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Die staatsfreie Privatrechtsgesellschaft wird Realität

Titus Gebel, Rechtsanwalt und erfolgreicher Investor, skizziert in diesem Buch die theoretischen Grundlagen zur Errichtung einer staatsfreien Privatrechtsgesellschaft. Dass sich ein von ihm initiiertes Projekt auf einer zu Honduras gehörenden Insel gegenwärtig in der Realisierungsphase befindet, ist kein Zufall. Er begnügt sich eben nicht mit dem Theoretisieren, sondern macht Nägel mit Köpfen.

Auf dem Boden libertärer Prinzipien stehend, argumentiert er auf überzeugende Weise die Vorteile einer auf einer bürgerlich-rechtlichen Ordnung gründenden Gesellschaft als Alternative zum staatlichen Status quo, der auf Zwang, Gewalt und (mehrheitsdemokratischer) Willkür basiert. Tatsächlich erwachsen einem Staatsbürger aus der ihm einseitig auferlegten Steuerpflicht keinerlei konkreten Rechtsansprüche – etwa auf persönliche Sicherheit oder Eigentumsschutz. Zudem kann der Staat seine (Zwangs-)Angebote an seine Insassen jederzeit einseitig in jede Richtung abändern, ohne dass der Bürger bei Missfallen darauf anders, als durch Auswanderung unter Aufgabe seiner Rechte reagieren könnte.

Weshalb, so fragt Gebel völlig zu Recht, sollte es nicht möglich sein, ein Stadtprojekt zu realisieren, das auf zwischen dem Betreiber und den Bewohnern geschlossenen Verträgen, anstatt auf einem „Gesellschaftsvertag" beruht, den niemand je zu Gesicht bekommen hat und der jederzeit einseitig zum Nachteil der Bürger abgeändert werden kann? Immerhin sind ja auch im totalitären Wohlfahrtstaat unserer Tage immer noch wesentliche Bereiche des Lebens privatrechtlich organisiert: Lebensmittel, Bekleidung, Fahrzeuge und elektronische Geräte (um nur einige zu nennen), werden ja eben nicht vom Staat produziert, wobei von Mangelversorgung (außerhalb sozialistischer Musterstaaten wie Kuba, Venezuela und Simbabwe) keine Rede sein kann. Dass der Staat ein Monopol auf bestimmte Sektoren haben muss, ist also ausschließlich ideologisch zu „argumentieren".

Praktisch läuft Gebels Privatstadt auf die Verwirklichung jenes jeder sozialen Wärme ermangelnden „Nachtwächterstaats" hinaus, der von den Sozialisten in allen Parteien so vehement abgelehnt wird. Der Betreiber bietet, zu vertraglich vereinbarten und einklagbaren Bedingungen, die Bereitstellung von Infrastruktur, innerer und äußerer Sicherheit, sowie Rechtsprechung (durch unabhängige Schiedsgerichte) an; die Bewohner erklären sich zur Bezahlung der vereinbarten Beiträge und zur Einhaltung der festgesetzten Regeln bereit. Basta. Umverteilung, Bevormundung der Einwohner im Hinblick auf ihre Lebensgewohnheiten, Zwangsbeglückung oder einseitige Änderung der Konditionen zum Nachteil der Bewohner, gibt es nicht oder sind rechtlich anfechtbar und berechtigen zu Schadenersatzforderungen.

Gebel jagt keiner weltfremden Utopie hinterher, sondern steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden des tatsächlich Machbaren. Konzessionen hinsichtlich der im „Gastland" herrschenden Rechtsgrundsätze sind unvermeidlich. Dass für Projekte dieses Zuschnitts nicht gerade die sichersten und stabilsten Länder auf dem Globus zur Verfügung stehen, ist – zumindest gegenwärtig – in Kauf zu nehmen. Sollte das Projekt erfolgreich sein, werden sich Nachahmer finden. Der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Betreibern wird zur Einhaltung der verabredeten Konditionen zwingen, da andernfalls „Fluchtbewegungen" einsetzen würden, die den Wert der Stadt – und damit die Gewinnmöglichkeit der Betreiber – reduzieren. Man darf darauf gespannt sind, wie sich Gebels Projekt entwickeln wird.

