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Christine Lagarde gegen die Sparer – das ist Brutalität

( Andreas Tögel) Also sprach Christine Lagarde die neue Chefin der EZB, deren Unterschrift künftig die Geldscheine der europäischen Esperantowährung zieren wird: _„Es gibt eine Grenze, wie weit und wie tief man in den negativen Bereich vordringen kann. Ja, es gibt bei allem einen Boden, aber den haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erreicht.“ _Sie meinte das Zinsniveau, das nach ihrer leider schwerwiegenden Meinung noch nicht tief genug im Negativbereich liegt. Sie ist demnach wild entschlossen, den von ihrem Vorgänger Mario Draghi eingeschlagenen Kurs zur Enteignung der Sparer zügig fortzusetzen.

Christine Lagarde

Das dürfte ihr auch problemlos gelingen, da die kleinen Sparer hierzulande und in Deutschland nach wie vor auf das Sparbuch setzen, um für schlechte Zeiten und für das Alter Reserven zu bilden. Diese Vorsorgestrategie unterscheidet sich deutlich von der, die in Ländern wie Italien oder in Frankreich vorherrscht. Dort setzt man nicht so sehr auf das Horten von Geld, sondern vielmehr auf den kreditfinanzierten Erwerb von Immobilien. Niedrige Zinsen bedeuten in diesem Fall geringere Rückzahlungsraten. Sie begünstigen klar die Schuldner zulasten der Sparer.

Mario Draghi ist Italiener, Christine Lagarde ist Französin. Beide betrieben…weiterlesen



Zeiten schlechten Geldes sind Zeiten guter Theorie

Zeiten schlechten Geldes sind Zeiten guter Theorie
(Friedrich August Hayek)

(Andreas Tögel) Das oben stehende Zitat mag einst seine Berechtigung gehabt haben. Heute kann davon indes keine Rede mehr sein. Würden in den amtlichen Teuerungsstatistiken nämlich auch die Preisentwicklungen bei Immobilien und Aktien berücksichtigt, wäre jedermann sofort klar, wie schlecht unser Geld in Wahrheit ist. Die angeblich unter zwei Prozent liegende Teuerungsrate würde schlagartig in Richtung zehn Prozent hochschnellen.


(AP Photo/Olivier Matthys)

Der US-Dollar hat seit Gründung des Federal-Reserve-Systems im Jahr 1913 rund 97 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Beim Euro ist es seit seiner Einführung anno 2002 deutlich mehr als die Hälfte. Wer in Euroland regelmäßig Lebensmittel einkauft, weiß über den Wert des monopolisierten Esperantogeldes Euro bestens Bescheid.

Dass das Geld ganz offensichtlich schlecht ist, beruht – nachzuschlagen beim Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften 1974, Hayek – auf mangelnder Konkurrenz. Denn Wettbewerb nützt jedermann -, ist der Treibstoff jeder Wirtschaft. Ein Monopol hingegen ist nur gut für den der es hat, und schlecht für alle anderen. Monopole liefern stets schlechte Leistungen zu überhöhten Preisen. Es gibt keinen Grund, an diesem Zusammenhang zu zweifeln, wenn es um die Herausgabe von Geld geht. Ob die gegenwärtige Politik des „leichten Geldes“ am Ende zu einer Hyperinflation oder zu einem deflationären Schock führen wird, ist ungewiss. Fraglich ist nicht ob, sondern wann es krachen wird.

Wir leben also in Zeiten schlechten Geldes. Demnach sollte die Geld- und Wirtschaftstheorie gegenwärtig einen Höhenflug erleben. Leider ist das Gegenteil der Fall. Hayek hat sich in diesem Punkt geirrt. Die an dieser Stelle bereits gewürdigte MMT („Modern Monetary Theory“) ist das beste Beispiel dafür: wer ernsthaft meint, die Geldmenge würde den Wohlstand bestimmen – je mehr, desto höher – sollte sich fragen, weshalb in Simbabwe und Venezuela nicht die reichsten Menschen der Welt leben.

Natürlich hängt der Wohlstand nicht von der begebenen Geldmenge, sondern – unter sonst gleichen Bedingungen – ausschließlich von der Höhe des zur Verfügung stehenden Kapitalstocks ab, der ist für die Produktivität einer Volkswirtschaft – und damit für die Höhe der Löhne – von alles entscheidender Bedeutung ist.

Die neue Chefin der EZB, Christine Lagarde, hat ihre profunden Einsichten in die Ökonomie kürzlich offenbart, als sie sinngemäß meinte, Arbeitsplätze wären wichtiger als Ersparnisse. Wahr ist aber, dass nicht verkonsumiertes Geld – Ersparnisse – nun einmal die unabdingbare Voraussetzung für Investitionen bilden. Schließlich kann man sein Geld nicht gleichzeitig behalten und ausgeben.
Die stark verkürzte Kausalitätskette lautet: keine Ersparnisse – keine Investitionen – keine Arbeitsplätze. Wenn eine so mächtige Organisation wie die EZB von einer Person geführt wird, deren Urteil offensichtlich durch keinerlei grundlegenden Kenntnisse der Funktionsweise einer Marktwirtschaft getrübt wird, sollten sich die Insassen der EUdSSR besser vorsorglich warm anziehen.

Wer Prosperität wünscht, muss alles tun, um den Unternehmen frei Bahn zu schaffen – damit sie Kapital akkumulieren und investieren können. Besser: er sollte alles unterlassen, was der Steigerung der Produktivität im Wege steht.
Beispielsweise sollten Zentralbanken und Regierungen auf jede Strukturkonservierung verzichten, die mit aggressiver Geldpolitik vonstattengeht, und die den für eine Marktwirtschaft maßgeblichen Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ unterbindet. Wer marode Unternehmen künstlich am Leben erhält, tut der Volkswirtschaft nicht Gutes. Denn er verringert die realisierbare Gesamtproduktion, indem er Unternehmenszombies erschafft und den innovativen Betrieben Mittel entzieht, die diese investieren und in Wachstum umsetzen könnten.

Dass die umgesetzte Wirtschaftstheorie auch in den USA, Japan und China nicht intelligenter ist als in Euroland, ist in einer wirtschaftlich eng verflochtenen Welt kein Trost – ganz im Gegenteil. Das globale Wachstum der letzten Jahre war Großteils durch einen Boom im Reich der Mitte bedingt. Einen Boom, der von Schulden und Krediten getrieben war und ist, und der in naher Zukunft sein Ende finden könnte. Was aber dann?

Da sich in Euroland die konventionellen Mittel der Geldpolitik erschöpft haben (weniger als gar keine Zinsen geht schließlich nicht so ohne weiteres), werden uns wohl wesentlich originellere Formen der Konjunkturbelebung ins Haus stehen.
Vielleicht werden – zur Freude schlichter Gemüter – schon demnächst namhafte Gutschriften der Zentralbank auf den Girokonten der Bürger erfolgen. In Zeiten schlechten Geldes und mieser Theorien ist schließlich alles möglich. Und einer begnadeten Expertin wie Christine Lagarde, die fest daran glaubt, durchs Gelddrucken die Menschen reich machen zu können, ist alles zuzutrauen.



