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Mussolini, der Sozialist

Mag. Elisabeth Kainzmeier, Freiheitsakademie

Nazis, Nazis, überall Nazis!

“Rechts” zu sein, bedarf es wenig. Fast jeder nicht dezidiert Linke kennt es: Heutzutage darf man sich bereits als “rechts” im pejorativen Sinne (i.e. als “Nazi”) titulieren lassen, sobald man öffentlich oder auch nur halböffentlich Meinungen vertritt, die dem linksgeeichten Mainstream nicht konvenieren. Gar nicht zu reden von Aberrationen wie etwa der Assoziation von „bürgerlichem“ Familienleben oder Trachtenanzügen oder auch der Frakturschrift mit der Neonaziszene. Es geht sogar noch weiter: man muss nur, wie jüngst in Chemnitz, von Nicht-Autochtonen verübte Gewalt (noch dazu an einem Mann mit Migrationshintergrund!) verurteilen, und die Kategorisierung als „Nazi“ durch die Medien erfolgt ebenso prompt. Doch dieses Phänomen ist nicht etwa im Zuge der Ereignisse vom Sommer 2015 neu aufgekommen – und nicht einmal eine Spezialität des deutschsprachigen Raumes. In Frankreich etwa war man laut dem Philosophen Jean-François Revel bereits Ende der 1980er Jahre „ein Nazi, wenn man in irgendeinem Punkt anderer Meinung [war] als ein ‚Mann der Linken‘. Außerhalb des Sozialismus, und zwar, das ist der Gipfel, eines Sozialismus, der nicht einmal mehr weiß, wie er sich selbst definieren soll, gibt es keinen anderen Weg als den Hitlerismus […]” (Revel, 1990, p. 162).
Abgesehen davon, dass bei solchen vorschnellen Kategorisierungen die Gefahr besteht, dass unsere Kinder das Gespür dafür verlieren, was „Nazi“ wirklich bedeutet, sohin die „Awareness“ verlorengeht, ist diese Gleichsetzung von „rechts“ (richtiger: „nicht links“) mit dem Nationalsozialismus historisch wie auch ideologisch schlichtweg falsch. Auch im Sinne einer adäquaten Vergangenheitsbewältigung und Aufarbeitung wäre es angebracht – anstatt (angeblich im Sinne letzterer) bestimmte Ziffern und Ziffernkombinationen auf Nummerntafeln etc. zu verbieten, die heutzutage kein normaler Mensch mehr mit dem Nationalsozialismus in Verbindung bringt – die Begrifflichkeiten auch im historischen Kontext etwas näher aufzuarbeiten (sic!).

Links, Rechts Oben, Unten

Wie noch zu zeigen sein wird, existiert dieses eindimensionale Links-Rechts-Schema nicht in der Form, wie wir es von vereinfachten Modellen aus der „Neuen politischen Ökonomie“ kennen, da das reale Leben sich eben nicht derart eindimensional abbilden lässt (siehe etwa die „Perlenheuristik“ (Gigerenzer, 2015, p. 150)). Der Versuch, ein derartiges eindimensionales Links-Rechts-Schema zu kreieren, zeugt von einem Überlegenheitsanspruch, der von französischen Soziologen gehegt wurde und sich als unhaltbar herausstellen sollte.
Dass wir heute vereinfacht von “linken” und “rechten” Parteien sprechen, geht auf die traditionelle Sitzordnung im englischen House of Parliament zurück, wonach die Abgeordneten der Regierungspartei rechts vom Sprecher sitzen und die der Opposition links von diesem. Die Sozialisten fristeten ihr Parlamentsdasein so lange in der Opposition, ja, sie klebten dort regelrecht fest, bis sich der Begriff “die Linken” für sie bereits fix eingebürgert hatte, als sie schließlich zur Regierungspartei avanciert waren. Und auch dann betitelten sie sich selbst nach wie vor “stolz” als “Linke” – allein schon der Einfachheit halber. Man sprach nicht mehr – korrekt – von “Regierung” und “Opposition” – stattdessen wurde der Terminus “Linke” zum “Label” für Sozialisten zur Unterscheidung von den Nichtsozialisten. Diese binäre Einteilung, um nicht zu sagen: “Schubladisierung”, galt ins 20. Jahrhundert hinein gemeinhin als anerkannt.

