Monatsarchive: Oktober 2019

Schreckgespenst Deflation: Mit Beelzebub gegen den Teufel

(Von Andreas Tögel) Dieser Tage tritt Mario Draghi, langjähriger Chef der EZB ab und übergibt sein Amt an Christine Lagarde. Eine Fortsetzung der extrem lockeren Geldpolitik (z.B. mittels regelwidriger Staatsfinanzierung durch Anleihenkäufe), und ein verschärfter Kampf gegen das Bargeld sind damit schon fix programmiert. Das Bargeld muss und wird deshalb dran glauben, weil es der kollektiven Enteignung der Geldhalter zugunsten des Staates mittels hoheitlich erzwungener Negativzinsen im Wege steht.

Leitgedanke hinter der inflationistischen Geldpolitik beiderseits des Atlantiks, ist die Angst vor einer Deflation, die als die schwerste Bedrohung des Wirtschaftssystems – ja des gesamten politischen Systems überhaupt – bezeichnet wird. Deflation, so das Narrativ der internationalen Geldsozialisten, würde eine wirtschaftliche Abwärtsspirale mit katastrophalen Folgen in Gang setzen. Als abschreckendes Beispiel werden die Ereignisse der 1930er Jahre genannt, in denen – angeblich – eine deflationistische Geldpolitik in eine Wirtschaftskrise geführt und damit dem politischen Totalitarismus in Europa das Feld bereitet habe.

Dass dem damaligen deflationären Schock eine jahrelange, schuldenfinanzierte Konsumparty mit einer entsprechenden Ausweitung der Geldmenge vorangegangen war, wird geflissentlich ausgeblendet. Merke: Es kann keine Deflation ohne eine vorangegangen Inflation geben (von einer konsumentenfreundlichen, wachstumsinduzierten Deflation abgesehen, in der steigende Produktivität sinkende Preise zur Folge hat). Der Begriff Inflation bezeichnet, nach korrekter Definition, nicht auf breiter Front erfolgende Preissteigerungen, sondern eine Ausweitung der (heutzutage stets ungedeckten) Geldmenge (inflare = aufblähen), die in der Folge zu einem allgemeinen Preisanstieg führt. Die korrekte Semantik in dieser Angelegenheit ist zum Verständnis von Ursache und Wirkung besonders wichtig!

Nun vermehrt sich die Geldmenge allerdings nicht als Folge naturgesetzlicher Zusammenhänge oder aus reinem Zufall, sondern ist – besonders in einem von politisch gelenkten Zentralbanken beherrschten, monopolisierten Fiatgeldsystem – durch den einsamen Entschluss deren Führer bedingt. Mario Draghi & Konsorten tun, was immer sie für richtig halten – ohne die geringste Rücksicht auf die Geldnutzer zu nehmen und ohne jede an anderer Stelle stets entschieden geforderte „demokratische Legitimation“.

Die politisch-bürokratische Klasse zelebriert seit Jahrzehnten (exakt seit dem 15. August des Jahres 1971, als US-Präsident Richard Nixon die Bindung des US-Dollars an das Gold mit einem Federstrich beendete) einen beinharten Geldsozialismus (© Roland Baader). Nutznießer sind alle Schuldner (primär die zum Teil hoffnungslos überschuldeten Staaten, aber auch die zunehmende Zahl von „Zombieunternehmen“). Geschädigt werden dagegen die Sparer, die bereits hunderte Millionen Euro an Zinsen verloren haben und ihren Geldvermögen ohnmächtig beim Schmelzen zusehen müssen. Auf klassische, risikoarme Anlageformen gibt es keine Zinsen mehr, dafür aber Kaufkraftverluste infolge der Geldinflation. Kleine Sparer und Anleger stecken in einer unentrinnbaren Doppelmühle, sofern sie nicht auf extrem risikoreiche Investments, von denen sie in aller Regel nicht das Geringste verstehen, ausweichen wollen.

Wenn dann schließlich – wie eben jetzt – die desaströsem Folgen der hoheitlich orchestrierten Umverteilungsorgien langsam aber sicher auch schlichteren Gemütern klar zu werden beginnen, ein einigermaßen schmerzloser Ausstieg aus der Nullzinsfalle aber unmöglich ist, werden, wie zum Hohn, „die Märkte“, der „Neoliberalismus“ und der „Raubtierkapitalismus“ für die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen verantwortlich gemacht. Der politisch-geldindustrielle Komplex, der all das zu verantworten hat, liefert in der Folge noch mehr vom selben, also eine weitere Steigerung der falschen Medizin namens Geldmengenausweitung, die die Grundlage für die gegenwärtige Krise bildet.