Die Nullzinsfalle und die Suche nach Auswegen

(Andreas Tögel) Dilemma, so das Internetlexikon „Wikipedia“, auch „…Zwickmühle, bezeichnet eine Situation, die zwei Möglichkeiten der Entscheidung bietet, die beide zu einem unerwünschten Resultat führen. Es wird durch seine Ausweglosigkeit als paradox empfunden.“
Gegenwärtig befinden sich die Zentralbanken beiderseits des Atlantiks, im Hinblick auf die Gestaltung ihrer Zinspolitik, in exakt dieser „paradoxen“ Lage. Halten sie an der Niedrig- oder Nullzinsstrategie fest, zerstören sie die Geldvermögen der Sparer, blasen die Vermögenspreisblase noch weiter auf und treiben die bereits jetzt besorgniserregende Ausmaße erreichende „Zombifizierung“ der Unternehmenslandschaft weiter voran. Verlassen sie aber den rezenten Kurs und heben den Leitzins auch nur moderat an – etwa auf die Höhe der offiziell ausgewiesenen Teuerungsrate (wie das der neue Gouverneur der OeNB, Robert Holzmann angedacht hat) -, wird das eine große Zahl von Unternehmen augenblicklich in die Insolvenz treiben und damit – Stichwort Dominoeffekt – in der Folge auch eine veritable Bankenkrise auslösen. Pest oder Cholera: was auch immer die Zentralbanken in der gegenwärtigen Lage tun, es wird starke Schmerzen verursachen.
Angesichts der Zuspitzung des Nullzinsproblems, widmete die Denkfabrik Agenda Austria möglichen Auswegen aus der Nullzinsfalle einen Vortragsabend, zu dem der Rektor der privaten Wiener Bildungseinrichtung Scholarium, Rahim Taghizadegan, als Redner geladen war. Der Ökonom und Philosoph betonte vor vollem Hause, dass er, befände er sich in der Position des EZB-Chefs, an der verfahrenen Situation auch nichts ändern könnte – zumindest nicht anhand eines „Fünfpunktplans“, der in kürzester Zeit zum Heil führen würde. Patenrezepte gibt’s nicht.
Vor einer Therapie steht, nicht nur in der Medizin, in jedem Fall eine Diagnose. Die Ursachen des gegenwärtigen Dilemmas der Geldpolitik, sieht Taghizadegan in der Entfernung der Notenbankpolitik von den Präferenzen der Bürger und Konsumenten. Die „Österreichische Schule der Ökonomik“, namentlich Ludwig von Mises, weist den Konsumenten die entscheidende Rolle in einer freien Wirtschaft zu. Jeder von ihnen ausgegebene Cent bildet demnach eine (wenn man so will, demokratische) Präferenzentscheidung ab, deren Summe die Unternehmen zu folgen haben. Tun sie das nicht, verschwinden sie alsbald vom Markt. Nur zwangsfinanzierte, in so gut wie jedem Fall unproduktive, Staats- oder staatsnahe Unternehmen können es sich leisten, an den Wünschen der Konsumenten vorbei zu produzieren.
Wenn die Zentralbanken aber nicht den Publikumswünschen, sondern den von der Politik vorgegebenen Zielen folgen, kommt es aufgrund von „Interventionsspiralen“ zu immer stärker werdenden Verzerrungen, die eine optimale Ressourcenallokation verhindern. Der politisch motivierte Wunsch, Firmen- und Bankenpleiten um jeden Preis abzuwenden, weil sonst, so das gängige Narrativ, vielleicht schon morgen wieder die Nazis ihr Unwesen treiben könnten, verzögert die notwendigen Bereinigungen, konserviert erstarrte, unwirtschaftliche Strukturen und behindert die für eine dynamische Wirtschaft so typische „schöpferische Zerstörung“ (© Josef Schumpeter).
Taghizadegan bezweifelt, dass sich politische Ziele einerseits und individuelle Ziele der Bürger andererseits, jemals zur Deckung bringen lassen. Daraus und aus der ständig zunehmenden Machtfülle zentraler Bürokratien, resultieren die gegenwärtig gewaltigen Probleme, denen nicht sinnvoll mit einer One-size-fits-all-Politik zu begegnen ist. Eine nachhaltige Gesundung des Wirtschafts- und Geldsystems setzt kleinräumige Strukturen voraus. „Small is beautiful“ ist indes eine Einsicht, die von der politischen Klasse völlig ignoriert wird.
Keinerlei Hoffnungen, so der Vortragende, sollten in die Erlösungskapazität des politisch- geldindustriellen Komplexes gesetzt werden. Es gibt – weder theoretisch noch empirisch – Anzeichen dafür, dass die Entscheider in politisch-finanzindustriellen Spitzenpositionen klüger sind und/oder irgendetwas besser machen als Otto Normalverbraucher. Deshalb alle Zentralbanker auf den Mond zu schießen, wäre indes auch keine Lösung. Auswege aus der gegenwärtigen Krise können nach Meinung Taghizadegans nur auf individueller Ebene gefunden werden. Jeder einzelne Bürger ist gut beraten, im Rahmen seiner Möglichkeiten vorzusorgen – mittels antizyklischer Investments und durch Vermeidung von Klumpenrisiken.
Im kürzlich bei Leykam erschienenen Büchlein „Geld her oder es kracht“, nennt Taghizadegan zehn Empfehlungen für Anleger.

Geld her oder es kracht
Rahim Taghizadegan
Leykam, 1919
93 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-7011-8131-5
12 Euro



Die wunderbare Welt des politischen Mittels: her mit dem Geld!

(Andreas Tögel) Einkommen kann, abgesehen von den Fällen in denen jemand von freiwillig gewährten, gegenleistungsfreien Zuwendungen lebt, grundsätzlich auf nur zwei verschiedene Arten generiert werden: mit wirtschaftlichen Mitteln (durch Produktion und Handel) oder mit politischen Mitteln (durch Einsatz von Zwang und Gewalt). Der deutsche Soziologe und Ökonom Franz Oppenheimer hat diesen Sachverhalt in seinem Buch „Der Staat“ schon vor mehr als 100 Jahren eindrucksvoll dargelegt.

ArtikelbildBildquelle: shutterstock

Einkommen, die durch wirtschaftliche Mittel generiert werden, kommen deshalb rechtmäßig zustande, da ihnen eine freiwillige Übereinkunft der Akteure vorangeht. Wer einem Schuster für die Anfertigung eines Paars Maßschuhe 1.000,- Euro bezahlt (woraus sich ein entsprechender Stundelohn ergibt), wird von niemandem dazu gezwungen. Der Kunde kann es schließlich auch lassen und stattdessen für 50 Euro Treter aus Massenfertigung beim billigen Jakob kaufen.
Auch wer einen Architekten, einen Tischler oder einen Schönheitschirurgen engagiert, bezahlt dessen Leistungen nach vorheriger Vereinbarung – ohne dass jemand auf ihn Druck oder Zwang ausübt. Der Preis der jeweiligen Arbeitsstunde ergibt sich in jedem dieser Fälle auf marktkonforme Weise, wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt, und ist daher über jede moralisierende Kritik erhaben.

