Monthly Archives: March 2018

Geld ist das Mittel zur Freiheit

Von Andreas Tögel

Warum die hohe Politik das Bargeld verabscheut

Nach Fjodor Dostojewski ist Geld geprägte Freiheit. In der Tat: Geld ist in einem modernen, arbeitsteiligen System – im Gegensatz zu einer auf Autarkie zielenden Subsistenzwirtschaft – unverzichtbar. Es ist nicht nur erforderlich, um die Kosten des täglichen Lebens zu bestreiten, sondern sein Besitz schafft zudem Möglichkeiten, persönliche Wünsche und Träume zu verwirklichen. Es dient dem „Streben nach Glück”.

Geld und sein Gebrauch wurden nicht erfunden. Es ist nicht das Ergebnis des Denkens und Planens, sondern es wurde „entdeckt”, indem man bestimmte Güter als allseits begehrt erkannte, und sie als Tauschmittel für alle möglichen anderen Dinge einzusetzen begann. Eine wesentliche Voraussetzung der Geldfunktion, ist daher die allgemeine Akzeptanz eines Gutes und das Vertrauen in seine Werthaltigkeit über den Tag hinaus. Nicht umsonst konnten sich die Edelmetalle Gold und Silber in den verschiedensten Kulturen als Tauschmittel durchsetzen. Die Kaufkraft von Gold hat sich über Jahrtausende erhalten – anders als die des papierenen Fiat-Geldes, wie auch immer sein Name lautet.

Den Herrschenden war stets klar, dass die Kontrolle über das Geldwesen eine wesentliche Säule ihrer Herrschaft darstellt. Die Verfügungsgewalt der Regierungen über das Geld und damit ihre Möglichkeit, seine Umlaufmenge zu manipulieren, bildeten immer wieder Ursachen für planmäßige Geldverschlechterungen, die schon lange vor der Erfindung des Papiergeldes stattfanden. Leidtragende der Inflationierung einer zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärten Monopolwährung, waren stets die Geldhalter, denn jeder neu gedruckte Schein mindert die Kaufkraft der bereits bestehenden. Hyperinflationen und Währungsreformen mit Enteignungscharakter, waren und sind daher typisch für das staatliche Geldwesen.

Der prominente und einflussreiche US-Ökonom Kenneth Rogoff, Chefvolkswirt des IWF und umtriebiger Bargeldgegner, ignoriert diese Fakten. Er argumentiert mit der Forderung von Staat und Zentralbanken, negative Zinsen durchsetzen zu wollen. Auf sein zweites Argument, also das Märchen von der „dunklen Seite des Geldes” (gemeint ist der Gebrauch von Bargeld durch Kriminelle) einzugehen, lohnt sich nicht_. „Abusus not tollit usum”,_ wußte man schon im Rom der Antike. Niemand würde Textilien abschaffen wollen, nur weil Verbrecher ihre Untaten bekleidet auszuführen pflegen. Da man aber nicht daran denkt, ehrliche Menschen ein paar Krimineller wegen dazu zu zwingen, nackt herumzulaufen, weshalb sollten sie dann auf die Vorteile der Bargeldverwendung verzichten müssen?

Negative Zinsen” sind ein den Folterkammern machtbesessener Planwirtschaftler entstammendes Phänomen. Sie nutzen (zumindest kurzfristig) dem Staat, der sich damit zum Nulltarif verschulden kann, und schaden privaten Eigentümern von Geldvermögen. Negativzinsen bedeuten einen nicht sofort erkennbaren Zugriff des Währungsmonopolisten auf diese Geldvermögen. Für den Lebensabend angesparte Vorsorgen, wie etwa Erlebensversicherungen, werden damit unauffällig enteignet. Es ist, als ob aus einem gesicherten Warendepot heimlich Teile der Bestände entwendet würden – ohne dass die Alarmsirene schrillt.

Die Vorstellung, daß Sparer Schädlinge sind und Konsumorgien den Weg zum kollektiven Wohlstand ebnen, ist, seitdem Maynard Keynes Mitte der 1930er-Jahre seine „General Theory” veröffentlichte, nicht umzubringen. Daß erhöhter Konsum die Grundlage von mehr Wohlstand schaffen könnte, ist indes ein mit der Logik unvereinbarer Gedanke, da erhöhter Konsum ja eine mögliche Folge zuvor erreichten Wohlstandes, nicht aber seine Ursache ist. Dennoch findet der Gedanke in Kreisen der von ihrer Allmacht überzeugten Ökonomen und Staatenlenkern viele begeisterte Anhänger. Bei dieser Frage geht es nicht etwa um ein „Henne-Ei-Problem“. Denn daß ein Kuchen zunächst gebacken werden muß, ehe man ihn essen kann, dürfte einleuchten. Daß es der Mühsal des Erwerbs der zum Backen nötigen Ressourcen bedarf – die wiederum ein Erwirtschaften der dafür nötigen Mittel voraussetzt – ebenfalls. Reich konsumieren kann man sich nur in Absurdistan.

Da es Rogoff um die Durchsetzung negativer Zinsen zu tun ist, steht ihm das Bargeld im Wege. Die Konteninhaber könnten ja ihre Bankguthaben abziehen, Bargeld zu Hause oder in Bankschließfächern horten und sich so zumindest dieser Spielart fiskalischer Enteignung entziehen. Deshalb muss das Bargeld weg.

Möglich wird dieses unerhörte Ansinnen des Fiskus, weil das staatliche Papiergeldmonopol dazu geführt hat, dass kaum noch jemand um Entstehung und Wesen des Geldes Bescheid weiß. Geld kommt eben aus der Notenbank, basta. Schlimmer noch: Dass es Geld in Form von Münzen und Scheinen gibt, ist für viele, die gewohnheitsmäßig auch Bagatellbeträge elektronisch bezahlen, bedeutungslos geworden. Das ist deshalb problematisch, weil die Politik dadurch die Möglichkeit erhält, hemmungslos auf rechtmäßig erworbene Vermögensbestände der Bürger zuzugreifen, ohne dabei einen allgemeinen Aufschrei auszulösen. Gäbe es kein virtuelles Geld, wäre ein körperlicher Zugriff erforderlich, dessen sich jeder Betroffene unmittelbar bewusst würde. Die Bürger würden Widerstand leisten und Gegenstrategien entwickeln.

Intrinsisch werthaltiges, also echtes Geld basiert nicht, wie im rezenten Schuldgeldsystem unumgänglich, auf einer (schuldrechtlichen) Forderung, sondern auf einem (sachrechtlichen) Realwert. Das ist ein gewaltiger Unterschied. In einem Warengeldsystem bleibt der Übergriff des Steuervogts keinem verborgen, wenn er – nachdem der Steuerpflicht bereits nachgekommen wurde – einen Teil des Eigentums der Bürger an sich reißt. Jeder erkennt diese Anmaßung. Besitzt man aber nur ungedecktes Papier- oder Giralgeld, fällt der Raubzug mittels negativer Zinsen nicht augenblicklich auf.

Negativzinsen sind der Ausdruck eines seinem Wesen nach perversen Planwirtschaftssystems, weil sie der Natur des Menschen zuwiderläuft. Diese bewertet die gegenwärtige Verfügungsgewalt über ein Gut nämlich grundsätzlich höher als die künftige, was sich in einem positiven „natürlichen Zins” ausdrückt.

