Gefühle und Fakten

Freisinnige Denker stehen ständig vor dem Problem, jenen Zeitgenossen, die von anderen Überzeugungen durchdrungen sind, fundierte Erkenntnisse schwer oder gar nicht vermitteln zu können. Besonders in Fragen der Ökonomie, ein Gebiet, von dem die breite Masse immerhin spürt, dass sie ahnungslos ist, kämpft man gegen Windmühlen. Die Vorstellung, dass es ausreicht, etwas Bestimmtes unbedingt haben zu wollen, um es auch zu erhalten, ist nicht wegzubekommen: Die Regierung ist gefordert; ein Gesetz muss her!
In Sicherheitsfragen verhält es sich nicht anders. Wenn Regierung und Polizei ihre Arbeit ordentlich machen, kann jedermann, zu jeder Zeit und an jedem Ort, gefahrlos seiner Wege gehen. Voraussetzung dafür ist eine möglichst restriktive Waffengesetzgebung, die sicherstellt, dass böse Menschen nicht an Tatmittel gelangen, die für gewaltkriminelle Handlungen geeignet sind. Gläubige von diesem Credo abzubringen, ist schwer. Dennoch ist es hilfreich, in einschlägigen Debatten auf Basis von Fakten argumentieren zu können. Im Folgenden seien einige der beliebtesten Behauptungen der „Waffen-weg-Fraktion“ genannt und ihnen entgegnet.
Waffen töten! Keine Waffen – keine Gewaltkriminalität!
Waffen töten so wenig wie schnelle Autos. Es kommt nur auf die Menschen an, die über sie verfügen. Kriminelle Handlungen unterbleiben nicht deshalb, weil bestimmte Tatmittel nicht legal verfügbar sind. Mehr als 80 Prozent aller Bluttaten werden laut österreichischem Sicherheitsbericht nicht mit Feuer-, sondern mit Hieb- und Stichwaffen verübt. Beim größten Teil der mit Schusswaffen begangenen Untaten kommen illegal beschaffte Geräte zum Einsatz. Waffenverbote sind daher wirkungslos.
Restriktive Waffengesetze schaffen Sicherheit! Waffenlose Gesellschaften sind friedlicher!
Würde das stimmen, wäre die Schweiz mit ihren liberalen waffengesetzlichen Bestimmungen einer der unsichersten Staaten der Welt. Das ist nicht der Fall.
Wahr ist, dass in Japan, wo ein extrem restriktives Waffengesetz herrscht, kaum Gewalttaten geschehen. Aber auch in der US-Kriminalstatistik spielen eingewanderte Japaner keine Rolle. Wie ihre daheim gebliebenen Landsleute zeigen sie eine nur sehr geringe Neigung zu aggressiver Gewalt, während der legale Zugang zu Schusswaffen in vielen Teilen der USA kein Problem ist. Das in einer Gesellschaft herrschende Maß an Gewaltkriminalität ist keine Frage der Verfügbarkeit bestimmter Tatmittel, sondern kulturell bedingt.
Niemand – außer potentiellen Gewalttätern – braucht eine Waffe!
Die Frage, wer etwas „braucht“, ist nur vom Betroffenen, nicht aber von Dritten zu beantworten. Auch seidene Unterwäsche, Motorräder und Rollerblades „braucht“ keiner. Wer so argumentiert, hat ein grundsätzliches Problem mit der Freiheit.
Jäger, Sportschützen und Leute, die sich zum Zweck der Selbstverteidigung eine Waffe beschaffen, unter Generalverdacht zu stellen, ist unzulässig. Die weit überwiegende Mehrheit der Legalwaffenbesitzer macht sich zeitlebens nicht strafbar.
Waffen im Haushalt verursachen Unfälle!
Es stimmt, dass die Gefahr, einen Unfall zu erleiden, im Haushalt am größten ist. Schusswaffenunfälle finden allerdings derart selten statt, dass ihre Zahl vernachlässigbar ist. Wer mit seinen Waffen umgehen kann, sie verantwortungsbewusst verwahrt und unbefugtem Zugriff – insbesondere durch Kinder – entzieht, geht keinerlei Risiko ein.
Wer bedroht wird, braucht keine Waffe, sondern ruft besser die Polizei!
Dieser oft gehörte Rat richtet sich selbst. Die Polizei kann nicht überall sein.
Sie ist gewöhnlich genau dort nicht anwesend, wo sich ein gewalttätiger Übergriff anbahnt. Im Fall einer akuten Bedrohung muss augenblicklich gehandelt werden. Die fünf Minuten nach einem Notruf eintreffende Polizei kann gewöhnlich nur noch für den Abtransport der Opfer sorgen und Spuren sichern.
Notwehrsituationen sind gänzlich ungeeignet, um auf den Schutz durchs Gewaltmonopol zu zählen.
Dieser Text ist erstmals in der Ausgabe Nr. 194 der Zeitschrift
eigentümlich frei erschienen.


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