Buchrezension: Der Malik: Kriminalroman

(Andreas Tögel) Michael Lenhart und Sabine Preiss, das aus dem Roman „Der Preis des Lebens“ bekannte Kriminalistenduo, ist diesmal auf der Spur eines international operierenden Verbrecherkartells. Er, der humanistisch gebildete Analytiker, sie eine alpenländische Version von Lara Croft – nur hübscher. Wie schon im Vorgängerroman wird hier keine actionreiche Geschichte mit vielen Nebenhandlungen entrollt, sondern vielmehr ein intelligentes Kammerspiel mit Wiener Lokalkolorit und Charme.

Das Verschwinden eines hochrangigen Wiener Beamten auf Malta ruft die zwei-Personen-Sondereinheit auf den Plan, die zunächst im Dunkeln tappt, aber dann – Kommissar Zufall sei Dank – doch noch eine Spur zum möglichen Täterkreis findet. Bald erschließt sich den Ermittlern die internationale Dimension, die der mutmaßlichen Bluttat zugrundliegt. Anders als im gemeinen „Tatort-Krimi“, in dem regelmäßig bürgerliche Spießer, Rechtsradikale oder erfolgreiche autochthone Unternehmer als Täter fungieren, steht hier ein nordafrikanischer Familienclan im Handlungsmittelpunkt – mit besten Kontakten zu einer politischen Partei, die die Donaumetropole seit rund 100 Jahren als ihr Eigentum (oder besser: als ihre Beute) betrachtet. Wenn das nicht politisch unkorrekt ist: weltoffene, „soziale“ Bessermenschen als Schutzpatrone hochkrimineller Immigranten, die sogar vor mehrfachen Polizistenmorden nicht zurückschrecken – was dann? Um die Ungeheuerlichkeit auf die Spitze zu treiben, wird nebenbei auch noch die zur Korruption einladende Förderungspolitik der EU einer kritischen Würdigung unterzogen. Ein Tabubruch sondergleichen.

Die Handlung verdichtet sich auf den letzten Seiten dramatisch: Als ein ebenso erfolgreicher wie skrupelloser Anwalt über einen positiven Alkotest stolpert, beginnt es für die Sonderermittler zu laufen und die Schlinge um den „Malik“ und seine Entourage zieht sich zu.

Wer es aushält, dass hier nicht – wie so oft in Krimis – das Stereotyp des ungebildeten Haudraufs mit schlechten Manieren aber stählernen Fäusten auf Verbrecherjagd geht, sondern ein etwas selbstverliebter Geistesmensch, der in jeder Lage mit einem passenden Zitat eines weltberühmten Philosophen aufwarten kann, der ist mit dem „Malik“ gut bedient.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.