Jahresarchive: 2019

Die Klimawandelhysterie treibt immer buntere Blüten

Der WDR markiert einen neuen Tiefenrekord

  1. Wo gehobelt wird, fallen Späne.
  2. Der Zweck heiligt die Mittel.
  3. Man kann kein Omelett backen, ohne Eier zu zerbrechen…

(Andreas Tögel) Zweifellos wird, wer sich dieser Mühe unterziehen will, noch viele andere Weisheiten ähnlicher Art finden. Gemeinsam ist ihnen die Botschaft, dass, wenn es um eine gute Sache geht, auf jede Zurückhaltung verzichtet werden kann, ja verzichtet werden muss. Um ein höheres Ziel zu erreichen, sind alle Mittel nicht nur erlaubt, sondern ist deren Einsatz sogar geboten. Dass diese Ansicht einer zutiefst antichristlichen Haltung entspringt, dürfte sich den wenigsten Zeitgenossen erschließen; wie viel Christen, die sich mit Recht auch welche nennen können, gibt es schließlich noch? Nach Kirchenvater Thomas von Aquin muss, um ein gutes Werk zu setzen, nicht nur die Intention gerecht sein, sondern müssen auch die eingesetzten Mittel angemessen und vor allem das am Ende erreichte Ziel positiv sein.
Dieser Tage scheint es im einst freien Westen – zumindest in dessen europäischem Teil – nur noch ein einziges Ziel zu geben, für das es sich zu kämpfen lohnt, und das nachgerade religiösen Charakter angenommen hat: Die „Klimarettung“.
Kinderlosigkeit, die – nicht zuletzt dank Massenimmigration – vor dem Kollaps stehenden Sozialsysteme, die militärische Impotenz der Alten Welt, die Korruption und Dekadenz der politischen Eliten – wen kümmert das schon? Die – frei erfundene – „Klimakrise“ aber ist omnipräsent. Wenn es um die in beispielloser Hybris angemaßten Möglichkeiten zum Kampf gegen den fraglos existierenden Klimawandel geht (nicht etwa darum, mit dessen Folgen bestmöglich umzugehen, was zweifellos sinnvoll wäre), setzt jegliches Denken aus, wird mittlerweile jede rationale Überlegung über Bord geworfen.
Der WDR hat soeben mit einem Video Aufsehen erregt, in dem ein Kinderchor über „Oma, die alte Umweltsau“ (sic!) singt. Am Ende wendet sich die Kinderschar, mit unverhüllt drohendem Unterton, ans Publikum und verkündet: „wir werden Euch damit nicht davonkommen lassen“. Das sollte, so werden die Programmverantwortlichen zumindest behaupten, nur als Satire verstanden werden.
Doch Menschen als Säue zu bezeichnen, das ist mehr als ein schlechter Witz – genau wie der Umstand dass ahnungslose, unschuldige Kinder als Werkzeuge für eine derart üble Hetze eingesetzt werden. Omas, die weiland mit der geflochtenen Einkaufstasche ihre Besorgungen erledigten, ihre Milch in der Aluminiumkanne holten, niemals ein Auto oder ein Handy besaßen und niemals ein Flugzeug von innen gesehen haben, als „Umweltsäue“ zu apostrophieren, ist ein Skandal der Extraklasse, der nicht als Witz kleingeredet werden kann.
Man stelle sich vor, ein Funktionär der AfD, oder der FPÖ hätte sich derart „satirisch“ mit illegalen Immigranten auseinandergesetzt. Ein veritables Verhetzungsverfahren gegen die Urheber wäre wohl noch vor dem Ende der Durchsage in Gang gesetzt worden.
Menschen zu entmenschlichen hat allerdings eine lange Tradition. Diverse „Wilde“, Kulaken, Armenier und Juden mussten in der Vergangenheit schon erleben, was es bedeutet, als Untermenschen gebrandmarkt zu werden. Sind „alte weiße Männer“ und neuerdings auch Omas die Kulaken unserer Tage?
Wer übrigens mit dem Begriff „Kulak“ nichts anfangen kann, dem sei das großartige Buch „Die Ernte des Todes“ aus der Feder des britischen Historikers Robert Conquest wärmstens empfohlen. Es geht darin um Stalins Politik gegen die Kulaken = „reichen Bauern“ in der Ukraine: nach dem systematischen Aufbau eines Sündenbocks wird dieser zum Feindbild erklärt und um am Ende seiner „gerechten“ Strafe zugeführt – d.h. mittels des Einsatzes direkter oder indirekter Mittel füsiliert.
Sind wir schon wieder soweit? Ist die Zeit jetzt oder spätestens in ein paar Jahren reif für eine neuerliche Entkulakisierung, die sich diesmal halt gegen „Umweltsäue“ richten wird? Einst hat es von der glorreichen Oktoberrevolution anno 1917 bis 1929 – also ganze zwölf Jahre – gedauert, bis alle Dämme brachen und zur „Endlösung“ der Kulakenfrage geschritten werden konnte. Wer glaubt, dass sich so etwas in der geheiligten Demokratie nie wiederholen könnte, hat das Wesen des Sozialismus als unausrottbaren Todestrieb in der Geschichte und als anthropologische Konstante (© Igor Schafarewitsch) noch immer nicht begriffen.
Übertrieben? Paranoide Phantasie eines reaktionären alten weißen Mannes? Lernen Sie Geschichte, verehrte Herrschaften! Die wiederholt sich zwar nicht – aber sie reimt sich, wie weiland Mark Twain scharfsinnig erkannte!
Um das Schlimmste zu verhüten würde es fürs Erste reichen, die für diese widerliche Hetze Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen WDR auf der Stelle ihrer Posten zu entheben und dafür zu sorgen, dass sie solcherlei Unflat niemals wieder verbreiten können – jedenfalls nicht auf Kosten der Steuer- und Gebührenzahler.