Freie Privatstädte: Mehr Wettbewerb im wichtigsten Markt der Welt

Titus Gebel
Aquila Urbis Verlag, 2018
315 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-00-059289-8
29,90,- Euro

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Buchbesprechung: Hitlers Kinder / Die Generation der Achtundsechziger

Von Andreas Tögel

Die Streitschrift des profilierten Antisemitismus- Holocaust- und Totalitarismusforschers Michael Ley bringt es auf den Punkt: „Aus der absurden Idee einer Erlösung durch Vernichtung – des Judentums – schmiedeten die Kinder den Wahn der kollektiven Selbstvernichtung.” Der rassistische Irrsinn der Nationalsozialisten – die Verherrlichung der „arischen Rasse” – wird durch die 68er in sein Gegenteil verkehrt: In Multikulturalismus und Verteufelung des weißen Mannes. Letzterer trägt fortan die alleinige Schuld an allem Elend dieser Welt.

Wie schon die Nationalsozialisten, so sind auch die 68er erklärte Gegner der meinungspluralistischen Gesellschaft: Wer nicht einer der ihren ist, muss schweigen – oder wird zum Schweigen gebracht. Symptomatisch ist ihre Haltung zum Vietnamkrieg: Sie solidarisieren sich mit der Ikone des nordvietnamesischen Totalitarismus, Ho-Chi-Minh und mit einem der größten Massenmörder des 20. Jahrhunderts, Mao Tse-tung. Diese Figuren erscheinen ihnen als die neuen Erlöser – wie ihren Eltern einst Adolf Hitler.

Nach dem Untergang des Realsozialismus – mitten in ihrem erfolgreichen Marsch durch die Institutionen, die von ihren Nachfolgern mittlerweile nahezu vollständig beherrscht werden – braucht es ein neues Ideal. Im Migranten aus vormodernen (Gewalt-)Kulturen, haben sie es gefunden. Die „Verdammten dieser Welt” werden zu den kommenden welthistorischen Erlösern stilisiert.

Der Migrant – und der mit ihm die Alte Welt immer stärker infiltrierende Islam – sind folglich sakrosankt. Wer Kritik an ihnen äußert, wird in Acht und Bann getan, ist ignorant, fremdenfeindlich, „islamophob”, rechtsradikal, kurzum – ein Nazi. Der Ironie, dass die historischen Nationalsozialisten mit den Muslimen gemeinsame Sache gegen die Juden machten, ist sich in unserer geschichtsvergessenen Zeit kaum jemand bewusst. Der fanatische Judenhass Hitlers, wird dieser Tage durch den der sich täglich vergrößernden muslimischen Horden ersetzt. Wen stört das schon?

Das erklärte Ziel der 68er, die Zerstörung des deutschen Volkes, ist jedenfalls – zu ihrer Freude und zu der ihrer rotgrünen Nachfolger – in greifbare Nähe gerückt.

Dass wachsende Parallelgesellschaften zu einer immer tieferen Segregation der Gesellschaften führen – an einer Integration sind die muslimischen Eroberer klarerweise völlig desinteressiert – wird achselzuckend zur Kenntnis genommen. Das nach Kräften geförderte Eindringen der totalitären Ideologie des Islam, wird Europa – im Gegensatz zum Nationalsozialismus – unumkehrbar verändern. Die antimoderne linke Avantgarde geht mit dem Islam eine Allianz zur Zerstörung all dessen ein, was die Alte Welt einst ausgemacht hat.

Erschreckend, wie sehr die Kinder ihren Eltern ähneln: Totalitäre Kollektivisten sind die einen wie die anderen. An die Stelle der Juden als Sündenbock tritt – im Sinne einer pervertierten Verantwortungsethik – die These der niemals zu tilgenden Kollektivschuld. Die 68er und ihre geistigen Nachfolger werden Deutschland – und damit am Ende Europa, auslöschen. „Sie sind die größten Zivilisationszerstörer der Weltgeschichte.”