Auch wenn zehntausende Fans ein kleines Vermögen dafür bezahlen, um einen Schlageraffen (© Udo Lindenberg) beim Musizieren oder 22 Proleten beim Balltreten zu bewundern – und die solcherart Beglückten damit in unerhörter Weise bereichern -, ist das solange völlig in Ordnung, solange nicht zusätzlich unbeteiligte Dritte für die Chose aufzukommen haben, um das Vergnügen der anderen zu subventionieren.

Womit wir auch schon in der Welt des politischen Mittels angekommen sind: Menschen, die ihr Einkommen dem Einsatz von Zwang und Gewalt verdanken (das sind alle direkt oder indirekt im Dunstkreis des Staates werkenden Individuen wie Politiker, Beamte, Kammerfunktionäre, im Dienste öffentlicher Unternehmen stehende Personen, usw.) lassen ihren unfreiwilligen Kunden – anders als der oben genannte Schuster – keine Wahl. Die müssen ihre Gehälter in jedem Fall bezahlen, ob sie die jeweiligen Dienstleistungen der privilegierten Diener des Leviathans in Anspruch nehmen oder nicht.

Damit ist nicht gesagt, dass sämtliche von öffentlich Bediensteten erbrachten Leistungen obsolet sind. Schließlich besteht beispielsweise nach Lehrern, Ärzten und Sicherheitsfachkräften auch unter Marktbedingungen eine Nachfrage. Doch, wie für Finanzbeamte, Eisenbahner oder Staatsfunker gilt auch für sie, dass sie eben nicht mit Wettbewerbern um Kundschaft zu rittern brauchen, denn die ist garantiert. Demgemäß sind Staatsdiener – in scharfem Kontrast zu Marktakteuren – nicht genötigt, hochwertige Leistungen zu erbringen oder auf deren Preis zu achten. Letzterer ist, als unausweichlich logische Folge – in 100/100 Fällen überhöht. Nirgendwo wird mehr Geld sinnlos verbrannt als im Staatswesen (schlag nach bei Ludwig von Mises). Es fehlt schlicht und ergreifend am gnadenlosen Korrektiv des Marktes: kein Konkursrichter weit und breit, der fortwährende Minderleistung oder schwerwiegendes Versagen ahndet. Wer als Marktakteur Mist baut, tut das auf eigene Kosten. Politiker und Beamte dagegen tun es auf fremder Leute Kosten. Sie tragen nicht ihre eigene, sondern die Haut fremder Menschen zu Markte (© Nassim Taleb).

Der Wiener Sozialwissenschaftler Bernd Marin hat errechnet, dass sich österreichische Beamte – und zwar auf allen Verwendungsebenen – höherer Lebensverdienstsummen erfreuen dürfen als unter Marktbedingungen arbeitende, formal gleich gut qualifizierte Personen. In Deutschland wird es sich nicht anders verhalten.

Was Art und Qualität des Angebots in der Welt des Zwanges angeht, so herrschen auf der Anbieterseite geradezu märchenhafte Bedingungen. Sie bestimmt einseitig, was es gibt und was es kostet. Da der zwangsweise zahlenden Kundschaft keinerlei Mitspracherecht zukommt, kann ohne jede Rücksicht auf deren Interessen nach Gutdünken gefuhrwerkt werden. Das Staatstheaterensemble spielt ohne weiteres auch vor leeren Rängen – hat es doch auf das Einkommen der Beschäftigten nicht den geringsten Einfluss. Publikumszufriedenheit ist in der Welt des politischen Mittels keine relevante Kategorie. Wäre es anders, gäbe es keine Lehrstühle für Genderwissenschaften und keine Fahrradbeauftragten (um nur zwei kleine Spitzen gewaltiger Eisberge zu benennen).

Wir lernen: wer die Macht hat (und die kommt bekanntlich aus jenen Gewehrläufen, über die Marktakteure in Ausübung ihrer Erwerbstätigkeit gewöhnlich nicht verfügen), kann sein Einkommen nach Belieben – zulasten seiner unfreiwilligen Kundschaft – festsetzen. Es erübrigt es sich an dieser Stelle, weiter in die Tiefe zu gehen, weil darüber bereits unzählige elaborierte Abhandlungen geschrieben wurden.

Die Einkommensverzerrung zugunsten der Welt des Zwanges hat aber, neben der Geldverschwendung, auch den fatalen Effekt, falsche Anreize zu setzen. Nicht umsonst drängen die formal am besten Ausgebildeten mit größter Begeisterung in den Staatsdienst. Hohes Einkommen, stressfreie Tätigkeit, kaum Verantwortung, keinerlei persönliche Haftung nach Fehlleistungen: ein Paradies. Nur Hasardeure, Glücksritter und hoffnungslose Narren drängt es heutzutage noch dazu, Unternehmer zu werden. Der Autor dieser Zeilen hat für sein nächstes Leben schon entsprechend disponiert: anstatt unternehmerisch tätig zu sein und als wohlfeiles Feindbild für Minderleister und Versager aller Kaliber herzuhalten, wird er eine Karriere als Eisenbahngewerkschafter starten.

Der Wiener Historiker Lothar Höbelt bringt das Phänomen treffsicher auf den Punkt: „Wer in Österreich studiert hat, will Beamter werden.“ Weil das so ist, gehen der Welt des wirtschaftlichen Mittels viele der besten Köpfe verloren.
Niemals entfalten sie ihr Potential auf eine für das Gemeinwesen gedeihliche Weise, sondern liegen den Produktiven lebenslang als mehr oder minder nutzlose Ballastexistenzen auf der Tasche.

Geradezu irrsinnig muten die in regelmäßigen Abständen aufkommenden Debatten um angeblich zu niedrige Politikergehälter an. Deren Tenor lautet: „If you pay peanuts you get monkeys.“ Das trifft indes nicht zu. Denn abgesehen davon, dass Parlamentsabgeordnete sowohl in Deutschland als auch in Österreich ohnehin bereits das etwa Dreifache des Mediankommens beziehen, würde durch zusätzliche finanzielle Anreize das Problem der Negativauslese politischen Personals solange nicht gelöst, solange es keine zivil- und strafrechtliche Verantwortung für politische Mandatsträger gibt. Außerdem macht es grundsätzlich einen wesentlichen Unterschied, ob jemand auf eigene oder auf fremde Rechnung tätig ist. Entscheidend ist: wer die Kosten seiner eigenen Fehlleistungen anderen aufbürden kann, wird – soweit es nicht ihn selbst betrifft – tendenziell schlechtere Entscheidungen treffen als ein mit voller Haftung lebender Zeitgenosse. Hier – und nicht bei der Höhe der Bezüge – liegt der Hund begraben.

