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Zeiten schlechten Geldes sind Zeiten guter Theorie

Zeiten schlechten Geldes sind Zeiten guter Theorie
(Friedrich August Hayek)

(Andreas Tögel) Das oben stehende Zitat mag einst seine Berechtigung gehabt haben. Heute kann davon indes keine Rede mehr sein. Würden in den amtlichen Teuerungsstatistiken nämlich auch die Preisentwicklungen bei Immobilien und Aktien berücksichtigt, wäre jedermann sofort klar, wie schlecht unser Geld in Wahrheit ist. Die angeblich unter zwei Prozent liegende Teuerungsrate würde schlagartig in Richtung zehn Prozent hochschnellen.


(AP Photo/Olivier Matthys)

Der US-Dollar hat seit Gründung des Federal-Reserve-Systems im Jahr 1913 rund 97 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Beim Euro ist es seit seiner Einführung anno 2002 deutlich mehr als die Hälfte. Wer in Euroland regelmäßig Lebensmittel einkauft, weiß über den Wert des monopolisierten Esperantogeldes Euro bestens Bescheid.

Dass das Geld ganz offensichtlich schlecht ist, beruht – nachzuschlagen beim Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften 1974, Hayek – auf mangelnder Konkurrenz. Denn Wettbewerb nützt jedermann -, ist der Treibstoff jeder Wirtschaft. Ein Monopol hingegen ist nur gut für den der es hat, und schlecht für alle anderen. Monopole liefern stets schlechte Leistungen zu überhöhten Preisen. Es gibt keinen Grund, an diesem Zusammenhang zu zweifeln, wenn es um die Herausgabe von Geld geht. Ob die gegenwärtige Politik des „leichten Geldes“ am Ende zu einer Hyperinflation oder zu einem deflationären Schock führen wird, ist ungewiss. Fraglich ist nicht ob, sondern wann es krachen wird.

Wir leben also in Zeiten schlechten Geldes. Demnach sollte die Geld- und Wirtschaftstheorie gegenwärtig einen Höhenflug erleben. Leider ist das Gegenteil der Fall. Hayek hat sich in diesem Punkt geirrt. Die an dieser Stelle bereits gewürdigte MMT („Modern Monetary Theory“) ist das beste Beispiel dafür: wer ernsthaft meint, die Geldmenge würde den Wohlstand bestimmen – je mehr, desto höher – sollte sich fragen, weshalb in Simbabwe und Venezuela nicht die reichsten Menschen der Welt leben.

Natürlich hängt der Wohlstand nicht von der begebenen Geldmenge, sondern – unter sonst gleichen Bedingungen – ausschließlich von der Höhe des zur Verfügung stehenden Kapitalstocks ab, der ist für die Produktivität einer Volkswirtschaft – und damit für die Höhe der Löhne – von alles entscheidender Bedeutung ist.

Die neue Chefin der EZB, Christine Lagarde, hat ihre profunden Einsichten in die Ökonomie kürzlich offenbart, als sie sinngemäß meinte, Arbeitsplätze wären wichtiger als Ersparnisse. Wahr ist aber, dass nicht verkonsumiertes Geld – Ersparnisse – nun einmal die unabdingbare Voraussetzung für Investitionen bilden. Schließlich kann man sein Geld nicht gleichzeitig behalten und ausgeben.
Die stark verkürzte Kausalitätskette lautet: keine Ersparnisse – keine Investitionen – keine Arbeitsplätze. Wenn eine so mächtige Organisation wie die EZB von einer Person geführt wird, deren Urteil offensichtlich durch keinerlei grundlegenden Kenntnisse der Funktionsweise einer Marktwirtschaft getrübt wird, sollten sich die Insassen der EUdSSR besser vorsorglich warm anziehen.

Wer Prosperität wünscht, muss alles tun, um den Unternehmen frei Bahn zu schaffen – damit sie Kapital akkumulieren und investieren können. Besser: er sollte alles unterlassen, was der Steigerung der Produktivität im Wege steht.
Beispielsweise sollten Zentralbanken und Regierungen auf jede Strukturkonservierung verzichten, die mit aggressiver Geldpolitik vonstattengeht, und die den für eine Marktwirtschaft maßgeblichen Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ unterbindet. Wer marode Unternehmen künstlich am Leben erhält, tut der Volkswirtschaft nicht Gutes. Denn er verringert die realisierbare Gesamtproduktion, indem er Unternehmenszombies erschafft und den innovativen Betrieben Mittel entzieht, die diese investieren und in Wachstum umsetzen könnten.

Dass die umgesetzte Wirtschaftstheorie auch in den USA, Japan und China nicht intelligenter ist als in Euroland, ist in einer wirtschaftlich eng verflochtenen Welt kein Trost – ganz im Gegenteil. Das globale Wachstum der letzten Jahre war Großteils durch einen Boom im Reich der Mitte bedingt. Einen Boom, der von Schulden und Krediten getrieben war und ist, und der in naher Zukunft sein Ende finden könnte. Was aber dann?