Benito

Dann kam Benito Mussolini. Der italienische Nationalist, dessen Vorname interessanterweise nicht einmal ein italienischer war, sondern die spanische Form von “Benedetto” (zu deutsch: der Gesegnete). Die Namensgebung hatte allerdings nicht etwa einen katholischen Hintergrund – ganz im Gegenteil. Er wurde von seinem Vater, einem bekennenden Kirchenhasser und “gläubigen” Marxisten, nach dem mexikanischen Präsidenten Benito Juárez benannt, einem Marxisten der “Ersten Internationalen” und Bekannten Karl Marx’. Selbstredend wurde klein Benito ebenso durch und durch marxistisch erzogen und sog die (Irr-)Lehre Karl Marx’ mit der Muttermilch ein.
Der junge Mussolini war aktives Mitglied des Politbüros der sozialistischen Partei Italiens und mindestens sechzehn Jahre lang deren Agitator, i.e. Verfasser der Parteipublikationen. Aus seiner Zeit bei der sozialistischen Partei rührt auch der Spitzname “il duce”, zu deutsch in etwa: “der Chef” oder auch “der Führer”.
Mussolini befand, dass der Sozialismus einer Reform bedürfe: der Klassenkampf sei für beendet zu erklären. Eine Verstaatlichung der Produktionsmittel erachtete er nicht als notwendig; stattdessen befürwortete er umfassende staatliche Regulierungen in bezug auf diese. Ihm schwebte eine Spielart des Sozialismus vor, die auf “Vereinigungen”, i.e. “Gewerkschaften”, von Arbeitern und Industriellen fußte, welche unter der Führung eines nationalen Arbeitskomitees “sozialen Frieden” durch “soziale Gerechtigkeit” stiften sollten.
Fascio
Die Gewerkschaften wurden “fasci”, genannt; im Singular “fascio”; zu deutsch “Rutenbündel”; sohin leitete sich der Name “Faschismus” von der durch die Gewerkschaften dominierten sozialistischen Wirtschaftsordnung ab. Mussolini wollte in seiner Symbolik eine Assoziation mit dem Ruhm und Glanz des Römischen Weltreichs schaffen und wählte dazu das Zeichen der Liktoren (Liktorenbündel) aus; dies als Symbol “der Einheit, der Kraft und der Gerechtigkeit“.
Dass die Untertanen am besten mit umfangreichen Sozialleistungen bei Laune zu halten sind, wusste Mussolini, und sparte daher nicht mit entsprechenden Maßnahmen. Jedem Arbeiter sollte ein Anspruch auf eine “kostenlose” medizinische Versorgung zukommen, darüberhinaus bezahlter Urlaub sowie eine Alterspension. Als besonderes Zuckerl sollte ein Mindestlohn fungieren, festgesetzt in Tarifverhandlungen zwischen den Gewerkschaften, die die Gesamtheit der Angehörigen des jeweiligen Wirtschaftszweiges (Automobilindustrie; Gastronomie; Ärzte; Rechtsanwälte;…) repräsentierten. All dies unter dem wachsamen Auge des nationalen Arbeitskomitees. Festgehalten wurden die Elemente und “Programmpunkte” der Politik Mussolinis wurden in einem Dokument mit dem (sozialistisch) klingenden Namen “Carta di Lavoro” – für den interessierten, italienischkundigen Leser in den Untiefen des www verfügbar.

