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Die wunderbare Welt des politischen Mittels: her mit dem Geld!

(Andreas Tögel) Einkommen kann, abgesehen von den Fällen in denen jemand von freiwillig gewährten, gegenleistungsfreien Zuwendungen lebt, grundsätzlich auf nur zwei verschiedene Arten generiert werden: mit wirtschaftlichen Mitteln (durch Produktion und Handel) oder mit politischen Mitteln (durch Einsatz von Zwang und Gewalt). Der deutsche Soziologe und Ökonom Franz Oppenheimer hat diesen Sachverhalt in seinem Buch „Der Staat“ schon vor mehr als 100 Jahren eindrucksvoll dargelegt.

ArtikelbildBildquelle: shutterstock

Einkommen, die durch wirtschaftliche Mittel generiert werden, kommen deshalb rechtmäßig zustande, da ihnen eine freiwillige Übereinkunft der Akteure vorangeht. Wer einem Schuster für die Anfertigung eines Paars Maßschuhe 1.000,- Euro bezahlt (woraus sich ein entsprechender Stundelohn ergibt), wird von niemandem dazu gezwungen. Der Kunde kann es schließlich auch lassen und stattdessen für 50 Euro Treter aus Massenfertigung beim billigen Jakob kaufen.
Auch wer einen Architekten, einen Tischler oder einen Schönheitschirurgen engagiert, bezahlt dessen Leistungen nach vorheriger Vereinbarung – ohne dass jemand auf ihn Druck oder Zwang ausübt. Der Preis der jeweiligen Arbeitsstunde ergibt sich in jedem dieser Fälle auf marktkonforme Weise, wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt, und ist daher über jede moralisierende Kritik erhaben.

Auch wenn zehntausende Fans ein kleines Vermögen dafür bezahlen, um einen Schlageraffen (© Udo Lindenberg) beim Musizieren oder 22 Proleten beim Balltreten zu bewundern – und die solcherart Beglückten damit in unerhörter Weise bereichern -, ist das solange völlig in Ordnung, solange nicht zusätzlich unbeteiligte Dritte für die Chose aufzukommen haben, um das Vergnügen der anderen zu subventionieren.

Womit wir auch schon in der Welt des politischen Mittels angekommen sind: Menschen, die ihr Einkommen dem Einsatz von Zwang und Gewalt verdanken (das sind alle direkt oder indirekt im Dunstkreis des Staates werkenden Individuen wie Politiker, Beamte, Kammerfunktionäre, im Dienste öffentlicher Unternehmen stehende Personen, usw.) lassen ihren unfreiwilligen Kunden – anders als der oben genannte Schuster – keine Wahl. Die müssen ihre Gehälter in jedem Fall bezahlen, ob sie die jeweiligen Dienstleistungen der privilegierten Diener des Leviathans in Anspruch nehmen oder nicht.

Damit ist nicht gesagt, dass sämtliche von öffentlich Bediensteten erbrachten Leistungen obsolet sind. Schließlich besteht beispielsweise nach Lehrern, Ärzten und Sicherheitsfachkräften auch unter Marktbedingungen eine Nachfrage. Doch, wie für Finanzbeamte, Eisenbahner oder Staatsfunker gilt auch für sie, dass sie eben nicht mit Wettbewerbern um Kundschaft zu rittern brauchen, denn die ist garantiert. Demgemäß sind Staatsdiener – in scharfem Kontrast zu Marktakteuren – nicht genötigt, hochwertige Leistungen zu erbringen oder auf deren Preis zu achten. Letzterer ist, als unausweichlich logische Folge – in 100/100 Fällen überhöht. Nirgendwo wird mehr Geld sinnlos verbrannt als im Staatswesen (schlag nach bei Ludwig von Mises). Es fehlt schlicht und ergreifend am gnadenlosen Korrektiv des Marktes: kein Konkursrichter weit und breit, der fortwährende Minderleistung oder schwerwiegendes Versagen ahndet. Wer als Marktakteur Mist baut, tut das auf eigene Kosten. Politiker und Beamte dagegen tun es auf fremder Leute Kosten. Sie tragen nicht ihre eigene, sondern die Haut fremder Menschen zu Markte (© Nassim Taleb).

Der Wiener Sozialwissenschaftler Bernd Marin hat errechnet, dass sich österreichische Beamte – und zwar auf allen Verwendungsebenen – höherer Lebensverdienstsummen erfreuen dürfen als unter Marktbedingungen arbeitende, formal gleich gut qualifizierte Personen. In Deutschland wird es sich nicht anders verhalten.

Was Art und Qualität des Angebots in der Welt des Zwanges angeht, so herrschen auf der Anbieterseite geradezu märchenhafte Bedingungen. Sie bestimmt einseitig, was es gibt und was es kostet. Da der zwangsweise zahlenden Kundschaft keinerlei Mitspracherecht zukommt, kann ohne jede Rücksicht auf deren Interessen nach Gutdünken gefuhrwerkt werden. Das Staatstheaterensemble spielt ohne weiteres auch vor leeren Rängen – hat es doch auf das Einkommen der Beschäftigten nicht den geringsten Einfluss. Publikumszufriedenheit ist in der Welt des politischen Mittels keine relevante Kategorie. Wäre es anders, gäbe es keine Lehrstühle für Genderwissenschaften und keine Fahrradbeauftragten (um nur zwei kleine Spitzen gewaltiger Eisberge zu benennen).

Wir lernen: wer die Macht hat (und die kommt bekanntlich aus jenen Gewehrläufen, über die Marktakteure in Ausübung ihrer Erwerbstätigkeit gewöhnlich nicht verfügen), kann sein Einkommen nach Belieben – zulasten seiner unfreiwilligen Kundschaft – festsetzen. Es erübrigt es sich an dieser Stelle, weiter in die Tiefe zu gehen, weil darüber bereits unzählige elaborierte Abhandlungen geschrieben wurden.

Die Einkommensverzerrung zugunsten der Welt des Zwanges hat aber, neben der Geldverschwendung, auch den fatalen Effekt, falsche Anreize zu setzen. Nicht umsonst drängen die formal am besten Ausgebildeten mit größter Begeisterung in den Staatsdienst. Hohes Einkommen, stressfreie Tätigkeit, kaum Verantwortung, keinerlei persönliche Haftung nach Fehlleistungen: ein Paradies. Nur Hasardeure, Glücksritter und hoffnungslose Narren drängt es heutzutage noch dazu, Unternehmer zu werden. Der Autor dieser Zeilen hat für sein nächstes Leben schon entsprechend disponiert: anstatt unternehmerisch tätig zu sein und als wohlfeiles Feindbild für Minderleister und Versager aller Kaliber herzuhalten, wird er eine Karriere als Eisenbahngewerkschafter starten.

Der Wiener Historiker Lothar Höbelt bringt das Phänomen treffsicher auf den Punkt: „Wer in Österreich studiert hat, will Beamter werden.“ Weil das so ist, gehen der Welt des wirtschaftlichen Mittels viele der besten Köpfe verloren.
Niemals entfalten sie ihr Potential auf eine für das Gemeinwesen gedeihliche Weise, sondern liegen den Produktiven lebenslang als mehr oder minder nutzlose Ballastexistenzen auf der Tasche.

Geradezu irrsinnig muten die in regelmäßigen Abständen aufkommenden Debatten um angeblich zu niedrige Politikergehälter an. Deren Tenor lautet: „If you pay peanuts you get monkeys.“ Das trifft indes nicht zu. Denn abgesehen davon, dass Parlamentsabgeordnete sowohl in Deutschland als auch in Österreich ohnehin bereits das etwa Dreifache des Mediankommens beziehen, würde durch zusätzliche finanzielle Anreize das Problem der Negativauslese politischen Personals solange nicht gelöst, solange es keine zivil- und strafrechtliche Verantwortung für politische Mandatsträger gibt. Außerdem macht es grundsätzlich einen wesentlichen Unterschied, ob jemand auf eigene oder auf fremde Rechnung tätig ist. Entscheidend ist: wer die Kosten seiner eigenen Fehlleistungen anderen aufbürden kann, wird – soweit es nicht ihn selbst betrifft – tendenziell schlechtere Entscheidungen treffen als ein mit voller Haftung lebender Zeitgenosse. Hier – und nicht bei der Höhe der Bezüge – liegt der Hund begraben.

Hinzu kommt, dass ein erfolgreich in der Privatwirtschaft Tätiger – insbesondere ein Unternehmer – es sich gewöhnlich gar nicht leisten kann, seinen bürgerlichen Beruf zugunsten eines befristeten Politmandats aufzugeben. Er stünde danach möglicherweise vor dem Nichts und müßte völlig neu beginnen. Angehörige der Wirtschaftselite finden sich entsprechend selten in Parlamenten. Ausnahmen bilden selbstverliebte Gecken, die kurz vor ihrem Ruhestand stehen und das politische Amt als eine Art Abschiedsbonus betrachten.