Da sich in Euroland die konventionellen Mittel der Geldpolitik erschöpft haben (weniger als gar keine Zinsen geht schließlich nicht so ohne weiteres), werden uns wohl wesentlich originellere Formen der Konjunkturbelebung ins Haus stehen.
Vielleicht werden – zur Freude schlichter Gemüter – schon demnächst namhafte Gutschriften der Zentralbank auf den Girokonten der Bürger erfolgen. In Zeiten schlechten Geldes und mieser Theorien ist schließlich alles möglich. Und einer begnadeten Expertin wie Christine Lagarde, die fest daran glaubt, durchs Gelddrucken die Menschen reich machen zu können, ist alles zuzutrauen.



Vor dem Endsieg der Kulturmarxisten?

(Andreas Tögel) Keine 70 Jahre liegen zwischen der Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests und der Oktoberrevolution in Russland, die beispielloses Elend über viele Menschen brachte. Ebenfalls rund 70 Jahre liegen zwischen den ersten Anläufen der Transgenderideologie und der Gegenwart. Ein Grund zur Sorge?
Cover Transideologie
Seit der 1995 abgehaltenen, vierten Weltfrauenkonferenz in Peking, steht das zutiefst destruktive Genderprojekt endgültig auf Schiene, und wird von der politischen Klasse beiderseits des Atlantiks nach Kräften vorangetrieben. Der durchschlagende „Erfolg“ dieser im Marxismus wurzelnden Ideologie, manifestiert sich in einer Verwirrung einer steigenden Zahl von Menschen, die nicht mehr wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind. Genau das liegt auch im Interesse der ultralinken Aktivisten, die als Promoter der Transideologie fungieren, die man getrost als den (vorläufigen) Kulminationspunkt menschlicher Hybris und Dekadenz bezeichnen kann. Doch kein Weg ohne Ziel: wer derart verwirrt ist, dass er selbst an seiner Geschlechtlichkeit zweifelt, ist entsprechend leicht lenkbar – und somit ein wahrer Liebling der herrschenden Klasse und deren intellektuellen Symbionten.

Der Buchautor, Professor für theoretische Pädagogie und Erziehungsphilosoph, benennt sowohl die Opfer als auch die Nutznießer des religiöse Züge tragenden Genderwahns, der bemüht ist, sich mit einem wissenschaftlichen Mäntelchen zu schmücken. Zu ersteren zählen jene mehrheitlich jugendlichen Menschen, die durch die unermüdliche Wühlarbeit einschlägig interessierter Kreise verunsichert sind; zu letzteren – neben der Politnomenklatura – auch eine Reihe von zum Teil sehr wohlhabenden Männern, denen die Zertrümmerung aller Traditionen und Kulturen ein durchaus auch merkantiles Anliegen ist (und die auch auf anderen Politikfeldern ihr Unwesen treiben).

Puolimatka schildert den Schaden, den frühzeitige Interventionen anrichten, die oft bereits im Kleinkindesalter vorgenommen werden (!), und die in jedem Fall zur irreversiblen Sterilität der „Transmenschen“ führen. Gut dokumentiert sind zahlreiche Fälle, in denen der Schritt zur Geschlechtsumwandlung von den Betroffenen im Nachhinein schwer bereut wurde. Diese Tatsache findet auch darin ihren Ausdruck, daß die Gruppe der chirurgisch „umgewandelten“ Menschen eine 19fach höhere Selbstmordrate aufweist als die übrige Bevölkerung.

Der erfahrene Kriminalist weiß, dass es bei gewöhnlichen Verbrechen so gut wie immer ums Geld geht. In der Politik dagegen geht es stets um die Macht. Nach ihrem erfolgreichen Marsch durch die Institutionen, gehen die längst an allen relevanten Schalhebeln des Staates sitzenden Kulturmarxisten aufs Ganze: wie von Marx und Engels gefordert, muss die aus Mann, Frau und Kindern gebildete Familie, als bourgeoise „Keimzelle des Faschismus“ denunziert, um jeden Preis zerstört werden. Die zeitgeistkompatible „Transideologie“ scheint ihnen das dazu am besten geeignete Mittel zu sein.



Traum und Wirklichkeit: der Glaube versetzt keine Berge!

Die von ihrer Weisheit und Allmacht überzeugten politischen Eliten wähnen sich in einer Welt, in der die von ihnen beschlossenen Gesetze zwingend das gewünschte Ergebnis herbeiführen. In ihrer Phantasie sorgt ein „Mietendeckel“ für billigen Wohnraum, hoheitlich erzwungene Mindestlöhne bewirken kollektiven Wohlstand, und strenge Waffengesetze schließen zuverlässig jede Bluttat aus.
Davon, wie „hervorragend“ das alles in der wirklichen Welt funktioniert, kann jedermann sich täglich selbst ein Bild machen.