Ursula von der Leyens „Green Deal“

Klimaneutralität“ ist das einzige Ziel

ArtikelbildBildquelle: Nicolas Economou / Shutterstock.comWill Euroland „klimaneutral“ machen: Ursula von der Leyen

Frei nach Ronald Reagan: Politik ist stets das Problem und niemals die Lösung. Der Umstand, dass es nicht eben die Besten in die Politik zieht, ist indes dann nicht so schlimm, wenn ihre Möglichkeiten, Unheil anzurichten, beschränkt sind. Je kleiner die Macht von Politikern, desto geringer der durch ihr Treiben angerichtete Schaden. Der Bürgermeister einer 200-Seelen-Gemeinde hat ein eher kleines Zerstörungspotential –im Gegensatz etwa zur mächtigen EU-Kommissionspräsidentin.

Womit wir schon beim hastig zusammengeschusterten „Green Deal“ der EU-Bonzokratie angelangt sind, der rund 260 Milliarden Euro jährlich kosten soll. Die Reise geht klar in Richtung eines rigiden Interventionismus, der mit einem kräftigen Machtwachstum für die Bürokratie einhergehen wird. Subventionen für angeblich „grüne“ Technik (zum Beispiel für Batterieproduzenten) wurden schon auf den Weg gebracht. Dabei wird es nicht bleiben, denn alles „Grüne“ ist künftig subventionswürdig. Nicht umsonst erinnert die Bezeichnung „Green Deal“ fatal an den „New Deal“ des US-Sozialfaschisten Franklin D. Roosevelt, unter dem das einst marktwirtschaftlich konstituierte Land jahrzehntelang zu leiden hatte…weiterlesen



Auf dem Weg zur Islamisierung

Buchrezensin: Eine Moschee in Deutschland: Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen (German) Hardcover – 3. February 2011

Eine Moschee in Deutschland: Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen

(Andreas Tögel) Wer nach den Wurzeln der mittlerweile galoppierenden Islamisierung Deutschlands sucht, wird bei der Geschichte von Deutschlands erster Moschee in München fündig. Der Autor beschreibt in diesem außerordentlich gründlich recherchierten Buch, wie einige im Zweiten Weltkrieg gegründete Seilschaften von Nationalsozialisten und antisowjetischen Muslimen zur Basis eines Netzwerks zur Verbreitung des Islams in Deutschland (und dem Rest Europas) wurden.

Nach einer zähen Anlaufphase konnte die Sache des politischen Islams Fahrt aufnehmen, nachdem die hohe Politik begann, sich helfend einzumischen. Wie schon im Kriege, wurde auch in der Zeit danach versucht, Muslime für den (ideologischen) Kampf gegen die Sowjetunion zu instrumentalisieren. Aus heutiger Sicht ist dieses Vorhaben – abgesehen vom Erfolg der afghanischen Mudschaheddin gegen die russischen Besatzer – restlos gescheitert. Faktisch ist nämlich genau des Gegenteil geschehen: der Westen hat sich – unter Federführung der USA – zum nützlichen Idioten des politischen Islams gemacht und dessen Verbreitung in der Welt massiven Vorschub geleistet.

Stefan Meinung arbeitet in seinem Buch die Rolle vieler namhafter Aktivisten heraus, die in der islamischen Gemeinde rund um die „Münchner Moschee“ tätig waren und sind. Ein zum Teil schockierender, jedenfalls aber augenöffnender Befund, insbesondere im Hinblick auf die Ereignisse von „9-11“.

Im Kontext der rezenten, von politischer Korrektheit bestimmten Politik, die jegliche „Diskriminierung“ von Minderheitsstatus einnehmenden Gruppen (zu denen die Muslime in Europa – einstweilen noch – gehören), kommt dem Rezensenten spontan zweierlei in den Sinn: erstens das Lenin-Zitat „Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, an dem wir sie aufhängen“ und zweitens Max Frischs Drama „Biedermann und die Brandstifter“. Beides passt auf das Verhältnis der Muslime zum Westen und der dort gepflegten Lebensart.

