Laudamotion: 500 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

(Andreas Tögel)Nachdem die österreichische Arbeiterkammer kürzlich mit einer auf den Namen „Millionärssteuer“ hörenden Unternehmervertreibungsaktion hat aufhorchen lassen, holt jetzt die Gewerkschaft Vida zu einem möglicherweise vernichtenden Schlag gegen 500 Arbeitsplätze der zur irischen Ryanair gehörenden Luftfahrtlinie Laudamotion aus.
Auch weltfremden Sozialromantikern kann in den letzten Wochen nicht entgangen sein, dass die von vielen Regierungen verfügte Aussetzung der Erwerbs- und Reisefreiheit unter anderem die Luftfahrtbranche in schwere Bedrängnis gebracht hat. Wenn milliardenteure Luftflotten monatelang unbewegt herumstehen, geht das eben rasch ans Eingemachte – insbesondere dann, wenn für den betreffenden Betrieb kein staatliches „Rettungspaket“ geschnürt wird, in dessen Genuss bevorzugt politisch gut vernetzte Großunternehmen in Staatsnähe kommen.

Good bye Laudamotion

Laudamotion ist kein solcher Fall. Als „Billiglinie“ verschrien, kann das Unternehmen – anders als die einst staatliche AUA – nicht auf behördliche Protektion zählen. Die Basis Wien des Unternehmens steht somit auf dem Spiel. Der Betrieb dringt auf einen neuen Kollektivvertrag mit niedrigeren Gehältern. Die Gewerkschaft wehrt sich dagegen. So weit, so wenig aufsehenerregend. Was der Sache Würze verleiht, ist der Umstand, dass ein Teil der Belegschaft sich mit der Gewerkschaftslinie nicht einverstanden zeigt, die auf ein Ende des Engagements der Laudamotion in Österreich und auf den Verlust aller hiesigen Arbeitsplätze hinausläuft. Am Ende des Tages erhebt sich für die Arbeitnehmer der Fluglinie somit die Frage: weniger verdienen oder arbeitslos werden? Ein Problem das – wir leben ja in der Spätphase des hemmungslosen Umverteilungssozialismus – nicht nur die Unternehmensbelegschaft, sondern alle Steuer- und Abgabenzahler im Lande tangiert.
Gegenwärtig spießt sich die Sache an einer Unterschrift der Vida, deren Vertreter sich weigern, den neuen KV abzusegnen. Ohne auf die Details des aktuellen Angebotes und die Auseinandersetzung darüber einzugehen, zeigt sich – wieder einmal – das Problem der Legitimation einer Gewerkschaft, die auch über das Schicksal von mit ihren Aktionen nicht einverstandenen Menschen entscheiden darf – auch über solche, die nicht zu ihren Mitgliedern zählen. Ein klassischer Fall von „keine eigene Haut im Spiel“: die Gewerkschafter brauchen die Konsequenzen ihrer Aktivitäten nicht selbst zu tragen – das müssen andere tun.
Gesetzlich ist die Sache klar: die Gewerkschaft verfügt über das Kollektivvertragsrecht. Die Annahme einer Arbeit unterhalb des KV-Tarifs ist illegal und zieht schwere Strafen für den Dienstgeber nach sich, die bis zur Betriebsschließung reichen können. Wie auch immer die Sache am Ende ausgeht, sollte die „Causa Laudamotion“ als Anstoß dazu dienen, einige grundsätzliche Überlegungen anzustellen.
* Löhne, die zu bezahlen für Betrieb A kein Problem darstellen, können Betrieb B ruinieren oder zur Betriebsverlagerung ins Ausland zwingen, was in einer globalisierten Welt kein Problem darstellt. Warum also auf einem offensichtlich schädlichen Einheitslohn bestehen?
* Für die Arbeitnehmerseite gilt: was für den einen ein ansehnliches Einkommen bedeutet, reicht für einen anderen keinesfalls, was jeden KV sowohl auf betrieblicher, als auch auf überbetrieblicher Ebene fragwürdig erscheinen lässt.
* Wie sinnvoll ist es, in einer immer stärker differenzierten Arbeitswelt an antiquierten Kollektivverträgen festzuhalten, die offensichtlich Ungleiches gleichmachen sollen?
* Wer – außer den Gewerkschaften und ihren Funktionären – profitiert von einer erzwungenen Gleichmacherei?
* Ist es zweckmäßig, eine Organisation, gleich ob staatlich oder privat, zu ermächtigen, auch gegen die Interessen der von ihr vertretenen Personen Entscheidungen zu treffen?
* Ist es nicht abwegig, einen privaten Verein dazu zu legitimieren, über die Geschicke von Nichtmitgliedern zu bestimmen und faktisch Arbeits- und damit Erwerbsverbote zu verhängen?
Sollte es beim Aus für die Laudamotion kommen – und gegenwärtig sieht es sehr danach aus -, würde sich das von der Gewerkschaft „gewonnene“ Negativsummenspiel selbst den Dümmsten offenbaren: nicht nur das Unternehmen und seine Belegschaft wären die Verlierer, sondern auch die Steuer- und Beitragszahler, die nun für ein paar hundert weitere Arbeitslose aufkommen müssten. Nicht zu vergessen jene Flugpassagiere, die dank eines wegfallenden Konkurrenten ab sofort für einige Destinationen höhere Flugtarife werden bezahlen müssen.
Sollten die wackeren Klassenkämpfer von der Vida mit ihrem Vabanquespiel Erfolg haben und Laudamotion aus Wien vertreiben, wäre damit einmal mehr bewiesen, welch schädliche Wirkung Kartelle entfalten. Im vorliegenden Fall das Arbeitskraftkartell namens Vida.

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