Umso erstaunlicher ist es, dass nicht nur die anmaßende Politnomenklatura, sondern auch ein beachtlicher Teil der gegängelten und ausgeplünderten Untertanen blindlings auf die wundersam segensreiche Kraft staatlicher Kommandos vertraut. Viele der Beherrschten sind geradezu süchtig nach immer mehr Vorschriften, Verboten und Steuern (etwa in Sachen CO2), auf dass ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten am Ende dermaßen eingeengt werden, dass sie überhaupt nichts mehr falsch machen können. Ganz besonders wichtig ist es vielen Zeitgenossen, ins Leben anderer hineinzuregieren, denen es zu verbieten gilt, was ihnen selbst entbehrlich erscheint.

Umso größer das Erstaunen, wenn trotzdem geschieht, was angesichts der geltenden Gesetze gar nicht geschehen dürfte. „Mehrere Waffen bei Intervention in Wohnung sichergestellt“, lautete kürzlich etwa eine Pressemitteilung der Wiener Polizei.
Bei diesem Vorfall geht es um immerhin drei Faustfeuerwaffen nebst (verbotenen) Schalldämpfern. Pikant an der Sache ist, dass gegen den Besitzer der genannten Gerätschaften bereits ein behördliches Waffenverbot bestand.

Aber es geht noch bunter: „Bei Hausdurchsuchung 67 Waffen sichergestellt“, lautet die Überschrift einer Meldung des ORF aus Reutte in Tirol. In dem beschlagnahmten Privatarsenal befanden sich auch nicht näher genannte „verbotene Waffen“ (dabei kann es sich beispielsweise um vollautomatische Feuerwaffen oder „Pumpguns“, aber auch um „Stockdegen“ und Schlagringe handeln). Den Grund für die Hausdurchsuchung bildete in diesem Fall ein Whatsapp-Video, das den Mann beim Hantieren mit einer Pistole zeigt. Die Behörde sah sich zum Handeln veranlasst, weil auch gegen ihn bereits ein Waffenverbot vorlag.

Waffenverbote werden gewöhnlich dann ausgesprochen, wenn die betroffene Person zuvor gegen waffenrechtliche Bestimmungen verstoßen hat. Wie sinnvoll diese Vorgehensweise ist, wenn der mit dem Bann Belegte seine Geringschätzung für das einschlägige Gesetz bereits zuvor deutlich bekundet hat, liegt auf der Hand.

Keine Wirkung, kein Schaden

Zweierlei zeigt sich anhand der beiden Beispiele: Zum einen kann jemand, der sich in den Besitz von Waffen zu setzen gedenkt, das ungeachtet des geltenden Waffengesetzes tun. Der Weg zum konzessionierten Fachhändler, der treulich mit den Behörden kooperiert und Leute, gegen die ein Waffenverbot besteht, nicht als Kunden akzeptiert, ist eben nicht erforderlich. Den in den beiden Fällen handelnden Personen, bei denen es sich mutmaßlich nicht um Berufskriminelle handelt, die über Beziehungen zur Unterwelt und zu Waffenschiebern verfügen, war es ohnedies möglich, sich Waffen zu besorgen. 

Zum anderen wurde in beiden Fällen durch Waffen keinerlei Schaden angerichtet.
Dass sie aus dunklen Quellen stammten, hat ihre Besitzer nicht dazu veranlasst, Gewalttaten zu verüben. Wären diese Waffen auf gesetzeskonforme Weise erworben worden, würde kein anderes Ergebnis vorliegen. Wir sehen: Waffen sind per se nicht böse, und gesetzliche Verbote sind – siehe die Erfahrungen aus dem Kampf gegen illegale Drogen – sinnlos, wenn eine dringende Nachfrage vorliegt.
Lediglich das mit dem Handel verbundene Geschäftsrisiko und die Größe allfälliger Kollateralschäden nehmen durch restriktive Gesetze zu.

Fazit: Waffengesetze sorgen so wenig für Sicherheit, wie Mietrechtsgesetze Wohnraum schaffen. Offensichtliches zu akzeptieren, scheint vielen Zeitgenossen indes unmöglich zu sein.

Dieser Artikel ist zuerst im Magazin eigentümlich frei Nr.
198
erschienen.



Buchrezension: Aus den Augen der jeweils anderen gesehen

(Andreas Tögel) Mit diesem Buch legt der als Medien- und Kulturwissenschaftler tätige Autor eine hochinteressante Studie zur gegenseitigen Wahrnehmung verschiedener Ethnien durch die jeweils anderen vor. Dazu schildert er einerseits die Geschichte der interethnischen Begegnungen und zitiert andererseits überlieferte Erzählungen über und Beobachtungen sowie Feststellungen zu den jeweils anderen Gruppen (die Verwendung des Begriffs „Rasse“ verbietet sich aus Gründen der politischen Korrektheit). Interviews mit Angehörigen der im Buch benannten ethnischen Gruppen zu den Fremden runden das Bild ab.

Fremd- und die Eigensicht der im Buch genannten Großgruppen weichen zum Teil erheblich voneinander ab. Auch ergeben sich zahlreiche Widersprüche und Paradoxa, etwa wenn Weiße von den Angehörigen anderer Ethnien zwar als „schön“ und „attraktiv“ beschrieben werden, andererseits aber als Lebenspartner nicht in Frage kommen.