In den Parlamenten wimmelt es von karenzierten Beamten und Berufspolitkern.
Sollen die tatsächlich den gesellschaftlichen Querschnitt repräsentieren?
Lächerlich! Nur am Rande sei vermerkt, dass zwar jeder Flickschuster oder Änderungsschneider seine Berufsbefähigung nachweisen muss ehe er loslegen darf, während aber für Abgeordnete, Gesundheitsminister und Bundespräsidenten schon ein messbarer Puls als Qualifikationsnachweis ausreicht.

Man kann die Sache drehen und wenden wie man will: eine weitgehende Entmachtung des Staates und seiner Büttel ist unumgänglich, wenn der produktiv arbeitende Teil der Gesellschaft wieder mehr als 50 Prozent der Früchte seiner Arbeit für sich behalten können soll. Denn wer – außer Politikern, Beamten und anderen Transferleistungsbeziehern – will schon den totalen Staat?



Geld her oder es kracht!

Buchbesprechung

In Zeiten allgemein zunehmender Instabilität, sollte man über jenes Phänomen Bescheid wissen, das für große, arbeitsteilige Gemeinschaften absolut lebenswichtig ist: das Geld. Seine verschiedenen Perspektiven, seine Herkunft, sein Wesen und seine Bedeutung zu erklären, ist der Zweck dieser kleinen Streitschrift aus der Feder eines Mannes, der sich wie nur wenige darauf versteht, selbst komplexeste Sachverhalte, über die auch in Kreisen von Experten häufig Verwirrung besteht, einem Laienpublikum klar und auf leicht verständliche Weise darzustellen.
Nach einer kurzen Betrachtung der Entstehung des Geldes und der verschiedenen Geldarten, kommt der Autor zum Kern der Sache: der Funktionsweise des herrschenden Geld- und Zentralbanksystems. Er benennt treffsicher dessen Schwächen und zeigt auf, wie die ganze Welt von politischen Führern und Zentralbanken sukzessive in eine „Nullzinsfalle“ manövriert wurde, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint – zumindest keines, das ohne schwere Blessuren für die überwiegende Mehrheit der Geldnutzer über die Bühne gehen wird.
Während der mediale Mainstream sich mit Vorliebe der Kritik des „Turbokapitalismus“ und des Neoliberalismus widmet, der die Gräben zwischen Armen und Reichen angeblich stetig vertieft, sieht Taghizadegan im Gegenteil den „Geldsozialismus“ (® Roland Baader) am Werk, den er als „Umverteilung für Reiche“ brandmarkt. Intendierte Absicht und tatsächlich erzielte Wirkung sind eben zwei sehr verschiedene Paar Schuhe. Leider bewirken in bester Absicht ins Werk gesetzte hoheitliche Interventionen häufig das exakte Gegenteil des Gewünschten – so auch in der Geldpolitik.
Die nach der Finanzkrise von 2007/2008 auf den Weg gebrachten Regulierungen dienen am Ende der weiteren Bereicherung der ohnehin bereits Reichen und stürzen die weniger Begüterten in immer größere Probleme.
Der Spielraum der Zentralbanken ist nach Erreichen der Zins-Nulllinie sehr klein. Zwar werden immer kreativere – um nicht zu sagen verrücktere – Ideen zur Belebung der Märkte kolportiert. Doch wie der große österreichische Ökonom Böhm-Bawerk schon vor weit mehr als 100 Jahren erkannte, ist gegen die Gesetze der Ökonomie von noch so entschlossenen politischen Führern langfristig nichts auszurichten.

Zehn Empfehlungen für Anlegerinnen und Anleger bilden den nicht ganz so düsteren Abschluss des Büchleins.

Geld her oder es kracht
Rahim Taghizadegan
Leykam, 1919
93 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-7011-8131-5
12 Euro



Der Trend zur bargeldlosen Bezahlung ist schlecht

Nicht einmal mehr jede zweite Transaktion, so eine Studie des Forschungsinstituts EHI, wird bar getätigt. Vor allem die Giro-Zahlung per PIN und das kontaktlose Zahlen mittels NFC sind stark im Kommen. Der Trend zur bargeldlosen Bezahlung ist schlecht. Die Gefahr liegt auf der Hand: Wir werden zu gläsernen Bürgern, wenn es kein Bargeld, keine geprägte Freiheit mehr gibt.

Nicht nur für die Banken und Konzerne wird unser gesamtes Konsumverhalten… weiterlesen



Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles

Rund 200 Jahre ist es her, dass der deutsche Dichterfürst Goethe in seinem Faust, der Tragödie erstem Teil, Margarete diesen Satz in den Mund legte. Goethe geht in seinem grandiosen Stück aber noch weiter, indem er Papiergeld als das vorführt, was es in Wahrheit ist: Ein probates Mittel zur Ausplünderung der Untertanen durch die Regierenden. Ungedecktes Papiergeld bedeutet eine Fortsetzung und das Produkt magischer Alchemie. Aus Wertlosem, ja aus dem Nichts, wird Wertvolles – welch scheinbar göttlicher Streich des Mephistopheles. Der Kaiser jedenfalls war begeistert.

Seither ist viel passiert. So hat es etwa rund um den Globus eine ungezählte Zahl von Hyperinflationen mit zum Teil katastrophalen Konsequenzen gegeben. Man denke beispielsweise an den Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland, der zweifellos durch den Währungskollaps des Jahres 1923 begünstigt wurde, der einen Großteil des Bürgertums ruinierte. Dem unerschütterlichen Glauben an das staatlich manipulierte Schwundgeld, hat das indes seltsamerweise keinen nennenswerten Abbruch getan.

Der Ökonomieprofessor und OeNB-Chef Ewald Nowotny, darf in einem ausführlichen Gastbeitrag im „Spectrum“ der Wiener „Presse“ vom 5. 1. 2018 („Die Mitte der Welt von gestern„) zum Thema Gold räsonieren und seiner – welche Überraschung – Geringschätzung für das gelbe Edelmetall Ausdruck verleihen. Er tut dies in der Tradition des von ihm, auch in diesem Beitrag, adorierten britischen Ökonomen Maynard Keynes („The General Theory of Employment, Interest and Money“, 1936), der Gold, oder genauer: den monetären Goldstandard, als „barbarisches Relikt“ bezeichnete.

Verwundern darf das nicht, denn von Allmachtsphantasien erfüllte Etatisten, waren und sind ja stets der Überzeugung, die Geschicke der Völker und deren Wirtschaft, mittels ihres zentral geplanten Gesellschaftsengineerings perfekt steuern zu können. Sie wissen, so meinen sie, allemal besser als jeder einzelne Bürger, was für den gut ist. Und dabei steht ihnen das sich ihren Machtansprüchen bockig widersetzende Edelmetall, dessen Menge sie weder beliebig steuern, noch unbegrenzt vermehren können, als lästiges Hindernis im Wege, solange ihm Geld- oder wenigsten eine Geldankerfunktion zukommt. Nichts kann ein ambitionierter und sendungsbewusster Führer (und seine Symbionten und Schranzen) weniger gebrauchen, als ein Geldsystem, das auf einem nicht manipulierbaren, weil eben nicht beliebig vermehrbaren Gut gründet.

Heute, wie zur Zeit der römischen Kaiser, ist es möglich, für eine Unze Gold eine komplette, hochwertige Herrenausstattung zu kaufen, während der US-Dollar allein in den letzten 100 Jahren rund 95 Prozent seiner Kaufkraft verloren hat (von historischen Scherzwährungen wie dem französischen Franc, der italienische Lira oder dem rezenten Simbabwe-Dollar ganz zu schweigen). Erklären lässt sich diese Tatsache mit der Schönheit, Seltenheit und Unzerstörbarkeit des Goldes, die in den verschiedensten Teilen der Welt seit Jahrtausenden seine ungebrochene Begehrtheit und Werthaltigkeit ausmacht.

Interessanterweise lobte selbst der berüchtigte Alan Greenspan einst die Wertbeständigkeit des Goldes im Hinblick auf seine Geldeigenschaft („Gold und wirtschaftliche Freiheit“, 1966). Allerdings tat er das, lange bevor er zum Chef des US-FED-Systems avancierte, dem er von 1987 bis 2006 vorstand. In dieser Funktion sorgte er für eine bis dahin beispiellose Inflationierung des US-Dollars.