Hitlers Kinder Die Generation der Achtundsechziger
Michael Ley
Basilisken-Presse 2018
61 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-941365-63-6
13,50,- Euro



Buchbesprechung: Das Ende der SPÖ

Zeitlich hätte diese Neuerscheinung nicht besser programmiert sein können: pünktlich zur vorgezogenen Nationalratswahl 2017, erscheint diese Abrechnung mit Versäumnissen, Fehlern und personellen Missgriffen der österreichischen Sozialdemokratie in der Zweiten Republik. Ist der Titel auch überzeichnet, so kommt immerhin der Untertitel den Tatsachen nahe: „Von der absoluten Mehrheit in die Bedeutungslosigkeit".

Errang die einst staatstragende Partei unter „Sonnenkönig” Bruno Kreisky, anno 1979 noch satte 51,03 Prozent der Wählerstimmen, dümpelt sie gegenwärtig bei unter 30 Prozent dahin. Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik, ist es ihr als der den Kanzler stellenden Regierungspartei gelungen, bei einer Nationalratswahl nur als zweiter ins Ziel zu kommen – und das nur knapp vor den drittplatzierten Freiheitlichen. Blamabel. Victor Adler und Bruno Kreisky werden vermutlich in ihren Gräbern rotieren.

Auf kurzweilige, ironisch pointierte, aber keineswegs bösartige Weise, geht der Autor den Gründen für den systematischen Abstieg der einstigen Partei der werktätigen Massen auf den Grund. Serienweise Skandale, offensichtlicher Ziel- und Identitätsverlust, sowie unattraktives Führungspersonal, bilden die Hauptgründe für den stetigen Wählerschwund. Das Auftauchen des charismatischen Populisten Jörg Haider Mitte der 80er-Jahre, dessen Kür zum Chef der FPÖ und die darauf folgende Ausgrenzungsstrategie („Vranitzky-Doktrin"), hat den Wählerverlust nur noch weiter beschleunigt und die Freiheitlichen gestärkt. Jetzt waren und sind es eben sie, die den Finger am Puls der kleinen Leute haben, nicht mehr eine zum korrupten Macht- und Pfründenerhaltungsverein degenerierte Sozialdemokratie. Die Facharbeiter, die einst die roten Kerntruppen bildeten, stehen heute mehrheitlich im blauen Lager.

Auch der Tod des intelligenten und eloquenten Herausforderers Haider, der überaus erfolgreich in den roten Arbeiterhochburgen wilderte, brachte keine Trendwende. Die beinahe schon neurotisch wirkende Ausgrenzungspolitik, nahm und nimmt den Genossen vielmehr jeden Verhandlungsspielraum und zwingt sie zur ungeliebten Dauerkoalition mit der zweiten großen Volkspartei, der ÖVP.

Zu allem Überfluss trägt der kometenhafte Aufstieg des schwarzen Jungstars, Sebastian Kurz, zum weiteren Niedergang der Sozialisten bei. Denn er, und nicht die Roten, scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und auf die richtigen Themen zu setzen. Der politische Trend ist im Jahr 2017 kein Genosse mehr. Wenn die SPÖ sich nicht alsbald neu erfindet, wird ihr Weg in die Bedeutungslosigkeit unumkehrbar.

Das Ende der SPÖ
Martin Sörös
Verlag Frank 6 Frei
233 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-9504348-5-9
19,- Euro