Sozialistisch

So weit, so sozial(istisch) – dass sich Mussolini wohl auch im Sinne des Bei-Laune-Haltens seiner Anhängerschaft zumindest rhetorisch gegen den revolutionären Sozialismus und Kommunismus wandte, ändert am sozialistischen Charakter seiner Politik nichts. Dem politikkundigen Leser werden die Parallelen etwa zur Politik Franklin D. Roosevelts und der US-Progressivisten sicher nicht verborgen bleiben. Die Tatsache, dass es nicht zu einer Komplettverstaatlichung der Produktionsmittel kam, sondern “nur” zu staatlichen Regulierungen diese betreffend, machte aus Mussolinis Politik keine “rechte”, kapitalistische. Zumal diese Regulierungen einer (de-facto-)Enteignung gleichkamen, da von “Eigentum”, wie wir spätestens seit Ludwig von Mises wissen, keine Rede mehr sein kann, sobald das Individuum über dieses nicht mehr nach seinen eigenen Vorstellungen verfügen kann (Von Mises, 1985, p. 19; Von Mises, 2007, pp. 650ff, 678ff). Einer formellen Enteignung des Produktivkapitals bedarf es hiezu nicht und hat auch etwa ein Adolf Hitler – wohl aus Zeitmangel – keine solche durchgeführt . Dass der Faschismus sich im Gegensatz zu den russischen Bolschewiken nicht von allen “liberalen” Vorstellungen und Ideen getrennt hat, sondern ein paar ansatzweise “freiheitliche” Elemente auch in der Wirtschaftspolitik erhalten blieben, hatte ebenso primär taktische Gründe: man war sich dessen bewusst, dass in Italien mehrere Jahrtausende Kulturentwicklung nicht mit einem Schlag auszurotten waren (Von Mises, 2007, p. 48f). So weit ein kleiner Exkurs.
Die (wenn auch nur oberflächliche und scheinbare) Abkehr des jungen Mussolini von der ursprünglichen Idee des Marxismus wurde von Lenin unbeschadet der nach wie vor vorhandenen sozialistischen Elemente sehr bedauert. “Mit ihm hätten wir ganz Italien erobern können”, so Lenin sinngemäß. Als Mussolinis neue Sozialismusvariante Form annahm und sich etablierte, stellte er, Mussolini, zuallererst die arrivierten Sozialisten politisch kalt; ähnlich, wie auch die Bolschewiken die Menschewiken eliminierten. Auf diese “Personalpolitik” Mussolinis wird – neben der oben angesprochenen “antisozialistischen” Rhetorik oft hingewiesen, wenn es darum geht, Mussolinis Politik den sozialistischen Charakter abzusprechen. Dabei war Mussolini in Wahrheit nicht gegen den Sozialismus, sondern vielmehr gegen jeden alles und alle außer sich selbst, den er sich wohl als den “Mantel”, die Personifizierung, des Sozialismus sah. Analog Hitler: dieser ersann eine “dritte Form” des Sozialismus, deren Personifizierung er selbst war: sozialistische Politik verflochten mit bohemischem Nationalismus; ergibt: National-Sozialismus.

National-Sozialismus

Da er nicht dumm war, brachte Mussolini Hitler – ähnlich wie dem Kommunismus und Sozialismus – nach außen hin Verachtung entgegen, bezeichnete Hitler sinngemäß als “Ungeziefer”, das sich wie ein hängengebliebenes Grammophon anhörte: “Juden hier, Juden da; hat er kein anderes Thema?!”
Nach Ende des II. Weltkriegs lief die sowjetische Propagandamaschinerie auf Hochtouren, um in den Köpfen der Menschen den “guten” (nämlich jenen nach Stalin) vom “schlechten” Sozialismus zu trennen, indem man letzteren als “rechtsextrem” und Hitler und Mussolini als “Kapitalisten(schweine)” darstellte. Franklin D. Roosevelt, selbst ein waschechter Faschist, sowie Harry S. Truman schafften es nicht, sich von Roosevelt zu distanzieren. Intellektuelle Größen wie Russell Kirk, Albert J. Nock und Friedrich August von Hayek warnten in den 1950er Jahren vor den Gefahren des New Deal (Glenn & Teles, 2009, p. 330), doch die Warnung verhallte ungehört. Ebenso fluteten mit Roosevelts Sanktus hunderte marxistische Akademiker, die das Kräftemessen mit Hitler und Mussolini verloren hatten, die amerikanischen Universitäten, um in weiterer Folge Generationen an linken Akademikern heranzuzüchten, die heute noch eine massive Gefährdung der Freiheit in den USA und letztlich der gesamten westlichen Welt darstellen. Nicht zuletzt dank ihnen konnten Ideologien wie etwa das “Gender Mainstreaming” die Universitäten erobern, während etwa einem bekannten noch lebenden Vertreter der Austrian School, der ebendiese – und mit ihr seine freiheitlichen Gedanken – hätte promoten können, an seiner US-Universität (praktisch unter einem Vorwand) der Mund verboten wurde. So weit zum Abschluss ein weiterer Exkurs sowie kurzer Statusbericht über die “Freiheit” im vielgelobten “Land der Freiheit”.