Zurück zu Notenbankgouverneur Nowotny: Der versucht, den Presse-Lesern in seinem Aufsatz weiszumachen, dass die 1925 erfolgte Rückkehr der Briten zum Goldstandard „unter dem konservativen Finanzminister Winston Churchill“ geradewegs – und, „wie vom großen Ökonomen Maynard Keynes vorausgesagt“, in schlimmste Turbulenzen geführt hätte. Netter Versuch. Wahr ist aber vielmehr, dass gar keine Probleme eingetreten wären, wenn man nicht die Vorkriegsparität angepeilt hätte, die dem Wert des britischen Pfundes zu dieser Zeit einfach nicht mehr entsprach. Nicht die Rückkehr zum Goldstandard, sondern die falsche Parität war der Grund des nachfolgenden Übels.

Dass die Welt seit 1971, dem Jahr der Beendigung der Bindung des US-Dollarwertes an das Gold durch Präsident Nixon, auf einem Meer von ungedecktem Papiergeld schwimmt und seither eine Währungs- Wirtschafts- und Schuldenkrise die nächste jagt (die im 19 Jahrhundert noch rare Ausnahmen bildeten), ficht den Herrn der Nationalbank nicht weiter an. 2007 hätten, so behauptet er, die von jeder Goldfessel befreiten Notenbanken – anders als anno 1929 – eben das Schlimmste verhindern können. Tatsächlich taten sie das, indem sie die Märkte mit (wertlosem) Papiergeld fluteten, was mit Sicherheit nicht ungestraft bleiben wird. Dass das 1929-er-Debakel, wie auch das von 2007/08, unzweifelhaft eine Folge der exzessiven Geldpolitik der davor liegenden Jahre waren und ein Eingreifen der Notenbanken somit eine Antwort auf ihre eigene, erratische Politik bedeutet, erwähnt Professor Nowotny erwartungsgemäß mit keinem Wort. Selten ist derjenige, der Probleme verursacht, dazu qualifiziert, sie auch wieder zu beheben.

Dem Autor dieser Zeilen sträubt sich jedes auf seinem Kopf verbliebene Haar beim Gedanken an den ideologieschwangeren Unfug, den Ökonomiestudenten diese Tage von Professoren derartigen Zuschnitts serviert bekommen.

Zum 1929-Crash liegt übrigens, unter dem Titel „Americas Great Depression“, eine 1963 erschienene, umfassende Analyse aus der Feder des US-Ökonomen Murray Rothbard vor, in der Ross und Reiter schonungslos benannt werden (zum Gratisdownload: https://mises.org/library/americas-great-depression ).

Wie unbelehrbar die Menschheit im Hinblick auf Geld, dessen Entstehung, Wert und Bedeutung sind, führt der aktuelle Boom der „Kryptowährungen“, namentlich der von Bitcoin, vor Augen. Zwar handelt es sich dabei um politikfreie und damit (derzeit noch) nicht gewaltbewehrte Alternativen zum staatlichen Zwangsgeld, was positiv zu werten ist; Allerdings steht ihnen, wie auch dem hoheitlich verordneten Fiat-Monopolgeld, keinerlei Warendeckung gegenüber, was es für jede Form avancierter Betrügereien prädestiniert.

Machen Sie gedanklich eine Probe auf Exempel und stellen Sie sich vor, es gäbe eine veritable Krise. Die Supermärkte haben geschlossen oder sind geplündert und Sie begeben sich zum Landwirt Ihres Vertrauens, um Lebensmittel einzukaufen. Ihr Papiergeld können Sie sich an den Hut (oder sonst wohin) stecken, weil das keiner mehr annimmt. Meinen Sie ernsthaft, dass der wackere Agrarier ihnen gegen eine Anzeige auf dem Display ihres Elektronikspielzeugs eine halbe Sau überlassen wird? Eher nicht. Gegen blinkende Münze (oder andere im wahrsten Sin des Wortes greifbare Realwerte) allerdings schon. Das ist jedenfalls empirisch, wie etwa durch Schilderungen noch lebender Zeitgenossen der Mangelperiode nach dem letzten Weltkrieg, leicht belegbar. Blockchain-Währungen dagegen, so steht zu fürchten, werden sich im Fall der Fälle als das erweisen was sie sind: nichts wert.

Zum Abschluss seien die letzten Zeilen aus dem oben zitierten Aufsatz von Alan Greenspan zitiert, die das Wesentliche zusammenfassen:

„**** Dies ist das schäbige Geheimnis, das hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtsstaates steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die „versteckte“ Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte. Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die Befürworter des Wohlfahrtsstaates gegen den Goldstandard sind.“



Geld ist das Mittel zur Freiheit

Gedanken eines Skeptikers zum Phänomen der „Kryptowährungen“

Geld ist geprägte Freiheit, meinte Fjodor Dostojewski und lag damit völlig richtig. Denn Geld ist in einer modernen, arbeitsteiligen Gesellschaft nicht nur dafür erforderlich, die Kosten des täglichen Lebens zu bestreiten, sondern sein Besitz schafft darüber hinaus Möglichkeiten, persönliche Wünsche und Träume zu verwirklichen. Es dient dem „Streben nach Glück“.
Geld und sein Gebrauch wurde nicht erfunden. Es ist nicht das Ergebnis des Denkens und Planens der Regierenden, sondern es wurde einfach „entdeckt“, indem man bestimmte Güter als derart allseits begehrt erkannte, dass sie sich als Tauschmittel für alle möglichen anderen Dinge geradezu aufdrängten.
Eine wesentliche Voraussetzung für seine Geldfunktion ist daher die allgemeine Akzeptanz eines Gutes und das Vertrauen in seine Werthaltigkeit über den Tag hinaus.
Nicht umsonst konnten sich die Edelmetalle Gold und Silber in verschieden Kulturen als bevorzugtes Tauschmittel durchsetzen. Den Herrschenden, gleich ob Stammesführern, Königen oder demokratisch gewählten Volksrepräsentanten, war stets klar, dass die Kontrolle über das Geldwesen eine wesentliche, wenn nicht die entscheidende Säule ihrer Herrschaft darstellt(e). Die Verfügungsgewalt der Regierungen über das Geld und damit ihre Möglichkeit, seine Umlaufmenge zu manipulieren, bildeten immer wieder Ursachen für planmäßige Geldverschlechterungen, die schon lange vor der Erfindung des Papiergeldes stattfanden. Leidtragende der Inflationierung einer von der Regierung zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärten Monopolwährung, waren und sind stets die Geldhalter. Jeder neu gedruckte Schein mindert die Kaufkraft der bereits bestehenden. Hyperinflationen und Währungsreformen mit Enteignungscharakter pflastern den Weg des staatlichen Geldwesens.
Liberale Theoretiker wie F. A. Hayek, forderten daher schon vor Jahrzehnen eine „Denationalisierung“ des Geldes und/oder eine Rückkehr zu einer voll gedeckten Goldwährung.
Da das Misstrauen gegenüber staatlich manipuliertem Fiat-Geld immer mehr wächst, treten nun seit einigen Jahren nun verstärkt private Alternativen zum staatlichen Zwangsgeld auf den Plan. Die zweifellos bekannteste und am weitesten verbreitete davon, ist „Bitcoin“. Dabei handelt es sich um ein elektronisch geschöpftes, rein virtuelles Geld, das auf der Open-source-software basierten Technologie der „Blockchain“ beruht. Die hochkomplexe Software garantiert die Unverfälschbarkeit der einzelnen „coins“, deren Wert auf dem Markt, wie der jedes anderen frei handelbaren Gutes, durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Die Software garantiert, so seine immer zahlreicher werdenden Protagonisten, dass ein einzelner coin nicht mehrfach ausgegeben, und damit dem Betrug Vorschub geleistet werden kann.
Wenn es derzeit auch noch so aussieht, als handle es sich bei Bitcoin eher um ein Spekulationsobjekt, denn um ein Zahlungsmittel, so verfügt es immerhin über einen gewaltigen Vorteil: Es ist rein privat organisiert und daher nicht politisch korrumpiert.
Eine Inflationierung, wie sie für jedes staatlich oktroyierte Geld typisch ist (der US-Dollar hat dadurch in den zurückliegenden 100 Jahren rund 95 Prozent seiner Kaufkraft eingebüßt), ist nicht zu erwarten, zumal seine maximale Menge mit 21 Millionen Einheiten limitiert ist.
Seinem derzeitigen Charakter als Spekulationsobjekt entsprechend, konnten einige Investoren, die zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen sind, dank seiner in kurzer Zeit atemberaubenden Wertsteigerung, geradezu märchenhafte Gewinne einstreifen.
Was Bitcoin und allen anderen virtuellen Geldsystemen, wie auch dem staatlichen Fiat-Geld indes fehlt, ist die Funktion eines zuverlässigen Wertspeichers, die sich in jedem Fall von seiner physischen Qualität ableitet. Scheffel voll Weizen, Biberfelle, Kaurimuscheln, Goldmünzen, Sterlingsilber, etc. also alle klassischen Geldformen der Vergangenheit, schöpften ihren Wert nicht nur daraus, dem Eigentümer exklusiv zum Tausch zur Verfügung zu stehen, sondern auch aus der Möglichkeit, sie ferner anders denn als Tauschmittel (im Falle von Edelmetallen zum Beispiel als Schmuck oder zum Kunstobjekt verarbeitet), nutzen zu können. Die Schöpfung von Warengeld ist außerdem nicht mit der Begründung von Schuldverhältnissen verknüpft, wie das beim staatlichen Fiat-Geld der Fall ist.
Spätestens dann, wenn die Kryptowährungen aufgrund ihres zunehmenden Gebrauchs endgültig ins Radar des Fiskus geraten (der unterstellen wird, dass deren anonymisierter Gebrauch primär der Steuervermeidung dient, wie das jetzt schon immer stärker beim Bargeld geschieht), ist mit massiven Überwachungsmaßnahmen bis hin zu Verboten zu rechnen. Das ist kürzlich in China geschehen, was dem Kurs des Bitcoin kurzfristig einen beachtlichen Dämpfer versetzt und für erhebliche Unruhe in der Elektronikgeld-Gemeinde gesorgt hat.
Einen Haupteinwand gegen die Kryptowährungen als Alternative zum staatlich inflationierten Zwangsgeld, stellt sein Charakter als Fiat-Geld dar. Fiat-Geld verfügt, ungeachtet der Tatsache, ob es staatlich oder privat erzeugt wird, über keinerlei intrinsischen Wert. Hat man aber bei Dollar, Euro und Co. (zumindest derzeit noch) immerhin ein Stück Papier in der Hand, gibt es bei blockchainbasiertem Geld nicht einmal mehr das. Eine Anzeige in der elektronischen Geldbörse ist alles. Es gibt nichts im wahrsten Sinne des Wortes „greifbares“. Ohne Elektronik geht gar nichts. Eine anonyme Transaktion wird daher spätestens ab dem Moment unmöglich, da der Staat behördliche Überwachungen erzwingt, die den Weg jedes einzelnen coins nachvollziehbar machen. Der letzte Raum für Privatheit im Geldverkehr ist dann Geschichte. Da aber zumindest ein Teil des Wertes jedes soliden Geldes darin besteht, anonym – und damit frei von staatlicher oder anderweitiger Kontrolle – ausgegeben werden zu können, sind schwere Bedenken geboten.
Wenn immer wieder die angeblich überlegene Sicherheit des Einsatzes elektronischer Zahlungsmittel gegenüber Bargeld beschworen wird, sei auf mögliche technische Gebrechen hingewiesen, wie Computerversagen und Stromausfälle, oder auch auf cyberkriminelle Attacken. Der Sicherheitsaspekt scheint daher ein eher schwaches Argument zu sein.
Die grundlegenden Vor- und Nachteile privat aufgelegter Kryptowährungen liegen auf der Hand. Das jeweilige Temperament der Geldnutzer, wird wesentlichen Einfluss auf die Entscheidung für oder wider Kryptowährung haben. Zum Abenteuer tendierende Naturen und besonders elektronikaffine junge Menschen, werden wohl einen Teil ihrer Vermögen in Bitcoin & Co. anlegen, wenn sie es nicht schon tun. Konservative Naturen (nach den Beobachtungen des Autors überwiegen hier die älteren Semester), werden im Moment eher (noch) die Finger davon lassen, bis sich klarer abzeichnet, wohin die Reise geht.