Buchbesprechung Die blinden Flecken der Geschichte / Österreich 1927 – 1938

Von Andreas Tögel

Im Zuge ihres erfolgreichen Marsches durch die Institutionen haben es die Linken geschafft, bestimmte Forschungsbereiche nahezu vollständig unter ihre Fuchtel zu bringen. Die Geschichtswissenschaft – namentlich die Zeitgeschichte – zählt dazu. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wird daher weitgehend von den Narrativen bestimmt, die linke Historiker – weithin unwidersprochen – in die Welt setzen.
Fünf der Mantras, die diesen von den Roten gerne – kontrafaktisch – als „Ära des Austrofaschismus“ bezeichneten Abschnitt der jüngeren Geschichte prägen, hat die Historikerin und Erfolgsautorin Gudula Walterskirchen in ihrem letzten Buch einer kritischen Prüfung unterzogen und ist, nach Berücksichtigung bisher ungenutzter Quellen, zu einer weit vom Mainstream abweichenden Beurteilung der Ereignisse gekommen.
Ob es um das Drama von Schattendorf und den damit zusammenhängenden Justizpalastbrand geht; um den „Aufstand friedlicher Arbeiter“ gegen das „faschistische“ Dollfuss-Regime; um die tatsächlichen Ziele der sozialdemokratischen Putschisten im Februar 1934; und um die Frage, welche Rolle der illegalen Nationalsozialisten dabei gespielt haben: hier wird mit kritiklos nachgebeteten Mythen abgerechnet. Das betrifft auch die Beurteilung des Einmarsches Adolf Hitlers im März 1938.
So kann etwa gar keine Rede von einem politisch motivierten Fehlurteil gegen die ruchlosen Mörder „friedlicher Arbeiter“ in Schattendorf sein, wie die Autorin anhand eingehenden Quellenstudiums und der Einschätzung prominenter Juristen nachweist. Auch war das Ziel der angeblich „demokratischen Arbeiter“, die anno 1934 (entgegen den Direktiven der eigenen Parteiführung) den von Vornherein zum Scheitern verurteilten Putsch gegen die ständestaatliche Regierung versuchten, keineswegs die Wiederherstellung der Demokratie, sondern vielmehr die Errichtung einer sozialistischen Diktatur.
Das klingt anders, als man es aus den tiefroten Geschichtsinstituten zu hören gewohnt ist. Zum Kämpfen gehören nämlich allemal zwei Parteien und niemals liegt die Schuld am Ausbruch von Feindseligkeiten allein bei einer der beiden. Das war auch 1927 und 1934 nicht anders.
An der Bewertung der Persönlichkeit des von den Sozialisten bis heute als „Arbeitermörder“ denunzierten und inbrünstig gehassten Kanzlers Dollfuss, der ein halbes Jahr nach dem roten Putschversuch von Nationalsozialisten ermordet wurde, scheiden sich bis heute die Geister. Gudula Walterskirchen formuliert eine sehr differenzierte, aber dennoch keineswegs apologetische Beurteilung seiner Politik.
Die Sozialisten haben es geschafft, die Begebenheiten der Zwischenkriegszeit in einer Weise zu deuten und den Menschen einzubläuen, dass sie bei Bedarf jederzeit dazu eingesetzt werden können, ihrer rezenten Politik Vorschub zu leisten. Die rigorose Tilgung der Namen ihr missliebiger Persönlichkeiten aus der Bezeichnung von Straßen und Plätzen, ist ein schöner Beleg dafür. Geltung und Bestand hat nur, was roter Politik dient. Der Einsatz moralischer Doppelstandards ist dabei obligat.
Wer an einem nicht ideologisch determinierten Bild Österreichs in der Zeit zwischen 1927 und 1938 interessiert ist, sollte dieses Buch gelesen haben.

Die blinden Flecken der Geschichte
Gudula Walterskirchen
Verlag Kremayr & Scheriau
232 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-218-01063-4
22,90,- Euro



Was steht eigentlich in “Finis Germania”?

Was steht denn nun auf diesen knapp hundert Seiten so Skandalöses? Formell ist «Finis Germania» in vier Teile gegliedert, die wiederum durch knappe Kapitelchen von kaum mehr als zwei Seiten strukturiert werden. Der Text, vor allem im vierten Abschnitt mit dem Titel «Fragmente», ist notizblockartig mit spitzer bis spöttischer Feder und in hochtrabendem Ton verfasst, ähnlich den Aphorismen des antimodernen kolumbianischen Philosophen Nicolás Gómez Dávila.