Wer ernsthaft meint, als „Ungläubiger“ mit dem politischen Islam in Frieden leben zu können, hat von den Grundsätzen dieser alle Lebensbereiche durchdringenden Politreligion offenkundig keine Ahnung. Zudem unterschätzen die auf Kurzfristdenken und –Handeln konditionierten Westler meist die Zeiträume, in denen im Dienste des politischen Islams handelnde Akteure denken. Sie verfügen – wie das Beispiel der Entwicklung um den Nukleus der „Mosche In Deutschland“ zeigt – über sehr viel Geduld und Ausdauer. Und sie sind international bestens vernetzt. Sie infiltrieren alle gesellschaftlichen Institutionen (vom Schulwesen über Sportvereine bis zu den politischen Parteien) und nutzen, wie weiland die Nationalsozialisten (mit denen es beachtliche ideologische Schnittmengen gibt) die Instrumente der Demokratie, um mehr und mehr Macht zu akkumulieren und am Ende das von ihnen präferierte Gesellschaftssystem – ein Kalifat unter den Regeln der Scharia – zu errichten. Das werden die heute lebenden älteren Semester wohl nicht mehr erleben müssen. Die „Millenials“ könnten indes deutlich weniger Glück haben.

Das Buch bietet erhellende Einblicke in die Arbeitsweise internationaler islamischer Organisationen und sollte für die politische Klasse zur Pflichtlektüre erklärt werden.



Kurz vermerkelt: Österreich vor einem fatalen Politexperiment?

(Andreas Tögel) Sie ziehen sich, die Verhandlungen zwischen der einst bürgerlichen ÖVP und dem unter der Bezeichnung „Grüne“ firmierenden Konglomerat aus Bobos, Kommunisten und Ökofreaks. Es geht um die Bildung einer neuen Bundesregierung. Die Medienszene, insbesondere der linksverseuchte Staatsfunk, ist ganz wild darauf, Grüne als Minister zu sehen und treibt Kurz unermüdlich dazu, eine entsprechende Regierungsübereinkunft einzugehen.

ArtikelbildBildquelle: Manfred Werner – Tsui (CC BY-SA 3.0)/Wikimedia CommonsBobos, Kommunisten und Ökofreaks: Grüne in Österreich

Rückblende: Nach dem Bekanntwerden des berüchtigten „Ibiza-Videos“ und dem daraufhin augenblicklich erfolgten Rücktritt der beiden dadurch belasteten FPÖ-Politiker, sprengte Sebastian Kurz die Regierungskoalition, indem er den Kopf des an der Affäre völlig unbeteiligten Innenministers Herbert Kickl (FPÖ) forderte. Bis heute weiß niemand, warum er das getan hat. Ob es der Teufel in Person, seine betonköpfigen, in eine Koalition mit den Roten vernarrten Parteifreunde aus der Provinz, oder Zurufe aus der EU-Bonzokratie waren, die ihn zu diesem Schritt veranlasst haben, liegt im Dunkeln. Dort wird es wohl auch bleiben.
Bürgerlich-konservative Wähler hat Kurz sowohl mit dem Koalitionsbruch, als auch mit dem Eintritt in Koalitionsverhandlungen mit den Grünen vor den Kopf gestoßen. Die Mehrheit der Wahlberechtigten wollte eine Fortsetzung der bürgerlichen Koalition – besonders die Anhänger der ÖVP.
Gewisse Dinge tut ein weltanschaulich gefestigter Bürgerlicher einfach nicht.
Dazu gehört zum Beispiel, mit totalitären Paternalisten dieselbe Luft zu atmen – etwa im Zuge von Koalitionsverhandlungen. Doch Kurz ist möglicherweise – wie Angela Merkel erwiesenermaßen – ein grundsatzloser, weltanschaulicher Flachwurzler: wenn´s um die Macht geht, ist für Grundsätze kein Platz – und schon gar nicht für die Abschätzung mittel- und langfristiger Handlungskonsequenzen. Moderne Machtmenschen haben Machiavelli aufmerksam gelesen. Und der kennt bekanntlich keine Moral, die etwas anderem als dem Machterhalt dient.
Doch noch ist die Katze nicht aus dem Sack. Noch besteht für die Produktiven unter den Österreichern eine gewisse Hoffnung, keine Grünen in Ministerämtern erdulden zu müssen (ein Grüner als Innen- Außen- oder Finanzminister ist eine Schreckensvorstellung). Sollte Basti indes mit der Grünen Truppe handelseins werden – und gegenwärtig deutet alarmierend vieles darauf hin, stehen die Zeichen für den Wirtschaftsstandort Österreich – und damit für den Wohlstand im Lande – auf Sturm. Denn billig werden´s die an die Futtertröge drängenden Ökos nicht geben. Massive neue Steuerlasten für den wertschöpfend tätigen Teil der Bevölkerung sind bei einer grünen Regierungsbeteiligung so gut wie sicher.
Ebenso, wie eine verstärkte Förderung der Zuwanderung aus Afrika und dem Orient, sowie empfindliche Beschränkungen der individuellen Mobilität. In diesem Zusammenhang sollte zweierlei nicht vergessen werden: zum einen, dass der Großteil der Funktionäre der Grünen niemals unter Marktbedingungen sein Geld verdient hat. Wie man Geld verbrät wissen sie also; wie man es verdient, davon haben sie keinen blassen Schimmer; und dass sie zum anderen, wie weiland die Bolschewiki anno 1917, mit einer Mischung auf Desinteresse und Verachtung auf die Bevölkerung des flachen Landes blicken. Für sie, wie für alle Bürokraten und Zentralisten, zählen nur die Städte. Dass für Menschen in strukturschwachen Landregionen Privatfahrzeuge überlebensnotwenig sind – etwa, weil die nächste Busstation kilometerweit entfernt liegt, schert sie einen Deut.
Sebastian Kurz steht keineswegs alternativlos vor einer Koalition mit den Grünen. Zwar reicht es mit den Neos nicht für eine parlamentarische Mehrheit und die Sozialisten bewegen sich mit ihrer sendungsbewussten Anführerin Rendi-Wagner auf die Zehnprozentmarke zu (sie verfügen nach aktuellen „Sonntagsfragen“ derzeit über nur noch wenig mehr Wählerzuspruch als die Grünen), aber die bei der Wahl stark dezimierten Freiheitlichen sind ja schließlich auch noch da. Es ist nicht nötig, mit ihnen zu koalieren. Ein hinter den Kulissen geschlossenes „Stillhaltebündnis“ würde reichen, um mit einer Minderheitsregierung erfolgreich zu arbeiten. Diese Konstellation böte keinen Vorwand für medialen Dauerbeschuss und antifaschistische Veitstänze. Die Freiheitlichen könnte sich die ÖVP mit einem Entgegenkommen in Migrations- und Verteilungsfragen gewogen machen. Die hätten, angesichts ihrer anhaltenden Schwäche, so bald kein Interesse an Neuwahlen. Und in fünf Jahren würden die Karten neu verteilt.