Hinzu kommt, dass ein erfolgreich in der Privatwirtschaft Tätiger – insbesondere ein Unternehmer – es sich gewöhnlich gar nicht leisten kann, seinen bürgerlichen Beruf zugunsten eines befristeten Politmandats aufzugeben. Er stünde danach möglicherweise vor dem Nichts und müßte völlig neu beginnen. Angehörige der Wirtschaftselite finden sich entsprechend selten in Parlamenten. Ausnahmen bilden selbstverliebte Gecken, die kurz vor ihrem Ruhestand stehen und das politische Amt als eine Art Abschiedsbonus betrachten.

In den Parlamenten wimmelt es von karenzierten Beamten und Berufspolitkern.
Sollen die tatsächlich den gesellschaftlichen Querschnitt repräsentieren?
Lächerlich! Nur am Rande sei vermerkt, dass zwar jeder Flickschuster oder Änderungsschneider seine Berufsbefähigung nachweisen muss ehe er loslegen darf, während aber für Abgeordnete, Gesundheitsminister und Bundespräsidenten schon ein messbarer Puls als Qualifikationsnachweis ausreicht.

Man kann die Sache drehen und wenden wie man will: eine weitgehende Entmachtung des Staates und seiner Büttel ist unumgänglich, wenn der produktiv arbeitende Teil der Gesellschaft wieder mehr als 50 Prozent der Früchte seiner Arbeit für sich behalten können soll. Denn wer – außer Politikern, Beamten und anderen Transferleistungsbeziehern – will schon den totalen Staat?



Geld her oder es kracht!

Buchbesprechung

In Zeiten allgemein zunehmender Instabilität, sollte man über jenes Phänomen Bescheid wissen, das für große, arbeitsteilige Gemeinschaften absolut lebenswichtig ist: das Geld. Seine verschiedenen Perspektiven, seine Herkunft, sein Wesen und seine Bedeutung zu erklären, ist der Zweck dieser kleinen Streitschrift aus der Feder eines Mannes, der sich wie nur wenige darauf versteht, selbst komplexeste Sachverhalte, über die auch in Kreisen von Experten häufig Verwirrung besteht, einem Laienpublikum klar und auf leicht verständliche Weise darzustellen.
Nach einer kurzen Betrachtung der Entstehung des Geldes und der verschiedenen Geldarten, kommt der Autor zum Kern der Sache: der Funktionsweise des herrschenden Geld- und Zentralbanksystems. Er benennt treffsicher dessen Schwächen und zeigt auf, wie die ganze Welt von politischen Führern und Zentralbanken sukzessive in eine „Nullzinsfalle“ manövriert wurde, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint – zumindest keines, das ohne schwere Blessuren für die überwiegende Mehrheit der Geldnutzer über die Bühne gehen wird.
Während der mediale Mainstream sich mit Vorliebe der Kritik des „Turbokapitalismus“ und des Neoliberalismus widmet, der die Gräben zwischen Armen und Reichen angeblich stetig vertieft, sieht Taghizadegan im Gegenteil den „Geldsozialismus“ (® Roland Baader) am Werk, den er als „Umverteilung für Reiche“ brandmarkt. Intendierte Absicht und tatsächlich erzielte Wirkung sind eben zwei sehr verschiedene Paar Schuhe. Leider bewirken in bester Absicht ins Werk gesetzte hoheitliche Interventionen häufig das exakte Gegenteil des Gewünschten – so auch in der Geldpolitik.
Die nach der Finanzkrise von 2007/2008 auf den Weg gebrachten Regulierungen dienen am Ende der weiteren Bereicherung der ohnehin bereits Reichen und stürzen die weniger Begüterten in immer größere Probleme.
Der Spielraum der Zentralbanken ist nach Erreichen der Zins-Nulllinie sehr klein. Zwar werden immer kreativere – um nicht zu sagen verrücktere – Ideen zur Belebung der Märkte kolportiert. Doch wie der große österreichische Ökonom Böhm-Bawerk schon vor weit mehr als 100 Jahren erkannte, ist gegen die Gesetze der Ökonomie von noch so entschlossenen politischen Führern langfristig nichts auszurichten.

Zehn Empfehlungen für Anlegerinnen und Anleger bilden den nicht ganz so düsteren Abschluss des Büchleins.

Geld her oder es kracht
Rahim Taghizadegan
Leykam, 1919
93 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-7011-8131-5
12 Euro



Der Trend zur bargeldlosen Bezahlung ist schlecht

Nicht einmal mehr jede zweite Transaktion, so eine Studie des Forschungsinstituts EHI, wird bar getätigt. Vor allem die Giro-Zahlung per PIN und das kontaktlose Zahlen mittels NFC sind stark im Kommen. Der Trend zur bargeldlosen Bezahlung ist schlecht. Die Gefahr liegt auf der Hand: Wir werden zu gläsernen Bürgern, wenn es kein Bargeld, keine geprägte Freiheit mehr gibt.

Nicht nur für die Banken und Konzerne wird unser gesamtes Konsumverhalten… weiterlesen



Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles

Rund 200 Jahre ist es her, dass der deutsche Dichterfürst Goethe in seinem Faust, der Tragödie erstem Teil, Margarete diesen Satz in den Mund legte. Goethe geht in seinem grandiosen Stück aber noch weiter, indem er Papiergeld als das vorführt, was es in Wahrheit ist: Ein probates Mittel zur Ausplünderung der Untertanen durch die Regierenden. Ungedecktes Papiergeld bedeutet eine Fortsetzung und das Produkt magischer Alchemie. Aus Wertlosem, ja aus dem Nichts, wird Wertvolles – welch scheinbar göttlicher Streich des Mephistopheles. Der Kaiser jedenfalls war begeistert.

Seither ist viel passiert. So hat es etwa rund um den Globus eine ungezählte Zahl von Hyperinflationen mit zum Teil katastrophalen Konsequenzen gegeben. Man denke beispielsweise an den Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland, der zweifellos durch den Währungskollaps des Jahres 1923 begünstigt wurde, der einen Großteil des Bürgertums ruinierte. Dem unerschütterlichen Glauben an das staatlich manipulierte Schwundgeld, hat das indes seltsamerweise keinen nennenswerten Abbruch getan.

Der Ökonomieprofessor und OeNB-Chef Ewald Nowotny, darf in einem ausführlichen Gastbeitrag im „Spectrum“ der Wiener „Presse“ vom 5. 1. 2018 („Die Mitte der Welt von gestern„) zum Thema Gold räsonieren und seiner – welche Überraschung – Geringschätzung für das gelbe Edelmetall Ausdruck verleihen. Er tut dies in der Tradition des von ihm, auch in diesem Beitrag, adorierten britischen Ökonomen Maynard Keynes („The General Theory of Employment, Interest and Money“, 1936), der Gold, oder genauer: den monetären Goldstandard, als „barbarisches Relikt“ bezeichnete.

