Unternehmer auf verzerrten Märkten (2)

###Symposion des Instituts für Wertewirtschaft

Der Wunsch, nach der Ausbildung beruflich selbständig erwerbstätig zu werden, ist, insbesondere bei der Bildungselite, stark unterentwickelt. Wer studiert hat, strebt gewöhnlich eine Staatsanstellung an. Im Rahmen einer Veranstaltung des Wiener Instituts für Wertewirtschaft (www.wertewirtschaft.org) beleuchteten Gelehrte und Wirtschaftstreibende, verschiedene Aspekte unternehmerischen Handelns in einer zunehmend hoheitlich regulierten Welt.

Der Privatgelehrte und Wirtschaftsphilosoph Rahim Taghizadegan stellte sein Referat unter den Titel „Big Business statt Unternehmergeist?“ und befasste sich mit Fragen der Privilegierung der Großen und Chancen der Kleinen.

Auch eine Planwirtschaft funktioniere nicht ohne Märkte. In der Sowjetunion seien immerhin rund 40 Prozent der Wirtschaftsleistung außerhalb ihrer Planwirtschaftsstrukturen erbracht worden. Anderseits gäbe es keinen Markt ohne Plan. Jeder private Unternehmer plane seine Aktivitäten. Fehlerhafte Annahmen oder unerwartet eintretende Ereignisse, könnten indes die Planungen über den Haufen werfen und den Betrieb zum Scheitern verurteilen.

Staatlicher Interventionismus, der heute bevorzugt den Großen helfe, habe ursprünglich den Schutz der Kleinen bezweckt. Skaleneffekte würden nicht ausschließlich die Großen begünstigen, weshalb Konzentrationsprozesse irgendwann ihr natürliches Ende finden würden. Außerdem gäbe es auch negative Skaleneffekte (etwa in der Landwirtschaft). Bei zunehmender Größe von Unternehmen komme es zu exakt jenen Kalkulationsproblemen, die Ludwig Mises für sozialistische Planwirtschaften beschreibt.

Künstliche Skaleneffekte könnten durch die Steuergesetzgebung eintreten. Die steuerliche Begünstigung des Einsatzes von Fremdkapital gegenüber eigenen Mitteln, sei ein Beispiel dafür. Die Dynamik wirtschaftlichen Handelns begünstige die Qualität des Kapitals gegenüber dessen Quantität. Kleine Betriebe könnten etwa präziser kalkulieren als große. Um die Arbeitszufriedenheit sei es, dank besserer Sinnerkenntnis, in kleinen Unternehmen besser bestellt, als in großen.

Big Business und Big Government ähnelten einander – was deren in vielen Fällen symbiotisches Verhältnis zueinander erkläre. Das beste Mittel gegen die Verkrustung der Wirtschaft sei ein kleinräumiges Unternehmertum, das dem Konsumenten bestmöglich diene. Die Dominanz (weniger) Großer sei ein paradoxes Kennzeichen eines verzerrten Marktes.

Der Unternehmensberater, Restrukturierungs- und Unternehmensfinanzierungsspezialist Georg Schabetsberger widmete sein Referat dem „Unternehmertum im Hochsteuerstaat – Innovation vs. Planwirtschaft“. Er ging der Frage nach, welche Wirkung die Steuerpolitik auf Innovationen – und damit auf die nachhaltige Sicherung des Wohlstands einer Gesellschaft – ausübt.

Der französische Ökonom Jean Baptiste Say habe bereits vor 150 Jahren jede Besteuerung als Angriff auf, bzw. die Bestrafung von Erwerb und Produktion von Eigentum identifiziert. Jede Steuer transferiere Mittel weg von (privaten) Produzenten, hin zu staatlichen Konsumausgaben. Es sei daher „absurd anzunehmen, daß Besteuerung einen positiven Beitrag zum nationalen Wohlstand leisten soll, indem ein Teil dieses Wohlstandes verkonsumiert wird.“ Besteuerung würde Anreize zugunsten des Konsums und zur Erhöhung der Zeitpräferenzrate setzen. Die damit verbundene Verkürzung der Produktionsstruktur führe letztlich zur Kapitalaufzehrung.