Ursula von der Leyens „Green Deal

Willkommen in der Planwirtschaft!

(Andreas Tögel) Frei nach Ronald Reagan: Politik ist stets das Problem und niemals die Lösung.

Der Umstand, dass es nicht eben die Besten in die Politik zieht, ist indes dann nicht so schlimm, wenn ihre Möglichkeiten, Unheil anzurichten, beschränkt sind.

Je kleiner die Macht von Politikern, desto geringer der durch ihr Treiben angerichtete Schaden. Der Bürgermeister einer 200-Seelen-Gemeinde hat ein eher kleines Zerstörungspotential – etwa im Gegensatz zur mächtigen EU-Kommissionspräsidentin.

Womit wir schon beim hastig zusammengeschusterten „Green Deal“ der EU-Bonzokratie angelangt sind, der rund 260 Mrd. Euro jährlich kosten soll. Die Reise geht klar in Richtung eines rigiden Interventionismus´, der mit einem kräftigen Machtwachstum für die Bürokratie einhergehen wird. Subventionen für angeblich „grüne“ Technik (z. B. für Batterieproduzenten) wurden schon auf dem Weg gebracht. Dabei wird es nicht bleiben, denn alles „Grüne“ ist künftig subventionswürdig. Nicht umsonst erinnert die Bezeichnung „Green Deal“ fatal an den „New Deal“ des US-Sozialfaschisten F. D. Roosevelt, unter dem das einst marktwirtschaftlich konstituierte Land Jahrzehntelang zu leiden hatte.

Bis 2050 klimaneutral“ soll die europide Gemeinschaft nach dem Willen von der Leyens werden. Ohne die mehr oder minder vollständige Abkehr vom Einsatz fossiler Energien für Mobilität und Elektrizitätserzeugung ist das unmöglich, wie auch ihr einleuchten sollte – insbesondere dann, wenn die individuelle Mobilität, wie mittelfristig geplant ist, nur noch mit Elektrokarren erlaubt sein soll. Aber was soll´s, der Triumph des Willens ist alternativlos und schließlich nur eine Frage der Zeit.

Dumm nur, dass selbst dann, wenn man ganz Deutschland und den Rest Eurolands mit Windrädern und Photovoltaikanlagen zupflastert, das Problem ungelöst bleibt, wie – in Abwesenheit potenter Stromspeicher – und die werden auf absehbare Zeit technisch nicht realisierbar sein, bei Windstille und bei Nacht die auf Strom angewiesenen Verbraucher bedient werden sollen. Zumal dann, wenn Kernkraftwerke außerhalb Frankreichs als brandgefährliches Teufelszeug gelten und für die Stromproduktion nicht in Frage kommen. Eine Krämerseele, die sich mit derlei Kleinigkeiten aufhält, wo es doch gilt, am ganz großen Rad zu drehen und der ganzen Welt als leuchtendes Vorbild voranzuschreiten!

Es bedarf keiner übersteigerten Phantasie, sich vorzustellen, wie man sich in den Staatskanzleien und Konzernzentralen außerhalb Eurolands vor Begeisterung für den Furor von der Leyens auf die Schenkel klopft! So billig – und ohne jede eigene Anstrengung – ist man einen Wettbewerber noch nie losgeworden.

Denn die völlig realitätsfremde Hinwendung auf das alleinige Ziel der Klimaneutralität (schon die absurde Wortschöpfung treibt einem die Haare zu Berge), wird eine beispiellose Desindustrialisierung Europas und, damit verbunden, einen drastischen kollektiven Wohlstandsverlust nach sich ziehen.