Ale „rassistisch“ geltende Stereotype hinsichtlich der Sicht Schwarzer aus den Augen von Weißen werden indes vielfach durch die Eigenwahrnehmung von Afrikanern bestätigt. Sie bewundern Fleiß und Effizienz der (weißen) Europäer und erkennen durchaus ihre eigenen Defizite im Hinblick auf ihre eigene Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und den Arbeitseifer. Dass aus der Sicht von Afrikanern gilt: je heller, desto besser, mag überraschen. Ebenso, dass in so gut wie allen tradierten Überlieferungen Afrikas, mit der dunklen Färbung der Haut niemals etwas Positives, sondern durchgängig ein Mangel oder Makel verbunden wird.

Dass Weiße es nicht leicht haben, in Japan Fuß zu fassen, mag nicht erstaunen. Dass es für Europäer oder Amerikaner aber sogar noch schwieriger wird, wenn sie den Versuch unternehmen, möglichst tief in die japanische Kultur einzudringen – etwa indem sie ihre Kenntnisse der japanischen Sprache perfektionieren -, ist schon ein recht bemerkenswerter Befund. Die jahrhundertelange Abgeschlossenheit der Japaner auf ihren Eilanden, die eine „völkische“ Homogenität zur Folge hatte, die ihresgleichen sucht, könnte eine Erklärung dafür bieten, weshalb sich Weiße nirgendwo auf der Welt fremder fühlen, als gerade in Japan. Die begeisterte Übernahme westlicher Errungenschaften (etwa der politischen Verfassung Preußens) bedeutet keinesfalls eine Übernahme der westlichen Kultur oder gar eine Unterwerfungsgeste, wie der Autor elaboriert ausführt.

1998 in seiner Erstauflage erschienen, handelt es sich um ein hochinteressantes und tief recherchiertes Werk, das, dem Siegeszug der politischen Korrektheit sei Dank, heutzutage in der vorliegenden Form und mit der gewählten Terminologie (z. B. des Begriffs „Neger“) wohl nicht mehr erscheinen könnte. Lesenswert!…weiterlesen



Die Torheit der Regierenden

(Andreas Tögel) Wer Barbara Tuchmanns großartiges Buch „Die Torheit der Regierenden – von Troja bis Vietnam“ (die Ersterscheinung erfolgte im Jahr 1984 unter dem Originaltitel „The March of Folly“) nicht gelesen hat, der sollte das dringend tun. Anhand Homers Ilias und dreier historischer Ereignisse beschreibt die Historikerin beispielhaft die katastrophalen Folgen verfehlter politischer Entscheidungen. Das Buch hat nichts an Aktualität eingebüßt – ganz im Gegenteil.

Die Torheit der Regierenden

In diesem Beitrag werden allerdings deutlich kleinere Brötchen gebacken. Es geht hier nicht – wie in den von Tuchmann gewählten Fällen – um Leben und Tod. Das Grundmuster indes ist identisch: Falsch gewählte Ziele, der Einsatz ungeeigneter Mittel und die völlige Ignoranz gegenüber den möglichen Konsequenzen von Entscheidungen, die von abgehobenen Obertanen im Elfenbeinturm getroffen werden. Selbstverliebtheit, Arroganz und Anmaßung sind eben niemals gute Ratgeber. Besonders schlimme Folgen stellen sich immer dann ein, wenn die Kosten der jeweiligen Entscheidungen und Handlungen nicht von deren Initiatoren, sondern von dritten getragen werden müssen. Ein klassisches, aus der Ökonomie bestens bekanntes Externalitätenproblem.