Geld ist in einer Subsistenzwirtschaft überflüssig. In einem arbeitsteiligen System stellt es „geronnene Arbeit” dar. Und: Man gelangt nur dann auf nicht kriminelle Weise in seinen Besitz, wenn man ein nachgefragtes Gut dafür hingibt. Das aber fällt nicht vom Himmel. Es bedarf des Einsatzes von Arbeit und Kapital, um auf dem Markt verkäufliche Güter herzustellen. Da es sich bei der Zeit um das einzige auf Erden nicht vermehrbare Gut handelt, ist die Konfiskation von durch Einsatz von Lebenszeit erstellten Werten eine absolut unentschuldbare, ruchlose Tat.

Dass ein prominenter Ökonom wie Kenneth Rogoff eine Politik propagiert, die offensichtlich private Eigentumsrechte der fiskalischen Willkür opfert, wirft ein grelles Licht auf die Seriosität seiner Zunft. Die Ökonomie wird dieser Tage nicht mehr durch die Suche nach wissenschaftlicher Erkenntnis bestimmt. Sie macht sich vielmehr schamlos zum Werkzeug der Durchsetzung einer politischen Ideologie, nämlich des Geldsozialismus (© Roland Baader).

Es ist, wie Ayn Rand es in ihrem Gleichnis von der Symbiose Attilas mit dem Geisterbeschwörer beschrieben hat: Die Rolle des unproduktiven und gewalttätigen Kriegsherren, spielt heute die Regierung. Der Part des zur Umsetzung ihrer Untaten unentbehrlichen Ideenlieferanten, geben, neben intellektuellen, steuerfinanzierten Staatsschranzen, Ökonomen, die auf den Lohnlisten von Regierungen und Zentralbanken stehen.

Wurde die Ökonomie von Thomas Carlyle einst zur „trostlosen Wissenschaft” erklärt, bietet sich heute ein noch übleres Bild: Die ökonomische Wissenschaft ist zur Hure der Regierenden und deren Komplicen in der Finanzindustrie verkommen.

Die beiderseits des Atlantiks betrieben Politik der „finanziellen Repression” zeigt Folgen: Auf der Suche nach Möglichkeiten zum Erhalt der Vermögenssubstanz, werden Sparer in Anlagen gezwungen, die weit jenseits ihrer normalen Risikobereitschaft liegen. Blasenbildungen, wie im Immobilienbereich oder bei zum Teil dubiosen _Wert_papieren sind die Folge – und damit das Risiko schmerzhafter Vermögensverluste.

Die Erwartung, das Geld würde an Kaufkraft verlieren, steigert die Zeitpräferenz, was zu einer Verringerung der Sparneigung und erhöhten Konsumausgaben führt. Da dauerhafter Wohlstand die Existenz eines soliden Kapitalstocks voraussetzt, der aber unter den herrschenden Bedingungen nicht nur nicht aufgestockt, sondern sogar aufgezehrt wird, sollte man sich hinsichtlich der auf uns zukommenden Entwicklung keiner Illusion hingeben: Der „Peak Wohlstand” liegt hinter uns. Den Jungen wird es materiell schlechter gehen als der abtretenden Generation der konsumwütigen Babyboomer.

Daß Nomenklatura und Bankenwelt entschlossen auf eine Abschaffung des Bargeldes hinarbeiten, leuchtet ein. Während es den Apparatschiks in den Politbüros um eine weitere Ausdehnung ihrer Macht geht – wenn es ihnen geraten scheint, kann der Bürger sich dann nicht einmal mehr ein Stück Brot kaufen – ist es für die Banken der zusätzlich winkende Umsatz. Schließlich bringt jede einzelne Transaktion den Finanzhäusern Geld. Ein Leben ohne Konto wäre nicht mehr möglich. Auch Handelsketten lieben das Plastikgeld, da es ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Kunden stärker an sich zu binden. Entsprechend aggressiv wird die Verwendung von Bankomat- und Kreditkarten oder „elektronischen Geldbörsen” beworben. Darüber, daß damit eine vollständige Kontrolle über sämtliche Transaktionen und die Gelegenheit zur Erstellung eines Persönlichkeitsprofils verbunden ist, macht sich kaum jemand Gedanken.

Restlos entzückt über den Vormarsch des elektronischen Geldes ist der Staat. Der greift mit seiner inflationistischen Geldpolitik zwar jetzt schon unentwegt auf die Spargroschen der Bürger zu. Allerdings sind ihm dabei Grenzen gesetzt. Immerhin muß ein Vertrauensverlust in die Währung und eine damit verbunden Hyperinflation vermieden werden. Bargeldbestände aber entziehen sich – anders als auf Bankkonten geparktes Giralgeld – weitgehend seinem direkten Zugriff.

Die Kontrolle des Staates über seine Bürger wäre nach der Abschaffung des Bargeldes nahezu total, denn schließlich hinterlässt jede Benutzung von Kredit- oder Bankomatkarten Spuren. Konten einzufrieren oder abzuräumen, ist für den Staat bequemer, als Haussuchungen vorzunehmen, um unter Matratzen verstecktes Geld zu konfiszieren. Seine treuesten Handlanger und Komplicen – die Geschäftsbanken – stehen bereit, dem Großen Bruder zu helfen. Big Government und big (financial) Business sind nämlich – in schrillem Gegensatz zum Tenor klassenkämpferischer Sonntagsreden stimmenmaximierender Politfunktionäre – stets ein Herz und eine Seele. Konzernbetrieben werden – nicht nur in steuerlicher Hinsicht – Konzessionen gemacht, von denen kleine und mittlere Unternehmen nur träumen können. Denen wird dafür, wie jedem anderen Leistungsträger, unausgesetzt mit unerbittlicher fiskalischer Strenge nachgestellt.

Wer einwendet, er habe nichts zu verbergen, und es sei ihm daher egal, ob die Regierung jeden seiner Schritte überwacht, sollte sich einen Moment lang in die Lage eines regierungskritischen Nonkonformisten versetzen. Hätten die Terrorregimes des 20 Jahrhunderts über die heute vorhandenen Mittel verfügt, jede Geldbewegung zu kontrollieren oder zu unterbinden, wären die von ihnen produzierten Leichenberge noch um einiges höher ausgefallen. Viele weitere Menschen wären dann einfach verhungert.

„Folge stets der Spur des Geldes”, lautet ein Grundsatz der Kriminologie. Er ist auf so gut wie alle Lebensbereiche anzuwenden. Bargeld versetzt – unabhängig vom Gutdünken der Obertanen und Bankster – jedermann jederzeit in die Lage, unkontrollierbare, anonyme Transaktionen vorzunehmen. Das ist gut so. So wie der Käufer eines Ferraris nicht von Vornherein der notorischen Schnellfahrerei verdächtig ist, berechtigt das Eintreten für die Möglichkeit von Barzahlungen nicht zum Generalverdacht gegen jedermann, er könnte krummeGeschäfte abwickeln.

Längst ist es zu spät, den Anfängen zu wehren. Jetzt geht es – bis zum bevorstehenden Kollaps des herrschenden Ponzi-Systems – nur noch um Schadensbegrenzung. „Leben ohne Bargeld” bedeutet, den in den Regierungsvierteln sitzenden „stationären Banditen” (© Mancur Olson) auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein. Der Besitz von Bargeld dagegen, ist ein Ausdruck von Freiheit. Entschlossener Widerstand gegen seine Abschaffung ist daher Bürgerpflicht.