Dauersubventionsbedürftige „grüne“ Technik kann reale Wertschöpfung eben nicht ersetzen. Aber erklären Sie das jenen Brüsseler Bürokraten, die ihr ganzes Leben in Elfenbeintürmen zugebracht haben.

Wer Externalitäten, wie die industriell bedingte Luftverschmutzung internalisieren will, braucht deshalb keine Planwirtschaft zu etablieren. Der Emissionszertifikathandel ist eine marktverträgliche Alternative. Es ist ferner darauf zu achten, „Klimaschutzmaßnahmen“ nicht ohne Rücksicht auf die Entwicklung in anderen Teilen der Welt voranzutreiben. In Fernost (namentlich in China) gehen alle paar Wochen neue Kraftwerke in Betrieb – sowohl mit konventioneller, als auch mit nuklearer Technik. Die CO2-Emissionen steigen dort – im Gegensatz zur denen in den USA und Europa – weiterhin kräftig an. Selbst wenn die EU den Ausstoß an CO2 auf null reduzierte (was nur um den Preis der totalen Verarmung der europäischen Bevölkerung zu haben wäre), könnte sie die Gesamtbilanz der Welt nicht retten. Warum also die eigene (Auto-)Industrie mutwillig zugrunde richten und damit riesige soziale Probleme schaffen?

Davon, einander gegenseitig die Haare zu schneiden und die Schuhe zu putzen, wird Euroland nicht leben können. Auch die ambitionierteste Klimapolitik hat auf die wirtschaftliche Realität Bedacht zu nehmen!



Christine Lagarde gegen die Sparer – das ist Brutalität

( Andreas Tögel) Also sprach Christine Lagarde die neue Chefin der EZB, deren Unterschrift künftig die Geldscheine der europäischen Esperantowährung zieren wird: _„Es gibt eine Grenze, wie weit und wie tief man in den negativen Bereich vordringen kann. Ja, es gibt bei allem einen Boden, aber den haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erreicht.“ _Sie meinte das Zinsniveau, das nach ihrer leider schwerwiegenden Meinung noch nicht tief genug im Negativbereich liegt. Sie ist demnach wild entschlossen, den von ihrem Vorgänger Mario Draghi eingeschlagenen Kurs zur Enteignung der Sparer zügig fortzusetzen.

Christine Lagarde

Das dürfte ihr auch problemlos gelingen, da die kleinen Sparer hierzulande und in Deutschland nach wie vor auf das Sparbuch setzen, um für schlechte Zeiten und für das Alter Reserven zu bilden. Diese Vorsorgestrategie unterscheidet sich deutlich von der, die in Ländern wie Italien oder in Frankreich vorherrscht. Dort setzt man nicht so sehr auf das Horten von Geld, sondern vielmehr auf den kreditfinanzierten Erwerb von Immobilien. Niedrige Zinsen bedeuten in diesem Fall geringere Rückzahlungsraten. Sie begünstigen klar die Schuldner zulasten der Sparer.

Mario Draghi ist Italiener, Christine Lagarde ist Französin. Beide betrieben…weiterlesen



Zeiten schlechten Geldes sind Zeiten guter Theorie

Zeiten schlechten Geldes sind Zeiten guter Theorie
(Friedrich August Hayek)

(Andreas Tögel) Das oben stehende Zitat mag einst seine Berechtigung gehabt haben. Heute kann davon indes keine Rede mehr sein. Würden in den amtlichen Teuerungsstatistiken nämlich auch die Preisentwicklungen bei Immobilien und Aktien berücksichtigt, wäre jedermann sofort klar, wie schlecht unser Geld in Wahrheit ist. Die angeblich unter zwei Prozent liegende Teuerungsrate würde schlagartig in Richtung zehn Prozent hochschnellen.


(AP Photo/Olivier Matthys)

Der US-Dollar hat seit Gründung des Federal-Reserve-Systems im Jahr 1913 rund 97 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Beim Euro ist es seit seiner Einführung anno 2002 deutlich mehr als die Hälfte. Wer in Euroland regelmäßig Lebensmittel einkauft, weiß über den Wert des monopolisierten Esperantogeldes Euro bestens Bescheid.

Dass das Geld ganz offensichtlich schlecht ist, beruht – nachzuschlagen beim Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften 1974, Hayek – auf mangelnder Konkurrenz. Denn Wettbewerb nützt jedermann -, ist der Treibstoff jeder Wirtschaft. Ein Monopol hingegen ist nur gut für den der es hat, und schlecht für alle anderen. Monopole liefern stets schlechte Leistungen zu überhöhten Preisen. Es gibt keinen Grund, an diesem Zusammenhang zu zweifeln, wenn es um die Herausgabe von Geld geht. Ob die gegenwärtige Politik des „leichten Geldes“ am Ende zu einer Hyperinflation oder zu einem deflationären Schock führen wird, ist ungewiss. Fraglich ist nicht ob, sondern wann es krachen wird.

