Buchrezension: Die Diktatur der Guten: Political Correctness

24 Jahre hat das Buch anno 2020 auf dem Buckel – und es hat nichts von seiner Bedeutung eingebüßt. Ganz im Gegenteil. Die Macht der über die Deutungshoheit gebietenden, in Parlamenten, Medienredaktionen und Hochschulen sitzenden Dressureliten, hat seither erheblich zugenommen. Eine Mehrheit der Bürger klagt bei rezenten Befragungen darüber, ihre Ansichten zu vielen Themenkreisen – aus Angst vor Ausgrenzung, sozialer Ächtung und wirtschaftlichem Schaden -, nicht mehr in der Öffentlichkeit ausbreiten zu können.
Damit hat der Tugendterror gewonnen. Eine kleine Minderheit totalitärerer Machtmenschen und selbstgerechter Philister hat ihren Willen gegen die große Mehrheit erfolgreich durchgesetzt: was nicht länger gefahrlos ausgesprochen werden darf, wird alsbald (dank der als „Schere im Kopf“ bekannten, rigorosen Selbstzensur) auch nicht mehr gedacht. Daher ist nicht nur die Meinungsfreit dahin, sondern auch die Gedankenfreiheit. Damit werfen die pc-verseuchten Gesellschaften die Errungenschaften der Aufklärung bedenkenlos über Bord.
Wichtig ist nicht länger die Suche nach der Wahrheit, sondern der Glaube ans vermeintlich Gute: Bekenntnis schlägt Erkenntnis.
P. C. hält die Stöckchen hoch, über die alle brav zu springen haben – sofern sie Wert darauf legen, nicht als ignorante Hinterwäldler, Unmenschen oder gar als Nazis diffamiert zu werden. Die allgegenwärtigen Tugendwächter bestimmen jene Opfergruppen, die jeglicher Kritik entzogen sind: Frauen, Behinderte, Schwarze, „Flüchtlinge“, Muslime, etc. Einerseits erheben sie sich dadurch zu deren Vormund und andererseits zwingen sie alle anderen unter das Diktat ihrer Denkschablonen. Andere Minderheiten, als die von den Tugendbolzen erwählten, können niemals Opfer sein. Beispielsweise sind heterosexuelle, nichtbehinderte, nicht von der Sozialhilfe lebende, weiße Männer, Unternehmer, Katholiken und „Reiche“ stets Täter und somit vogelfrei.
Diskurse sind grundsätzlich nicht vorgesehen: mit bösen („rechten“) Schmuddelkindern führen die Angehörigen des juste milieu keine Dialoge, man redet allenfalls über sie, respektive über die vielfältigen Methoden, wie sie zur Raison zu bringen sind. „PC unterscheidet nicht nach wahr und falsch, sondern nach Gut und Böse…will nivellieren und einen Einheitsbrei von Menschen und Einheitsmeinungen schaffen“ (Michael Klonovsky).
Der Autor nennt die von den „Guten“ zu Minenfeldern gemachten Tabuzonen, ihre Disziplinierungsmittel und die Konsequenzen, die starrsinniges Beharren auf der politisch unkorrekten Wahrheit nach sich zieht. Die reichen – und das war zum Zeitpunkt der Drucklegung des Buches durchaus noch anders – bis zu physischen Angriffen auf die Abweichler. Der Furor der politisch korrekten Linken richtet sich längst nicht mehr nur gegen Sachen. Nach wie vor – in Deutschland und Österreich mehr als anderswo – ist die Nazikeule jenes Instrument, das Nonkonformisten und Dissidenten zuverlässig zum Schweigen bringt.
Der letzte Absatz lautet: „Politkommissare gestern, die [das Netz durchforstenden, Anm.] Gesinnungspolizisten heute, ihre Methoden der Auslese und die Mittel der Diffamierung gleichen sich. Political Correctness ist die neue Schlachtordnung all derer, die ihr Millionenheer der blauen Ameisen verloren, der postmaoistischen Gleichmacher. Die Schönlügner marschieren auf ihren Plätzen des himmlischen Friedens auf.“
Ein ebenso erschreckender, wie richtiger Befund. Absolut lesenswert!

Die Diktatur der Guten: Political Correctness
Klaus J. Groth
Verlag Herbig, 1996
320 Seiten Hardcover
ISBN: 3-7766-143-0
24,90,- Euro

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