Es sind daher weitere Schritte in Richtung einer von Zentralbürokraten geführten Plan- und Kommandowirtschaft zu erwarten. Einer, der vermutlich folgenschwerste davon, wird die Abschaffung des Bargeldes sein, die im Zuge einer gerissenen Salamitaktik längst betrieben wird.

Wer mehr zum Phänomen Deflation wissen will, dem sei die Lektüre des Buches:
In Defense of Deflation
aus der Feder des in der Tradition der „Österreichischen Schule“ stehenden Ökonomen Philipp Bagus empfohlen.
Verlag Springer, Hardcover, 215 Seiten, ISBN: 978-3319134277.

Professor Bagus lehrt Volkswirtschaftslehre an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid.



Sondieren geht über regieren

Sebastian Kurz als Dauerbrenner oder Strohfeuer?

Artikelbild Bildquelle: photocosmos1 / Shutterstock.comSebastian Kurz: Dauerbrenner oder Strohfeuer?

Knapp ein Monat ist seit der Nationalratswahl in Österreich mittlerweile ins Land gezogen. Bislang ist völlig offen, wie die neue Regierung aussehen wird. Der smarte Jungstar, Retter der ÖVP, der alte und wahrscheinlich neue Kanzler, Sebastian Kurz, ist eben dabei, zu „sondieren“, das heißt, mögliche Koalitionsvarianten zusammen mit den in Frage kommenden Partnern zu prüfen. Konkrete Koalitionsverhandlungen wurden bis dato noch nicht aufgenommen. Regierungsfähige Mehrheiten ohne Beteiligung der ÖVP sind rechnerisch zwar möglich, aber unrealistisch. Koalitionen aus ÖVP und SPÖ, ÖVP und FPÖ sowie ÖVP und Grünen können auf die Stimmen von mehr als 50 Prozent der Abgeordneten zählen. Eine Regierung mit Verfassungsmehrheit (zwei Drittel der Abgeordneten) würde eine Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und einer dritten Partei oder aus ÖVP, FPÖ und den Grünen bedingen. Beides ist unwahrscheinlich. Ohne die Abgeordnetenstimmen der ÖVP kommt jedenfalls keine parlamentarische Verfassungsmehrheit zustande.

Kurze Rückblende: Nach der Veröffentlichung des berüchtigten „Ibiza-Videos“ (das bislang noch niemand…weiterlesen



Privater Waffenbesitz: USA und Europa – der große Unterschied

In politischer Hinsicht bestehen zwischen Europa und den USA wesentliche Unterschiede. Einer der wichtigsten betrifft das Verhältnis der Bürger zur Regierung, das sich in zehn Zusatzartikeln zur Verfassung der Vereinigten Staaten manifestiert; nämlich in der am 25. September 1789 vom Kongress beschlossenen „Bill of Rights“. Der zweite dieser Zusatzartikel, das vieldiskutierte „Second Amendment“, garantiert das Recht der Bürger auf den Besitz und das Tragen von Waffen. Er lautet: „Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“ Bis heute steht diese Textpassage im Mittelpunkt heißer Kontroversen – insbesondere dann, wenn es zu einem Missbrauch privater Waffen kommt.

Worauf zielt das Waffenbesitzrecht?

Bemerkenswert ist weniger die Tatsache, dass der private Waffenbesitz in den Vereinigten Staaten im Verfassungsrang steht und „nicht beeinträchtigt werden“
darf, sondern vielmehr die Begründung dafür. Es geht nämlich ausdrücklich nicht um den Waffenbesitz zwecks Jagdausübung oder als Mittel zur Selbstverteidigung gegen gewöhnliche Kriminelle, sondern um die Abwehr von Übergriffen der eigenen Regierung. Mehrere Zitate führender Politiker und Gründerväter der USA liefern dafür eindrucksvolle Belege.

