Gold und Silber lieb‘ ich sehr…

Gold und Silber lieb‘ ich sehr…
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Globale Unsicherheit treibt Edelmetallpreise nach oben

In Zeiten großer Unsicherheit pflegen viele private und institutionelle Anleger eine „Flucht ins Gold“ anzutreten. Da „Betongold“ amtsbekannt und daher leicht zu enteignen oder mit Zwangshypotheken zu belasten ist, bietet der Besitz von Edelmetallen die – abgesehen von Edelsteinen – einzige anonyme und transportable Möglichkeit zur Vermögenssicherung. Die von vielen Regierungen rund um den Erdkreis als Reaktion auf das Auftreten von COVID-19 auf den Weg gebrachten Maßnahmen haben die bereits bestehenden Unsicherheiten dramatisch erhöht. Selbst notorische Optimisten können inzwischen nicht mehr so recht an eine rasche Erholung der Weltwirtschaft und an eine baldige Rückkehr zum Status quo glauben. Ganze Branchen stehen weltweit unter hohem Druck und haben es mit trüben Aussichten zu tun. Millionen von Arbeitsplätzen wurden und werden abgebaut und sind auf längere Zeit oder für immer verloren.

In einem intakten, von politischen Verzerrungen freien Markt, spiegeln Preisentwicklungen und Indices recht genau die Publikumserwartungen wider – und die stimmen in den meisten Fällen auch tatsächlich mit der Realität überein. Das ist in der gegenwärtigen Situation, in der die Regierungen so ungeniert wie nie zuvor in die Märkte eingreifen und zielstrebig auf eine staatlich kommandierte Planwirtschaft zusteuern, indes nicht mehr der Fall. Den besten Beweis dafür liefert die Tatsache, dass ausgerechnet in einem Moment, da die Welt mit der schwersten Wirtschaftskrise seit den 1920er-Jahren zu kämpfen hat, die internationalen Aktienbörsen wahre Kursfeuerwerke abbrennen und selbst hochverschuldete Staaten keine Probleme damit haben, negativ rentierende Anleihen zu platzieren. Offensichtlich ist auf nichts mehr Verlass. Preise haben ihre unter normalen Umständen äußerst zuverlässige Signalfunktion verloren und die Aktienkurse haben sich von der wirtschaftlichen Realität augenscheinlich völlig gelöst.

Die von den international tätigen Geldalchemisten betriebene Nullzinspolitik fungiert naturgemäß als Treibsatz für die Preise von Edelmetallen. Das Horten von Gold und Silber muss gegenwärtig nicht teuer mit Zinseinbußen bezahlt werden, sondern verursacht lediglich Lagerkosten. Folgerichtig verzeichnet Gold per Ende Juli sowohl auf Dollar- als auch auf Eurobasis Allzeithöchststände. Am 30. 7. kostet die Feinunze (Philharmoniker) 1.753,- Euro. Ein Kilobarren des gelben Metalls notiert im Verkauf bei 55.250,- Euro.

Die Notenbanken beiderseits des Atlantiks schicken sich soeben an, gewaltige Geldmengen zu produzieren und in die Märkte zu pumpen. Gold wird in dieser Lage als das beste Mittel zur Absicherung gegen einen im Gefolge der Geldinflation von vielen Marktakteuren erwarteten, auf breiter Front eintretenden Preisauftrieb gesehen.

Interessanterweise hat zuletzt auch Silber, das oft als das „Gold des kleinen Mannes“ bezeichnet wird, kräftig zugelegt – und zwar sogar noch stärker als Gold. Das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber liegt im Moment trotzdem immer noch bei rund 80:1. Zu berücksichtigen ist, dass Gold steuerfrei erworben werden kann, während Silber in Deutschland mit 19 Prozent und in Österreich mit 20 Prozent USt. belastet ist.

Die Unze Feinsilber (Philharmoniker) notiert am 30. 7. im Verkauf bei knapp unter 30,- Euro. Die Münze Österreich meldet Umsatzrekorde, ist täglich ausverkauft und kündigt an, die Produktion von Silberphilharmonikern kräftig steigern zu wollen.

Der Höhenflug des Silberpreises ist insofern bemerkenswert, als Silber in seiner Eigenschaft als Industriemetall wesentlich stärker von der Konjunktur betroffen ist als Gold, bei dem die Wertaufbewahrungsfunktion im Vordergrund steht. Zu erwarten wäre daher eher ein weiteres Auseinanderdriften der Preise für die beiden Metalle. Mag sein, dass der Run auf das Silber mit der Erwartung einer galoppierenden Inflation oder eines Währungszusammenbruchs in Verbindung steht. Für Einkäufe des täglichen Bedarfs würde sich Silber aufgrund seiner geringeren Werthaltigkeit als Tauschmittel nämlich deutlich besser eignen als Gold. Außerdem liefert die Geschichte keinerlei Hinweise auf staatliche Silberverbote, während der private Besitz von Gold bereits mehrfach unter Androhung drakonischer Strafen verboten war. So etwa, als prominentestes Beispiel, in den USA zwischen 1933 und 1974.

Angesichts der politisch-wirtschaftlichen Entwicklungen im Gefolge der Covid-19-Seuche erwarten viele Analysten ein weiteres Anziehen des Goldpreises, der bis Jahresende die 2.000,–Euro-Marke hinter sich lassen könnte.

Auch wenn es meist nicht sehr weise ist, bei Kurshöchstständen einzusteigen, sollte dennoch auch dieser Tage jeder Anleger daran denken, einen Teil seines Geldes in Edelmetalle zu stecken. Immerhin hat Gold seine Kaufkraft über Jahrtausende hinweg in den verschiedensten Zivilisationen bewahrt, während das von keiner einzigen Fiat-Währung behauptet werden kann. Die Weltleitwährung US-Dollar hat seit Gründung des Federal-Reserve-Systems anno 1913 bis heute 97 Prozent seiner Kaufkraft eingebüßt.

Während der Filmbösewicht Goldfinger (dargestellt von Gert Fröbe) sich im gleichnamigen Agentenfilm in romantischer Schwärmerei ergeht, wenn er über Gold sagt: „…mein ganzes Leben lang habe ich seine Farbe geliebt, seinen Glanz, seine göttliche Schwere…“, bringt es der Unternehmer und Bankier John Pierpont Morgan sehr nüchtern auf den Punkt: „Nur Gold ist Geld, alles andere ist Kredit!“

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