausgehend vom Nichtaggressionsprinzip, das den Einsatz von Gewalt nur zu Verteidigungszwecken erlaubt, weist der Autor, der sich selbst als Anarchist und „Staatsfeind“ bezeichnet, anhand theoretischer Überlegungen und vieler praktischer Beispiele nach, wie durchwegs negativ Autoritäts- Regierungs- und Staatsgläubigkeit das Denken und Handeln der Menschen beeinflusst. Nicht die wenigen Bösen sind das Problem, sondern die vielen Guten, die der Illusion erliegen, Autorität würde per se moralisches Handeln garantieren. Wer politische Autorität akzeptiert, stimmt der Umwertung aller Werte zu. Individuell verwerfliches Verhalten erhält Akzeptanz, wenn es durch Regierungsagenten gezeigt wird.
Millionen rechtschaffener Zeitgenossen, für die kein Zweifel daran besteht, dass es ein Verbrechen wäre, ihren Nachbarn auszurauben, finden nichts Schlimmes daran, wenn die Regierung im Zuge der Besteuerung genau das tut. Menschen, die nie auf die Idee kommen würden, ihren Nächsten die eigenen Moralvorstellungen gewaltsam aufzuzwingen, würden diesem andererseits nicht beistehen, wenn die Regierung es tut – etwa beim Vollzug der Waffen- oder Drogengesetzgebung.
Der logische Grundsatz, wonach niemand ein Recht an Dritte delegieren kann, über das er selbst nicht verfügt, ist in der Sekunde vergessen, in der eine gewählte Regierung sich anschickt, gegen die eigenen Bürger vorzugehen und diese für Übertretungen willkürlich erlassener Regeln und Verbote zu bestrafen (insbesondere für „opferlose Verbrechen“). Wer gibt Regierungen das Recht, im Namen Dritter oder aus eigenem Gutdünken Zwang auf Bürger auszuüben, die keinem anderen schaden und deren einziger Wunsch darin besteht, in Ruhe gelassen zu werden?
Die „Tyrannei des Status quo“ ist indes übermächtig. Eine Zivilisation ohne Regierung, ist für die meisten Zeitgenossen schlicht undenkbar. Ohne Generalplan und hoheitliche Steuerung geht in ihrer Vorstellung gar nichts. Dass der größte Teil des Lebens aber völlig „chaotisch“ und „anarchisch“ abläuft – keine Regierung steuert und lenkt etwa die Produktion von Lebensmitteln und Bekleidung oder die Gründung von kleinen Unternehmen, die die Masse der Arbeitsplätze stellen – wird gar nicht bedacht.
Der „religiöse Glaube an die Autorität“ versetzt einen kleinen Klüngel von gewaltbereiten Banditen, der sich Regierung nennt, in die Lage, Millionen zu beherrschen, auszubeuten und zu unterdrücken. Diese „Schere im Kopf“ zu zerbrechen, ist der Schlüssel auf dem Weg zur Freiheit.

Die gefährlichste aller Religionen
Larken Rose
Juwelen-Verlag 2016
354 Seiten, gebunden
ISBN: 378-3-945822-58-6
19,90 Euro
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