Die Stimmen von vier Präsidenten

Der erste Präsident der Vereinigten Staaten, George Washington, sagte: „Ein freies Volk muss nicht nur bewaffnet und diszipliniert sein. Es sollte vielmehr so ausreichend mit Waffen und Munition ausgerüstet sein, dass es jederzeit seine Unabhängigkeit gegen jedermann verteidigen kann, der es zu missbrauchen versucht. Das schließt insbesondere die eigene Regierung ein.“

Der Nachfolger Washingtons im Amt des Präsidenten, John Adams, fügte hinzu: „Waffen in den Händen der Bürger können nach ihrer eigenen Entscheidung zur Verteidigung ihres Landes, zum Sturz der Tyrannei oder zur privaten Selbstverteidigung benutzt werden.“

Schließlich meinte der vierte Präsident des Landes, James Madison: „Eine Regierung, die ihren gesetzestreuen Bürgern nicht zutraut, Waffen zu besitzen und zu tragen, ist selbst nicht vertrauenswürdig.“

In den Ohren mehrheitlich obrigkeitshöriger und politikgläubiger Europäer klingt das haarsträubend. Die Rechtschaffenheit der Machthaber und Bürokraten anzuzweifeln, grenzt in der Alten Welt an Blasphemie. Besonders Deutsche und Österreicher, die nie eine erfolgreiche Revolution zustande gebracht oder – anders als Briten und Franzosen – einen Herrscher enthauptet haben, verschwenden, trotz übler Erfahrungen in der gar nicht so fernen Vergangenheit, keinen Gedanken daran, sich mit Waffengewalt ihrer eigenen Regierung zu erwehren. Staat, Regierung und Bürokratie wähnen sie stets im Recht.

Ganz anders die Mentalität jenseits des Atlantiks: Bis heute würde es dort eine Regierung politisch nicht überleben, sollte sie den ernsthaften Versuch unternehmen, das Recht der Bürger zum Waffenbesitz auszuhebeln.

Der Unterschied im Selbstverständnis der Bürger zum Staat wird besonders an der Einstellung zum Waffenbesitz deutlich: Selbstbewusste US-Amerikaner werden sich ihre Waffen allenfalls aus den „kalten, toten Händen“ nehmen lassen, wie es der seinerzeitige Chef der National Rifle Association, Charlton Heston, formulierte. Offenbar ist in den USA die Erinnerung an die Zeit des Kampfes der Kolonisten gegen die britische Tyrannei – und an die dafür notwendigen Mittel – noch nicht verblasst.

Die über die Meinungshoheit gebietende Linke Europas hat es dagegen geschafft, den Staat zu heiligen und jeden Widerstand gegen ihn zu kriminalisieren. Solange sie selbst noch nicht an Schalthebeln der Macht saß, war das nicht so. Karl Marx sagte einst: „Die Waffen und die Munition dürfen unter keinem Vorwand aus den Händen gegeben, jeder Entwaffnungsversuch muss nötigenfalls mit Gewalt vereitelt werden.“ Nach dem Marsch der Marxisten durch die Institutionen sieht das anders aus.

Das Leben in Europa wird – aus sattsam bekannten Gründen – immer gefährlicher.
Wie der Einzelne, ungeachtet der waffengesetzlichen Bestimmungen, darauf reagiert, ist letztlich seine Entscheidung.



Die wunderbare Welt des politischen Mittels: her mit dem Geld!

(Andreas Tögel) Einkommen kann, abgesehen von den Fällen in denen jemand von freiwillig gewährten, gegenleistungsfreien Zuwendungen lebt, grundsätzlich auf nur zwei verschiedene Arten generiert werden: mit wirtschaftlichen Mitteln (durch Produktion und Handel) oder mit politischen Mitteln (durch Einsatz von Zwang und Gewalt). Der deutsche Soziologe und Ökonom Franz Oppenheimer hat diesen Sachverhalt in seinem Buch „Der Staat“ schon vor mehr als 100 Jahren eindrucksvoll dargelegt.

