Neid kann den wirtschaftlichen Fortschritt zerstören

Die zwei Seiten des Neides

(Andreas Tögel) „Der Neid is´ a Hund“ weiß der österreichische Volksmund. Da ist schon was dran. Neider zählen meist nicht zu den glücklichsten Zeitgenossen. Nicht von Ungefähr zielt die Forderung linker Umverteiler (auch) auf den Abbau der Unzufriedenheit der Zukurzgekommenen. Weil man aber Arme par ordre du mufti nicht reich, Reiche aber ohne allzu große Mühen arm machen kann, wird gewöhnlich dieser Weg gewählt. 

Neid kann, wie der US-amerikanische Geschäftsanalyst und Autor Matthew Lippton herausgefunden und kürzlich auf dem Blog einer liberalen Denkfabrik publiziert hat, sowohl destruktive als auch konstruktive Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung von Personen und Gemeinschaften liefern. Lippton geht der Frage nach den Ursachen auf den Grund.

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Die aus den USA stammende Formel „Keeping up with the Joneses“ veranschaulicht die positive Funktion des Neides. Die Beobachtung eines Wohlstandszuwachses beim Nachbarn bewirkt in diesem Fall einen Ansporn, es ihm gleichzutun und beispielsweise ebenfalls ein teureres Auto anzuschaffen, was eine größere Arbeitsanstrengung bedingt, um es sich leisten zu können. Das Bestreben, hinsichtlich seiner Konsummöglichkeiten nicht abgehängt zu werden, liefert Jones das Motiv dafür, sich mehr ins Zeug zu legen und ein höheres Einkommen zu erzielen. Die Statusdarstellung durch den Erwerb von (teuren) Konsumgütern und Dienstleistungen ist Teil der Konsumkultur. Die entsteht in einer Marktwirtschaft (anders ausgedrückt: unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen) mit gesicherten Institutionen und stabilen Eigentumsrechten. Sie setzt allerdings einen größeren Arbeitseinsatz und /oder produktivere Arbeitsprozesse voraus. Beide steigern die wirtschaftlichen Möglichkeiten.

 In Gemeinschaften dagegen, in denen es an gesicherten Institutionen und Eigentumsrechten mangelt, zieht der Neid eher negative Konsequenzen nach sich. Anstatt große Anstrengungen darauf zu verwenden, um die eigene Produktivität zu steigern, wird vielmehr Energie dafür eingesetzt, den Nachbarn zu bremsen oder gar zu schädigen. In Entwicklungsländern ist dieses Phänomen gut dokumentiert. Es kann sogar so weit kommen, dass die Plantage des produktiveren Farmers von seinem weniger tüchtigen Nachbarn niedergebrannt wird, der die wirtschaftliche Ungleichheit nicht ertragen kann oder will. Der Bauer ist in diesem Fall nicht scharf darauf, dass seine eigene Kuh mehr Milch gibt. Er sorgt lieber dafür, dass die produktivere Kuh des Nachbarn tot umfällt. 

Diese völlig unterschiedlichen Konsequenzen des Neides werden von Lippton mit den unterschiedlichen Opportunitätskosten erklärt, die für entsprechende Aktivitäten in unterschiedlich entwickelten Systemen anfallen. In fortgeschrittenen (westlichen) Ökonomien mit stabilen und vertrauenswürdigen Rechtssystemen, wird eine absichtliche, gewaltsame Schädigung des tüchtigeren Nachbarn oder Wettbewerbers empfindlich sanktioniert. Die Fabrik des Konkurrenten abzufackeln, kann daher schwerwiegende Folgenkosten nach sich ziehen. Daher ist es in der Regel zweckmäßiger und „billiger“, die Steigerung der eigenen Produktivität voranzutreiben, wovon am Ende das Gesamtsystem profitiert und dessen wirtschaftliches Niveau gehoben wird.

Anders in vielen Entwicklungsländern, in denen häufig Korruption, Vetternwirtschaft und Klientelpolitik herrschen und das Eigentum an den Früchten der Arbeit eines Produzenten nicht gesichert ist. Diesfalls ist der Anreiz für eine produktivere Tätigkeit gering, da deren Ergebnis entweder von der korrupten Obrigkeit enteignet oder von neidzerfressenen Nachbarn zerstört werden kann. Die Volkswirtschafft verharrt auf einem niedrigeren Niveau, als die vorhandenen Möglichkeiten es zulassen würden.      

Mehr unter dem Link Why Envy Can Destroy Economic Progress | Mises Wire

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