Wir leben also in Zeiten schlechten Geldes. Demnach sollte die Geld- und Wirtschaftstheorie gegenwärtig einen Höhenflug erleben. Leider ist das Gegenteil der Fall. Hayek hat sich in diesem Punkt geirrt. Die an dieser Stelle bereits gewürdigte MMT („Modern Monetary Theory“) ist das beste Beispiel dafür: wer ernsthaft meint, die Geldmenge würde den Wohlstand bestimmen – je mehr, desto höher – sollte sich fragen, weshalb in Simbabwe und Venezuela nicht die reichsten Menschen der Welt leben.

Natürlich hängt der Wohlstand nicht von der begebenen Geldmenge, sondern – unter sonst gleichen Bedingungen – ausschließlich von der Höhe des zur Verfügung stehenden Kapitalstocks ab, der ist für die Produktivität einer Volkswirtschaft – und damit für die Höhe der Löhne – von alles entscheidender Bedeutung ist.

Die neue Chefin der EZB, Christine Lagarde, hat ihre profunden Einsichten in die Ökonomie kürzlich offenbart, als sie sinngemäß meinte, Arbeitsplätze wären wichtiger als Ersparnisse. Wahr ist aber, dass nicht verkonsumiertes Geld – Ersparnisse – nun einmal die unabdingbare Voraussetzung für Investitionen bilden. Schließlich kann man sein Geld nicht gleichzeitig behalten und ausgeben.
Die stark verkürzte Kausalitätskette lautet: keine Ersparnisse – keine Investitionen – keine Arbeitsplätze. Wenn eine so mächtige Organisation wie die EZB von einer Person geführt wird, deren Urteil offensichtlich durch keinerlei grundlegenden Kenntnisse der Funktionsweise einer Marktwirtschaft getrübt wird, sollten sich die Insassen der EUdSSR besser vorsorglich warm anziehen.

Wer Prosperität wünscht, muss alles tun, um den Unternehmen frei Bahn zu schaffen – damit sie Kapital akkumulieren und investieren können. Besser: er sollte alles unterlassen, was der Steigerung der Produktivität im Wege steht.
Beispielsweise sollten Zentralbanken und Regierungen auf jede Strukturkonservierung verzichten, die mit aggressiver Geldpolitik vonstattengeht, und die den für eine Marktwirtschaft maßgeblichen Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ unterbindet. Wer marode Unternehmen künstlich am Leben erhält, tut der Volkswirtschaft nicht Gutes. Denn er verringert die realisierbare Gesamtproduktion, indem er Unternehmenszombies erschafft und den innovativen Betrieben Mittel entzieht, die diese investieren und in Wachstum umsetzen könnten.

Dass die umgesetzte Wirtschaftstheorie auch in den USA, Japan und China nicht intelligenter ist als in Euroland, ist in einer wirtschaftlich eng verflochtenen Welt kein Trost – ganz im Gegenteil. Das globale Wachstum der letzten Jahre war Großteils durch einen Boom im Reich der Mitte bedingt. Einen Boom, der von Schulden und Krediten getrieben war und ist, und der in naher Zukunft sein Ende finden könnte. Was aber dann?

Da sich in Euroland die konventionellen Mittel der Geldpolitik erschöpft haben (weniger als gar keine Zinsen geht schließlich nicht so ohne weiteres), werden uns wohl wesentlich originellere Formen der Konjunkturbelebung ins Haus stehen.
Vielleicht werden – zur Freude schlichter Gemüter – schon demnächst namhafte Gutschriften der Zentralbank auf den Girokonten der Bürger erfolgen. In Zeiten schlechten Geldes und mieser Theorien ist schließlich alles möglich. Und einer begnadeten Expertin wie Christine Lagarde, die fest daran glaubt, durchs Gelddrucken die Menschen reich machen zu können, ist alles zuzutrauen.



Vor dem Endsieg der Kulturmarxisten?

(Andreas Tögel) Keine 70 Jahre liegen zwischen der Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests und der Oktoberrevolution in Russland, die beispielloses Elend über viele Menschen brachte. Ebenfalls rund 70 Jahre liegen zwischen den ersten Anläufen der Transgenderideologie und der Gegenwart. Ein Grund zur Sorge?
Cover Transideologie
Seit der 1995 abgehaltenen, vierten Weltfrauenkonferenz in Peking, steht das zutiefst destruktive Genderprojekt endgültig auf Schiene, und wird von der politischen Klasse beiderseits des Atlantiks nach Kräften vorangetrieben. Der durchschlagende „Erfolg“ dieser im Marxismus wurzelnden Ideologie, manifestiert sich in einer Verwirrung einer steigenden Zahl von Menschen, die nicht mehr wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind. Genau das liegt auch im Interesse der ultralinken Aktivisten, die als Promoter der Transideologie fungieren, die man getrost als den (vorläufigen) Kulminationspunkt menschlicher Hybris und Dekadenz bezeichnen kann. Doch kein Weg ohne Ziel: wer derart verwirrt ist, dass er selbst an seiner Geschlechtlichkeit zweifelt, ist entsprechend leicht lenkbar – und somit ein wahrer Liebling der herrschenden Klasse und deren intellektuellen Symbionten.