Verwundern darf das nicht, denn von Allmachtsphantasien erfüllte Etatisten, waren und sind ja stets der Überzeugung, die Geschicke der Völker und deren Wirtschaft, mittels ihres zentral geplanten Gesellschaftsengineerings perfekt steuern zu können. Sie wissen, so meinen sie, allemal besser als jeder einzelne Bürger, was für den gut ist. Und dabei steht ihnen das sich ihren Machtansprüchen bockig widersetzende Edelmetall, dessen Menge sie weder beliebig steuern, noch unbegrenzt vermehren können, als lästiges Hindernis im Wege, solange ihm Geld- oder wenigsten eine Geldankerfunktion zukommt. Nichts kann ein ambitionierter und sendungsbewusster Führer (und seine Symbionten und Schranzen) weniger gebrauchen, als ein Geldsystem, das auf einem nicht manipulierbaren, weil eben nicht beliebig vermehrbaren Gut gründet.

Heute, wie zur Zeit der römischen Kaiser, ist es möglich, für eine Unze Gold eine komplette, hochwertige Herrenausstattung zu kaufen, während der US-Dollar allein in den letzten 100 Jahren rund 95 Prozent seiner Kaufkraft verloren hat (von historischen Scherzwährungen wie dem französischen Franc, der italienische Lira oder dem rezenten Simbabwe-Dollar ganz zu schweigen). Erklären lässt sich diese Tatsache mit der Schönheit, Seltenheit und Unzerstörbarkeit des Goldes, die in den verschiedensten Teilen der Welt seit Jahrtausenden seine ungebrochene Begehrtheit und Werthaltigkeit ausmacht.

Interessanterweise lobte selbst der berüchtigte Alan Greenspan einst die Wertbeständigkeit des Goldes im Hinblick auf seine Geldeigenschaft („Gold und wirtschaftliche Freiheit“, 1966). Allerdings tat er das, lange bevor er zum Chef des US-FED-Systems avancierte, dem er von 1987 bis 2006 vorstand. In dieser Funktion sorgte er für eine bis dahin beispiellose Inflationierung des US-Dollars.

Zurück zu Notenbankgouverneur Nowotny: Der versucht, den Presse-Lesern in seinem Aufsatz weiszumachen, dass die 1925 erfolgte Rückkehr der Briten zum Goldstandard „unter dem konservativen Finanzminister Winston Churchill“ geradewegs – und, „wie vom großen Ökonomen Maynard Keynes vorausgesagt“, in schlimmste Turbulenzen geführt hätte. Netter Versuch. Wahr ist aber vielmehr, dass gar keine Probleme eingetreten wären, wenn man nicht die Vorkriegsparität angepeilt hätte, die dem Wert des britischen Pfundes zu dieser Zeit einfach nicht mehr entsprach. Nicht die Rückkehr zum Goldstandard, sondern die falsche Parität war der Grund des nachfolgenden Übels.

Dass die Welt seit 1971, dem Jahr der Beendigung der Bindung des US-Dollarwertes an das Gold durch Präsident Nixon, auf einem Meer von ungedecktem Papiergeld schwimmt und seither eine Währungs- Wirtschafts- und Schuldenkrise die nächste jagt (die im 19 Jahrhundert noch rare Ausnahmen bildeten), ficht den Herrn der Nationalbank nicht weiter an. 2007 hätten, so behauptet er, die von jeder Goldfessel befreiten Notenbanken – anders als anno 1929 – eben das Schlimmste verhindern können. Tatsächlich taten sie das, indem sie die Märkte mit (wertlosem) Papiergeld fluteten, was mit Sicherheit nicht ungestraft bleiben wird. Dass das 1929-er-Debakel, wie auch das von 2007/08, unzweifelhaft eine Folge der exzessiven Geldpolitik der davor liegenden Jahre waren und ein Eingreifen der Notenbanken somit eine Antwort auf ihre eigene, erratische Politik bedeutet, erwähnt Professor Nowotny erwartungsgemäß mit keinem Wort. Selten ist derjenige, der Probleme verursacht, dazu qualifiziert, sie auch wieder zu beheben.

Dem Autor dieser Zeilen sträubt sich jedes auf seinem Kopf verbliebene Haar beim Gedanken an den ideologieschwangeren Unfug, den Ökonomiestudenten diese Tage von Professoren derartigen Zuschnitts serviert bekommen.

Zum 1929-Crash liegt übrigens, unter dem Titel „Americas Great Depression“, eine 1963 erschienene, umfassende Analyse aus der Feder des US-Ökonomen Murray Rothbard vor, in der Ross und Reiter schonungslos benannt werden (zum Gratisdownload: https://mises.org/library/americas-great-depression ).

Wie unbelehrbar die Menschheit im Hinblick auf Geld, dessen Entstehung, Wert und Bedeutung sind, führt der aktuelle Boom der „Kryptowährungen“, namentlich der von Bitcoin, vor Augen. Zwar handelt es sich dabei um politikfreie und damit (derzeit noch) nicht gewaltbewehrte Alternativen zum staatlichen Zwangsgeld, was positiv zu werten ist; Allerdings steht ihnen, wie auch dem hoheitlich verordneten Fiat-Monopolgeld, keinerlei Warendeckung gegenüber, was es für jede Form avancierter Betrügereien prädestiniert.

Machen Sie gedanklich eine Probe auf Exempel und stellen Sie sich vor, es gäbe eine veritable Krise. Die Supermärkte haben geschlossen oder sind geplündert und Sie begeben sich zum Landwirt Ihres Vertrauens, um Lebensmittel einzukaufen. Ihr Papiergeld können Sie sich an den Hut (oder sonst wohin) stecken, weil das keiner mehr annimmt. Meinen Sie ernsthaft, dass der wackere Agrarier ihnen gegen eine Anzeige auf dem Display ihres Elektronikspielzeugs eine halbe Sau überlassen wird? Eher nicht. Gegen blinkende Münze (oder andere im wahrsten Sin des Wortes greifbare Realwerte) allerdings schon. Das ist jedenfalls empirisch, wie etwa durch Schilderungen noch lebender Zeitgenossen der Mangelperiode nach dem letzten Weltkrieg, leicht belegbar. Blockchain-Währungen dagegen, so steht zu fürchten, werden sich im Fall der Fälle als das erweisen was sie sind: nichts wert.