Fazit: die Existenz von Bargeld, bedeutet Freiheit für den Bürger und Kontrollverlust für den Leviathan. Kein Staatsscherge kann – anders als bei elektronischen Zahlungen – dessen Weg nachvollziehen. Es geht um Privatsphäre in einer total überwachten Welt! Das Argument „Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich vor keiner Kontrolle zu fürchten” ist obsolet, sobald man sich ausmalt, was es in Deutschland zwischen 1933 und 1945 bedeutet hätte, wenn der Staat über heute vorhandene Überwachungsmittel verfügt hätte! Meint tatsächlich jemand, daß die Freiheit dieser Tage nicht erneut in Gefahr geraten kann? Geschichte, so befindet Mark Twain, wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich. Eine Abschaffung des Bargeldes würde die Mobilität von Dissidenten und Nonkonformisten radikal einschränken und ihm nur noch die Wahl zwischen Gefangenschaft und Hungertod lassen. Der Weg in den totalitären Staat würde sich damit dramatisch beschleunigen.

Dieser Artikel ist zuerst in der Ausgabe 5 des Magazins „Frank & Frei erschienen



Zinsen und Zombies

Von Andreas Tögel

Der Fluch des Interventionismus

In einem kürzlich publizierten Papier weist die „Agenda Austria" darauf hin, dass die von der Republik zu tragende Zinslast, trotz steigender Verschuldung seit vielen Jahren sinkt. Von 1995 bis 2016 sind die Staatsschulden um beachtliche 170 Milliarden Euro gewachsen und belaufen sich gegenwärtig auf rund 290 Mrd. Euro; Die Zinslast ist aber dennoch, nach einem im Jahr 2009 erreichten Gipfel – damals waren über neun Mrd. Euro an Zinsen fällig -, auf unter sieben Milliarden Euro p. a. gefallen. Was wir hier sehen, ist die Konsequenz der anhaltenden Nullzinspolitik der EZB, die auf ständige Geldmengenausweitung durch billige (Staats-)Verschuldung gerichtet ist.

Eine tolle Sache, nicht wahr? Ist es nicht herrlich, sich faktisch zum Nulltarif und theoretisch unbegrenzt, Geld leihen zu können? Nein, ist es nicht. Denn einerseits sinkt dadurch die Bereitschaft der Regierungen, eine im Sinne der Steuerzahler maßvolle Ausgabenpolitik zu betreiben: Wenn das Schuldenmachen „nichts kostet", warum sollte das Politbüro dann davon lassen? Der lockenden Versuchung, mit geborgtem Geld Stimmen zu kaufen, kann bekanntlich so gut wie kein Politiker widerstehen. Andererseits bedeuten die heute vom Staat eingegangenen Verpflichtungen aber auch eine gewaltige Hypothek für die Jungen, deren materielles Wohl von den im Besitz der Mehrheit befindlichen Alten gegenwärtig rücksichtslos verfrühstückt wird. Denn der Staat verwendet das Geld ja nicht etwa dafür, um den Standort aufzuwerten, zukunftssicher aufzustellen und wohlstandsmehrende Investitionen zu begünstigen, sondern er verpulvert es zum Großteil für Konsumausgaben – unter welchen Titel auch immer die firmieren mögen. Mittel die verkonsumiert werden, sind aber nun einmal perdu – was sie von solchen unterscheidet, die investiert werden. „Ins System der sozialen Sicherung investieren" kann man folgerichtig nur in Absurdistan. Dennoch kennen die Sozialisten in allen Parteien kaum ein anderes Ziel.

In den USA wurde bereits eine Zinswende vollzogen. Eben kam es dort zu einer weiteren – wenn auch moderaten – Anhebung des Leitzinses, der sich jetzt zwischen 1,5 und 1,75 Prozent bewegt. Die amerikanischen Notenbank-Geldalchemisten haben sich von der Nullzinspolitik verabschiedet. In Euroland ist es noch nicht soweit. Mario Draghi & Genossen, setzen weiterhin auf eine ungebremste Geld- und Kreditexpansion. Dass aber auch in der EU früher oder später die Politik der finanziellen Repression, die für alle Sparer eine kalte Enteignung mit sich bringt, beendet werden muss und die Zinsen wieder steigen werden, gilt als sicher. In diesem Fall wird der Schuldendienst der Republik explosionsartig zunehmen und den Budgetspielraum der Regierung drastisch einschränken. Unschwer auszurechnen, was bei 290 Milliarden Miesen, ein Zinsanstieg um nur einen halben Prozentpunkt ausmachen würde. Aber welche Rolle spielen derlei Überlegungen für eine politische Klasse, die ausschließlich im Hier und Jetzt lebt, von der Wirtschaft keine Ahnung hat und daher alles glaubt, was ihnen linke Staatsökonomen erzählen?

Schlimm genug, wenn Regierungen dank der verheerenden Geldpolitik der Notenbanken, immer tiefer in die Schuldenfalle tappen. Leider aber setzt die Markverzerrung durch den Einsatz des planwirtschaftlichen Instruments der Zinsmanipulation, nicht nur für Regierende falsche Anreize. Denn selbstverständlich sind auch Private Haushalte und Unternehmen davon betroffen. Das zu Niedrigzinsen auf Pump angeschaffte, viel zu teure Auto und der kreditfinanzierte Urlaub, können sich in dem Moment zum veritablen Problem auswachsen, da die Bank aufgrund steigender Zinsen die Raten erhöht. Und für viele Unternehmen, die sich seit Jahren nur dank leicht verfügbaren, „billigen Geldes" über Wasser halten können, droht im Fall einer Zinswende das sofortige Aus. Die Banken wiederum könnten serienweise Kreditausfälle in ihren Bilanzen gar nicht unterbringen und sind deshalb zur Symbiose mit maroden Unternehmen gezwungen, denen sie unter normalen Umständen (also in Abwesenheit marktverzerrender Interventionen von Regierungen und Notenbanken) niemals Kredit gewähren würden. Ein sich selbst verstärkendes Dilemma.

Nicht wenige Fachleute kritisieren daher seit Jahren die durch die anhaltende Geldschwemme angestoßene Scheinkonjunktur. Der Unternehmensberater Daniel Stelter warnt, gestützt auf Daten der Bank of America im „Manager Magazin" vor „Zombie-Unternehmen", die ihre Existenz ausschließlich der inflationistischen Geldpolitik verdanken und beziffert deren Zahl auf rund neun Prozent aller europäischen Betriebe. Die sind de facto insolvent und nur deshalb noch nicht abgewickelt, weil sie eben gerade noch die Zinsforderungen bedienen können. In den USA und in China liegen die Dinge nicht viel anders.

Eine gesunde Wirtschaftsstruktur sieht indes anders aus. Der Konkurs unwirtschaftlich geführter Betriebe macht nämlich Mittel für bessere Investments frei. Der österreichische Ökonom Josef Schumpeter sprach in diesem Zusammenhang von einer „schöpferischen Zerstörung". Die bleibt derzeit aber aus, weil der Tod unrentabler Betriebe unterbunden (oder zumindest verzögert) wird. „Zombie-Unternehmen" künstlich am Leben erhalten, ist also nur scheinbar eine gute Sache. In Wahrheit überwiegt der Schaden den Nutzen. Der volkswirtschaftliche Saldo hoheitlicher Marktinterventionen ist stets negativ.