Die Konstante von «Finis Germania» ist ein starkes Gegenwarts-unbehagen und Misstrauen am (post)modernen Denken, das als raunende Klagepredigt das ganze Buch durchweht. Da sehnt sich ein im geistigen Vakuum Verlorener nach Halt an Dingen, von denen er eigentlich selbst schreibt, dass sie so nicht existiert haben. Etwa nach einer historisch noch nie vorhandenen herrschenden Klasse in Deutschland, die diesen Namen auch verdiene und sich nicht aus Lokalpolitikern rekrutiert, denen der «Bratwurstdunst von Feuerwehrfesten» entströme. Oder nach dem Menschen im «alten Sinn», der zusammen mit seinem «individuell-familiären» Kulturraum verschwunden sei und nur eine postanthropomorphe Wüste hinterlassen habe.

Umstrittenes Sieferle-Buch: Was steht eigentlich in “Finis Germania”?

Das Buch “Finis Germania” des im September 2016 gestorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle steht erneut im Zentrum erbitterter Diskussionen. Dabei steht weniger der Inhalt als die Rezeption im Vordergrund. Doch worum geht es in dem Buch eigentlich?



Buchempfehlung: Wir Weicheier

„Warum wir uns nicht mehr wehren können und was dagegen zu tun ist“, lautet der Untertitel dieses erhellenden, ganz und gar ohne Rücksicht auf die Erfordernisse der Politischen Korrektheit verfassten Buches. Die im ersten Teil des Untertitels erhobene Behauptung, wird vom Autor minutiös erläutert und schlüssig belegt. Von der Verweichlichung der Jugend, über die fatale Feminisierung der Streitkräfte westlicher Staaten, bis zur mittlerweile allgegenwärtigen Gedankenpolizei, die jede Form von Gewalt (sofern sie nicht von angeblich unterdrückten Minderheiten ausgeht) – und damit auch den Krieg an sich und die zu seiner Führung nun einmal erforderlichen Soldaten verurteilt, abwertet und verabscheut.
Wie die längst verlorene Wehrhaftigkeit der westlichen Staaten zurückzugewinnen ist, oder besser – ob das angesichts der dort herrschenden kollektiven Dekadenz überhaupt noch möglich ist, bleibt indes weithin offen. Zwar erhebt der Autor durchaus plausible Forderungen, was sich alles ändern müsste, um unsere Zivilisation gegen künftige Attacken nach innen und außen zu wappnen; daran, dass das in einer Zeit aber keinesfalls passieren wird, in der die Auslieferung von deutschen Schützenpanzern am fehlenden Nachweis für deren Unbedenklichkeit im Hinblick auf das Fruchtwasser schwangerer Soldatinnen scheitert, dürfte wohl auch der gelernte Militärhistoriker Creveld selbst keinen Moment lang zweifeln. Wie heißt es so schön: “Helm ab zum Gebet” oder “Fertigmachen für den Zusammenbruch!”
Er selbst präsentiert mit seinem Hinweis auf die von zahlreichen Historikern seit der Antike konstatierten Zyklizität der geschichtlichen Entwicklung (dem ewigen auf und ab der Kulturen), im Grunde selbst die traurige Gewissheit: Der Westen hat seine Zukunft hinter sich. 70 Jahre Frieden haben uns Glauben gemacht, dass es nie mehr Krieg geben könne – zumindest nicht auf unserem eigenen Boden. Wie alle hochstehenden, reich, bequem, weibisch und feige gewordenen Zivilisationen der Vergangenheit, wird wohl auch die unsere von vergleichsweise primitiven, rückständigen dafür aber wehrhaften und nach wie vor über die Fähigkeit zur Fortpflanzung verfügenden Barbaren niedergeworfen werden. Eigentlich schade…

Wir Weicheier
Martin van Creveld
Ares-Verlag, 2017
ISBN: 978-3-902732-67-5
223 Seiten, Hardcover
19,90,- Euro