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Einkommen, die durch wirtschaftliche Mittel generiert werden, kommen deshalb rechtmäßig zustande, da ihnen eine freiwillige Übereinkunft der Akteure vorangeht. Wer einem Schuster für die Anfertigung eines Paars Maßschuhe 1.000,- Euro bezahlt (woraus sich ein entsprechender Stundelohn ergibt), wird von niemandem dazu gezwungen. Der Kunde kann es schließlich auch lassen und stattdessen für 50 Euro Treter aus Massenfertigung beim billigen Jakob kaufen.
Auch wer einen Architekten, einen Tischler oder einen Schönheitschirurgen engagiert, bezahlt dessen Leistungen nach vorheriger Vereinbarung – ohne dass jemand auf ihn Druck oder Zwang ausübt. Der Preis der jeweiligen Arbeitsstunde ergibt sich in jedem dieser Fälle auf marktkonforme Weise, wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt, und ist daher über jede moralisierende Kritik erhaben.

Auch wenn zehntausende Fans ein kleines Vermögen dafür bezahlen, um einen Schlageraffen (© Udo Lindenberg) beim Musizieren oder 22 Proleten beim Balltreten zu bewundern – und die solcherart Beglückten damit in unerhörter Weise bereichern -, ist das solange völlig in Ordnung, solange nicht zusätzlich unbeteiligte Dritte für die Chose aufzukommen haben, um das Vergnügen der anderen zu subventionieren.

Womit wir auch schon in der Welt des politischen Mittels angekommen sind: Menschen, die ihr Einkommen dem Einsatz von Zwang und Gewalt verdanken (das sind alle direkt oder indirekt im Dunstkreis des Staates werkenden Individuen wie Politiker, Beamte, Kammerfunktionäre, im Dienste öffentlicher Unternehmen stehende Personen, usw.) lassen ihren unfreiwilligen Kunden – anders als der oben genannte Schuster – keine Wahl. Die müssen ihre Gehälter in jedem Fall bezahlen, ob sie die jeweiligen Dienstleistungen der privilegierten Diener des Leviathans in Anspruch nehmen oder nicht.

Damit ist nicht gesagt, dass sämtliche von öffentlich Bediensteten erbrachten Leistungen obsolet sind. Schließlich besteht beispielsweise nach Lehrern, Ärzten und Sicherheitsfachkräften auch unter Marktbedingungen eine Nachfrage. Doch, wie für Finanzbeamte, Eisenbahner oder Staatsfunker gilt auch für sie, dass sie eben nicht mit Wettbewerbern um Kundschaft zu rittern brauchen, denn die ist garantiert. Demgemäß sind Staatsdiener – in scharfem Kontrast zu Marktakteuren – nicht genötigt, hochwertige Leistungen zu erbringen oder auf deren Preis zu achten. Letzterer ist, als unausweichlich logische Folge – in 100/100 Fällen überhöht. Nirgendwo wird mehr Geld sinnlos verbrannt als im Staatswesen (schlag nach bei Ludwig von Mises). Es fehlt schlicht und ergreifend am gnadenlosen Korrektiv des Marktes: kein Konkursrichter weit und breit, der fortwährende Minderleistung oder schwerwiegendes Versagen ahndet. Wer als Marktakteur Mist baut, tut das auf eigene Kosten. Politiker und Beamte dagegen tun es auf fremder Leute Kosten. Sie tragen nicht ihre eigene, sondern die Haut fremder Menschen zu Markte (© Nassim Taleb).

Der Wiener Sozialwissenschaftler Bernd Marin hat errechnet, dass sich österreichische Beamte – und zwar auf allen Verwendungsebenen – höherer Lebensverdienstsummen erfreuen dürfen als unter Marktbedingungen arbeitende, formal gleich gut qualifizierte Personen. In Deutschland wird es sich nicht anders verhalten.

Was Art und Qualität des Angebots in der Welt des Zwanges angeht, so herrschen auf der Anbieterseite geradezu märchenhafte Bedingungen. Sie bestimmt einseitig, was es gibt und was es kostet. Da der zwangsweise zahlenden Kundschaft keinerlei Mitspracherecht zukommt, kann ohne jede Rücksicht auf deren Interessen nach Gutdünken gefuhrwerkt werden. Das Staatstheaterensemble spielt ohne weiteres auch vor leeren Rängen – hat es doch auf das Einkommen der Beschäftigten nicht den geringsten Einfluss. Publikumszufriedenheit ist in der Welt des politischen Mittels keine relevante Kategorie. Wäre es anders, gäbe es keine Lehrstühle für Genderwissenschaften und keine Fahrradbeauftragten (um nur zwei kleine Spitzen gewaltiger Eisberge zu benennen).