Von Andreas Tögel



Zur Frage des Geldwertes

Von Andreas Tögel

Kann und soll es „stabiles Geld“ überhaupt geben?

Der österreichische Notenbankgouverneur Ewald Novotny, bereitet uns pünktlich zum Jahreswechsel darauf vor, im Jahr 2017 mit einer höheren Inflationsrate leben zu müssen. Hauptverantwortlich dafür werde die zu erwartende Steigerung des Rohölpreises sein, die sich auf die gesamte Energiewirtschaft auswirke. Novotny prophezeit allerdings eine Teuerungsrate, die immerhin unter dem bei zwei Prozent liegenden „Inflationsziel“ der EZB liegen wird. Es liegt auf der Hand, dass die Bezieher kleiner Einkommen vom höheren Kaufkraftverlust stärker betroffen sind als „Besserverdiener“.
Der angekündigte Anstieg der Inflationsrate bietet einen guten Anlass, sich wieder einmal mit der Frage der „Geldwertstabilität“ – deren Erhalt Aufgabe und erklärtes Ziel der EZB ist – zu beschäftigten.
Der Umstand, dass der Erhalt der Geldwertstabilität einer Institution anvertraut ist, die eine jährlich zweiprozentige Geldentwertung zu ihrem Ziel erklärt, ist zwar kurios, scheint aber niemanden zu stören. Dass die modernen Geldalchemisten unser aller Heil darin sehen, um jeden Preis eine angeblich hinter jeder Ecke lauernde Deflation zu verhindern, wird längst nicht mehr in Frage gestellt. Seltsam, bedeutet Deflation doch einen kollektiven Kaufkraftzuwachs. Wie dem auch sei, dass zwei Prozent Geldentwertung eine Halbierung des Geldwertes binnen nur 34 Jahren bedeutet, wird ausgeblendet. Dass Inflation – gleich welcher Höhe – eine Wertminderung monetärer Ersparnisse und eine versteckte Steuer bedeutet, ebenso. Seit Maynard Keynes´ Tagen gilt der Sparer ja bekanntlich als Schädling am Volkskörper und der Schuldenmacher als konjunkturfördernde Lichtgestalt.
Dass der US-Dollar seit Gründung der US-amerikanischen Zentralbank (die ebenfalls der Stabilität des Geldsystems verpflichtet ist) im Jahre 1913, rund 95 Prozent seiner Kaufkraft eingebüßt hat, beunruhigt keinen.
Frank Hollenbeck, der an der „International University” in Genf, Volkswirtschaft lehrt, macht in einem kürzlich publizierten Essay darauf aufmerksam, dass es so etwas wie „stabiles Geld“ gar nicht geben kann. Grund dafür ist die Tatsache, dass in einem (immer noch, teilweise) auf Angebot und Nachfrage beruhenden Wirtschaftssystem, ständig wechselnde Präferenzen der Akteure zu einer laufenden Wertverschiebung und Neubewertung sämtlicher Güter – also auch des Geldes – führen. Von „Stabilität“ kann unter diesen Voraussetzungen also niemals die Rede sein. Das würde selbst dann gelten, wenn wir in einem edelmetallbasierten Warengeldsystem lebten und die Welt nicht (spätestens seit 1971) auf einem Meer ungedeckten Scheingeldes schwämme.
Die subjektive Wertschätzung von Gütern, also auch Geld und Dienstleistungen, ist einer von zwei maßgeblichen Faktoren dafür. Der zweite ist die Richtung, in die sich die gesamte Wirtschaft entwickelt – ihr Wachstum oder ihre Kontraktion.
In einer auf Grund sich verbessernder Technologie von zunehmender Produktivität gekennzeichneten Wirtschaft und einem daraus folgenden, erhöhten Warenangebot, wird eine laufend zunehmende Kaufkraft je Geldeinheit zu beobachten sein. Das ist seit Jahrzehnten indes nicht der Fall. Kann das etwa die Folge monetärer Manipulation sein?
Preise, die sich aufgrund von Angebot und Nachfrage auf dem Markt bilden, daran besteht kein Zweifel, geben allen Marktakteuren die wichtigsten Hinweise. Sie signalisieren Überfluss und Knappheit und bieten den Unternehmern unabdingbare Grundlagen für ihre Investitionsentscheidungen. Wird von außen, mittels geldpolitischer Maßnahmen, in den Preisbildungsmechanismus eingegriffen, um bestimmte, von der Politik vorgegebene Ziele zu erreichen, kommt es zu einer Verzerrung der absoluten und der relativen Preise (zum Beispiel zu Preissteigerungen trotz Zunahme des Warenangebots) und der Zinsen. Das kann schwerwiegende Fehlentscheidungen, sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfragseite zur Folge haben, da eine korrekte Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr möglich ist. Die routinemäßigen Fehlprognosen der unter der Bezeichnung „Wirtschaftsforscher“ firmierenden beamteten Kaffeesudleser, geben einerseits beredtes Zeugnis vom Wert staatsbediensteter Ökonomen, zeigen andererseits aber auch die Unmöglichkeit seriöser, quantitativer wirtschaftlicher Vorhersagen.
Dass sich die allgemeine Kaufkraft – besonders in den letzten beiden Jahrzehnten – nicht erhöht hat, obwohl weltweit gewaltige Produktivitätsfortschritte und Handelserleichterungen zu verzeichnen waren, ist eine Folge der von den Notenbanken betriebenen Geldinflation, die der in Geldeinheiten ausgedrückten Verbilligung des Angebots entgegenwirkt. Das ist offenbar jene Art von „Stabilität“, die von den Regierenden und Notenbankern gemeint ist. Dass besonders die unteren Einkommensklassen, die ausschließlich auf Arbeitslöhne und Transferzahlungen angewiesen sind und von der Staatsverschuldung nicht auf dem Wege von Zinseinkünften profitieren können, unter einem Kaufkraftverlust leiden, ist unter den gegebenen Umständen logisch unvermeidlich.
Wir leben längst nicht mehr in einer Marktwirtschaft. Wir leben vielmehr in einem am ehesten als „Korporatismus“ zu qualifizierenden System einer rigiden staatlichen Wirtschaftslenkung. Diese erfolgt durch Akteure, die in aller Regel schon mit der Führung einer Frittenbude überfordert wären und wundern uns trotzdem über die traurigen Resultate ihres heißen Bemühens. Schlimm genug. Dass aber ausgerechnet diese Politiker und die ihnen hörigen Notenbanker – trotz einer Staatsquote von 50% und einem konfiskatorischen Charakter aufweisenden, 55%igen Grenzsatz der Einkommenssteuer – immer wieder von „Raubtierkapitalismus“ phantasieren und der dem „Neoliberalismus“ innewohnenden Ungerechtigkeit dafür die Schuld zuweisen, fügt dem anmaßenden Übergriff den blanken Hohn hinzu.
Der bereits weiter oben zitierte Frank Hollenbeck schließt seine Betrachtungen mit dem Hinweis, dass nicht „stabiles“, sondern „solides“ (z. B. mit Edelmetallen voll gedecktes) Geld die Basis einer nachhaltig prosperierenden Wirtschaft bildet. Solides Geld und die Abkehr vom Teildeckungssystem der Geschäftsbanken, würde Zentralbanken überflüssig machen und dem Staat schlagartig die Möglichkeit zur grenzenlosen Geldverschwendung nehmen.
Und weil das so ist, werden wir das Ende des herrschenden, vollständig politisierten Scheingeldsystems so bald nicht erleben.