Zum Abschluss seien die letzten Zeilen aus dem oben zitierten Aufsatz von Alan Greenspan zitiert, die das Wesentliche zusammenfassen:

„**** Dies ist das schäbige Geheimnis, das hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtsstaates steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die „versteckte“ Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte. Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die Befürworter des Wohlfahrtsstaates gegen den Goldstandard sind.“



Geld ist das Mittel zur Freiheit

Gedanken eines Skeptikers zum Phänomen der „Kryptowährungen“

Geld ist geprägte Freiheit, meinte Fjodor Dostojewski und lag damit völlig richtig. Denn Geld ist in einer modernen, arbeitsteiligen Gesellschaft nicht nur dafür erforderlich, die Kosten des täglichen Lebens zu bestreiten, sondern sein Besitz schafft darüber hinaus Möglichkeiten, persönliche Wünsche und Träume zu verwirklichen. Es dient dem „Streben nach Glück“.
Geld und sein Gebrauch wurde nicht erfunden. Es ist nicht das Ergebnis des Denkens und Planens der Regierenden, sondern es wurde einfach „entdeckt“, indem man bestimmte Güter als derart allseits begehrt erkannte, dass sie sich als Tauschmittel für alle möglichen anderen Dinge geradezu aufdrängten.
Eine wesentliche Voraussetzung für seine Geldfunktion ist daher die allgemeine Akzeptanz eines Gutes und das Vertrauen in seine Werthaltigkeit über den Tag hinaus.
Nicht umsonst konnten sich die Edelmetalle Gold und Silber in verschieden Kulturen als bevorzugtes Tauschmittel durchsetzen. Den Herrschenden, gleich ob Stammesführern, Königen oder demokratisch gewählten Volksrepräsentanten, war stets klar, dass die Kontrolle über das Geldwesen eine wesentliche, wenn nicht die entscheidende Säule ihrer Herrschaft darstellt(e). Die Verfügungsgewalt der Regierungen über das Geld und damit ihre Möglichkeit, seine Umlaufmenge zu manipulieren, bildeten immer wieder Ursachen für planmäßige Geldverschlechterungen, die schon lange vor der Erfindung des Papiergeldes stattfanden. Leidtragende der Inflationierung einer von der Regierung zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärten Monopolwährung, waren und sind stets die Geldhalter. Jeder neu gedruckte Schein mindert die Kaufkraft der bereits bestehenden. Hyperinflationen und Währungsreformen mit Enteignungscharakter pflastern den Weg des staatlichen Geldwesens.
Liberale Theoretiker wie F. A. Hayek, forderten daher schon vor Jahrzehnen eine „Denationalisierung“ des Geldes und/oder eine Rückkehr zu einer voll gedeckten Goldwährung.
Da das Misstrauen gegenüber staatlich manipuliertem Fiat-Geld immer mehr wächst, treten nun seit einigen Jahren nun verstärkt private Alternativen zum staatlichen Zwangsgeld auf den Plan. Die zweifellos bekannteste und am weitesten verbreitete davon, ist „Bitcoin“. Dabei handelt es sich um ein elektronisch geschöpftes, rein virtuelles Geld, das auf der Open-source-software basierten Technologie der „Blockchain“ beruht. Die hochkomplexe Software garantiert die Unverfälschbarkeit der einzelnen „coins“, deren Wert auf dem Markt, wie der jedes anderen frei handelbaren Gutes, durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Die Software garantiert, so seine immer zahlreicher werdenden Protagonisten, dass ein einzelner coin nicht mehrfach ausgegeben, und damit dem Betrug Vorschub geleistet werden kann.
Wenn es derzeit auch noch so aussieht, als handle es sich bei Bitcoin eher um ein Spekulationsobjekt, denn um ein Zahlungsmittel, so verfügt es immerhin über einen gewaltigen Vorteil: Es ist rein privat organisiert und daher nicht politisch korrumpiert.
Eine Inflationierung, wie sie für jedes staatlich oktroyierte Geld typisch ist (der US-Dollar hat dadurch in den zurückliegenden 100 Jahren rund 95 Prozent seiner Kaufkraft eingebüßt), ist nicht zu erwarten, zumal seine maximale Menge mit 21 Millionen Einheiten limitiert ist.
Seinem derzeitigen Charakter als Spekulationsobjekt entsprechend, konnten einige Investoren, die zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen sind, dank seiner in kurzer Zeit atemberaubenden Wertsteigerung, geradezu märchenhafte Gewinne einstreifen.
Was Bitcoin und allen anderen virtuellen Geldsystemen, wie auch dem staatlichen Fiat-Geld indes fehlt, ist die Funktion eines zuverlässigen Wertspeichers, die sich in jedem Fall von seiner physischen Qualität ableitet. Scheffel voll Weizen, Biberfelle, Kaurimuscheln, Goldmünzen, Sterlingsilber, etc. also alle klassischen Geldformen der Vergangenheit, schöpften ihren Wert nicht nur daraus, dem Eigentümer exklusiv zum Tausch zur Verfügung zu stehen, sondern auch aus der Möglichkeit, sie ferner anders denn als Tauschmittel (im Falle von Edelmetallen zum Beispiel als Schmuck oder zum Kunstobjekt verarbeitet), nutzen zu können. Die Schöpfung von Warengeld ist außerdem nicht mit der Begründung von Schuldverhältnissen verknüpft, wie das beim staatlichen Fiat-Geld der Fall ist.
Spätestens dann, wenn die Kryptowährungen aufgrund ihres zunehmenden Gebrauchs endgültig ins Radar des Fiskus geraten (der unterstellen wird, dass deren anonymisierter Gebrauch primär der Steuervermeidung dient, wie das jetzt schon immer stärker beim Bargeld geschieht), ist mit massiven Überwachungsmaßnahmen bis hin zu Verboten zu rechnen. Das ist kürzlich in China geschehen, was dem Kurs des Bitcoin kurzfristig einen beachtlichen Dämpfer versetzt und für erhebliche Unruhe in der Elektronikgeld-Gemeinde gesorgt hat.
Einen Haupteinwand gegen die Kryptowährungen als Alternative zum staatlich inflationierten Zwangsgeld, stellt sein Charakter als Fiat-Geld dar. Fiat-Geld verfügt, ungeachtet der Tatsache, ob es staatlich oder privat erzeugt wird, über keinerlei intrinsischen Wert. Hat man aber bei Dollar, Euro und Co. (zumindest derzeit noch) immerhin ein Stück Papier in der Hand, gibt es bei blockchainbasiertem Geld nicht einmal mehr das. Eine Anzeige in der elektronischen Geldbörse ist alles. Es gibt nichts im wahrsten Sinne des Wortes „greifbares“. Ohne Elektronik geht gar nichts. Eine anonyme Transaktion wird daher spätestens ab dem Moment unmöglich, da der Staat behördliche Überwachungen erzwingt, die den Weg jedes einzelnen coins nachvollziehbar machen. Der letzte Raum für Privatheit im Geldverkehr ist dann Geschichte. Da aber zumindest ein Teil des Wertes jedes soliden Geldes darin besteht, anonym – und damit frei von staatlicher oder anderweitiger Kontrolle – ausgegeben werden zu können, sind schwere Bedenken geboten.
Wenn immer wieder die angeblich überlegene Sicherheit des Einsatzes elektronischer Zahlungsmittel gegenüber Bargeld beschworen wird, sei auf mögliche technische Gebrechen hingewiesen, wie Computerversagen und Stromausfälle, oder auch auf cyberkriminelle Attacken. Der Sicherheitsaspekt scheint daher ein eher schwaches Argument zu sein.
Die grundlegenden Vor- und Nachteile privat aufgelegter Kryptowährungen liegen auf der Hand. Das jeweilige Temperament der Geldnutzer, wird wesentlichen Einfluss auf die Entscheidung für oder wider Kryptowährung haben. Zum Abenteuer tendierende Naturen und besonders elektronikaffine junge Menschen, werden wohl einen Teil ihrer Vermögen in Bitcoin & Co. anlegen, wenn sie es nicht schon tun. Konservative Naturen (nach den Beobachtungen des Autors überwiegen hier die älteren Semester), werden im Moment eher (noch) die Finger davon lassen, bis sich klarer abzeichnet, wohin die Reise geht.