Mussten im Falle Trojas für die fatale…weiterlesen



Geopolitik und Wirtschaft

Ein oft übersehener Zusammenhang

(Andreas Tögel) Im Rahmen eines unter Beteiligung des Wiener Hayek-Instituts und des Austrian Economics Center im Kassensaal der Österreichischen Nationalbank abgehaltenen Symposions mit dem Titel „The Austrian School of Economics in the 21st Century“, fungierte eine Reihe hochkarätiger Fachleute als Referenten. In drei parallel laufenden Vortragsreihen wurden Themen wie „Free private cities – there is an alternative“, „The intellectual partnership of Hayek and Popper“, „Law and praxeology“ und viele andere, zumeist wirtschaftsbezogene Themen behandelt.
Wie immer, wenn eine nichtlinke Organisation zu einer Veranstaltung ruft – besonders dann, wenn sie in einer öffentlichen Einrichtung stattfindet -, gab es schon im Vorfeld aufgeregte Kritik. Schon am 15. Juni des Jahres ereiferte sich Renate Graber im „Standard“ unter dem überaus subtilen Titel „Saalschlacht in der Notenbank“ über die Ankündigung dieses Symposions. Der angeblich „rechte Ökonom“ Thomas Woods („The Church and the Market“), tatsächlich ist er allerdings Historiker, sollte im Rahmen dieser Veranstaltung geehrt werden.
Unerhört! Für das lachsrosa Blatt ein Grund zur Empörung, zumal der zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung erst designierte neue Gouverneur der OeNB, Robert Holzmann, als FPÖ-nahe gilt – wie auch die Vizepräsidentin der Nationalbank und Organisatorin dieser Tagung, Barbara Kolm.
Als besonders interessant zeigte sich eine prominent besetzte Podiumsdebatte zum Thema „A transatlantic view on economis, finance and governance“, in der es um die internationale monetäre und wirtschaftliche Entwicklung seit dem Abschluss des Abkommens von Bretton Woods im Jahre 1944 ging. 1971 kam es zur Beendigung der Bindung des Dollars an das Gold und damit faktisch zum Ende der internationalen Währungsordnung, 2002 zur Einführung des Euro und ab den 1990er-Jahren zum Aufstieg Chinas, der auf das Wirtschaftsliberalisierungsprogramm Deng Xiaopings folgte. Alle Diskutanten waren sich darin einig, dass Europa kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem hat. Versuche, jedes vermeintliche Problem unter Unmengen von (Steuer-)Geld zu begraben, sind unsinnig. Internationale Studien beweisen, dass es eine – negative – Korrelation zwischen der Höhe der Einkommenssteuern und dem Wirtschaftswachstum gibt. Mit Steuern zu steuern, führt in die falsche Richtung.
Die Bürger ausschließlich als Steuersubjekte zu betrachten, denen der Staat deutlich weniger als die Hälfte ihrer Einkommen lässt, ist jedenfalls kontraproduktiv. In den Unternehmen verbleibende („nicht entnommene“) Gewinne sollten steuerfrei bleiben.
Der Soziologe und Politikwissenschaftler Erich Weede widmete sich dem häufig übersehenen Zusammenhang zwischen Geopolitik und Wirtschaft. Unübersehbar stehen nach seiner Ansicht Aufstieg und Fall einer Nation stets in einer engen Beziehung zu deren wirtschaftlichen Organisation und ihren Außenhandelsverbindungen.
Jahrhundertelang profitierte Europa von seiner kleinräumigen Organisation und der Konkurrenz zwischen den Nationen. Wettbewerb, so Weede, stellt den
entscheidenden Fortschritts- und Entwicklungstreiber dar. Als ebenso wichtig wie der internationale Wettbewerb, ist allerdings das Vorhandensein von „Ausstiegsoptionen“, die besonders die kleinen Staaten zu einer (nicht nur steuerlich) moderaten Behandlung ihrer Bürger zwingen. Wird mit der Regulierung übertrieben oder die Steuerschraube zu scharf angezogen, beginnen ausgerechnet die Produktivsten, das Land zu verlassen. Genau das ist derzeit in Deutschland zu beobachten: viele Millionäre und gutausgebildete Junge wandern in hellen Scharen aus.
Riesenstrukturen, im Extremfall ein Weltstaat, aus dem es kein Entrinnen gibt und in dem die Bürger der Willkür Leviathans ohnmächtig ausgeliefert sind, sind daher für die Freiheit der Bürger – und für den kollektiven Wohlstand – ein Albtraum.
Die am Beginn der Neuzeit erfolgte Abkehr Chinas vom Außenhandel und seine starke Zentralisierung, zogen dessen wirtschaftliche Stagnation nach sich. Die Selbstbespiegelung Chinas ebnete der europäischen Weltherrschaft den Weg. Maos Kollektivierungen im Zuge des „Großen Sprungs nach vorn“ (1958 – 1961) führten zu einem katastrophalen wirtschaftlichen Niedergang, der sich in rund 40 Millionen Hungertoten manifestierte. Erst Deng Xiaopings wirtschaftliche Liberalisierung im Inneren und die Öffnung Chinas nach außen, brachten eine dramatische Wende, die das Reich der Mitte zur heute größten Wirtschaftsnation der Welt machte. Weede rechnet damit, dass China bis zum Jahr 2050 über die doppelte Wirtschaftsleistung verfügen könnte, wie die USA.
Freihandel schafft Wohlstand und der sorgt für Frieden: wer miteinander Handel treibt, schießt nicht aufeinander. Weedes Überlegung, wonach Donald Trumps protektionistische Wirtschaftspolitik eine potentielle Bedrohung für den Weltfrieden bedeutet, ist daher nachvollziehbar. Im Hinblick darauf, dass im Abstieg begriffene, sich herausgefordert fühlende Mächte, immer wieder versucht haben, das Rad der Geschichte durch kriegerische Mittel aufzuhalten, macht seine Gedanken mehr als plausibel.



