Ein liberales Manifest

Buchrezension von: Die daungegradete Republik: Das heutige Österreich aus der Sicht des Feldmarschalls Daun von Georg Vetter

(Andreas Tögel) Der Name des Feldmarschalls Graf Leopold Daun liefert die Grundlage für das im Buchtitel enthaltene Wortspiel. Detail am Rande: nicht lange nach Escheinen des Buches erfuhr das Rating der Alpenrepublik tatsächlich ein Downgrading.

Leopold Daun war einer jener vier Feldherren Maria Theresias, deren Figuren heute den Sockel ihres Denkmals zwischen den beiden Museen an der Wiener Ringstraße zieren. Der Buchautor lässt den gelegentlich als „Cunctator“ (Zögerer) kritisierten Mann aus dem kühlen Grab heraus die in der Alpenrepublik zu Beginn des 21. Jahrhunderts herrschenden Zustände analysieren und kommentieren. Herausgekommen ist eine Art liberales Manifest, das allenfalls zur Frage verleitet, ob der einer von Gottesgnaden eingesetzten, absoluten Monarchin dienende Militär, tatsächlich so gedacht haben mag.

Die daungegradete Republik

Den vom Autor tief verinnerlichten klassisch liberalen Grundsätzen folgend, wird eine Lanze für Freiheit, Eigentum, Eigenverantwortung und Rechtstaatlichkeit gebrochen. Dem Justizwesen widmet er – als Rechtsanwalt entsprechend qualifiziert – große Aufmerksamkeit. Staatlicher Paternalismus, der stets zu Abhängigkeit und Unmündigkeit der Bürger führt, Meinungsdiktate und die Grundsätze der politischen Korrektheit werden von ihm scharf kritisiert und verworfen.

Großes Gewicht legt Georg Vetter auch auf die Wehrhaftigkeit der liberalen Ordnung. Er kritisiert die – schon seit den Tagen des Grafen Daun – stetige finanzielle Unterdotierung der bewaffneten Macht des Landes. An der hat sich nach dem Übergang Österreichs zur Demokratie vor rund 100 Jahren nichts geändert – jedenfalls nicht zum Guten. Den von Niccolo Machavelli („Der Fürst“) entwickelten Gedanken folgend, tritt der Autor vehement für eine milizartige Struktur der Armee ein. Ein starkes stehendes Heer (als „Staat im Staate“) oder eine Söldnerarmee lehnt er ab.

Vetter wehrt sich gegen die These, wonach „ganz Österreich“ den „Anschluss“ anno 1938 bejubelt hätte und verweist zurecht auf die machtvolle Demonstration des Willens zur Eigenständigkeit anlässlich der Totenfeierlichkeiten des im Jahr 1934 von österreichischen Nationalsozialisten ermordeten Kanzlers Engelbert Dollfuss. Ob es ein Fehler war, dass dessen Nachfolger, Kurt Schuschnigg, dem Bundesheer im März 1938 keinen Schießbefehl erteilt hat und stattdessen widerstandslos der deutschen Gewalt gewichen ist, bleibt offen.

Alles in allem hat Georg Vetter mit diesem Buch ein kurzweilig und mit Gewinn zu lesendes Bekenntnis eines österreichischen Patrioten zu einem liberalen Rechtsstaat vorgelegt.

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