Von Andreas Tögel



Zur Frage des Geldwertes

Von Andreas Tögel

Kann und soll es „stabiles Geld“ überhaupt geben?

Der österreichische Notenbankgouverneur Ewald Novotny, bereitet uns pünktlich zum Jahreswechsel darauf vor, im Jahr 2017 mit einer höheren Inflationsrate leben zu müssen. Hauptverantwortlich dafür werde die zu erwartende Steigerung des Rohölpreises sein, die sich auf die gesamte Energiewirtschaft auswirke. Novotny prophezeit allerdings eine Teuerungsrate, die immerhin unter dem bei zwei Prozent liegenden „Inflationsziel“ der EZB liegen wird. Es liegt auf der Hand, dass die Bezieher kleiner Einkommen vom höheren Kaufkraftverlust stärker betroffen sind als „Besserverdiener“.
Der angekündigte Anstieg der Inflationsrate bietet einen guten Anlass, sich wieder einmal mit der Frage der „Geldwertstabilität“ – deren Erhalt Aufgabe und erklärtes Ziel der EZB ist – zu beschäftigten.
Der Umstand, dass der Erhalt der Geldwertstabilität einer Institution anvertraut ist, die eine jährlich zweiprozentige Geldentwertung zu ihrem Ziel erklärt, ist zwar kurios, scheint aber niemanden zu stören. Dass die modernen Geldalchemisten unser aller Heil darin sehen, um jeden Preis eine angeblich hinter jeder Ecke lauernde Deflation zu verhindern, wird längst nicht mehr in Frage gestellt. Seltsam, bedeutet Deflation doch einen kollektiven Kaufkraftzuwachs. Wie dem auch sei, dass zwei Prozent Geldentwertung eine Halbierung des Geldwertes binnen nur 34 Jahren bedeutet, wird ausgeblendet. Dass Inflation – gleich welcher Höhe – eine Wertminderung monetärer Ersparnisse und eine versteckte Steuer bedeutet, ebenso. Seit Maynard Keynes´ Tagen gilt der Sparer ja bekanntlich als Schädling am Volkskörper und der Schuldenmacher als konjunkturfördernde Lichtgestalt.
Dass der US-Dollar seit Gründung der US-amerikanischen Zentralbank (die ebenfalls der Stabilität des Geldsystems verpflichtet ist) im Jahre 1913, rund 95 Prozent seiner Kaufkraft eingebüßt hat, beunruhigt keinen.
Frank Hollenbeck, der an der „International University” in Genf, Volkswirtschaft lehrt, macht in einem kürzlich publizierten Essay darauf aufmerksam, dass es so etwas wie „stabiles Geld“ gar nicht geben kann. Grund dafür ist die Tatsache, dass in einem (immer noch, teilweise) auf Angebot und Nachfrage beruhenden Wirtschaftssystem, ständig wechselnde Präferenzen der Akteure zu einer laufenden Wertverschiebung und Neubewertung sämtlicher Güter – also auch des Geldes – führen. Von „Stabilität“ kann unter diesen Voraussetzungen also niemals die Rede sein. Das würde selbst dann gelten, wenn wir in einem edelmetallbasierten Warengeldsystem lebten und die Welt nicht (spätestens seit 1971) auf einem Meer ungedeckten Scheingeldes schwämme.
Die subjektive Wertschätzung von Gütern, also auch Geld und Dienstleistungen, ist einer von zwei maßgeblichen Faktoren dafür. Der zweite ist die Richtung, in die sich die gesamte Wirtschaft entwickelt – ihr Wachstum oder ihre Kontraktion.
In einer auf Grund sich verbessernder Technologie von zunehmender Produktivität gekennzeichneten Wirtschaft und einem daraus folgenden, erhöhten Warenangebot, wird eine laufend zunehmende Kaufkraft je Geldeinheit zu beobachten sein. Das ist seit Jahrzehnten indes nicht der Fall. Kann das etwa die Folge monetärer Manipulation sein?
Preise, die sich aufgrund von Angebot und Nachfrage auf dem Markt bilden, daran besteht kein Zweifel, geben allen Marktakteuren die wichtigsten Hinweise. Sie signalisieren Überfluss und Knappheit und bieten den Unternehmern unabdingbare Grundlagen für ihre Investitionsentscheidungen. Wird von außen, mittels geldpolitischer Maßnahmen, in den Preisbildungsmechanismus eingegriffen, um bestimmte, von der Politik vorgegebene Ziele zu erreichen, kommt es zu einer Verzerrung der absoluten und der relativen Preise (zum Beispiel zu Preissteigerungen trotz Zunahme des Warenangebots) und der Zinsen. Das kann schwerwiegende Fehlentscheidungen, sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfragseite zur Folge haben, da eine korrekte Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr möglich ist. Die routinemäßigen Fehlprognosen der unter der Bezeichnung „Wirtschaftsforscher“ firmierenden beamteten Kaffeesudleser, geben einerseits beredtes Zeugnis vom Wert staatsbediensteter Ökonomen, zeigen andererseits aber auch die Unmöglichkeit seriöser, quantitativer wirtschaftlicher Vorhersagen.
Dass sich die allgemeine Kaufkraft – besonders in den letzten beiden Jahrzehnten – nicht erhöht hat, obwohl weltweit gewaltige Produktivitätsfortschritte und Handelserleichterungen zu verzeichnen waren, ist eine Folge der von den Notenbanken betriebenen Geldinflation, die der in Geldeinheiten ausgedrückten Verbilligung des Angebots entgegenwirkt. Das ist offenbar jene Art von „Stabilität“, die von den Regierenden und Notenbankern gemeint ist. Dass besonders die unteren Einkommensklassen, die ausschließlich auf Arbeitslöhne und Transferzahlungen angewiesen sind und von der Staatsverschuldung nicht auf dem Wege von Zinseinkünften profitieren können, unter einem Kaufkraftverlust leiden, ist unter den gegebenen Umständen logisch unvermeidlich.
Wir leben längst nicht mehr in einer Marktwirtschaft. Wir leben vielmehr in einem am ehesten als „Korporatismus“ zu qualifizierenden System einer rigiden staatlichen Wirtschaftslenkung. Diese erfolgt durch Akteure, die in aller Regel schon mit der Führung einer Frittenbude überfordert wären und wundern uns trotzdem über die traurigen Resultate ihres heißen Bemühens. Schlimm genug. Dass aber ausgerechnet diese Politiker und die ihnen hörigen Notenbanker – trotz einer Staatsquote von 50% und einem konfiskatorischen Charakter aufweisenden, 55%igen Grenzsatz der Einkommenssteuer – immer wieder von „Raubtierkapitalismus“ phantasieren und der dem „Neoliberalismus“ innewohnenden Ungerechtigkeit dafür die Schuld zuweisen, fügt dem anmaßenden Übergriff den blanken Hohn hinzu.
Der bereits weiter oben zitierte Frank Hollenbeck schließt seine Betrachtungen mit dem Hinweis, dass nicht „stabiles“, sondern „solides“ (z. B. mit Edelmetallen voll gedecktes) Geld die Basis einer nachhaltig prosperierenden Wirtschaft bildet. Solides Geld und die Abkehr vom Teildeckungssystem der Geschäftsbanken, würde Zentralbanken überflüssig machen und dem Staat schlagartig die Möglichkeit zur grenzenlosen Geldverschwendung nehmen.
Und weil das so ist, werden wir das Ende des herrschenden, vollständig politisierten Scheingeldsystems so bald nicht erleben.