Die Nullzinsfalle und die Suche nach Auswegen

(Andreas Tögel) Dilemma, so das Internetlexikon „Wikipedia“, auch „…Zwickmühle, bezeichnet eine Situation, die zwei Möglichkeiten der Entscheidung bietet, die beide zu einem unerwünschten Resultat führen. Es wird durch seine Ausweglosigkeit als paradox empfunden.“
Gegenwärtig befinden sich die Zentralbanken beiderseits des Atlantiks, im Hinblick auf die Gestaltung ihrer Zinspolitik, in exakt dieser „paradoxen“ Lage. Halten sie an der Niedrig- oder Nullzinsstrategie fest, zerstören sie die Geldvermögen der Sparer, blasen die Vermögenspreisblase noch weiter auf und treiben die bereits jetzt besorgniserregende Ausmaße erreichende „Zombifizierung“ der Unternehmenslandschaft weiter voran. Verlassen sie aber den rezenten Kurs und heben den Leitzins auch nur moderat an – etwa auf die Höhe der offiziell ausgewiesenen Teuerungsrate (wie das der neue Gouverneur der OeNB, Robert Holzmann angedacht hat) -, wird das eine große Zahl von Unternehmen augenblicklich in die Insolvenz treiben und damit – Stichwort Dominoeffekt – in der Folge auch eine veritable Bankenkrise auslösen. Pest oder Cholera: was auch immer die Zentralbanken in der gegenwärtigen Lage tun, es wird starke Schmerzen verursachen.
Angesichts der Zuspitzung des Nullzinsproblems, widmete die Denkfabrik Agenda Austria möglichen Auswegen aus der Nullzinsfalle einen Vortragsabend, zu dem der Rektor der privaten Wiener Bildungseinrichtung Scholarium, Rahim Taghizadegan, als Redner geladen war. Der Ökonom und Philosoph betonte vor vollem Hause, dass er, befände er sich in der Position des EZB-Chefs, an der verfahrenen Situation auch nichts ändern könnte – zumindest nicht anhand eines „Fünfpunktplans“, der in kürzester Zeit zum Heil führen würde. Patenrezepte gibt’s nicht.
Vor einer Therapie steht, nicht nur in der Medizin, in jedem Fall eine Diagnose. Die Ursachen des gegenwärtigen Dilemmas der Geldpolitik, sieht Taghizadegan in der Entfernung der Notenbankpolitik von den Präferenzen der Bürger und Konsumenten. Die „Österreichische Schule der Ökonomik“, namentlich Ludwig von Mises, weist den Konsumenten die entscheidende Rolle in einer freien Wirtschaft zu. Jeder von ihnen ausgegebene Cent bildet demnach eine (wenn man so will, demokratische) Präferenzentscheidung ab, deren Summe die Unternehmen zu folgen haben. Tun sie das nicht, verschwinden sie alsbald vom Markt. Nur zwangsfinanzierte, in so gut wie jedem Fall unproduktive, Staats- oder staatsnahe Unternehmen können es sich leisten, an den Wünschen der Konsumenten vorbei zu produzieren.
Wenn die Zentralbanken aber nicht den Publikumswünschen, sondern den von der Politik vorgegebenen Zielen folgen, kommt es aufgrund von „Interventionsspiralen“ zu immer stärker werdenden Verzerrungen, die eine optimale Ressourcenallokation verhindern. Der politisch motivierte Wunsch, Firmen- und Bankenpleiten um jeden Preis abzuwenden, weil sonst, so das gängige Narrativ, vielleicht schon morgen wieder die Nazis ihr Unwesen treiben könnten, verzögert die notwendigen Bereinigungen, konserviert erstarrte, unwirtschaftliche Strukturen und behindert die für eine dynamische Wirtschaft so typische „schöpferische Zerstörung“ (© Josef Schumpeter).
Taghizadegan bezweifelt, dass sich politische Ziele einerseits und individuelle Ziele der Bürger andererseits, jemals zur Deckung bringen lassen. Daraus und aus der ständig zunehmenden Machtfülle zentraler Bürokratien, resultieren die gegenwärtig gewaltigen Probleme, denen nicht sinnvoll mit einer One-size-fits-all-Politik zu begegnen ist. Eine nachhaltige Gesundung des Wirtschafts- und Geldsystems setzt kleinräumige Strukturen voraus. „Small is beautiful“ ist indes eine Einsicht, die von der politischen Klasse völlig ignoriert wird.
Keinerlei Hoffnungen, so der Vortragende, sollten in die Erlösungskapazität des politisch- geldindustriellen Komplexes gesetzt werden. Es gibt – weder theoretisch noch empirisch – Anzeichen dafür, dass die Entscheider in politisch-finanzindustriellen Spitzenpositionen klüger sind und/oder irgendetwas besser machen als Otto Normalverbraucher. Deshalb alle Zentralbanker auf den Mond zu schießen, wäre indes auch keine Lösung. Auswege aus der gegenwärtigen Krise können nach Meinung Taghizadegans nur auf individueller Ebene gefunden werden. Jeder einzelne Bürger ist gut beraten, im Rahmen seiner Möglichkeiten vorzusorgen – mittels antizyklischer Investments und durch Vermeidung von Klumpenrisiken.
Im kürzlich bei Leykam erschienenen Büchlein „Geld her oder es kracht“, nennt Taghizadegan zehn Empfehlungen für Anleger.

