Gesetzlicher Mindestlohn

Garantierte Arbeitslosigkeit

Wenn man dem sozialdemokratischen Regime unter Joe Biden eines nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnder Aktionismus. Kaum im Amt, legt er schon mit einem Bündel von 17 „executive orders“ los. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in der Höhe von 15 Dollar pro Stunde zählt zu einem seiner vordringlichsten Anliegen. Das überrascht nicht, denn es gehört zum Wesen linker Politik, Gesinnung und Haltung zum Vater aller Gedanken zu machen und die Konsequenzen des Handelns auszublenden. Verantwortungsethik ist ihre Sache nicht.  

Nathan Cowley at Pexels

Es gibt gute Gründe, weshalb auf dem Markt gebildete Preise – und dazu zählen auch die für die Arbeitszeit – dort liegen, wo sie eben liegen. Sie sind schließlich das Ergebnis freier Übereinkünfte der Marktteilnehmer auf der Angebots- und auf der Nachfrageseite. Resultat: Friseure verdienen beispielsweise weniger als Feinmechaniker und Motorenentwickler mehr als Genderwissenschaftler. Das hat allein mit der Produktivität der Tätigkeit zu tun – mit der erzielbaren Wertschöpfung – und nicht, wie oft irrtümlich angenommen, mit dem Aufwand für oder die Dauer der Ausbildung. 

Wird nun von der Regierung par ordre du mufti in den Preisbildungsprozess eingegriffen, sind Verzerrungen die unausweichliche Folge. So wie Mietenobergrenzen zur Verknappung des Angebots an Wohnraum führen, wie derzeit im rot-rot-grün regierten Berlin zu bewundern ist, haben Mindestlöhne, die über dem Marktpreis liegen, den Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge. Immer. Überall. Wobei zum Hauptopfer einer Politik hoheitlich oktroyierter Mindestlöhne stets die Berufsanfänger, alte Arbeitnehmer und die schlecht ausgebildeten unter den Dienstnehmern werden. 

Joe Biden und seine Entourage werden es demnächst erleben. Dabei ist es ja so einfach einzusehen: kein Arbeitgeber wird höhere Löhne bezahlen, als er aus der jeweiligen Tätigkeit erlösen kann. Es wird sich rasch erweisen, dass die Arbeit eines Burgerverkäufers bei McDonalds, Wendys & Co.  keine 15 Dollar pro Stunde (derzeit nur 7,25,-) wert ist. Der Ersatz dieser Arbeitskräfte durch Bestellautomaten ist so gut wie sicher. 

Derselbe Mechanismus funktioniert natürlich auch in vielen anderen Branchen: Kapital substituiert Arbeit. Menschen werden durch Maschinen ersetzt, wodurch einfache Tätigkeiten, die besonders für Berufseinsteiger und gering Qualifizierte die einzige Möglichkeit darstellen, sich aus eigener Kraft Einkommen zu verschaffen, aus dem Angebot verschwinden. Ein Blick in so gut wie menschenleere Fertigungsstraßen im Maschinen- und Fahrzeugbau sagt alles. Die Gewerkschaften und ihre Komplizen in den Regierungen haben offensichtlich ganze Arbeit geleistet. Sozialismus wirkt eben.

Anders als in den Naturwissenschaften, ist es in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften nicht möglich oder sinnvoll, empirische Tests durchzuführen – jedenfalls dann nicht, wenn man keinen gesteigerten Wert auf die Produktion von Leichenbergen legt, wie das bei den großangelegten Feldversuchen in der UdSSR oder in China unter Mao Zedong der Fall war. Eine konsistente Theorie menschlichen Handelns (wie sie von Ludwig Mises in seinem Opus Magnum „Human Action“ entwickelt wurde) reicht völlig aus, um die zu erwartenden Ergebnisse politischer Entscheidungen vorherzusagen: Unter sonst gleichen Bedingungen führt eine Verringerung des Angebots stets zu steigenden Preisen – und umgekehrt. 

Da Menschen (von Geistesgestörten und Masochisten abgesehen) stets vom Wunsch beseelt handeln, ihre Situation zu verbessern, unterlassen sie folgerichtig alle Aktivitäten, von denen sie erwarten können, dass sie ihnen schaden werden – was die Möglichkeit, sich zu irren indes niemals ausschließt. Daher liegt es auf der Hand, dass Unternehmer, die einen Gewinn zu machen beabsichtigen, auf die Beschäftigung von Mitarbeitern verzichten werden, deren Löhne oberhalb des von ihnen erwirtschafteten Deckungsbeitrags liegen. Jo Biden und Genossen werden diese unausbleibliche Erkenntnis mutmaßlich mit dem Vorwurf quittieren, der „Kapitalismus“ müsse nun endlich einmal gezähmt oder – besser noch – zugunsten einer zentral geplanten Kommandowirtschaft aufgegeben werden. Lenin hat immerhin von 1917 bis 1921 gebraucht, um einzusehen, dass es einer „neuen ökonomischen Politik“ (NEP) bedarf, die eine teilweise Rückkehr zur Marktwirtschaft bedeutete, um den Absturz des roten Arbeiter- und Bauernparadieses ins Bodenlose zu verhindern. Wann wird den amerikanischen Genossen des 21. Jahrhunderts dieselbe Erkenntnis dämmern?

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