Wir lernen: wer die Macht hat (und die kommt bekanntlich aus jenen Gewehrläufen, über die Marktakteure in Ausübung ihrer Erwerbstätigkeit gewöhnlich nicht verfügen), kann sein Einkommen nach Belieben – zulasten seiner unfreiwilligen Kundschaft – festsetzen. Es erübrigt es sich an dieser Stelle, weiter in die Tiefe zu gehen, weil darüber bereits unzählige elaborierte Abhandlungen geschrieben wurden.

Die Einkommensverzerrung zugunsten der Welt des Zwanges hat aber, neben der Geldverschwendung, auch den fatalen Effekt, falsche Anreize zu setzen. Nicht umsonst drängen die formal am besten Ausgebildeten mit größter Begeisterung in den Staatsdienst. Hohes Einkommen, stressfreie Tätigkeit, kaum Verantwortung, keinerlei persönliche Haftung nach Fehlleistungen: ein Paradies. Nur Hasardeure, Glücksritter und hoffnungslose Narren drängt es heutzutage noch dazu, Unternehmer zu werden. Der Autor dieser Zeilen hat für sein nächstes Leben schon entsprechend disponiert: anstatt unternehmerisch tätig zu sein und als wohlfeiles Feindbild für Minderleister und Versager aller Kaliber herzuhalten, wird er eine Karriere als Eisenbahngewerkschafter starten.

Der Wiener Historiker Lothar Höbelt bringt das Phänomen treffsicher auf den Punkt: „Wer in Österreich studiert hat, will Beamter werden.“ Weil das so ist, gehen der Welt des wirtschaftlichen Mittels viele der besten Köpfe verloren.
Niemals entfalten sie ihr Potential auf eine für das Gemeinwesen gedeihliche Weise, sondern liegen den Produktiven lebenslang als mehr oder minder nutzlose Ballastexistenzen auf der Tasche.

Geradezu irrsinnig muten die in regelmäßigen Abständen aufkommenden Debatten um angeblich zu niedrige Politikergehälter an. Deren Tenor lautet: „If you pay peanuts you get monkeys.“ Das trifft indes nicht zu. Denn abgesehen davon, dass Parlamentsabgeordnete sowohl in Deutschland als auch in Österreich ohnehin bereits das etwa Dreifache des Mediankommens beziehen, würde durch zusätzliche finanzielle Anreize das Problem der Negativauslese politischen Personals solange nicht gelöst, solange es keine zivil- und strafrechtliche Verantwortung für politische Mandatsträger gibt. Außerdem macht es grundsätzlich einen wesentlichen Unterschied, ob jemand auf eigene oder auf fremde Rechnung tätig ist. Entscheidend ist: wer die Kosten seiner eigenen Fehlleistungen anderen aufbürden kann, wird – soweit es nicht ihn selbst betrifft – tendenziell schlechtere Entscheidungen treffen als ein mit voller Haftung lebender Zeitgenosse. Hier – und nicht bei der Höhe der Bezüge – liegt der Hund begraben.

Hinzu kommt, dass ein erfolgreich in der Privatwirtschaft Tätiger – insbesondere ein Unternehmer – es sich gewöhnlich gar nicht leisten kann, seinen bürgerlichen Beruf zugunsten eines befristeten Politmandats aufzugeben. Er stünde danach möglicherweise vor dem Nichts und müßte völlig neu beginnen. Angehörige der Wirtschaftselite finden sich entsprechend selten in Parlamenten. Ausnahmen bilden selbstverliebte Gecken, die kurz vor ihrem Ruhestand stehen und das politische Amt als eine Art Abschiedsbonus betrachten.

In den Parlamenten wimmelt es von karenzierten Beamten und Berufspolitkern.
Sollen die tatsächlich den gesellschaftlichen Querschnitt repräsentieren?
Lächerlich! Nur am Rande sei vermerkt, dass zwar jeder Flickschuster oder Änderungsschneider seine Berufsbefähigung nachweisen muss ehe er loslegen darf, während aber für Abgeordnete, Gesundheitsminister und Bundespräsidenten schon ein messbarer Puls als Qualifikationsnachweis ausreicht.

Man kann die Sache drehen und wenden wie man will: eine weitgehende Entmachtung des Staates und seiner Büttel ist unumgänglich, wenn der produktiv arbeitende Teil der Gesellschaft wieder mehr als 50 Prozent der Früchte seiner Arbeit für sich behalten können soll. Denn wer – außer Politikern, Beamten und anderen Transferleistungsbeziehern – will schon den totalen Staat?