Der Buchautor, Professor für theoretische Pädagogie und Erziehungsphilosoph, benennt sowohl die Opfer als auch die Nutznießer des religiöse Züge tragenden Genderwahns, der bemüht ist, sich mit einem wissenschaftlichen Mäntelchen zu schmücken. Zu ersteren zählen jene mehrheitlich jugendlichen Menschen, die durch die unermüdliche Wühlarbeit einschlägig interessierter Kreise verunsichert sind; zu letzteren – neben der Politnomenklatura – auch eine Reihe von zum Teil sehr wohlhabenden Männern, denen die Zertrümmerung aller Traditionen und Kulturen ein durchaus auch merkantiles Anliegen ist (und die auch auf anderen Politikfeldern ihr Unwesen treiben).

Puolimatka schildert den Schaden, den frühzeitige Interventionen anrichten, die oft bereits im Kleinkindesalter vorgenommen werden (!), und die in jedem Fall zur irreversiblen Sterilität der „Transmenschen“ führen. Gut dokumentiert sind zahlreiche Fälle, in denen der Schritt zur Geschlechtsumwandlung von den Betroffenen im Nachhinein schwer bereut wurde. Diese Tatsache findet auch darin ihren Ausdruck, daß die Gruppe der chirurgisch „umgewandelten“ Menschen eine 19fach höhere Selbstmordrate aufweist als die übrige Bevölkerung.

Der erfahrene Kriminalist weiß, dass es bei gewöhnlichen Verbrechen so gut wie immer ums Geld geht. In der Politik dagegen geht es stets um die Macht. Nach ihrem erfolgreichen Marsch durch die Institutionen, gehen die längst an allen relevanten Schalhebeln des Staates sitzenden Kulturmarxisten aufs Ganze: wie von Marx und Engels gefordert, muss die aus Mann, Frau und Kindern gebildete Familie, als bourgeoise „Keimzelle des Faschismus“ denunziert, um jeden Preis zerstört werden. Die zeitgeistkompatible „Transideologie“ scheint ihnen das dazu am besten geeignete Mittel zu sein.



Traum und Wirklichkeit: der Glaube versetzt keine Berge!

Die von ihrer Weisheit und Allmacht überzeugten politischen Eliten wähnen sich in einer Welt, in der die von ihnen beschlossenen Gesetze zwingend das gewünschte Ergebnis herbeiführen. In ihrer Phantasie sorgt ein „Mietendeckel“ für billigen Wohnraum, hoheitlich erzwungene Mindestlöhne bewirken kollektiven Wohlstand, und strenge Waffengesetze schließen zuverlässig jede Bluttat aus.
Davon, wie „hervorragend“ das alles in der wirklichen Welt funktioniert, kann jedermann sich täglich selbst ein Bild machen.

Umso erstaunlicher ist es, dass nicht nur die anmaßende Politnomenklatura, sondern auch ein beachtlicher Teil der gegängelten und ausgeplünderten Untertanen blindlings auf die wundersam segensreiche Kraft staatlicher Kommandos vertraut. Viele der Beherrschten sind geradezu süchtig nach immer mehr Vorschriften, Verboten und Steuern (etwa in Sachen CO2), auf dass ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten am Ende dermaßen eingeengt werden, dass sie überhaupt nichts mehr falsch machen können. Ganz besonders wichtig ist es vielen Zeitgenossen, ins Leben anderer hineinzuregieren, denen es zu verbieten gilt, was ihnen selbst entbehrlich erscheint.

Umso größer das Erstaunen, wenn trotzdem geschieht, was angesichts der geltenden Gesetze gar nicht geschehen dürfte. „Mehrere Waffen bei Intervention in Wohnung sichergestellt“, lautete kürzlich etwa eine Pressemitteilung der Wiener Polizei.
Bei diesem Vorfall geht es um immerhin drei Faustfeuerwaffen nebst (verbotenen) Schalldämpfern. Pikant an der Sache ist, dass gegen den Besitzer der genannten Gerätschaften bereits ein behördliches Waffenverbot bestand.

Aber es geht noch bunter: „Bei Hausdurchsuchung 67 Waffen sichergestellt“, lautet die Überschrift einer Meldung des ORF aus Reutte in Tirol. In dem beschlagnahmten Privatarsenal befanden sich auch nicht näher genannte „verbotene Waffen“ (dabei kann es sich beispielsweise um vollautomatische Feuerwaffen oder „Pumpguns“, aber auch um „Stockdegen“ und Schlagringe handeln). Den Grund für die Hausdurchsuchung bildete in diesem Fall ein Whatsapp-Video, das den Mann beim Hantieren mit einer Pistole zeigt. Die Behörde sah sich zum Handeln veranlasst, weil auch gegen ihn bereits ein Waffenverbot vorlag.

Waffenverbote werden gewöhnlich dann ausgesprochen, wenn die betroffene Person zuvor gegen waffenrechtliche Bestimmungen verstoßen hat. Wie sinnvoll diese Vorgehensweise ist, wenn der mit dem Bann Belegte seine Geringschätzung für das einschlägige Gesetz bereits zuvor deutlich bekundet hat, liegt auf der Hand.