Zentralbanken, Zinsen und Zeitpräferenz

Von Andreas Tögel

Das verheerende Treiben der Geldsozialisten

Der Zins ist von jeher ein Hassobjekt der Linken. Der Zins sei ein Instrument zur Knechtung der Unterprivilegierten, eine Quelle unverdienten Einkommens und Reichtums, etc. Die „Brechung der Zinsknechtschaft“ war daher folgerichtig eines der zentralen wirtschaftspolitischen Ziele der Nationalsozialisten. Gäbe es den Zins nicht – diese vermeintlich perfide Erfindung ausbeuterischer Finsterlinge – die Welt wäre ein besserer Ort.

Regierungen und Zentralbanken haben den Traum der Nationalsozialisten dieser Tage endlich verwirklicht: Sie haben den Zins faktisch abgeschafft. Der Errichtung des Paradieses auf Erden steht daher nichts mehr im Wege.

Aber wie es halt so ist: Ideologen leben bedauerlicherweise in einer Welt jenseits der Wirklichkeit. Sollte sich diese als mit ihren Utopien unvereinbar erweisen, so muss sie – nicht etwa die Utopie – korrigiert werden. Nicht anders verhält es sich mit den erbittert gegen die „Zinsknechtschaft“ kämpfenden Geldsozialisten in Regierungen und Zentralbanken.

Eine bereits in den späten 1900sechzigerjahren in den USA durchgeführte Studie, die als „Marshmallow-Test(Leseprobe hier herunterladen) bekannt ist, liefert hochinteressante Einsichten zum Phänomen Zins, indem sie sich völlig unvoreingenommener Probanden bedient: Vorschulkindern. Den Kindern werden zwei Alternativen angeboten: Entweder sie erhalten ein Marshmallow sofort, oder zwei Stück eine Viertelstunde später. Dass rund drei Viertel der Probanden ihre Begierde nicht zügeln konnten und sich für die „Sofortvariante“ entschieden, stellte sich als sehr bedeutsam heraus.

Zunächst aber imponiert die Erkenntnis, dass es sich beim Zins offensichtlich um einen Ausdruck der Zeitpräferenz handelt: Wer bereit und in der Lage ist, temporären Konsumverzicht zu üben, tut das nur dann, wenn er zu einem späteren Zeitpunkt mit zusätzlichem Konsum belohnt wird. Die geforderte Differenz wird umso größer, je weniger leicht das Warten fällt und beläuft sich im vorliegenden Fall auf 100 Prozent. Der Zins als „Entsagungsprämie“. Die Kinder, die vorerst verzichten konnten, entschieden sich aus freien Stücken dazu, lieber den Zins zu kassieren. Fazit: Der Zins ist kein Konstrukt, sondern ein „Naturprodukt“.

Hochinteressant ist das Ergebnis, das die Fortsetzung der Studie erbrachte: Da stellte sich nämlich heraus, dass jene Kinder, die sich im Experiment zum Warten entschließen konnten, in ihrem späteren Leben mehr Erfolg hatten als diejenigen mit einer hohen Zeitpräferenz.

Neuere Studien zeigen, dass das im Marshmallow-Test ermittelte Verhalten ein Ausdruck dafür ist, wie mit gebotenen Chancen umgegangen wird. Personen, die über Ausdauer und Geduld verfügen, sind beispielsweise bereit, lange Ausbildungszeiten in Kauf zu nehmen, um später ein besseres Einkommen zu erzielen. Menschen, die sparsam wirtschaften, können eher ein Vermögen aufbauen das ihnen später ein Einkommen verschafft als Konsumtrottel, die jeden eingenommen Cent sofort wieder verbraten. Eine hohe Konsumneigung ist also alles andere als eine Tugend.

Die Zentralbankpolitik des „billigen Geldes“ fördert indes jenes Verhalten, das der Großteil der kindlichen Probanden im Test an den Tag gelegt hat: Den Wunsch nach sofortiger Wunschbefriedigung. Wozu noch sparen und warten? Der leicht verfügbare Kredit kostet ja fast nichts. Die einst gepflegte Sparkultur wird durch den Schuldenkult ersetzt. Diagnose: Wer spart, ist hoffnungslos vorgestrig. Wer sich dem permanenten Konsum verweigert, ist ein gemeiner Schädling, der das Wirtschaftswachstum in unverantwortlicher Weise bremst. All dieser Unfug findet sich schon in Keynes´ “General Theory“ aus den 1930er-Jahren und bestimmt– allen dadurch initiierten Krisen zum Trotz – bis heute die Geldpolitik rund um den Globus.

Doch die Ökonomie nimmt auf Phantasien romantischer Narren keine Rücksicht. Sie folgt Gesetzen, die nicht per Ukas aus der Welt geschafft werden können. Das oben zitierte Experiment, das danach an anderen Orten mit anderen Probanden – und vergleichbaren Ergebnissen – wiederholt wurde, beweist es. Regierungen und Zentralbanken animieren trotzdem zum sofortigen Konsum und belohnen eine hohe Zeitpräferenz, was nicht ohne Folgen bleibt. Sie schmälern damit nämlich vorsätzlich den wirtschaftlichen Erfolg derjenigen, die der Verlockung des „billigen Kredits“ nicht widerstehen können. Mit Slogans wie „ Ich will alles – und das sofort“ und „Anna, den Kredit hamma“ ist der Weg in die Schuldknechtschaft gepflastert – und zwar ganz ohne Zins.



