Achtung, Inflationsalarm!

Die Wertbeständigkeit unseres Geldes steht auf dem Spiel. Warum das so ist und warum das so gefährlich ist, erklärt unser Kolumnist Andreas Tögel.

(Andreas Tögel) Seit der Finanzkrise 2008 haben die Notenbanken ihre Geldschleusen weit geöffnet, seit Beginn der Corona-Krise drucken sie weitere enorme Mengen Geldes. Mehr und mehr Fachleute warnen vor den Folgen: Warren Buffet etwa, einer der erfolgreichsten Investoren der Welt, sieht eine „massive Inflation“ auf uns zukommen.

Inflation und Teuerung sind im allgemeinen Verständnis gleichbedeutend.Als Verursacher gelten gewissenlose Spekulanten und raffgierige Unternehmer. Dass ein auf breiter Front erfolgender Preisauftrieb in der Hauptsache eine Folge der Ausweitung der Geldmenge – also eine Konsequenz der Geldinflation ist, wird meist übersehen. Für die Geldproduktion aber sind nicht die Unternehmen, sondern die Zentral- und Geschäftsbanken verantwortlich.

Funktionäre der Europäischen Zentralbank beschwören routinemäßig die angeblich desaströsen Folgen einer Deflation, also eines Rückgangs des allgemeinen Preisniveaus. Damit rechtfertigen sie die Verletzung ihrer im Grunde einzigen Aufgabe, nämlich jener, für Währungsstabilität zu sorgen. Und genau das tun sie, indem sie ein Inflationsziel von zwei Prozent p. a. ansteuern.

Dass die amtlich ausgewiesene Inflationsrate an der Preisentwicklung eines willkürlich ausgewählten Warenkorbes gemessen wird, in dem Immobilien, Unternehmensanteile, Rohstoffe und Edelmetalle nicht enthalten sind, verschleiert den Kollateralschaden, der durch die seit 2008 hemmungslos gefeierte Geldproduktionsorgie angerichtet wird. Das neu geschaffene Geld fließt nämlich (noch) nicht in die Güter des täglichen Bedarfs, sondern in „Assets“, deren Preise entsprechend dramatisch anziehen. Wenn Aktienkurse und Immobilienpreise sogar im Gefolge der pandemiebedingt schrumpfenden Wirtschaft steigen, wirft das ein grelles Licht auf die entstehenden ökonomischen Verzerrungen.

Je mehr Schulden, umso besser

Jede Erhöhung der Geldmenge bedeutet – unter sonst gleichen Bedingungen – eine Minderung der Kaufkraft der bereits existierenden Geldeinheiten. Das klingt zwar harmlos, ist es aber nicht, denn Geld dient ja schließlich auch als Wertspeicher. Man kann Geld als Äquivalent transformierter Leistung ansehen, die in begrenzter Zeit erbracht wird. Geldentwertung bedeutet somit nicht weniger als den Diebstahl von Lebenszeit – des einzig unersetzbaren Guts auf Erden. Das ist alles andere als eine Bagatelle.

Inflation begünstigt die Schuldner, insbesondere den stets klammen Fiskus, während sie Geldhalter und Sparer schädigt. Das allein ist schon schlimm genug. Noch übler aber ist ihr fataler Verteilungseffekt: Während Einkommensbezieher durch die Kaufkrafterosion Wohlstandseinbußen hinnehmen müssen (die Realeinkommen in Euroland stagnieren seit Jahren), dürfen sich die ohnehin „Reichen“, also die Eigentümer von Immobilien und Anlagevermögen, über Zugewinne freuen, die ohne ihr eigenes Zutun anfallen. Eine Umverteilung von unten nach oben. Das wiederum ruft notorische Gleichmacher – die Sozialisten in allen Parteien – auf den Plan, die mit dem Schlachtruf Gerechtigkeit! zur Umverteilung schreiten, was die Staatsquote steigert und die Effizienz der Volkswirtschaft mindert.

Die von den Zentralbanken zu verantwortende Geldproduktion führt zur immer stärkeren Schieflage der Vermögensverteilung. Mit den Zentral- und Notenbanken wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Ob sie auf den Namen FED, EZB, BOJ, BOE oder Peoples Bank of China hören, spielt dabei keine Rolle. Alle inflationieren gleichermaßen – nahezu im Gleichschritt.

Hilfe, sie haben den Euro geschrumpft!

Die Europäische Zentralbank, die an ihrer Aufgabe, für Geldwertstabilität zu sorgen, längst fulminant gescheitert ist (der Euro seit hat seiner Einführung bereits ein rundes Drittel seiner Kaufkraft eingebüßt), verfolgt dafür heute Ziele, die nicht ihrem Mandat entsprechen.

Solange Zentralbanken nicht unabhängig von politischen Begehrlichkeiten agieren, wird es keine Abkehr von der inflationistischen Geldpolitik geben. Ehe allerdings die Regierungen ihre Finger von den Zentralbanken lassen, dürfte die Hölle zufrieren. Die Hyperinflation der Weimarer Republik anno 1923 – und die katastrophalen Folgen -, sollten als Warnung dienen.

Andreas Tögel, geboren 1957, ist gelernter Maschinenbauer und ausübender Kaufmann. Tögel sieht sich als Libertären und im Hayekschen Sinne als „second hand dealer of ideas“.

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