Aus der Korrelation hoher Steuerlasten mit großem Wohlstand werde oft der Schluß gezogen, daß letzterer eine Folge der Besteuerung sei. Das sei falsch. Da Steuern zu einer Erhöhung der Opportunitätskosten für die Unternehmer führten, folge daraus eine Reduktion der Produktion. Es handle sich demnach um einen klassischen „post hoc ergo propter hoc“ – Trugschluß. Aus dem Umstand, daß reiche Menschen viel konsumierten, wäre ja mitnichten der Schluß zu ziehen, daß Konsum reich mache…

Auch die Behauptung, der Staat müsse dort als Investor (und Träger des Fortschritts) auftreten, wo die erforderlichen Mittel die Möglichkeiten privater Akteure überstiegen, sei fragwürdig und empirisch nicht belegbar. Oft genug würde Invention mit Innovation verwechselt. Letztere würde erst nach einen harten Test durch den Markt als solche gewürdigt und bestätigt werden. Diesem Test brauchten sich staatliche Projekte nicht zu unterziehen, wie das Beispiel der „erneuerbaren Energien“ zeige. Selbst katastrophal unwirtschaftliche „Investments“ (die jeden Privaten zu Recht in den Ruin treiben würden) seien für den Staat ungestraft realisierbar.

Ludwig Mises stellte in diesem Zusammenhang fest: „Was bewußtes Planen genannt wird, ist genaugenommen die Eliminierung bewußter zweckgerichteter Handlung.“ Behörden könnten eben niemals Wirtschaftsrechnungen durchführen, die denen privater Unternehmer vergleichbar wären. All ihr wirtschaftliches Handeln basiere stets auf einer Anmaßung von Wissen.

Fazit: Besteuerung habe in jedem Fall negativen Einfluss auf das Einkommens- und Konsumniveau von Unternehmen und privaten Haushalten. Infolge ihres negativen Effekts auf private Innovationsbemühungen führe sie langfristig zu Wohlstandsverlusten.

Stefan Pierer, Vorstandvorsitzender und Mehrheitsaktionär der KTM AG sprach zum Thema „Richtige Entscheidungen auf verzerrten Märkten“. Er schilderte die Entwicklung des von ihm im Jahr 1991 konkursreif übernommenen Zweiradherstellers zum heute weltweit erfolgreichsten Produzenten von Geländemotorrädern. 95 Prozent der in Österreich gefertigten Einheiten gingen in den Export. Für 2014 sei die Produktion von 160.000 Zweirädern geplant. Zusammen mit einem strategischen Partner in Indien habe KTM damit begonnen, den dortigen Markt zu bearbeiten.

Es gäbe zwei Wege zur Innovation: Einen durch den Markt von außen erzwungenen und den freiwilligen. Letzterer erfordere mehr unternehmerische Initiative. In einer von immer kürzeren Innovationszyklen bestimmten Welt würden selbst auf den Weg gebrachte Innovationen laufend an Bedeutung gewinnen. Auf Österreich sieht Pierer erhebliche Probleme zukommen, die durch die mangelnde Mobilität des (vergleichsweise allerdings immer noch gut ausgebildeten) Personals bedingt seien. Es wäre sehr schwierig, fähige Mitarbeiter zu finden, die bereit wären, für längere Zeit im Ausland tätig zu sein. Das sei für ihn ein „Auswuchs des Wohlfahrtsstaates“. Eine „viel zu hohe Besteuerung der Mitarbeiter“ tue ein Übriges, um deren Leistungsbereitschaft zu dämpfen. Das (offene) Geheimnis seines Erfolges, sei der hohe Grad der Eigenfinanzierung seiner Betriebe. Mehr als 50 Prozent Eigenkapital würden seine Unabhängigkeit von den Banken garantieren und ihm genügend Reserven für Krisenzeiten lassen…


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