Pandemie, Pleiten, Pfusch und Inflation

(Andreas Tögel) Die von einschlägigen Fachleuten unter dem Eindruck der Pandemie präsentierten Wirtschaftsdaten Österreichs klingen alarmierend. Der Wirtschaftseinbruch des Vorjahres wird aktuell mit rund acht Prozent deutlich höher beziffert, als noch zur Jahresmitte prognostiziert. Die Konjunkturdaten der Alpenrepublik wurden offensichtlich weiter zurückgeworfen als die der übrigen Staaten Eurolands. Die konfuse Politik der Bundesregierung – nicht etwa das Virus selbst – hat uns, zumindest in dieser Hinsicht, auf den europäischen Spitzenplatz katapultiert. Chapeau! 

Markus Spiske at Pexels

Damit nicht genug, steigen die für den Bundeshaushalt auflaufenden Kosten der verschiedenen „Hilfspakete“, der Löwenanteil davon entfällt auf die Kurzarbeit, unaufhörlich. Allein im Rahmen dieses großzügigen Stützungsprogramms wurden bislang etwa 6,1 Mrd. Euro ausbezahlt. Da die Kurzarbeitsförderung soeben verlängert wurde, werden aus diesem Titel am Ende insgesamt deutlich über 10 Mrd. Euro verbraten werden. Wir haben´s ja. Indes regt sich da und dort bereits Kritik an dieser wenig treffsicheren Art der „Hilfe“. Beispielsweise konstatiert die Denkfabrik „Agenda Austria“, dass viele Arbeitnehmer sich inzwischen darauf einrichten, dauerhaft mit einem um nur 20 Prozent reduzierten Einkommen zu leben, dafür aber nur 30 Prozent der Arbeitszeit leisten zu müssen. Ist ja tatsächlich super! Oder aber: der flagrante Fall eines Fehlanreizes. Damit wird nämlich berufliche Immobilität gefördert und die Suche nach einer produktiveren Beschäftigung behindert. Da von den Damen und Herren Regierenden allerdings kaum eine(r) je ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen von innen gesehen hat, sucht man Verständnis für betriebswirtschaftlich relevante Zusammenhänge in ihren Reihen natürlich vergebens.  

 Wenig überraschend, dass die rote Chefin der Arbeiterkammer, Renate Anderl, deren Karriere ausschließlich in geschützten Werkstätten erfolgte, einem schrittweisen Ausstieg aus der Kurzarbeitsförderung nur wenig abgewinnen kann. Sie argumentiert mit den dadurch geschmälerten Ansprüchen der Arbeitnehmer, blendet dabei aber geflissentlich aus, dass jedem Lohn auch eine entsprechende Leistung gegenüberstehen muss. Vom Draufzahlen können die Betriebe nämlich nicht leben, die – trotz Ersatzzahlungen – dennoch auf einem Teil ihrer Lohnkosten sitzen bleiben. Und letztlich kommt auch der Staat ohne die Steuerleistungen prosperierender Betriebe nicht aus. 

Am Beispiel der Förderungspolitik zeigt sich exemplarisch, wie verderblich sich eine dauerhaft exekutierte Politik des „billigen Geldes“ auf die Mentalität der Menschen auswirkt: „Ohne Geld, ka Musi“ besagt das Sprichwort. Da Geld aber in unbegrenztem Maße zur Verfügung zu stehen scheint, ist, so die Illusion, auch die Musik dauerhaft gesichert. Auf die harte Realität der Ökonomie übertragen: Die Einsicht, dass Einkommen und Wohlstand nicht von Geldscheinen abhängen, die aus der Notenpresse kommen, sondern von der durch die Verknüpfung von Arbeit und Kapital erfolgenden Produktion, geht völlig verloren.

Die Pleitenstatistik des Vorjahres war nur scheinbar erfreulich: Selten zuvor gab es weniger Insolvenzen. Die Freude darüber ist indes unbegründet, weil sie allein der Tatsache geschuldet ist, dass die Insolvenz-Antragspflicht im Falle einer Überschuldung seit März des Vorjahres ausgesetzt wurde. Auch dabei handelt es sich, wie bei faktisch allen politischen Aktivitäten zur Krisenbewältigung, um eine strukturkonservierende und innovationsbehindernde Maßnahme. Nach dem Auslaufen dieser Art der „Zombieförderung“ ist heuer mit einem neuen Pleitenrekord zu rechnen. Eine Million Arbeitslose bis zum Jahresende sind in dessen Gefolge durchaus drin.

Schon zeigen sich, allen kostspieligen Förderungsprogrammen zum Trotz, die Folgen der planlosen Hü-Hott-Politik der Bundesregierung: so etwa anhand des Leerstands an Geschäftsimmobilien – insbesondere bei ebenerdig gelegenen Ladenlokalen. Stark davon betroffen sind einige Wiener Innenstadtbezirke, wo bis zu 10 Prozent der Läden derzeit ungenutzt bleiben.  

Während das Bruttosozialprodukt fällt wie ein Stein, profitiert nicht nur der Internethandel, der sich, dank endloser Lockdowns, zum Sargnagel für den Einzelhandel entwickelt (ein Effekt, der auch nach dem Ende der Pandemie zum Teil fortbestehen wird, weil die Leute sich an den Einkauf via Laptop gewöhnt haben werden), sondern auch der Pfusch. Nach einer aktuellen Studie des Schattenwirtschaftsexperten Friedrich Schneider, zählt die Schwarzarbeit zu den Profiteuren der rigorosen Rollbalken-runter-Strategie der Regierung. Wer keine Möglichkeit findet, sich auf gesetzeskonforme Weise einen Haarschnitt oder eine andere dringend benötigte Dienstleistung zu verschaffen, sucht nach Alternativen. Passende Angebote finden sich dann ganz von selbst.

Schließlich und endlich darf auch die Gefahr einer galoppierenden Geldentwertung im Gefolge der exzessiven Geldmengenausweitung, die durch die Notenbanken rund um den Globus betrieben wird, nicht übersehen werden. Kaum zu glauben, aber wahr: Sage und schreibe mehr als ein Drittel (!) der derzeit kursierenden Dollarmenge wurde anno 2020 produziert. Das sollte, solange es sich beim US-Dollar um die Weltleit- und Reservewährung handelt, nicht nur Amerikaner beunruhigen. 

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