Brexit als Spitze des Eisbergs

Von Andreas Tögel

Der Euro bleibt das Hauptproblem

Viele politische Analysten hatten nach der Entscheidung der Briten für den Austritt aus der EU den Eindruck erweckt, als würden jetzt schreckliche Hungersnöte über das Land hereinbrechen und die britischen Inseln umgehend im Atlantik versinken. Kommentar überflüssig. Außerdem hatten sie kritisiert, dass sich die Initiatoren des Austritts durch Flucht ins Privatleben ihrer Verantwortung entziehen würden. Nach Bekanntgabe ihrer Regierungsmannschaft durch die neue britische Kanzlerin Theresa May, kann auch davon keine Rede mehr sein. Immerhin fungiert der ehemalige Bürgermeister Londons, eine der treibenden Kräfte der Austrittsbewegung, Boris Johnson, ab sofort als Außenminister. Viel mehr Verantwortung als in dieser Position könnte er kaum tragen. Die Personalentscheidung macht jedenfalls deutlich, dass es der britischen Regierung mit dem Austritt todernst ist. Die beiderseits des Ärmelkanals gehegten Hoffnungen, es werde doch noch anders kommen, werden sich wohl nicht erfüllen.
Wie dem auch sei – von den Katastrophen, die von Eurokraten und deren Presseherolden prophezeit wurden, ist bislang nichts zu sehen. Die zunächst in Unruhe geratenen Finanzmärkte haben sich wieder beruhigt und die Londoner Börse hat anfängliche Verluste wieder wettgemacht. Sie liegt – übrigens im Gegensatz zur deutschen – verglichen mit dem Niveau vor dem-Brexit-Referendum – sogar schon wieder im Plus.
Im Schatten der für die Nomenklatura desaströsen Entscheidung der Briten, schwelen indes andere, in den Nachrichten bislang eher vernachlässigte Brände, die dem Politbüro der EU noch erhebliches Kopfzerbrechen bereiten werden. Dass Griechenland schon wieder am Rande des Staatsbankrotts steht und weitere Milliardenhilfen benötigt, Spanien in die Unregierbarkeit abgleitet und beide iberischen Länder ihre Haushaltsdefizite nicht den Griff bekommen, sind noch nicht die gefährlichsten davon.
Als deutlich schlimmeres Problem erweist sich vielmehr die von der EZB betriebene Geldpolitik, die auf der durch den Brexit als Chimäre demaskierten Annahme beruht, die Union werde politisch immer stärker zusammenwachsen. Diese Illusion muss jetzt zu Grabe getragen werden, auch wenn Witzfiguren wie Schulz und Juncker das Gegenteil behaupten.
Die italienischen Banken haben gewaltige Summen an faulen, nicht wertberichtigten Krediten in ihren Büchern. Dementsprechend dramatisch entwickeln sich die Börsenwerte der Banken nach unten – übrigens nicht nur die der italienischen. Die Kapitalausstattung der Geldinstitute sinkt. Der Chefökonom der Deutschen Bank, Folkerts-Landau, beziffert den akuten Finanzbedarf der europäischen Banken mit 150 Mrd. Euro und sieht schwarze Wolken über Euroland aufziehen. Die von der EZB seit Jahren betriebene, expansive Geldpolitik habe jedenfalls – außer weiteren Staatsschulden – nichts gebracht. Während sich das Wachstum Italiens auf knapp ein Prozent beläuft, verschuldet sich das Land ums Dreifache dieses Wertes. Die Verbindlichkeiten, die bereits bei rund 135% des BIP liegen, werden dadurch weiter steigen. Anstatt auf keynesiansische Wirtschaftspolitik könnte man mit gleicher Aussicht auf Erfolg auch auf Geisterbeschwörung setzen. Den Markt einfach in Ruhe zu lassen, kommt für die politische Klasse ja bekanntlich nicht in Frage – leider nicht nur in Italien.
Der liberale deutsche Ökonom Thorsten Polleit: „Die Not der Euro-Banken ruft die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Plan. […] Mit ihren Aktionen sorgt die EZB für eine gewaltige Monetisierung. Sie kauft schon jetzt Anleihen in Höhe von etwa 80 Mrd. Euro pro Monat. Allein dadurch wird die Euro-Basisgeldmenge im Bankensektor bis März 2017 auf über 1,7 Billionen Euro ansteigen. Wenn die EZB dazu übergeht, die Anleihen, die die Euro-Banken ausgegeben haben, zu refinanzieren, könnte die Euro-Basisgeldmenge – im Zeitablauf, nach und nach – um zusätzliche etwa 3,8 Billionen Euro anschwellen.“
Was eine derart gewaltige Ausweitung der Geld- und Kreditmengen mittel- bis langfristig bedeutet, wird man aus dem Munde beamteter Wirtschaftsforscher zwar niemals hören, kann es aber durch einem Blick in die Geschichtsbücher selbst in Erfahrung bringen: (Hyper-)Inflation und Währungsreform.
Schon macht das bei Politikern und Geldsozialisten so ungemein beliebte Wort von der „Ansteckungsgefahr“, der nun entschlossen begegnet werden müsse, die Runde. Als nächstes, darauf darf man risikolos wetten, wird dann wieder die „too-big-to-fail“-Keule hervorgeholt, mit der die Steuerzahler weichgeklopft werden, um die Rekapitalisierung der – natürlich gänzlich unverschuldet – notleidenden Banken zu schultern.
Der Fluch der bösen Tat: Wer in einem kapitalistischen, marktwirtschaftlich organisierten System unternehmerisches Handeln von Haftung und Verantwortung trennt, stiftet auf folgenschwere Weise Schaden. Jeder kleine Gewerbebetrieb muss für seine Verbindlichkeiten geradestehen. Gewinnaussicht und Verlustrisiko gehen Hand in Hand. Weit und breit steht niemand bereit, der dem Betriebseigner im Fall eines Problems, gleich ob selbst herbeigeführt oder nicht, Geld schenkt. Das ist auch gut so, denn entsprechend umsichtig wird er agieren. Wirtschaftet er gut, darf er sich eines Gewinns erfreuen. Wirtschaftet er schlecht, macht er Miese oder verschwindet vom Markt. Sein möglicher Nutzen, sein Problem. Das ist die Essenz eines arbeitsteiligen, auf Privateigentum beruhenden Wirtschaftssystems.
Ganz andere Regeln haben sich – der Symbiose von Big Government und Big Money sei Dank – für die großen Geldhäuser eingebürgert: Was auch immer deren Vorstand tut – er kann sicher sein, dass Verluste sozialisiert werden, während Gewinne beim Unternehmen verbleiben. Solange diese Form des Geldsozialismus´ nicht beseitigt ist, wird die Krise des Kapitalsystems nicht enden.
Der Untergang des großen US-Bankhauses Lehman im Jahr 2008 hat gezeigt, dass die Welt in einem solchen Fall nicht untergeht. Der entscheidende Fehler der Politik lag darin, nicht zuzulassen, dass andere Geldhäuser dasselbe Schicksal teilen, was zweifellos stark disziplinierend auf die gesamte Branche gewirkt hätte. So aber war und ist dem „moral hazard“ Tür und Tor geöffnet. Unverantwortliche Spielertypen avancieren zu Meistern aller Klassen. Seriös agierende Geschäftsleute und Bankiers dagegen sind nur noch Verlierer und armselige Trottel. Unter solchen Voraussetzungen kann eine Wirtschaft langfristig nicht funktionieren.
Das Platzen einer Blase und die damit einhergehende Vernichtung papierener Geldbestände, ist nicht dasselbe wie eine, etwa infolge kriegerischer Handlungen eintretende, Zerstörung realer Werte. Die Vernichtung von durch nichts als Schulden gedecktem Geld bedeutet keine Apokalypse.
Wenn Europa sich nicht vom durch die EZB immer weiter vorangetriebenen Schuldenkult befreit, kann keine Genesung eintreten. Man darf nie vergessen, dass die Basis für das Erfolgsmodell des Kapitalismus´ das Kapital bildet und nicht der Kredit. Dessen eingedenk, sollten unsere einst (lang, lang ist´s her!) marktwirtschaftlich organisierten Staaten nach Jahrzehnten der Schulden(miss)wirtschaft und des Geldsozialismus´ endlich wieder mehr Kapitalismus wagen!



Die „Kunst“ der Zentralbanken

Vor schwierigen Herausforderungen

Am 9. Oktober ging die Meldung über die Kür von Janet Yellen als neuer Chefin der wichtigsten Zentralbank der Welt, der US – Federal Reserve Bank, über die Nachrichtenagenturen. Der von der Nachfolgerin von „Helikopter-Ben“ Bernanke, ihres Zeichens eine profilierte Befürworterin „kontrollierter Inflation“, mutmaßlich zu erwartende Kurs: Eine Fortsetzung, oder gar weitere Intensivierung der Politik des „quantitative easing“. Die amerikanische Notenpresse wird so bald also nicht zur Ruhe kommen.