Freiheit

Der Leser lasse sich also nicht durch Etiketten täuschen. Etiketten werden vom Regen weggewaschen – wichtig ist, ob der Wein in die Flasche passt. Eine dem Wesen nach sozialistische Wirtschaftspolitik wird auch umetikettiert nicht zu einer nicht-sozialistischen oder gar “rechten” im Sinne von “kapitalistischen”. Auch ein “Verwässern” oder “Aufspritzen” – um beim Weinbeispiel zu bleiben – mit ein paar rudimentär vorhandenen freiheitlichen Elementen ändert nichts. Der Veltliner bleibt auch verdünnt ein Veltliner. Das Gegenteil von Sozialismus ist schlicht: Freiheit.

Bibliographie

  1. Baader, R. (1999). Die belogene Generation. Retrieved from http://books.google.com/books?id=o9KMSAAACAAJ&dq=Die+belogene+Generation+baader&hl=&cd=1&source=gbs_api
    Mussolini, B. Carta del lavoro. Gran consiglio del fascismo. Retrieved from http://www.historia.unimi.it/sezione/fonti/codificazione/cartalavoro.pdf
  2. Gigerenzer, G. (2015). Bauchentscheidungen. C. Bertelsmann Verlag. Retrieved from http://books.google.com/books?id=sJ5-CQAAQBAJ&printsec=frontcover&dq=Gigerenzer+Bauchentscheidungen+die+Intelligenz+des+Unbewussten+und+die+Macht+der+Intuition&hl=&cd=1&source=gbs_api
  3. Glenn, B. J., & Teles, S. M. (2009). Conservatism and American political development. Oxford; New York: Oxford University Press. Retrieved from http://www.loc.gov/catdir/toc/ecip0816/2008015919.html
  4. Revel, J.-F. (1990). Die Herrschaft der Lüge. Retrieved from http://books.google.com/books?id=uxl_AAAACAAJ&dq=Die+Herrschaft+der+Luge+Wie+Politiker+und+Medien+die+Offentlichkeit+manipulieren&hl=&cd=1&source=gbs_api
  5. Von Mises, L. (1985). Liberalism. Cobden Press. Retrieved from http://books.google.com/books?id=clmGOwAACAAJ&dq=Mises+Liberalism+In+The+Classical+Tradition&hl=&cd=3&source=gbs_api
  6. Von Mises, L. (2007). Human Action. Retrieved from http://books.google.com/books?id=vJQsHAAACAAJ&dq=Human+Action+1996&hl=&cd=1&source=gbs_api


The Return of Islam

Bernard Lewis – 01.01.1976

In the great medieval French epic of the wars between Christians and Saracens in Spain, the Chanson de Roland, the Christian poet endeavors to give his readers, or rather listeners, some idea of the Saracen religion. According to this vision, the Saracens worshipped a trinity consisting of three persons, Muhammad, the founder of their religion, and two others, both of them devils, Apollin and Tervagant. To us this seems comic, and we are amused by medieval man unable to conceive of religion or indeed of anything else except in his own image. Since Christendom worshipped its founder in association with two other entities, the Saracens also had to worship their founder, and he too had to be one of a trinity, with two demons co-opted to make up the number. In the same spirit one finds special correspondents of the New York Times and of other lesser newspapers describing the current conflicts in Lebanon in terms of right-wing and left-wing factions. As medieval Christian man could only conceive of religion in terms of a trinity, so his modern descendant can only conceive of politics in terms of a theology or, as we now say, ideology, of left-wing and right-wing forces and factions.