Wir Weicheier

Von Andreas Tögel

Warum wir uns nicht mehr wehren können

Auf Einladung des Grazer Ares-Verlages und mit Unterstützung der Wiener FPÖ, hielt der israelische Militärhistoriker Martin Van Creveld, einen Vortrag zu der in alarmierender Weise schwindenden Wehrkraft der westlichen Länder, die er in seinem Buch “Wir Weicheier” thematisiert.
Creveld fragt sich: “Wie kann es sein, dass Nationen, die bis zum Zweiten Weltkrieg für hunderte von Jahren nahezu die gesamte Welt beherrschten (nur Thailand und Äthiopien blieben von der westlichen Kolonisierung verschont), nicht mehr imstande sind, siegreich Kriege zu führen?” Vom Verlust asiatischer und afrikanischer Kolonien, über eine desaströse Intervention in Suez, den Vietnamkrieg, bis hin zu den fatale Konsequenzen zeitigenden Militärabenteuern im Mittleren Osten und in Nordafrika, konnten die Westmächte entweder ihre militärischen Ziele nicht wie geplant erreichen oder erlitten sogar peinliche Niederlagen.
Creveld nennt eine Reihe von Gründen. In der Infantilisierung der westlichen Gesellschaften und der weitverbreiteten Neigung, die Jugend am Erwachsenwerden zu hindern, sieht er einen Hauptgrund für militärisches Versagen. Wer “überbehütet” aufwächst, lernt niemals, selbständig Verantwortung zu übernehmen oder möglicherweise riskante Entscheidungen zu treffen. Die Entscheidung zum Kampf aber ist hochriskant. Sie fällt westlich sozialisierten Menschen (Männern) folgerichtig immer schwerer. Creveld schildert anhand des Beispiels von Juden, die aus Äthiopien nach Israel gekommen sind, den gewaltigen Unterschied: Während autochthone Israelis dazu neigen, ihre Kinder bis ins Erwachsenenalter von früh bis spät zu umsorgen, wachsen Kinder von aus Äthiopien stammenden Eltern vergleichsweise frei und unbehütet auf. Fünfjährige Mädchen sind es gewohnt, ohne den Beistand Erwachsener auf ihre zweijährigen Brüder aufzupassen. Entsprechend selbständig und unerschrocken verhalten sich diese Kinder. Crevelds drastisches Urteil: “Jedes dieser Kinder wäre imstande, meine Enkel aufzufressen.”
Das Argument, dass es den “unbehüteten Kindern” dafür im Gegenzug an Bildung fehlt, zählt im Hinblick auf die Wehrkraft nicht: “Im Krieg kommt es nicht auf intellektuelle Qualitäten, sondern darauf an, dem Feind die Kehle durchschneiden zu können.” Die Bereitschaft und Fähigkeit dazu, ist in den westlichen Ländern verlorengegangen.
Auch die Feminisierung der Streitkräfte sieht Creveld kritisch. “Wo Kugeln fliegen, sollen keine Frauen dienen. Wo Frauen Dienst tun, sollen keine Kugeln fliegen.” Es ist müßig, über die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu debattieren. Im Krieg – insbesondere in asymmetrischen Konfrontationen unserer Zeit – kommt es auf Körperkraft und Ausdauer an – und dabei sind Männer den Frauen einfach überlegen. Wer Frauen in Kampfeinheiten integriert, verringert somit – aus rein ideologischen Gründen – mutwillig deren Kampfkraft.
Die im Westen grassierende, systematische Zerstörung des Ansehens des “Kriegshandwerks” ist ebenfalls fatal. “Ein Musiker, der seinen Beruf nicht liebt, kann keine schöne Musik machen. Er muss und wird stolz auf seine Arbeit sein.” Soldaten aber wird pausenlos eingebläut, sich für ihren Beruf genieren zu müssen. Der Ausgang in Uniform wird (außer in Israel) vielfach verboten, um die Soldaten keiner Gefahr auszusetzen. Es liegt aber geradezu im Wesen des Soldatentums, Gefahren ausgesetzt zu sein. Wie kann man also erwarten, dass jeden Selbstvertrauens und jeden Berufsstolzes beraubte Soldaten, im Ernstfall das äußerste Menschenmögliche – am Ende sogar ihr Leben – geben werden?
Anno 216 v. Chr., in der Schlacht bei Cannae, gingen an einzigem einzigen Tag 80.000 römische Legionäre verloren. Am ersten Tag der Schlacht an der Somme im Sommer 1916, verloren die Briten 20.000 Mann und erlitten damit die schwerste Niederlage in ihrer Geschichte. Von psychischen Spätfolgen dieser Debakel wurde in beiden Fällen nichts bekannt. Die militärischen Auseinandersetzungen seit dem Zweiten Weltkrieg sind dagegen vergleichsweise “leicht” und verlustarm. Gerade einmal 55.000 Amerikaner starben im zehn Jahre währenden Vietnamkrieg den “Heldentod”. Seither fallen dem Phänomen “Post-Traumatic Stress Disorder” (PTSD) mehr amerikanische Soldaten zum Opfer, als Begegnungen mit dem Feind.
Wer heute aus einem militärischen Auslandseinsatz heimkehrt und nicht an PTSD leidet, macht sich beinahe schon verdächtig. Denn möglicherweise liebt er es am Ende ja, seinem Land zu dienen, indem er dessen Feinde tötet. Das aber kann und darf nicht sein. Ein stattliches Heer von Psychiatern und Psychologen weiß PTSD folgerichtig als Goldmine zu nutzen. Ergänzt wird der Psychokrieg gegen die eigenen Soldaten durch den planmäßigen Einsatz des gesamten Arsenals, das die neue Religion der politischen Korrektheit und des Feminismus zu bieten hat: Ein Drittel aller erzwungenen Rücktritte im US-Offizierskorps erfolgt inzwischen aufgrund (behaupteter) “sexueller Belästigungen”.
Die zunehmende Bedeutungsverlagerung von Pflichten zu Rechten (in England war dieser “Platztausch” bereits in den 1930er-Jahren zu beobachten), bringt für die Armeen ein erhebliches Problem mit sich. Denn ohne ein klares Bekenntnis zur Pflichterfüllung kann kein Militär bestehen. Mittlerweile übertrifft die Bedeutung des Begriffs Recht jenen der Pflicht im UK bereits um das Dreifache. In Italien gar um das Achtfache (!). In den übrigen westlichen Ländern liegen die Dinge nicht viel anders, was sich einer entsprechend geringen Wehrbereitschaft ausdrückt.
Wenn, wie das in der US-Armee der Fall ist, freiwillig dienenden Soldaten zudem zugestanden wird, im Falle einer militärischen Verwicklung ihres Landes ihren Einsatz zu verweigern, läuft definitiv etwas schief. Regeln, die erlauben, dass Leute, die auf der Suche nach einer sicheren Anstellung beim Militär anheuern, wenn´s erst wird, plötzlich aber den Pazifisten in sich entdecken und sich vom Dienst drücken, sind untragbar.
Der von Creveld elaboriert geschilderte, ungesunde Cocktail hat es dahin gebracht, dass den westlichen Armeen inzwischen nicht nur die Fähigkeit, sondern auch der Wille zu siegen abhandengekommen ist. Kaum einer der europäischen NATO-Mitgliedstaaten wendet den erforderlichen Mindestbeitrag von zwei Prozent des BIP für die Landesverteidigung auf. So sind die USA mittlerweile genötigt, rund drei Viertel der finanziellen Lasten des nordatlantischen Militärbündnisses zu schultern. Wie aber will man, mit von Kindebeinen an verweiblichten Figuren, denen zudem auch noch die notwendigen finanziellen Mittel – und damit auch die erforderliche Ausrüstung – verweigert werden (die einst stolze deutsche Bundeswehr ist meilenweit von einer Einsatzfähigkeit entfernt), erfolgreich gegen wild entschlossene und hochmotivierte Feinde – wo oder woher auch immer sie sein mögen – bestehen?
Crevelds Ausführungen lassen das Auditorium einigermaßen ratlos zurück: Hat der Westen – wenigstens die Alte Welt – sich mit dem bevorstehenden Untergang abgefunden? Werden ungebildete, ja primitive afroasiatische Horden dem einst die Welt beherrschenden Kontinent schon bald ihren Willen aufzwingen?