An diesem Tag ging im Wiener Hayek-Institut ein Vortrag über die Bühne, der sich mit den Herausforderungen befasste, vor denen das weltweite Finanzsystem derzeit steht. Der griechischstämmige Amerikaner John E. Charalambakis, Hochschullehrer und derzeit Chefökonom der BlackSummit Financial Group, stellte zu Beginn fest, dass das entscheidende Problem der „westlichen Welt“ heute darin bestünde, die Fähigkeit verloren zu haben, Wohlstand mittels Kapitalbildung zu produzieren. Kapitalismus ohne Kapitalakkumulation sei indes unmöglich. Man dürfe keinesfalls den Fehler begehen, Kapital (assets) mit Haftungen und Verpflichtungen (liabilities) zu verwechseln. Nichts anders als derartige Schuldtitel aber seien etwa Staatsanleihen oder auf dem Finanzmarkt gehandelte Derivate. Dabei handle es sich lediglich um Forderungen, die durch nichts anderes als „…aus dünner Luft geschaffene Kredite“ entstanden und durch keinerlei Realwerte unterlegt seien. Durch Sparen gebildetes Kapital dagegen zeichne sich dadurch aus, dass es zur Grundlage der Wohlstandsmehrung werden könne, indem es „greifbare“ Werte produziere. Gewinne würden heute zum Großteil nicht mehr durch die Produktion von Waren und Dienstleistungen, sondern vielmehr durch Geldgeschäfte realisiert…

Die Zentralbanken stünden nunmehr vor der paradoxen Aufgabe, jene Banken, welche ihre „ultimativen Reserven“ bei ihr zu halten hätten, mit eben diesen Reserven auszustatten, sobald sie in Probleme geraten würden. Das sei der Weg in die „mengenmäßige Lockerung der Geldproduktion“ – in die hemmungslose Ausweitung der ungedeckten Geldmenge. Es sei aber klar, dass diese Politik zu Blasenbildungen führe und alle Blasen – gleich ob sie sich im Wertpapier- oder Immobiliensektor bilden – früher oder später platzen und die Anleger mit Verlusten zurücklassen würden. Zudem wären die Zentralbanken mittlerweile dazu übergegangen, Staatsschulden zu „monetisieren“ [Staatsanleihen direkt oder indirekt aufzukaufen und damit unmittelbar den Staat zu finanzieren, Anm.], während sie durch eine künstliche Absenkung des Zinssatzes „finanzielle Repression“ betrieben [ein Vorgang, den man, weniger euphemistisch, auch als Raub an den Sparern bezeichnen könnte, Anm.].

Charalambakis befürchtet, dass das System in dieser Art zwar noch ein paar Jahre lang fortzuführen sein wird – wenn auch nur unter der Voraussetzung, daß die Geldmengenausweitung gebremst wird („tapering“) und es damit zu einem Zinsanstieg kommen kann. So oder so aber sei die in den zurückliegenden Jahren explosionsartig erfolgte Ausweitung der Geldreserven so weit fortgeschritten, dass damit jedenfalls die Voraussetzungen für eine „Implosion“ geschaffen worden seien. Wir würden es dann mit der „Mutter aller Krisen“ zu tun bekommen, gegen die sich die Depressionszeit nach 1929 oder der Crash von 2007/2008 als geradezu harmlos ausnehmen würde. Arbeitslosenquoten von 50 Prozent wären mithin zu erwarten. Schon David Ricardo habe einst festgestellt, daß „weder ein Staat noch eine Bank jemals die Macht hatten, unbegrenzte Mengen von Papiergeld zu produzieren – ohne diese Macht zu mißbrauchen.“ Wäre der Wohlstand einer Nation tatsächlich, wie von der Hauptstromökonomie hartnäckig behauptet, von der Geldproduktion abhängig, müsste Zimbabwe ein Paradies sein. Zimbabwe sei indes kein Paradies – ebenso wenig, wie Haiti oder Argentinien. Ein Europäer, der anno 1900 ans Auswandern gedacht habe, hätte sich zwischen Buenos Aires und New York entscheiden können, indem er eine Münze wirft. Argentinien sei damals wirtschaftlich ebenso attraktiv gewesen wie die USA. Heute dagegen liege Argentinien, dank seiner katastrophalen Finanzpolitik, am Boden und keiner wolle mehr dorthin.

Im wirtschaftlichen Wettstreit mit Europa verfügten die USA – trotz aller in der Vergangenheit begangenen Fehler – über die weitaus besseren Karten:

  • Die USA hätten den Weg in die „Energieautarkie“ geschafft – was eine billigere Produktion, höhere Wirtschaftlichkeit der Industrie und damit erhebliche Wettbewerbsvorteile bedeute,
  • Alle wesentlichen Innovationen stammten auch heute noch nach wie vor aus den USA, nicht aus Europa. Produziert werden zwar vielfach in China oder in Korea, die wertvollen Ideen aber kämen nach wie vor aus Amerika,
  • Europa sei überreguliert,
  • Der Euro sei „dysfunktional“.

Charalambakis plädiert für ein „solides Geld“, das jedenfalls über einen „inneren Wert“ verfügen müsse und keinen bloßen Schuldtitel repräsentiere. „Echtes Geld hat Sicherheiten hinter sich.“ Er schlägt als Basis dieser Sicherheiten ein „Warenbündel“ vor, das z. B. aus Edelmetallen, Öl und Korn bestehen könnte. Auf dieser Grundlage trete er für ein „Free Banking“ ein – und für das Ende der Zentralbanken. Man würde bis heute nicht auf die Idee kommen, den Preis für Mäntel, Autos, etc. politisch festsetzen zu wollen. Bis vor genau hundert Jahren, als das US-FED-System aus der Taufe gehoben wurde, habe auch niemand je daran gedacht, den Preis für Geld (den Zins) zentral und politisch veranlasst, zu steuern. Die Idee der planwirtschaftlichen Festsetzung des Geldpreises sei ebenso wenig mit einer freien Ökonomie zu vereinbaren, wie ein (staatliches) Geldmonopol.

Der Gedanke, dass „geborgte Reserven“ als Dünger für neu zu schaffende wirtschaftliche Aktivitäten fungieren, mittels derer reales Kapital gebildet und die herrschende Krise überwunden werden könne, sei illusorisch. Der „Krebs“ im System sei die ungebremste Ausweitung des Kredits. Das Kreditsystem müsse daher einem chirurgischen Eingriff unterzogen werden. Sollte es dadurch kurzfristig zu einer Kreditverknappung kommen, habe das mittel- und langfristig nur positive Effekte: Seriöses Wirtschaften würde sich dann wieder lohnen.

Zum Problemfall Griechenland: es sei ein Fehler der griechischen Regierung gewesen, sich auf ein von der „Troika“ orchestriertes „Bail-out“ einzulassen. Dieses habe faktisch ausschließlich den involvierten Banken geholfen, nicht jedoch dem griechischen Staat oder dessen Bürgern. Es wäre stattdessen wesentlich besser gewesen, eine Staatspleite hinzulegen.

Charalambakis erwartet, dass das Beispiel Zyperns („Bail-in“) Schule macht und in den nächsten Jahren auch andere Länder (etwa Griechenland) dessen Beispiel folgen könnten. Einen Zerfall der Eurozone halte er für nicht ausgeschlossen. Länder wie Griechenland könnten sich dann etwa der Dollar-Zone anschließen…(!).



Wie kann der Staat überleben?

Ein Bericht von A. Tögel von der achten Konferenz der Property and Freedom Society „Kompromisslosen intellektuellen Radikalismus und politische Unkorrektheit“ versprach der deutsche Ökonom Hans-Hermann Hoppe zu Beginn seiner Konferenz deren Besuchern. Das Auditorium wurde nicht enttäuscht. Wieder war es dem Veranstalter gelungen, namhafte Fachleute und Wissenschaftler in Bodrum zu versammeln, die zu Themen, wie „Why are Jews so smart?“, „A Brief History of US Race Relations“ oder „Public Health or Public Totalitarism?“ Gedanken präsentierten, die allesamt als „gegen den Strich gebürstet“ zu bezeichnen sind. Geriert sich die Masse der Intellektuellen anderswo als zuverlässige Propagandisten von Staatsinteressen, herrscht hier ein völlig anderer Geist. Im Mittelpunkt standen erneut Wirtschaftsthemen.

 ****Thorsten Polleit, Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance and Management, sprach über „Organized Crime and the Progression Toward a Single World Fiat Currency.“

 Er begann mit der vom FBI stammenden Definition der organisierten Kriminalität: _„Organisierte Kriminalität bedeutet jede Gruppe mit einer Art formaler Struktur, deren primäres Ziel es ist, sich Geld durch illegale Aktivitäten zu beschaffen. Solche Gruppen bewahren ihre Position durch den Einsatz oder durch die Androhung von Gewalt, die Korruption von Beamten, Bestechung, Erpressung und haben einen insgesamt signifikanten Einfluss auf die Menschen in den Gemeinden, Ländern und auf den Staat in seiner Gesamtheit.“ _Es ist nicht zu übersehen, daß diese auf die Mafia zugeschnittene Begriffsbestimmung in allen Einzelheiten exakt auf den Staat zutrifft.