This recurring unwillingness to recognize the nature of Islam or even the fact of Islam as an independent, different, and autonomous religious phenomenon persists and recurs from medieval to modern times. We see it, for example, in the nomenclature adopted to designate the Muslims. It was a long time before Christendom was even willing to give them a name with a religious meaning. For many centuries both Eastern and Western Christendom called the disciples of the Prophet Saracens, a word of uncertain etymology but clearly of ethnic not religious connotation, since the term is both pre-Islamic and pre-Christian. In the Iberian peninsula, where the Muslims whom they met came from Morocco, they called them Moors, and people of Iberian culture or under Iberian influence continued to call Muslims Moors even if they met them in Ceylon or in the Philippines. In most of Europe, Muslims were called Turks, after the main Muslim invaders, and a convert to Islam was said to have “turned Turk” even if the conversion took place in Marrakesh or in … read more



Buchbesprechung Die blinden Flecken der Geschichte / Österreich 1927 – 1938

Von Andreas Tögel

Im Zuge ihres erfolgreichen Marsches durch die Institutionen haben es die Linken geschafft, bestimmte Forschungsbereiche nahezu vollständig unter ihre Fuchtel zu bringen. Die Geschichtswissenschaft – namentlich die Zeitgeschichte – zählt dazu. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wird daher weitgehend von den Narrativen bestimmt, die linke Historiker – weithin unwidersprochen – in die Welt setzen.
Fünf der Mantras, die diesen von den Roten gerne – kontrafaktisch – als „Ära des Austrofaschismus“ bezeichneten Abschnitt der jüngeren Geschichte prägen, hat die Historikerin und Erfolgsautorin Gudula Walterskirchen in ihrem letzten Buch einer kritischen Prüfung unterzogen und ist, nach Berücksichtigung bisher ungenutzter Quellen, zu einer weit vom Mainstream abweichenden Beurteilung der Ereignisse gekommen.
Ob es um das Drama von Schattendorf und den damit zusammenhängenden Justizpalastbrand geht; um den „Aufstand friedlicher Arbeiter“ gegen das „faschistische“ Dollfuss-Regime; um die tatsächlichen Ziele der sozialdemokratischen Putschisten im Februar 1934; und um die Frage, welche Rolle der illegalen Nationalsozialisten dabei gespielt haben: hier wird mit kritiklos nachgebeteten Mythen abgerechnet. Das betrifft auch die Beurteilung des Einmarsches Adolf Hitlers im März 1938.
So kann etwa gar keine Rede von einem politisch motivierten Fehlurteil gegen die ruchlosen Mörder „friedlicher Arbeiter“ in Schattendorf sein, wie die Autorin anhand eingehenden Quellenstudiums und der Einschätzung prominenter Juristen nachweist. Auch war das Ziel der angeblich „demokratischen Arbeiter“, die anno 1934 (entgegen den Direktiven der eigenen Parteiführung) den von Vornherein zum Scheitern verurteilten Putsch gegen die ständestaatliche Regierung versuchten, keineswegs die Wiederherstellung der Demokratie, sondern vielmehr die Errichtung einer sozialistischen Diktatur.
Das klingt anders, als man es aus den tiefroten Geschichtsinstituten zu hören gewohnt ist. Zum Kämpfen gehören nämlich allemal zwei Parteien und niemals liegt die Schuld am Ausbruch von Feindseligkeiten allein bei einer der beiden. Das war auch 1927 und 1934 nicht anders.
An der Bewertung der Persönlichkeit des von den Sozialisten bis heute als „Arbeitermörder“ denunzierten und inbrünstig gehassten Kanzlers Dollfuss, der ein halbes Jahr nach dem roten Putschversuch von Nationalsozialisten ermordet wurde, scheiden sich bis heute die Geister. Gudula Walterskirchen formuliert eine sehr differenzierte, aber dennoch keineswegs apologetische Beurteilung seiner Politik.
Die Sozialisten haben es geschafft, die Begebenheiten der Zwischenkriegszeit in einer Weise zu deuten und den Menschen einzubläuen, dass sie bei Bedarf jederzeit dazu eingesetzt werden können, ihrer rezenten Politik Vorschub zu leisten. Die rigorose Tilgung der Namen ihr missliebiger Persönlichkeiten aus der Bezeichnung von Straßen und Plätzen, ist ein schöner Beleg dafür. Geltung und Bestand hat nur, was roter Politik dient. Der Einsatz moralischer Doppelstandards ist dabei obligat.
Wer an einem nicht ideologisch determinierten Bild Österreichs in der Zeit zwischen 1927 und 1938 interessiert ist, sollte dieses Buch gelesen haben.

Die blinden Flecken der Geschichte
Gudula Walterskirchen
Verlag Kremayr & Scheriau
232 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-218-01063-4
22,90,- Euro



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