Buchrezension: Mein Krampf

Eine Abrechnung: Die Wahrheit über Adolf Hitlers ‚Mein Kampf‘

Starke Wertung, schwache Analyse

(Andreas Tögel) Bücher, die schon im Titel die Wahrheit und nichts als die Wahrheit versprechen, sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. So auch hier. Dem Anspruch, eine objektive Analyse des Hitler’schen Manifests zu enthalten, wird das Werk nicht gerecht. Zu eifrig wirken die unentwegten Beteuerungen des Autors, wie abstoßend er den Text empfindet und wie sehr er dessen Verfasser verachtet und hasst. So schreibt kein Analytiker, sondern ein Inquisitor, der vom unschätzbaren Wert und der immensen Bedeutung seiner Mission zu 100 Prozent überzeugt ist.

Die Wahrheit über Adolf Hitlers 'Mein Kampf'

Originell, dass Matthias Kessler immer wieder den 1486 verfassten „Hexenhammer“ des Dominikaners Franz Krammer zum Vergleich mit dieser „Bibel das Nationalsozialismus“ heranzieht, da er ja selbst von einem ähnlichem Furor getrieben wirkt.

Vermutlich im Bestreben, die Wucht seiner Argumente zu verstärken, betätigt sich der Autor unentwegt als wenig talentierter Wortschöpfer: da „schaftstiefelt“ es auf jeder dritten Seite, es „herrenmenscht“ oder es „grausamt“. Ein gescheiterter Versuch, krampfhaft originell zu sein, oder einfach nur töricht, spielt keine Rolle. Es mindert die Seriosität des Werkes.

Auch hätte der Autor sich besser ausschließlich an den aufs Korn genommenen Text gehalten (den er systematisch in kleinen Portionen kommentiert, wogegen nichts einzuwenden ist), anstatt als Fleißaufgabe auch noch völlig entbehrliche Romaneinlagen („Swastika“) einzufügen, in denen er seiner Phantasie die Zügel schießen lässt und die der in Aussicht genommenen Analyse von Hitlers Manifest in keiner Weise dienlich sind.

Die stärksten Passagen des Buches sind diejenigen, in denen der Autor einen Historiker und eine Kriminalpsychologin zu Wort kommen lässt, die sowohl der Person Adolf Hitlers, als auch dessen Buch wesentlich näherkommen als er selbst.

Dass der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die Person des „Führers“ umso stärker wächst, je länger beide tot sind, ist nichts Neues. Kritisches Denken, Courage oder gar Heldenmut lassen sich damit nicht beweisen. Der verächtliche Tonfall, der sich durchs ganze Buch zieht, ist Ausdruck dieses reichlich späten Versuchs, seinem glühenden, wenn heutzutage auch wohlfeilen Antifaschismus Ausdruck zu verleihen und wirkt dementsprechend aufgesetzt und abgeschmackt.

Wem daran liegt, die Person des „Führers“ besser zu verstehen, wird um die Lektüre einer seiner zahlreichen Biographien nicht herumkommen. Außerdem wird er/sie das so ungemein selbstverliebt und schwülstig daherkommende Buch „Mein Kampf“ wohl selbst lesen müssen. Auf Kesslers Opus kann getrost verzichtet werden – es bringt nur wenig Erkenntnisgewinn.

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