Der amerikanische Ökonom und Philosoph Murray Rothbard definiert den Staat so:_ „…ist eine Organisation, die entweder eine oder beide der folgenden Charakteristiken aufweist: Er akquiriert sein Einkommen durch physischen Zwang (Besteuerung) und hält ein Gewalt-Zwangsmonopol und die Macht zur letzten Entscheidung innerhalb eines gegebenen Territoriums.“ Der libertäre Theoretiker Albert Jay Nock meint: _„Der Staat beansprucht und vollzieht ein Monopol der Kriminalität.“

 _Daß es sich hier nicht um bloße _Behauptungen radikaler Staatsfeinde handelt, sondern um nüchterne Tatsachenfeststellungen, folgt aus der Tatsache, dass kein Staat je ohne Gewalt und/oder den Bruch individueller Rechte entstanden ist. Einen konstituierenden „Gesellschaftsvertrag“ sucht man weltweit vergebens. Es gab und gibt keinen. Die Idee, dass der Staat etwas Gutes und Nützliches sei, ist ein Mythos aus der Zeit Platons, der im Staat eine „moralische Anstalt“ erblickte. Daß nur der Staat privates Eigentum und Eigentumsrechte schützen könne, begründet die Fiktion seiner Unabdingbarkeit. Doch exakt hier liegt der fundamentale Fehler, da ja bereits vor der Entstehung des Staates Eigentum vorhanden war, das dieser sich dann (gewaltsam) aneignete.

Es erhebt sich die Frage: wie kann der Staat überleben? Da der Einsatz brutaler Gewalt auf Dauer zu aufwendig ist und zu viel Opposition schafft, greift er zum Mittel der Propaganda. Den Bürgern werden – von auf die eine oder andere Weise staatsfinanzierten Intellektuellen – die Vorteile der Unterwerfung unter die Staatsmacht schmackhaft gemacht. Es reicht aus, eine relative Mehrheit der Bürger zu überzeugen. Im demokratischen Wohlfahrtsstaat gibt der Durchschnittswähler jenen Parteien seine Stimme, von denen er erwartet, dass sie seine wirtschaftliche Situation verbessern. Im Laufe Zeit wird der Staat seine Aktivitäten immer weiter ausdehnen, um einem immer größeren Teil der Bürger (vermeintliche) Wohltaten zu verschaffen. Die Finanzierung dieses kostspieligen Unterfangens ist nur mittels der Erlangung totaler Kontrolle über das Geldsystem möglich.

Die Antwort auf die Frage, wie das vor sich geht, gibt Murray Rothbard in seiner 1963 erschienenen Arbeit „What Has Government Done To Our Money?“: Zuerst wird die Münzproduktion monopolisiert, dann die Ausgabe von Geldsubstituten. Dann folgt die Zulassung der Teilreservehaltung durch die Geschäftsbanken und die Schaffung von Zentralbanken als4 „ultimativer Kreditgeber“. Schließlich wird die Umtauschbarkeit in „echtes Geld“ (=Gold) aufgehoben und damit ein reines Fiat-Geldsystem etabliert.

Aufgrund der damit erreichten Möglichkeiten, sehen sich besonders stark inflationierende Staaten alsbald mit Problemen konfrontiert, die durch den Verfall der Währung nach außen entstehen. Analog zur Überlegung, die zur Einführung von Zentralbanken geführt hat, liegt daher die Idee einer internationalen Währung – und einer „Weltzentralbank“ auf der Hand. Diese würde es den Staaten erlauben, im internationalen Gleichschritt zu inflationieren.

Polleit meint, dass in den meisten Staaten der Welt die Ideologie eines _„sozialdemokratischen Sozialismus“ _herrscht. Damit verbindet sich der Wunsch nach einem Ersatz nationaler Währungen durch eine internationale Fiat-Währung. Tatsächlich hätten die führenden Zentralbanken (FED, EZB, BOE und BOJ) ihre monetären Politiken – in Reaktion auf die Finanzkrise – bereits harmonisiert. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell sagte bereits im Jahr 2000 die Schaffung einer Weltwährung voraus.

Langfristig würde eine welteinheitliche Weltwährung allerdings auch eine zentrale „Weltregierung“ erfordern. Spätestens dann indes würden sich nicht zu bewältigende Schwierigkeiten auftürmen – zumindest bei Beibehaltung demokratischer Standards. Schon 1919 schrieb Ludwig von Mises in „Nation State and Economy“ _über die Unmöglichkeit der Etablierung demokratischer Zentralregierungen in multiethnischen Staaten: „_In polyglot territories, democracy seems like opression to the minority.“ _Seine in diesem Buch niedergelegten Thesen wurden von der Geschichte seither vielfach bestätigt. Auf einen globalen Maßstab übertragen, würde es zu einer gewaltigen Zunahme von Konflikte kommen. Die Etablierung eines „Weltstaats“ ist so bald also nicht zu befürchten. Es sollte indes klar sein, dass der _Staat die vermutlich bestentwickelte Form organisierter Kriminalität darstellt…

David Howden, Ökonomieprofessor an der St. Luis Universität in Madrid, sprach zum Thema „Labor Laws: Legislating Unemplyoment“. Er erläuterte anhand einer Fülle statistischer Daten, dass ein Großteil des in den letzten Jahren ausgewiesenen Wachstums der europäischen Volkswirtschaften – sofern ein solches überhaupt vorhanden war – auf einen vergrößerten Anteil von Staatsaktivitäten entfällt. Wird dieser Effekt berücksichtigt, zeigt sich, dass das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung, und das verfügbare Einkommen, in fast allen Staaten Europas zurückgegangen ist. Nur in den Niederlanden und in Italien hat sich der relative Anteil des Staates an der Binnenwertschöpfung verringert. Auch das Wirtschaftswachstum Deutschlands, der wichtigsten Volkswirtschaft des Euroraumes, wird allein durch die Steigerung der öffentlichen Ausgaben getrieben. Die Wirtschaft Spaniens, eines der von der Krise an schwersten getroffenen Länder, ist in den zurückliegenden vier Jahren sogar um volle zehn Prozent geschrumpft.

Howden konzentrierte seine Arbeit auf eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Wachstumsentwicklung der einzelnen Staaten in den Jahren der Krise (seit 2008) und deren jeweiligen Anteil an „Schattenwirtschaft“. Das Ausmaß des Anteils „schwarzer“ Geschäfte ist naturgemäß nur schwer abzuschätzen. Deren Quantifizierung ist mit entsprechenden Unsicherheiten behaftet. Dennoch lassen sich relative Veränderungen recht klar herausarbeiten. So fällt auf, dass der Anteil der Schattenwirtschaft in denjenigen Ländern, die unter der Krise am schwersten zu leiden hatten – also Irland Portugal und Spanien – gewachsen ist, während er ansonsten durchgängig rückläufige Tendenz zeigt. Die Liste der Gründe für stark ausgeprägte wirtschaftliche Grauzonen reicht von der Steuervermeidung bis zu Problemen mit schwer kündbaren, gesetzeskonform angestellten Mitarbeitern. Als entscheidenden Punkt nennt Howden die Steuermoral, die maßgeblich von der Beurteilung der Bürger von Regierungen und Beamtenapparat bestimmt wird. Demnach ist es weniger eine hohe Steuerbelastung, denn eine starke Korruptionsanfälligkeit in einer Volkswirtschaft, die positiv mit dem relativen Anteil der Schattenwirtschaft korreliert. So lässt sich der geringe Anteil von Schwarzarbeit in den weitgehend korruptionsfreien skandinavischen Hochsteuerländern plausibel erklären.

Versucht nun eine Regierung, der Schattenwirtschaft mit verschärften Kontrollmaßnahmen, wie etwa der Einschränkung von Bargeldtransaktionen, und mit erhöhten Strafen zu begegnen, kommt es keineswegs zur erwünschten Erhöhung der Zahl von regulär Beschäftigten, sondern es wird lediglich der Wertschöpfungseffekt der Schwarzarbeit reduziert. Dadurch wird, entgegen der intendierten Absicht, eine wirtschaftliche Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Für Spanien ergibt die Interpretation die erhobenen Daten, dass der tatsächliche Anteil der Arbeitslosigkeit von offiziell 27 Prozent, in Wahrheit deutlich niedriger liegt. Dasselbe gilt auch in anderen Staaten mit einem während der Krise gewachsen Anteil der Schattenwirtschaft.

Die Niederlande sind gegenwärtig das einzige Land im Euroraum, das sowohl Wirtschaftswachstum als auch einen Rückgang des Staatsanteils an der Wertschöpfung zu verzeichnen hat und in dem das reale Pro-Kopf-Einkommen steigt.

Zusammenfassend stellt Howden fest, dass die einseitig negative Annäherung an das Phänomen der Schattenwirtschaft, nämlich mittels staatlicher Repression, keine positiven volkswirtschaftlichen Effekte zeigt. Um die Zahl der Arbeitslosen zu senken -und die dafür nötigen Investitionsentscheidungen zu veranlassen, sind vielmehr positive Anreize nötig, die derzeit in keiner der von der Krise betroffenen Volkswirtschaften gesetzt werden. Der Staat wird zum bloßen Verwalter der Arbeitslosigkeit…



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