Link zum Buch



Wir Weicheier

Von Andreas Tögel

Warum wir uns nicht mehr wehren können

Auf Einladung des Grazer Ares-Verlages und mit Unterstützung der Wiener FPÖ, hielt der israelische Militärhistoriker Martin Van Creveld, einen Vortrag zu der in alarmierender Weise schwindenden Wehrkraft der westlichen Länder, die er in seinem Buch “Wir Weicheier” thematisiert.
Creveld fragt sich: “Wie kann es sein, dass Nationen, die bis zum Zweiten Weltkrieg für hunderte von Jahren nahezu die gesamte Welt beherrschten (nur Thailand und Äthiopien blieben von der westlichen Kolonisierung verschont), nicht mehr imstande sind, siegreich Kriege zu führen?” Vom Verlust asiatischer und afrikanischer Kolonien, über eine desaströse Intervention in Suez, den Vietnamkrieg, bis hin zu den fatale Konsequenzen zeitigenden Militärabenteuern im Mittleren Osten und in Nordafrika, konnten die Westmächte entweder ihre militärischen Ziele nicht wie geplant erreichen oder erlitten sogar peinliche Niederlagen.
Creveld nennt eine Reihe von Gründen. In der Infantilisierung der westlichen Gesellschaften und der weitverbreiteten Neigung, die Jugend am Erwachsenwerden zu hindern, sieht er einen Hauptgrund für militärisches Versagen. Wer “überbehütet” aufwächst, lernt niemals, selbständig Verantwortung zu übernehmen oder möglicherweise riskante Entscheidungen zu treffen. Die Entscheidung zum Kampf aber ist hochriskant. Sie fällt westlich sozialisierten Menschen (Männern) folgerichtig immer schwerer. Creveld schildert anhand des Beispiels von Juden, die aus Äthiopien nach Israel gekommen sind, den gewaltigen Unterschied: Während autochthone Israelis dazu neigen, ihre Kinder bis ins Erwachsenenalter von früh bis spät zu umsorgen, wachsen Kinder von aus Äthiopien stammenden Eltern vergleichsweise frei und unbehütet auf. Fünfjährige Mädchen sind es gewohnt, ohne den Beistand Erwachsener auf ihre zweijährigen Brüder aufzupassen. Entsprechend selbständig und unerschrocken verhalten sich diese Kinder. Crevelds drastisches Urteil: “Jedes dieser Kinder wäre imstande, meine Enkel aufzufressen.”
Das Argument, dass es den “unbehüteten Kindern” dafür im Gegenzug an Bildung fehlt, zählt im Hinblick auf die Wehrkraft nicht: “Im Krieg kommt es nicht auf intellektuelle Qualitäten, sondern darauf an, dem Feind die Kehle durchschneiden zu können.” Die Bereitschaft und Fähigkeit dazu, ist in den westlichen Ländern verlorengegangen.
Auch die Feminisierung der Streitkräfte sieht Creveld kritisch. “Wo Kugeln fliegen, sollen keine Frauen dienen. Wo Frauen Dienst tun, sollen keine Kugeln fliegen.” Es ist müßig, über die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu debattieren. Im Krieg – insbesondere in asymmetrischen Konfrontationen unserer Zeit – kommt es auf Körperkraft und Ausdauer an – und dabei sind Männer den Frauen einfach überlegen. Wer Frauen in Kampfeinheiten integriert, verringert somit – aus rein ideologischen Gründen – mutwillig deren Kampfkraft.
Die im Westen grassierende, systematische Zerstörung des Ansehens des “Kriegshandwerks” ist ebenfalls fatal. “Ein Musiker, der seinen Beruf nicht liebt, kann keine schöne Musik machen. Er muss und wird stolz auf seine Arbeit sein.” Soldaten aber wird pausenlos eingebläut, sich für ihren Beruf genieren zu müssen. Der Ausgang in Uniform wird (außer in Israel) vielfach verboten, um die Soldaten keiner Gefahr auszusetzen. Es liegt aber geradezu im Wesen des Soldatentums, Gefahren ausgesetzt zu sein. Wie kann man also erwarten, dass jeden Selbstvertrauens und jeden Berufsstolzes beraubte Soldaten, im Ernstfall das äußerste Menschenmögliche – am Ende sogar ihr Leben – geben werden?
Anno 216 v. Chr., in der Schlacht bei Cannae, gingen an einzigem einzigen Tag 80.000 römische Legionäre verloren. Am ersten Tag der Schlacht an der Somme im Sommer 1916, verloren die Briten 20.000 Mann und erlitten damit die schwerste Niederlage in ihrer Geschichte. Von psychischen Spätfolgen dieser Debakel wurde in beiden Fällen nichts bekannt. Die militärischen Auseinandersetzungen seit dem Zweiten Weltkrieg sind dagegen vergleichsweise “leicht” und verlustarm. Gerade einmal 55.000 Amerikaner starben im zehn Jahre währenden Vietnamkrieg den “Heldentod”. Seither fallen dem Phänomen “Post-Traumatic Stress Disorder” (PTSD) mehr amerikanische Soldaten zum Opfer, als Begegnungen mit dem Feind.
Wer heute aus einem militärischen Auslandseinsatz heimkehrt und nicht an PTSD leidet, macht sich beinahe schon verdächtig. Denn möglicherweise liebt er es am Ende ja, seinem Land zu dienen, indem er dessen Feinde tötet. Das aber kann und darf nicht sein. Ein stattliches Heer von Psychiatern und Psychologen weiß PTSD folgerichtig als Goldmine zu nutzen. Ergänzt wird der Psychokrieg gegen die eigenen Soldaten durch den planmäßigen Einsatz des gesamten Arsenals, das die neue Religion der politischen Korrektheit und des Feminismus zu bieten hat: Ein Drittel aller erzwungenen Rücktritte im US-Offizierskorps erfolgt inzwischen aufgrund (behaupteter) “sexueller Belästigungen”.
Die zunehmende Bedeutungsverlagerung von Pflichten zu Rechten (in England war dieser “Platztausch” bereits in den 1930er-Jahren zu beobachten), bringt für die Armeen ein erhebliches Problem mit sich. Denn ohne ein klares Bekenntnis zur Pflichterfüllung kann kein Militär bestehen. Mittlerweile übertrifft die Bedeutung des Begriffs Recht jenen der Pflicht im UK bereits um das Dreifache. In Italien gar um das Achtfache (!). In den übrigen westlichen Ländern liegen die Dinge nicht viel anders, was sich einer entsprechend geringen Wehrbereitschaft ausdrückt.
Wenn, wie das in der US-Armee der Fall ist, freiwillig dienenden Soldaten zudem zugestanden wird, im Falle einer militärischen Verwicklung ihres Landes ihren Einsatz zu verweigern, läuft definitiv etwas schief. Regeln, die erlauben, dass Leute, die auf der Suche nach einer sicheren Anstellung beim Militär anheuern, wenn´s erst wird, plötzlich aber den Pazifisten in sich entdecken und sich vom Dienst drücken, sind untragbar.
Der von Creveld elaboriert geschilderte, ungesunde Cocktail hat es dahin gebracht, dass den westlichen Armeen inzwischen nicht nur die Fähigkeit, sondern auch der Wille zu siegen abhandengekommen ist. Kaum einer der europäischen NATO-Mitgliedstaaten wendet den erforderlichen Mindestbeitrag von zwei Prozent des BIP für die Landesverteidigung auf. So sind die USA mittlerweile genötigt, rund drei Viertel der finanziellen Lasten des nordatlantischen Militärbündnisses zu schultern. Wie aber will man, mit von Kindebeinen an verweiblichten Figuren, denen zudem auch noch die notwendigen finanziellen Mittel – und damit auch die erforderliche Ausrüstung – verweigert werden (die einst stolze deutsche Bundeswehr ist meilenweit von einer Einsatzfähigkeit entfernt), erfolgreich gegen wild entschlossene und hochmotivierte Feinde – wo oder woher auch immer sie sein mögen – bestehen?
Crevelds Ausführungen lassen das Auditorium einigermaßen ratlos zurück: Hat der Westen – wenigstens die Alte Welt – sich mit dem bevorstehenden Untergang abgefunden? Werden ungebildete, ja primitive afroasiatische Horden dem einst die Welt beherrschenden Kontinent schon bald ihren Willen aufzwingen?