Buchbesprechung: Masse und Macht

Am Ende dieses knapp 600 Seiten dicken Buchs erschließt sich nicht so recht, worum es dem Autor und späteren Literaturnobelpreisträger zu tun war. Andere Werke zum Phänomen der Masse, wie etwa Gustave Le Bons „Psychologie der Massen“ oder Ortega y Gassets „Der Aufstand der Massen“, geben im Unterscheid zu Canettis Werk keinerlei Anlass zur Ratlosigkeit. Diese beiden Darstellungen warten allerdings auch nicht mit der Uferlosigkeit auf, die man Canettis Opus Magnum attestieren muss. Ein Buch, das anthropologische, psychologische, politische und historische (die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit) Aspekte des Phänomens der Masse zu integrieren beabsichtigt, führt wohl beinahe zwangsläufig zur Verwirrung des Lesers.
Was die – zweifellos sehr interessanten – und in verschiedenen Abschnitten des Buches immer wieder auftauchenden Beschreibungen von Stammesgeschichten australischer, ozeanischer und afrikanischer Ureinwohner zu suchen haben, will nicht so recht klar werden. Ob das von Canetti beschriebene Phänomen des „Stachels“ im Zusammenhang mit dem Befehl tatsächlich etwas taugt, sei dahingestellt. Das mit „Der Überlebende“ überschriebene Kapitel will sich überhaupt nicht so recht in das Thema einfügen.
Die Beschreibung der verschiedenen Erscheinungs- und Entwicklungsformen der Masse erscheint dagegen klar, logisch und ergibt ein stimmiges Bild. Auch das Kapitel „Meute und Religion“ eröffnet erhellende Einsichten, wie auch Canettis Beschäftigung mit den „Elementen der Macht“.
Nach dem Konnex der Phänomene Masse und Macht indes, sucht der Leser (zumindest der Verfasser dieser Rezension) vergebens. Ein zwingender Zusammenhang zwischen den einzelnen Kapiteln ergibt sich jedenfalls nicht.

Fazit: Masse und Macht ist eine, fast könnte man behaupten, anekdotische Aneinanderreihung von miteinander nicht oder kaum in Beziehung stehenden Erscheinungsformen sozialer Interaktionen. Das Buch ist ungeheuer kenntnisreich, sprachlich hochstehend und mit großer Liebe zum Detail verfasst. Es liest sich leicht und flüssig, lässt den Leser allerdings mit dem nagenden Zweifel zurück, worum es denn eigentlich ging…

Masse und Macht
Elias Canetti
Fischer Taschenbuch
584 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-596-26544-2
16,- Euro



Was heißt schon rechts und links?

Von Andreas Tögel

Das jüngste Werk des Wiener Philosophen und Spiritus rector des „Scholarium“ Rahim Taghizadegan, heißt im Untertitel „Ein Ideengeschichtlicher Kompass für die ideologischen Minenfelder der Neuzeit.“ Das trifft den Nagel auf den Kopf. Der Autor schildert darin nicht nur in komprimierter Form die Geschichte des Begriffspaares rechts/links seit der Antike, sondern spürt darüber hinaus auch deren vieldeutigen Inhalten und zahlreichen Bedeutungsänderungen nach.
Nicht zufällig zitiert er das Gedicht „Lichtung“ des Wiener Dadaisten Ernst Jandl am Ende der Einleitung:

„manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum“

Denn tatsächlich ist die politische Bedeutung der beiden Begriffe alles andere als trivial und/oder eindeutig. Taghizadegan bringt, und zwar weit abseits der von der notorisch linksverseuchten „Politikwissenschaft“ unserer Tage ausgetrampelten Pfade, auf elaborierte und kurzweilig zu lesende Weise Licht ins Dunkel.
Nach einem historischen Aufriss folgt eine Betrachtung der „Essenzen“ von links und rechts aus einem Dutzend verschiedener Blickwinkel, darunter etwa entlang der Gegensatzpaare von „Tradition versus Fortschritt“, „Institutionen versus Konstrukte“, „prometheisch versus epimetheisch“, „Zwecke versus Mittel“ und „Domestizierte versus Wilde“. Das letztgenannte Kapitel handelt auf hochinteressante Weise den Begriff des „Bürgerlichen“ und dessen von vielen Autoren geschmähten, zahlreichen (Sekundär-)Tugenden und (wenigen) Untugenden ab.
Die profunden Literaturkenntnisse Taghizadegans werden an der Fülle der seine Überlegungen illustrierenden Zitate deutlich: Von Marx bis Mises und von Schiller bis Chesterton reicht dabei das Gedankenkaleidoskop. Dass allein die Literaturliste beachtliche elfeinhalb Seiten umfasst, sagt alles.
Den Abschluss der Abhandlung bildet die Betrachtung „Linke und Rechte in der Gegenwart“, die der Autor mit der Feststellung beginnt, dass wir in einer Zeit wachsender Polarisierung lebten. Im kollektiven Vertrauensverlust, der keineswegs nur politischen Institutionen gilt, in pessimistischen Zukunftserwartungen und in einer planmäßigen Ausplünderung der jüngeren Generation durch die Älteren (die auf den harmlosen Namen „Umlagesystem“ hört), sieht er ein schwerwiegendes Problem.
Die letzten Zeilen bieten immerhin einen Lichtblick: „Wir verlangen (…) vom Linken, dass er die volle Verantwortung für seine Abenteuer übernimmt, und nicht anderen die Rechnung für seine Hybris aufbürdet. Vom Rechten, dass er das Andere und ihm Fremde akzeptiert, auch wenn er es nicht gutheißt (…), weil er weiß, dass die Ausnahme nicht zur Regel werden darf.“
Die Hoffnung auf beiderseitige Einsicht stirbt zuletzt. Unbedingte Leseempfehlung!