Klimasozialismus: die hohlen Phrasen der Weltretter

Klimasozialismus: Die hohlen Phrasen der Weltretter

(Andreas Tögel) Was haben uns die Sozialisten im Laufe der Zeit nicht alles prophezeit: Karl Marx phantasierte von der mit dem Kapitalismus zwangsweise verbundenen Verarmung der proletarischen Massen. Dazu ist es allerdings nie gekommen. Vielmehr ging und geht es den Werktätigen nirgendwo besser als im „kapitalistischen“ Westen. Während die Bürger der DDR jahrelang auf ihren miesen Zweitaktvehikel warten mussten (die dann oft auch noch in der falschen Farbe ausgeliefert wurden), konnten es sich die brutal ausgebeuteten Lohnsklaven in der Bundesrepublik spielend leisten, mit von Audi und BMW produzierten Fahrzeugen durchs Land zu brettern.

Die angeblich in den Händen immer weniger reicher Plutokraten stattfindende Anhäufung von Reichtum in der kapitalistischen Industriegesellschaft müsse, so Marx, am Ende zur Revolution führen. Die brach dann jedoch – entgegen seiner Vorhersage – ausgerechnet im rückständigsten und am weitesten von einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung entfernten Land Europas los…weiterlesen



Geld her oder es kracht!

Buchbesprechung

In Zeiten allgemein zunehmender Instabilität, sollte man über jenes Phänomen Bescheid wissen, das für große, arbeitsteilige Gemeinschaften absolut lebenswichtig ist: das Geld. Seine verschiedenen Perspektiven, seine Herkunft, sein Wesen und seine Bedeutung zu erklären, ist der Zweck dieser kleinen Streitschrift aus der Feder eines Mannes, der sich wie nur wenige darauf versteht, selbst komplexeste Sachverhalte, über die auch in Kreisen von Experten häufig Verwirrung besteht, einem Laienpublikum klar und auf leicht verständliche Weise darzustellen.
Nach einer kurzen Betrachtung der Entstehung des Geldes und der verschiedenen Geldarten, kommt der Autor zum Kern der Sache: der Funktionsweise des herrschenden Geld- und Zentralbanksystems. Er benennt treffsicher dessen Schwächen und zeigt auf, wie die ganze Welt von politischen Führern und Zentralbanken sukzessive in eine „Nullzinsfalle“ manövriert wurde, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint – zumindest keines, das ohne schwere Blessuren für die überwiegende Mehrheit der Geldnutzer über die Bühne gehen wird.
Während der mediale Mainstream sich mit Vorliebe der Kritik des „Turbokapitalismus“ und des Neoliberalismus widmet, der die Gräben zwischen Armen und Reichen angeblich stetig vertieft, sieht Taghizadegan im Gegenteil den „Geldsozialismus“ (® Roland Baader) am Werk, den er als „Umverteilung für Reiche“ brandmarkt. Intendierte Absicht und tatsächlich erzielte Wirkung sind eben zwei sehr verschiedene Paar Schuhe. Leider bewirken in bester Absicht ins Werk gesetzte hoheitliche Interventionen häufig das exakte Gegenteil des Gewünschten – so auch in der Geldpolitik.
Die nach der Finanzkrise von 2007/2008 auf den Weg gebrachten Regulierungen dienen am Ende der weiteren Bereicherung der ohnehin bereits Reichen und stürzen die weniger Begüterten in immer größere Probleme.
Der Spielraum der Zentralbanken ist nach Erreichen der Zins-Nulllinie sehr klein. Zwar werden immer kreativere – um nicht zu sagen verrücktere – Ideen zur Belebung der Märkte kolportiert. Doch wie der große österreichische Ökonom Böhm-Bawerk schon vor weit mehr als 100 Jahren erkannte, ist gegen die Gesetze der Ökonomie von noch so entschlossenen politischen Führern langfristig nichts auszurichten.

Zehn Empfehlungen für Anlegerinnen und Anleger bilden den nicht ganz so düsteren Abschluss des Büchleins.

Geld her oder es kracht
Rahim Taghizadegan
Leykam, 1919
93 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-7011-8131-5
12 Euro



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