Zentralbanken, Zinsen und Zeitpräferenz

Von Andreas Tögel

Das verheerende Treiben der Geldsozialisten

Der Zins ist von jeher ein Hassobjekt der Linken. Der Zins sei ein Instrument zur Knechtung der Unterprivilegierten, eine Quelle unverdienten Einkommens und Reichtums, etc. Die „Brechung der Zinsknechtschaft“ war daher folgerichtig eines der zentralen wirtschaftspolitischen Ziele der Nationalsozialisten. Gäbe es den Zins nicht – diese vermeintlich perfide Erfindung ausbeuterischer Finsterlinge – die Welt wäre ein besserer Ort.

Regierungen und Zentralbanken haben den Traum der Nationalsozialisten dieser Tage endlich verwirklicht: Sie haben den Zins faktisch abgeschafft. Der Errichtung des Paradieses auf Erden steht daher nichts mehr im Wege.

Aber wie es halt so ist: Ideologen leben bedauerlicherweise in einer Welt jenseits der Wirklichkeit. Sollte sich diese als mit ihren Utopien unvereinbar erweisen, so muss sie – nicht etwa die Utopie – korrigiert werden. Nicht anders verhält es sich mit den erbittert gegen die „Zinsknechtschaft“ kämpfenden Geldsozialisten in Regierungen und Zentralbanken.

Eine bereits in den späten 1900sechzigerjahren in den USA durchgeführte Studie, die als „Marshmallow-Test(Leseprobe hier herunterladen) bekannt ist, liefert hochinteressante Einsichten zum Phänomen Zins, indem sie sich völlig unvoreingenommener Probanden bedient: Vorschulkindern. Den Kindern werden zwei Alternativen angeboten: Entweder sie erhalten ein Marshmallow sofort, oder zwei Stück eine Viertelstunde später. Dass rund drei Viertel der Probanden ihre Begierde nicht zügeln konnten und sich für die „Sofortvariante“ entschieden, stellte sich als sehr bedeutsam heraus.

Zunächst aber imponiert die Erkenntnis, dass es sich beim Zins offensichtlich um einen Ausdruck der Zeitpräferenz handelt: Wer bereit und in der Lage ist, temporären Konsumverzicht zu üben, tut das nur dann, wenn er zu einem späteren Zeitpunkt mit zusätzlichem Konsum belohnt wird. Die geforderte Differenz wird umso größer, je weniger leicht das Warten fällt und beläuft sich im vorliegenden Fall auf 100 Prozent. Der Zins als „Entsagungsprämie“. Die Kinder, die vorerst verzichten konnten, entschieden sich aus freien Stücken dazu, lieber den Zins zu kassieren. Fazit: Der Zins ist kein Konstrukt, sondern ein „Naturprodukt“.

Hochinteressant ist das Ergebnis, das die Fortsetzung der Studie erbrachte: Da stellte sich nämlich heraus, dass jene Kinder, die sich im Experiment zum Warten entschließen konnten, in ihrem späteren Leben mehr Erfolg hatten als diejenigen mit einer hohen Zeitpräferenz.

Neuere Studien zeigen, dass das im Marshmallow-Test ermittelte Verhalten ein Ausdruck dafür ist, wie mit gebotenen Chancen umgegangen wird. Personen, die über Ausdauer und Geduld verfügen, sind beispielsweise bereit, lange Ausbildungszeiten in Kauf zu nehmen, um später ein besseres Einkommen zu erzielen. Menschen, die sparsam wirtschaften, können eher ein Vermögen aufbauen das ihnen später ein Einkommen verschafft als Konsumtrottel, die jeden eingenommen Cent sofort wieder verbraten. Eine hohe Konsumneigung ist also alles andere als eine Tugend.

Die Zentralbankpolitik des „billigen Geldes“ fördert indes jenes Verhalten, das der Großteil der kindlichen Probanden im Test an den Tag gelegt hat: Den Wunsch nach sofortiger Wunschbefriedigung. Wozu noch sparen und warten? Der leicht verfügbare Kredit kostet ja fast nichts. Die einst gepflegte Sparkultur wird durch den Schuldenkult ersetzt. Diagnose: Wer spart, ist hoffnungslos vorgestrig. Wer sich dem permanenten Konsum verweigert, ist ein gemeiner Schädling, der das Wirtschaftswachstum in unverantwortlicher Weise bremst. All dieser Unfug findet sich schon in Keynes´ “General Theory“ aus den 1930er-Jahren und bestimmt– allen dadurch initiierten Krisen zum Trotz – bis heute die Geldpolitik rund um den Globus.

Doch die Ökonomie nimmt auf Phantasien romantischer Narren keine Rücksicht. Sie folgt Gesetzen, die nicht per Ukas aus der Welt geschafft werden können. Das oben zitierte Experiment, das danach an anderen Orten mit anderen Probanden – und vergleichbaren Ergebnissen – wiederholt wurde, beweist es. Regierungen und Zentralbanken animieren trotzdem zum sofortigen Konsum und belohnen eine hohe Zeitpräferenz, was nicht ohne Folgen bleibt. Sie schmälern damit nämlich vorsätzlich den wirtschaftlichen Erfolg derjenigen, die der Verlockung des „billigen Kredits“ nicht widerstehen können. Mit Slogans wie „ Ich will alles – und das sofort“ und „Anna, den Kredit hamma“ ist der Weg in die Schuldknechtschaft gepflastert – und zwar ganz ohne Zins.



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