Linke & Rechte
Rahim Taghizadegan
Verlag scholarium 2017
233 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-903199-00-2
9,99,- Euro



Buchbesprechung: Zwischen Lügenpresse und Fake News

Von Andreas Tögel

Der Name Andreas Unterberger ist wie kaum ein anderer zur eigenständigen Marke in der österreichischen Medienlandschaft geworden. Mit umfassenden Kenntnissen der innen- und außenpolitischen Verhältnisse im Lande ausgestattet, unternimmt der scharfe Analytiker und erbarmungslose Kritiker der Linken und einer erratischen Regierungspolitik es in dieser Publikation, den Kampf der etablierten (auf zweifache Weise, nämlich aus dem Titel Medienförderung einerseits und mittels Gefälligkeitsinseraten, die politische Entscheidungsträger veranlassen, andererseits), steuerfinanzierten Hauptstrommedien gegen die „Sozialen Medien“ zu untersuchen.
Spätestens seit dem Anrollen der von Presse, Funk und Fernsehen fälschlich als „Flüchtlingswelle“ bezeichneten Völkerwanderung und den Ereignissen auf der Kölner Domplatte anlässlich der Silvesternacht 15/16, haben viele Nachrichtenkonsumenten erkannt, dass sie von den regierungsaffinen Leitmedien offensichtlich systematisch desinformiert werden. Die „Vierte Gewalt“ fühlt sich nicht länger einer unabhängigen Analyse von Geschehnissen verpflichtet, sondern ist mit der politischen Nomenklatura übereingekommen, kein kritisches Wort mehr über die Regierung zu verlieren, sondern vielmehr gemeinsame Front gegen Oppositionelle und Dissidenten zu machen. Man erkennt die Absicht und man ist verstimmt. Dramatische Glaubwürdigkeits- und Reichweitenverluste sind die unausbleibliche Folge.
Das Problem für den Nachrichtenkonsumenten besteht nun allerdings darin, dass das Internet zwar jede Menge alternativer Meldungen anbietet, deren Wahrheitsgehalt indes vielfach sehr schwer einzuschätzen ist. Auch im Internet verbreitete Meldungen dienen oftmals (verborgenen) politischen Interessen.
Der Autor warnt eindringlich davor, die Meinungsfreiheit auf dem Altar der politischen Korrektheit zu opfern und unliebsame Botschaften durch ein „Wahrheitsministerium“ à la Metternich zu unterdrücken. Die Freiheit des Wortes ist für ein liberales, pluralistisches Gemeinwesen nämlich unverzichtbar. Der Gesetzgeber hat daher dafür zu sorgen, dass Nachrichten nicht im Sinne kleiner, einflussreicher Minderheiten unterdrückt werden. Der gelernte Jurist formuliert die dazu nötigen rechtlichen Grundlagen.
Der letzte Abschnitt des Büchleins ist schließlich als Leitfaden für den Umgang politischer Amtsträger mit den Medien gestaltet. Fazit: Lesenswert!