Geld her oder es kracht
Rahim Taghizadegan
Leykam, 1919
93 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-7011-8131-5
12 Euro



Buchrezension: Der Preis des Lebens

(Andreas Tögel) Oft kommt es nicht vor, dass man in Kriminalromanen über Zitate berühmter Philosophen stolpert. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, und „Der Preis des Lebens“ ist eine solche. Kein Wunder, ist der Autor doch schließlich ein studierter Philosoph. Die Lehren von Aristoteles, Heidegger, aber auch Sunzi („Die Kunst des Krieges“) ziehen sich durch den gesamten, flott und mit einer Menge Sachkunde geschriebenen Text. Bleibt allenfalls die Frage, ob es in den Reihen der österreichischen Polizei tatsächlich Geistesmenschen vom Schlage des Helden der Story gibt, die in jeder Lebenslage ein geistreiches Zitat zur Hand haben, oder ob hier die Phantasie mit dem Autor durchgegangen ist.

Der Preis des Lebens   Kriminalroman (Deutsch) Paperback – 22. August 2019

Dass neben anderen Geistesgrößen auch der hierzulande weithin vergessene altösterreichische Ökonom und Sozialphilosoph Ludwig von Mises Erwähnung findet (was gilt der Prophet im eigenen Lande?), ist jedenfalls bemerkenswert.
Die Geschichte handelt vom organisierten Organraub und dem damit verbundenen, hochprofitablen Geschäft. Die intelligent konstruierte Geschichte spielt zum größten Teil in Wien, wobei die Parallelwelt des austriakischen Beamtentums und auch anderswo beheimatete Staatsdienste nicht besonders gut wegkommen.
Der Autor hat sich offensichtlich theoretische Grundkenntnisse der Transplantationsmedizin angeeignet und kennt die Staatsbürokratie im Land am Strome recht genau, denn die Handlung erscheint, bis hin zu unbedeutenden Details, durchaus glaubwürdig.
So kämpft der unangepasste Held, der wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten degradierte und zu einer „Sonderkommission“ strafversetzte Hauptmann Lenhart, assistiert von einer österreichischen Version Angelina Jolies in „Tumb Raider“, gegen eine international bestens vernetzte und von höchster Stelle protegierte Truppe von zu allen entschlossenen Gangstern. Die versorgen eine ebenso reiche wie schwer kranke Klientel – gegen stolze Honorare – mit Spenderorganen, was deren ursprüngliche Besitzer leider nicht überleben. Nicht jeder Schwerkranke hat Lust, als Nr. 367 gereihter Patient auf der Warteliste von „Eurotransplant“ zu versterben. Wenn die finanziellen Mittel es erlauben, und einem das Gewissen nicht allzu sehr im Wege steht, müssen eben Krethi und Plethi ins Gras beißen – sofern sie als Spender geeignet und leicht zu „extrahieren“ sind -, nicht aber die reichen und schönen Organempfänger. Das Leben im irdischen Jammertal ist nun einmal kein Ponyhof.
Ein Zufall führt die Ermittler auf die Spur des bestens organisierten Organhandelssyndikats, für dessen Erfolg, neben hochkompetenten Medizinern, auch die moderne Elektronik und skrupellose Auftragskiller Hauptrollen spielen.
Am Ende gewinnt aber doch das Gute und die Übeltäter können nach einem spannenden Parforceritt dingfest gemacht werden. Gottseidank. Allen Lesern sei jedenfalls gewünscht, dass sie niemals selbst auf ein Spenderorgan angewiesen sein mögen – auch auf kein „legales“.



Schreckgespenst Deflation: Mit Beelzebub gegen den Teufel

(Von Andreas Tögel) Dieser Tage tritt Mario Draghi, langjähriger Chef der EZB ab und übergibt sein Amt an Christine Lagarde. Eine Fortsetzung der extrem lockeren Geldpolitik (z.B. mittels regelwidriger Staatsfinanzierung durch Anleihenkäufe), und ein verschärfter Kampf gegen das Bargeld sind damit schon fix programmiert. Das Bargeld muss und wird deshalb dran glauben, weil es der kollektiven Enteignung der Geldhalter zugunsten des Staates mittels hoheitlich erzwungener Negativzinsen im Wege steht.

Leitgedanke hinter der inflationistischen Geldpolitik beiderseits des Atlantiks, ist die Angst vor einer Deflation, die als die schwerste Bedrohung des Wirtschaftssystems – ja des gesamten politischen Systems überhaupt – bezeichnet wird. Deflation, so das Narrativ der internationalen Geldsozialisten, würde eine wirtschaftliche Abwärtsspirale mit katastrophalen Folgen in Gang setzen. Als abschreckendes Beispiel werden die Ereignisse der 1930er Jahre genannt, in denen – angeblich – eine deflationistische Geldpolitik in eine Wirtschaftskrise geführt und damit dem politischen Totalitarismus in Europa das Feld bereitet habe.

Dass dem damaligen deflationären Schock eine jahrelange, schuldenfinanzierte Konsumparty mit einer entsprechenden Ausweitung der Geldmenge vorangegangen war, wird geflissentlich ausgeblendet. Merke: Es kann keine Deflation ohne eine vorangegangen Inflation geben (von einer konsumentenfreundlichen, wachstumsinduzierten Deflation abgesehen, in der steigende Produktivität sinkende Preise zur Folge hat). Der Begriff Inflation bezeichnet, nach korrekter Definition, nicht auf breiter Front erfolgende Preissteigerungen, sondern eine Ausweitung der (heutzutage stets ungedeckten) Geldmenge (inflare = aufblähen), die in der Folge zu einem allgemeinen Preisanstieg führt. Die korrekte Semantik in dieser Angelegenheit ist zum Verständnis von Ursache und Wirkung besonders wichtig!