Keine Wirkung, kein Schaden

Zweierlei zeigt sich anhand der beiden Beispiele: Zum einen kann jemand, der sich in den Besitz von Waffen zu setzen gedenkt, das ungeachtet des geltenden Waffengesetzes tun. Der Weg zum konzessionierten Fachhändler, der treulich mit den Behörden kooperiert und Leute, gegen die ein Waffenverbot besteht, nicht als Kunden akzeptiert, ist eben nicht erforderlich. Den in den beiden Fällen handelnden Personen, bei denen es sich mutmaßlich nicht um Berufskriminelle handelt, die über Beziehungen zur Unterwelt und zu Waffenschiebern verfügen, war es ohnedies möglich, sich Waffen zu besorgen. 

Zum anderen wurde in beiden Fällen durch Waffen keinerlei Schaden angerichtet.
Dass sie aus dunklen Quellen stammten, hat ihre Besitzer nicht dazu veranlasst, Gewalttaten zu verüben. Wären diese Waffen auf gesetzeskonforme Weise erworben worden, würde kein anderes Ergebnis vorliegen. Wir sehen: Waffen sind per se nicht böse, und gesetzliche Verbote sind – siehe die Erfahrungen aus dem Kampf gegen illegale Drogen – sinnlos, wenn eine dringende Nachfrage vorliegt.
Lediglich das mit dem Handel verbundene Geschäftsrisiko und die Größe allfälliger Kollateralschäden nehmen durch restriktive Gesetze zu.

Fazit: Waffengesetze sorgen so wenig für Sicherheit, wie Mietrechtsgesetze Wohnraum schaffen. Offensichtliches zu akzeptieren, scheint vielen Zeitgenossen indes unmöglich zu sein.

Dieser Artikel ist zuerst im Magazin eigentümlich frei Nr.
198
erschienen.



Buchrezension: Aus den Augen der jeweils anderen gesehen

(Andreas Tögel) Mit diesem Buch legt der als Medien- und Kulturwissenschaftler tätige Autor eine hochinteressante Studie zur gegenseitigen Wahrnehmung verschiedener Ethnien durch die jeweils anderen vor. Dazu schildert er einerseits die Geschichte der interethnischen Begegnungen und zitiert andererseits überlieferte Erzählungen über und Beobachtungen sowie Feststellungen zu den jeweils anderen Gruppen (die Verwendung des Begriffs „Rasse“ verbietet sich aus Gründen der politischen Korrektheit). Interviews mit Angehörigen der im Buch benannten ethnischen Gruppen zu den Fremden runden das Bild ab.

Fremd- und die Eigensicht der im Buch genannten Großgruppen weichen zum Teil erheblich voneinander ab. Auch ergeben sich zahlreiche Widersprüche und Paradoxa, etwa wenn Weiße von den Angehörigen anderer Ethnien zwar als „schön“ und „attraktiv“ beschrieben werden, andererseits aber als Lebenspartner nicht in Frage kommen.

Ale „rassistisch“ geltende Stereotype hinsichtlich der Sicht Schwarzer aus den Augen von Weißen werden indes vielfach durch die Eigenwahrnehmung von Afrikanern bestätigt. Sie bewundern Fleiß und Effizienz der (weißen) Europäer und erkennen durchaus ihre eigenen Defizite im Hinblick auf ihre eigene Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und den Arbeitseifer. Dass aus der Sicht von Afrikanern gilt: je heller, desto besser, mag überraschen. Ebenso, dass in so gut wie allen tradierten Überlieferungen Afrikas, mit der dunklen Färbung der Haut niemals etwas Positives, sondern durchgängig ein Mangel oder Makel verbunden wird.

Dass Weiße es nicht leicht haben, in Japan Fuß zu fassen, mag nicht erstaunen. Dass es für Europäer oder Amerikaner aber sogar noch schwieriger wird, wenn sie den Versuch unternehmen, möglichst tief in die japanische Kultur einzudringen – etwa indem sie ihre Kenntnisse der japanischen Sprache perfektionieren -, ist schon ein recht bemerkenswerter Befund. Die jahrhundertelange Abgeschlossenheit der Japaner auf ihren Eilanden, die eine „völkische“ Homogenität zur Folge hatte, die ihresgleichen sucht, könnte eine Erklärung dafür bieten, weshalb sich Weiße nirgendwo auf der Welt fremder fühlen, als gerade in Japan. Die begeisterte Übernahme westlicher Errungenschaften (etwa der politischen Verfassung Preußens) bedeutet keinesfalls eine Übernahme der westlichen Kultur oder gar eine Unterwerfungsgeste, wie der Autor elaboriert ausführt.

1998 in seiner Erstauflage erschienen, handelt es sich um ein hochinteressantes und tief recherchiertes Werk, das, dem Siegeszug der politischen Korrektheit sei Dank, heutzutage in der vorliegenden Form und mit der gewählten Terminologie (z. B. des Begriffs „Neger“) wohl nicht mehr erscheinen könnte. Lesenswert!…weiterlesen



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