Link zum Buch



Wirtschaftliche Freiheit bringt mehr als Entwicklungshilfe

Einmal jährlich veröffentlicht die konservative US-Denkfabrik „Heritage Foundation”, einen „Index der ökonomischen Freiheit”, in dem der wirtschaftliche Status und die Entwicklungstrends von 180 Staaten erhoben werden. Seit vielen Jahren steht zweifelsfrei fest, dass eine klar positive Korrelation zwischen dem in einer Gesellschaft herrschenden Wohlstand und der wirtschaftlichen Freiheit ihrer Mitglieder besteht.

Das in dem Index verwendete Maß der wirtschaftlichen Freiheit, wird durch vier Hauptelemente gebildet, die ihrerseits von insgesamt zwölf Einzelfaktoren bestimmt und gleich gewichtet werden:

  • Rechtsstaatlichkeit (Eigentumsrechte, Regierungsintegrität, effektives Justizsystem)
  • Regierungsgröße (Höhe der Staatsausgaben, Steuerlasten, fiskalische Gesundheit)
  • Regulatorische Effizienz (unternehmerische Freiheit, Arbeitsfreiheit, Geldfreiheit)
  • Marktoffenheit (Handelsfreiheit, Investitionsfreiheit, Finanzfreiheit)

Wirtschaftliche Freiheit bedeutet das fundamentale Recht jedes Bürgers, seine Arbeit und sein Eigentum selbst zu kontrollieren. In einer Gesellschaft freier Bürger bestehen keinerlei hoheitliche Beschränkungen hinsichtlich deren Arbeitsleistung, Produktion, Art und Umfang ihres Konsums und ihrer Investitionen -, sofern gewisse Einschränkungen nicht erforderlich sind, um die Freiheit anderer zu schützen.

In der Spitzengruppe des Index´ hat sich im Jahr 2018 gegenüber den letzten Jahren nicht viel verändert: Hongkong, Singapur und Neuseeland belegen die drei ersten Plätze, gefolgt von der Schweiz als bestbewertetem Land Europas, Australien und Irland. Österreich verliert neuerlich an Boden, liegt nun auf Rang 32 und damit bereits sieben Plätze hinter seinem wichtigsten Handelspartner und Nachbarn Deutschland. Die Alpenrepublik rangierte – vor nicht allzu langer Zeit, nämlich 2006 – noch vor Deutschland auf Rang 18 und rutschte seither kontinuierlich immer weiter ab. Die Schlusslichter der Liste bilden die üblichen Verdächtigen: Nordkorea, Venezuela und Cuba. Sozialismus wirkt eben. Jener Sozialismus übrigens, den die Jusos auch für unser Land herbeisehnen.

Ein ganz besonderer Aspekt betrifft den Status von (meist afrikanischen) Entwicklungsländern, die seitens der westlichen Welt seit Jahrzehnten mit Milliardengeschenken an Entwicklungshilfe – einer Art Ablasszahlung für ihre herbeiphantasierte Schuld am Elend in diesen Ländern – überschüttet werden.

Patrick Tyrell, Forschungskoordinator der Heritage Foundation, hat die Daten des Index´ mit den Armutsdaten der Weltbank abgeglichen und, wie schon andere kritische Geister vor ihm (die aus Sambia stammende Cambridge-Ökonomin Dambisa Moyo sei an dieser Stelle stellvertretend für viele andere namentlich erwähnt), festgestellt, dass Entwicklungshilfezahlungen in vielen Fällen zum genauen Gegenteil des Gewünschten führen. Derartige Zahlungen werden nämlich viel zu selten im Hinblick auf ihre stabilisierende Wirkung auf ebenso korrupte wie despotische Regime überprüft, die in Entwicklungsländern die Regel und nicht die Ausnahme bilden. Die Kritik, wonach Entwicklungshilfe häufig von armen Menschen in reichen Ländern zu reichen Menschen in armen Ländern fließt, stimmt demnach nur allzu oft. Kurzum: Entwicklungshilfe wirkt konservierend auf elends- und armutsbegünstigende Strukturen der damit beglückten Nationen.

Entwicklungshilfezahlungen gehen oft mit einer Stärkung korrupter Machteliten einher, die nur am Erhalt ihrer Privilegien und an der Konservierung des Status quo, nicht aber an der Prosperität ihrer Herrschaftsräume interessiert sind. Patrick Tyrell stellt fest: „Diese Ungerechtigkeiten persistieren an Orten, wo Entwicklungshilfe verteilt wird, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob rechtsstaatliche Prinzipien und wirtschaftliche Freiheit beachtet werden.” So benutzen diktatorische Regime nicht selten die Entwicklungshilfegelder als Waffe, indem sie sie deren Weitergabe an diejenigen verweigern, die ihre Politik kritisieren.

Dass etwa Togo, der Tschad und Niger einen so hohen Anteil an Einwohnern aufweisen, die mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag auskommen müssen, ist, so gesehen, kein Wunder. Die Länder mit der höchsten Rate an absolut Armen sind zugleich diejenigen, die im Hinblick auf die wirtschaftliche Freiheit besonders schlecht dastehen. Die These von der „Ausbeutung der armen durch die reichen Staaten” ist, wie alles was aus der linken Ecke kommt, Pardon – bullshit. Gesicherte Eigentumsrechte und die Teilnahme am Welthandel, nicht die Abkoppelung von der Welt – bilden die entscheidende Grundlage für den materiellen Wohlstand.

Und: Wirtschaftliche Freiheit – nicht Entwicklungshilfe – bringt die Lösung des globalen Armutsproblems.

Links:

  1. Economies 2018 Index of Economic Freedom
  2. Freedom — Not Foreign Aid — Is the Solution to Global Poverty


Wenn Worte ihre Bedeutung verlieren, verlieren Menschen ihre Freiheit

Aggression, so belehrt uns das Internetlexikon Wikipedia, „…ist eine feindselig angreifende Verhaltensweise eines Organismus.” Ein Aggressor ist folglich, wer einen feindseligen Angriff gegen Personen oder Sachen unternimmt. Kein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, würde jemanden, der keine feindseligen Angriffe unternimmt, als aggressiv bezeichnen. Was in aller Welt, geht also in den Köpfen von Leuten vor, die genau das tun? Welche verquere Logik treibt sie dazu?