Nun vermehrt sich die Geldmenge allerdings nicht als Folge naturgesetzlicher Zusammenhänge oder aus reinem Zufall, sondern ist – besonders in einem von politisch gelenkten Zentralbanken beherrschten, monopolisierten Fiatgeldsystem – durch den einsamen Entschluss deren Führer bedingt. Mario Draghi & Konsorten tun, was immer sie für richtig halten – ohne die geringste Rücksicht auf die Geldnutzer zu nehmen und ohne jede an anderer Stelle stets entschieden geforderte „demokratische Legitimation“.

Die politisch-bürokratische Klasse zelebriert seit Jahrzehnten (exakt seit dem 15. August des Jahres 1971, als US-Präsident Richard Nixon die Bindung des US-Dollars an das Gold mit einem Federstrich beendete) einen beinharten Geldsozialismus (© Roland Baader). Nutznießer sind alle Schuldner (primär die zum Teil hoffnungslos überschuldeten Staaten, aber auch die zunehmende Zahl von „Zombieunternehmen“). Geschädigt werden dagegen die Sparer, die bereits hunderte Millionen Euro an Zinsen verloren haben und ihren Geldvermögen ohnmächtig beim Schmelzen zusehen müssen. Auf klassische, risikoarme Anlageformen gibt es keine Zinsen mehr, dafür aber Kaufkraftverluste infolge der Geldinflation. Kleine Sparer und Anleger stecken in einer unentrinnbaren Doppelmühle, sofern sie nicht auf extrem risikoreiche Investments, von denen sie in aller Regel nicht das Geringste verstehen, ausweichen wollen.

Wenn dann schließlich – wie eben jetzt – die desaströsem Folgen der hoheitlich orchestrierten Umverteilungsorgien langsam aber sicher auch schlichteren Gemütern klar zu werden beginnen, ein einigermaßen schmerzloser Ausstieg aus der Nullzinsfalle aber unmöglich ist, werden, wie zum Hohn, „die Märkte“, der „Neoliberalismus“ und der „Raubtierkapitalismus“ für die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen verantwortlich gemacht. Der politisch-geldindustrielle Komplex, der all das zu verantworten hat, liefert in der Folge noch mehr vom selben, also eine weitere Steigerung der falschen Medizin namens Geldmengenausweitung, die die Grundlage für die gegenwärtige Krise bildet.

Es sind daher weitere Schritte in Richtung einer von Zentralbürokraten geführten Plan- und Kommandowirtschaft zu erwarten. Einer, der vermutlich folgenschwerste davon, wird die Abschaffung des Bargeldes sein, die im Zuge einer gerissenen Salamitaktik längst betrieben wird.

Wer mehr zum Phänomen Deflation wissen will, dem sei die Lektüre des Buches:
In Defense of Deflation
aus der Feder des in der Tradition der „Österreichischen Schule“ stehenden Ökonomen Philipp Bagus empfohlen.
Verlag Springer, Hardcover, 215 Seiten, ISBN: 978-3319134277.

Professor Bagus lehrt Volkswirtschaftslehre an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid.



Sondieren geht über regieren

Sebastian Kurz als Dauerbrenner oder Strohfeuer?

Artikelbild Bildquelle: photocosmos1 / Shutterstock.comSebastian Kurz: Dauerbrenner oder Strohfeuer?

Knapp ein Monat ist seit der Nationalratswahl in Österreich mittlerweile ins Land gezogen. Bislang ist völlig offen, wie die neue Regierung aussehen wird. Der smarte Jungstar, Retter der ÖVP, der alte und wahrscheinlich neue Kanzler, Sebastian Kurz, ist eben dabei, zu „sondieren“, das heißt, mögliche Koalitionsvarianten zusammen mit den in Frage kommenden Partnern zu prüfen. Konkrete Koalitionsverhandlungen wurden bis dato noch nicht aufgenommen. Regierungsfähige Mehrheiten ohne Beteiligung der ÖVP sind rechnerisch zwar möglich, aber unrealistisch. Koalitionen aus ÖVP und SPÖ, ÖVP und FPÖ sowie ÖVP und Grünen können auf die Stimmen von mehr als 50 Prozent der Abgeordneten zählen. Eine Regierung mit Verfassungsmehrheit (zwei Drittel der Abgeordneten) würde eine Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und einer dritten Partei oder aus ÖVP, FPÖ und den Grünen bedingen. Beides ist unwahrscheinlich. Ohne die Abgeordnetenstimmen der ÖVP kommt jedenfalls keine parlamentarische Verfassungsmehrheit zustande.

Kurze Rückblende: Nach der Veröffentlichung des berüchtigten „Ibiza-Videos“ (das bislang noch niemand…weiterlesen



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