Zwischen Lügenpresse und Fake News
Andreas Unterberger
Verlag Frank & Frei
134 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-9504348-1-1
9,90,- Euro



Buchempfehlung: Testosteron macht Politik

Von Andreas Tögel

Im vorliegenden Buch widmet sich die ehemalige Diplomatin und Nahostexpertin Karin Kneissl, der Analyse politischer Dynamiken. Sie wählt dafür einen ungewöhnlichen Blickwinkel und richtet ihre Beobachtungen auf das „Männlichkeitshormon“ Testosteron.
Dabei geht es ihr, wie sie betont, nicht um den Versuch, mit „biologistischen“ Überlegungen politisches Handeln (das insbesondere im Nahen, Mittleren und Fernen Osten meist fast ausschließlich in der Hand von Männern liegt) zu erklären, sondern lediglich um eine Erweiterung der Analyse politischer Entwicklungen um einen zusätzlichen Aspekt.
Ausgehend von der Beobachtung, dass Revolutionen stets von Männern getragen werden, zieht die Autorin ihre Schlüsse aus dem „arabischen Frühling“, um zum Schluss zu kommen, dass dieser keineswegs allein durch den Wunsch bedingt war oder ist, politische Veränderungen herbeizuführen, sondern auch sexuell konnotierte Ursachen hat. In den stark wachsenden und sexuell repressiven orientalischen Gesellschaften, sieht eine immer größer werdende Zahl junger Männer keine Chance, jemals eine Familie gründen zu können. Da außerehelicher Sex in muslimischen Kulturen aber strikt verpönt ist, ergibt sich daraus ein erhebliches Potenzial an Unzufriedenheit, das politischen Sprengstoff bildet.
Die Eroberung der Welt durch europäische Seefahrernationen im 15. Und 16 Jahrhundert, war eine Folge des Überschusses an jungen Männern, die in der Ferne (kriegerische) Entwicklungsmöglichkeiten fanden, die sich ihnen daheim niemals eröffnet hätten. Heute dagegen schrumpf die westliche Population, während die islamische Welt mit einem gewaltigen „youth-bulge“ konfrontiert ist. Perspektivlose junge Männer waren und bilden aber nun einmal Sprengstoff, der nach Entladung sucht. Sie waren und sind Kanonenfutter, jenes „Material“, dessen Vorhandensein die Voraussetzung zu politisch-militärischen Eroberungen bildet.
Als einen die Probleme fernöstlicher Gesellschaften verstärkenden Aspekt (dies gilt besonders für Indien und China), beleuchtet Kneissl das Phänomen der „selektiven Abtreibungen“, das die Geschlechterverteilung immer weiter in Richtung eines massiven Männerüberschusses verschiebt. Viele Millionen junger Männer werden dadurch jeder Chance beraubt, jemals eine Frau zu finden – mit unabsehbaren Konsequenzen, wie der Blick in die Geschichtsbücher (Stichwort „Raub der Sabinerinnen“) zeigt.
Im letzten Teil widmet die Autorin sich den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung, die nahezulegen scheinen, dass es mit dem freien Willen des Menschen nicht so weit her sein könnte. Viele in diesem Zusammenhang zu stellende Fragen sind bislang indes unbeantwortet.
Kneissl: „Politik wird eben von Menschen gemacht und daher ist es nützlich und wichtig, sich mit der Natur des Menschen zu beschäftigen.“ In der Natur des Menschen liegt es aber, nicht ausschließlich rational begründete Entscheidungen zu treffen. Es bedarf einer erheblichen Zivilisationsleistung, um Gefühle, die von Hormonen maßgeblich gesteuert werden, zu kontrollieren und zu zügeln.
Mit ihrem „biochemischen Blick auf die Weltpolitik“ geht es der Autorin weniger um Antworten, sondern darum, Fragen zu stellen. Ein zum besseren Verständnis menschlichen Handelns wertvolles Unterfangen.

Testosteron macht Politik
Krin Kneissl
Braumüller-Verlag
149 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-99100-068-6
22,90,- Euro



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