Offensichtlich übt ein längerer Aufenthalt an den Schalthebeln der Brüsseler Machtzentrale, einen verderblichen Einfluss auf das Denkvermögen der Betroffenen aus. Er ist imstande, das Bewusstsein der Zentralbürokraten derart zu verändern, dass bestimmte Tatsachen scheinbar in ihr exaktes Gegenteil verkehrt werden. Derjenige, der seine Mitmenschen unbehelligt lässt und gegen diese keine feindseligen Angriffe unternimmt, gilt für die solcherart Verwirrten plötzlich als „aggressiv”.

So geschehen dieser Tage, als die Damen und Herren EU-Kommissare mit scharfer Kritik an der „aggressiven Steuerpolitik” einiger Mitgliedstaaten ihres zunehmend totalitäre Züge annehmenden Imperiums aufhorchen ließen. Um jeglichem Missverständnis vorzubeugen: Nicht etwa zu starke__fiskalische Begehrlichkeiten; nicht konfiskatorisch hohe Steuersätze werden von den sich an ihrer Macht berauschenden Bürokraten kritisiert, sondern – im Gegenteil – ausgerechnet jene Staaten, die ihren Bürgern und Betrieben verhältnismäßig geringe Fiskallasten auferlegen.

“Diese Praktiken untergraben die Gerechtigkeit und gleiche Wettbewerbsbedingungen auf unserem Binnenmarkt”, erklärt der sozialistische Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici. Die Ironie, dass der Mann im Namen des Wettbewerbs de facto ein (Steuer-)Monopol fordert, erschließt sich vermutlich nur ausgemachten Feinschmeckern. George Orwell jedenfalls sähe damit die in seinem Roman „1984″ beschriebene Dystopie endlich verwirklicht: Wahrheit ist Lüge, Krieg ist Frieden und geringe Steuerlasten bedeuten Aggression. Nun, Wahrheitskommissar Moscovici stammt aus Frankreich – einem Land, das im Hinblick auf Zentralismus und wohletablierten Realsozialismus den meisten anderen Provinzen des von Brüssel aus gesteuerten Imperiums weit voraus ist. Schon der ebenfalls linke Ministerpräsident Georges Clemenceau (1841 – 1929) wusste: „Frankreich ist ein fruchtbares Land. Man Pflanzt dort Beamte und überall sprießen Steuern.” Die Liebe zu hohen Steuersätzen ist bei Franzosen möglicherweise schon in den Genen angelegt.

Wie dem auch sei: Es gehört zu den beliebtesten, von eingefleischten Etatisten aller Herren Länder ebenso unermüdlich, wie ohne jede plausible Begründung getrommelten Parolen, dass ein (Steuer-)Wettbewerb zwischen Staaten zwangsweise zu einem Abwärtswettlauf führt und somit „ruinös” ist. Dass Wettbewerb eine ebenso zwingende Voraussetzung für eine funktionierende Marktwirtschaft darstellt wie Rechtssicherheit, Vertragsfreiheit und Arbeitsteilung wird ausgeblendet. Dass die Errichtung eines Fiskalkartells durch die Brüsseler Hochbürokratie, infolge des Wegfalls jeglichen Anreizes, Steuergelder sparsam einzusetzen, zwangsweise zu immer weiter zunehmenden fiskalischen Begehrlichkeiten und zu einer durch nichts zu begrenzenden Machtkonzentration in der Hand einer selbsternannten Politelite führt, wird diskret verschwiegen.

Es ist immer wieder zweckmäßig, theoretische Überlegungen an der Wirklichkeit zu überprüfen: Das beste Beispiel für die positive Wirkung steuerlichen Wettbewerbs ist die Schweiz, wo die Begriffe Föderalismus und Subsidiarität nicht nur in Sonntagsreden beschworen, sondern tatsächlich gelebt werden. Die Steuerhoheit von Gemeinden und Kantonen bringt steuerlichen Wettbewerb mit sich und übt eine scharf disziplinierende Wirkung auf die kleinräumig organisierten Gebietskörperschaften aus. Nicht umsonst ist die Schweiz ein erstklassig verwaltetes Land mit vergleichsweise niedrigen Steuer- und Abgabenlasten. Würden Pierre Moscovicis haarsträubende Einlassungen der Wahrheit entsprechen, hätte der „ruinöse” Steuerwettbewerb unter Gemeinden und Kantonen das Land längst zugrunde gerichtet. Offensichtlich ist das aber nicht der Fall.

Der Bannstrahl Saurons – Pardon – der EU-Kommission, richtet sich (vorerst) gegen Belgien, die Niederlande Zypern, Irland, Luxemburg, Malta und Ungarn. Letzteres ist den Sozialisten in allen Parteien bekanntlich schon aufgrund seiner Aufsässigkeit in Fragen der „gerechten” Verteilung von „Flüchtlingen” ein Dorn im Auge. Mit der Anerkennung der Ergebnisse demokratischer Wahlen in den fernen Provinzen des Euroimperiums haben es die Zentralisten ja bekanntlich nicht so besonders.

Die Behauptung, Steueroasen würden andere Länder (also Steuerwüsten) infolge ihrer Attraktivität für Unternehmer, Investoren und Leistungsträger „berauben”, indem sie diesen Steuereinnahmen wegnähmen, ist nachgerade absurd. Wer würde sich zu der seltsamen Beschuldigung versteigen, der Autohersteller VW beraube BMW und Mercedes, indem er den Konsumenten preisgünstigere Fahrzeuge anbietet und damit Kundschaft abspenstig macht? Es ist eben das Wesen einer marktwirtschaftlich verfassten Gesellschaft, Wettbewerb zuzulassen. Aus welchem guten Grund sollte das aber nur für Produzenten von Gütern und Dienstleistungen, nicht aber für territoriale Machtmonopolisten gelten? Mit welchem Recht können schlecht verwaltete oder solche Länder, die infolge falsch gesetzter Anreize das Geld der Nettozahler vorsätzlich oder fahrlässig verludern, andere, die das nicht tun, dazu nötigen, mit ihnen gleichzuziehen? Ist die Förderung staatlicher Korruption und Wohlstandsvernichtung durch eine Ausschaltung des Steuerwettbewerbs und die Verhinderung von Abstimmungen mit den Füßen wirklich sinnvoll? Oder bedeuten solche Bestrebungen nicht vielmehr blanken Irrsinn auf allerhöchstem Niveau?

Macht korrumpiert wie wir wissen. Je größer die Gravitationskräfte eines Imperiums werden und je stärker die damit verbundene Machtkonzentration zunimmt, desto korrupter werden die herrschenden Eliten. Beispielhaft zeigt sich das an ihren ungebremsten fiskalischen Begehrlichkeiten nach dem Brexit. Darauf, auch nur auf einen einzigen Cent an Einnahmen aus der nun deutlich kleiner werdenden Union zu verzichten, kommt in der Machtzentrale niemand. Den verbleibenden Nettozahlern soll stattdessen noch tiefer in die Taschen gegriffen werden. Und wer bei diesem üblen Spiel nicht mitspielen will, wird von der außer Rand und Band geratenen Brüsseler Bürokratenkamarilla als „Aggressor” denunziert.

Um auf den Begriff Aggression zurückzukommen: Als Fazit drängt sich hier ein berühmtes Zitat des chinesischen Philosophen Konfuzius auf:

„Wenn Worte ihre Bedeutung verlieren, verlieren Menschen ihre Freiheit”.



Buchempfehlung: Wenn der Wind sich dreht / Zeitfenster in eine neue politische Ära

Ausgehend von der Feststellung eines Identitätsverlustes in den westlichen Gesellschaften, und deren aufgrund verschiedener Ursachen immer deutlicher werdenden Spaltung, unternehmen die Autoren den Versuch, eine Therapie zu finden, die dem negativen Trend Einhalt gebietet.

In der Medizin stehen vor jeder wirksamen Therapie Anamnese und Diagnose. Diesem Prinzip folgen auch die beiden Autoren der vorliegenden Publikation. Eine der Ursachen für die Spaltung unserer Gesellschaft, in der sich Menschen mit unterschiedlichen Weltsichten mit immer größerem gegenseitigem Unverständnis gegenüberstehen, sind die Pathologisierung und Kriminalisierung des politischen Gegners. Ein offener Diskurs wird dann am Ende unmöglich, wenn die Kategorien richtig und falsch durch Gut und Böse ersetzt werden. Der von den über die Deutungshoheit gebietenden Intellektuellen eingeengte Meinungskorridor, der als zulässig erachtete Positionen rigoros von den „nicht hilfreichen” scheidet, führt zwangsläufig zur Erosion der Demokratie, die ja letztlich vom und für den Meinungspluralismus lebt.

Die immer stärker werdende „Entfaltung der Gesinnungsethik”, die auf die Folgen einer Handlung niemals Rücksicht nimmt und für die allein die „gute” Intention Bedeutung hat, und eine zunehmend grassierende „Kultur der Gegenaufklärung”, bedrohen die Freiheit. Die intellektuelle (direkt oder indirekt steuerfinanzierte) Priesterklasse hat inzwischen jede Bodenhaftung verloren. In ihren marktfernen Biotopen materiell wohlversorgt, verachtet sie alle jene, die ihr Geld unter immer härter werdenden Wettbewerbsbedingungen zu verdienen haben und denen sie letztlich ihr bequemes Leben zu verdanken hat.

Der von der Linken auf das heftigste angefeindete deutsche „Antisoziologe” Helmut Schelsky, erkannte schon vor Jahrzehnten, dass es der „intellektuelle Klerus” darauf abgesehen hatte, „ein das ganze Verhalten des Menschen bestimmendes Grundverhältnis zur Wirklichkeit” zu etablieren“, das nicht anders als „religiös” genannt werden kann.

In einer ganzheitlichen Menschenbildung, die über das bloße Erlernen von stereotyp anzuwendenden Problemlösungstechniken weit hinausgeht, liegt der Schlüssel zur Umkehr. De facto läuft das auf eine Wiederbelebung der Werte der Aufklärung hinaus – auf eine Abkehr vom „betreuten Denken”, die jeder einzelne vorzunehmen hat.

Wenn der Wind sich dreht / Zeitfenster in eine neue politische Ära
Daniel & Fabio Witzeling
Verlag Frank & Frei
117 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-903236-09-7



Protektionismus und Vodooökonomie

Von Andreas Tögel

Leicht macht es US-Präsident Donald Trump seinen wenigen europäischen Verteidigern nicht. Der kürzlich von ihm angedrohte Anschlag auf den Freihandel wiegt zumindest genauso schwer, wie sein unberechenbarer Zickzackkurs in Sicherheitsfragen. Festzustellen ist allerdings, dass viele von denjenigen, die ihn jetzt wegen der angedrohten Zölle empört verurteilen, zuvor selbst als Kritiker internationaler Freihandelsabkommen auftraten.

Schon Adam Smith kritisierte, dass Kaufleute zu Kartellbildungen und protektionistischen Maßnahmen zulasten ihrer Kunden neigen. Im vorliegenden Fall ist es nicht anders. Wenn Präsident Trump meint, mit Einfuhrzöllen auf Aluminium und Stahl seinem „America-first-Project” Vorschub leisten zu können, liegt er mit Sicherheit falsch. Diese Art des Protektionismus nutzt nämlich immer nur dem Klüngel davon begünstigter Unternehmen und deren Mitarbeitern (gegenwärtig den Eisen- und Alukochern), schadet zugleich aber allen anderen – und zwar ungeachtet möglicher Retorsionsmaßnahmen ausländischer Handelspartner. Weniger Wettbewerbsdruck auf die Stahl- und Aluminiumerzeuger, bedeutet am Ende schlechtere Qualität zu höheren Preisen – einfach, weil die Peitsche der Konkurrenz fehlt. Wettbewerb – und nicht der Schutz davor – ist und bleibt Motor des freien Marktes. Die metallverarbeitenden Industrien und deren Mitarbeiter werden den aus den nun einzuführenden Zöllen resultierenden Schaden zu tragen haben, weil ihre Wettbewerbsfähigkeit infolge höherer Wareneinsatzkosten abnimmt. Ihre Kunden wiederum werden mit höheren Preisen leben müssen. Der Nettosaldo einer protektionistischen Wirtschaftspolitik ist immer negativ – sowohl grenzüberschreitend, als auch im Binnenhandel.

Bleibt anzumerken, dass der vorliegende Fall modellhaft vor Augen führt, warum der Staat sich grundsätzlich von der Wirtschaft fernzuhalten, sich jedes verzerrenden Eingriffs zu enthalten und die Marktakteure gefälligst nach deren freien Vereinbarungen handeln zu lassen hat. Was geht es Staatsbürokraten, deren Wirtschaftskompetenz gewöhnlich schon beim Ausfüllen eines Zahlscheins an ihre Grenzen stößt an, wo und mit wem Bürger und Unternehmen Handelsbeziehungen pflegen? Schon droht die vollkommen derangierte EU-Nomenklatura mit Vergeltungsmaßnahmen – und entblödet sich nicht, ausgerechnet US-Whisky (den in Europa eh kaum einer trinkt) und technisch hoffnungslos rückständige Motorräder aus Milwaukee ins Visier zu nehmen. Das wird Mister Trump gewiss schlaflose Nächte bereiten.

Wann und wo auch immer Politiker zur Tat schreiten, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zu erwarten, etwas Gescheites dabei herauskommt. Beispielhafter Fall: Nhlanhla Nene, seines Zeichens Finanzminister der Republik Südafrika, trat soeben mit der wirtschaftsnobelpreisverdächtigen Idee vor die Mikrophone, der Armut in seiner Heimat dadurch den Garaus machen zu wollen, indem er Geld drucken lässt, das er hernach an die Armen zu verteilten plant. So einfach ist dem Problem der Armut demnach beizukommen, wenn man nur die Richtigen regieren lässt. Ist das nicht toll?

Wir Europäer sollten uns indes davor hüten, vom hohen Ross des überlegenen weißen Kolonialherren aus den wackeren Afrikaner ob seines skurrilen Plans zu belächeln. Es sei nämlich an den vergleichsweise sehr schwach pigmentierten FED-Chef Ben Bernanke erinnert, der vor einigen Jahren ernsthaft mit dem Gedanken spielte, Geld zwecks Konjunkturbelebung aus Hubschraubern abwerfen zu lassen, was ihm prompt den Spitznahmen „Helikopter-Ben” eintrug.

Dass materieller Wohlstand nicht von der Menge bedruckter Papierschnitzel, sondern vom produzierten Volumen an Gütern und Dienstleistungen abhängt, hat sich, wie es scheint, bis Südafrika noch nicht herumgesprochen. Das verdeutlicht auch der Umstand, dass soeben mit großer Parlamentsmehrheit die Enteignung der weißen Farmer – eine lupenrein rassistische Maßnahme – beschlossen wurde (kein Wort davon wurde in den heimischen Medien abseits des www kolportiert). Ein Blick ins benachbarte Zimbabwe lässt erahnen, in welch ein „shithole” Südafrika sich daraufhin in ein paar Jahren verwandelt haben wird.



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